Seelische Impotenz

Ich merkte, dass ich immer weniger, immer schwächer begehrte, dass eine Art Erstarrung in mein Gefühl gekommen war, dass ich – vielleicht ist es am besten so ausgedrückt – an einer seelischen Impotenz, einer Unfähigkeit zur leidenschaftlichen Besitznahme des Lebens litt.

Aus Amok – Erzählung Phantastische Nacht, Niederschrift eines Barons, veröffentlicht von Stefan Zweig

Saturday Sentence: Ein Leben mehr

Der Saturday Sentence stammt dieses Mal aus dem Roman Ein Leben mehr von Jocelyne Saucier. Die kanadische Autorin erzählt darin die Geschichte dreier Männer, die zurückgezogen im Wald leben.

Ein Leben mehr von Jocelyne Saucier
Darum geht es bei Jocelyne Saucier

Drei alte Männer leben zurückgezogen in den Tiefen des nordkanadischen Waldes. Sie haben der Zivilisation den Rücken gekehrt, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen, jeder in seiner eigenen Hütte in der Nähe eines Sees. Das Leben im Wald ist durchaus nicht einfach, besonders die Winter sind hart, doch Freiheit und Autonomie geht den Männern über alles. Kontakt zur Außenwelt besteht lediglich zu zwei jüngeren Männern. Bruno bringt ihnen benötigte Dinge, dafür ist seine Haschischplantage im Forst gut versteckt.

Eines Tages findet eine namenlose Fotografin den Weg zu ihnen in den Wald. Sie ist auf der Suche nach Boychuck, einer der letzten Überlebenden der Großen Brände, die Anfang des 20. Jahrhunderts in der Gegend um Ontario ausbrachen und viele Menschen das Leben kostete. Die Fotografin interessiert sich für die Geschichten der Opfer der Brandkatastrophe und möchte sie porträtieren.

Kurz darauf bringt Bruno die 80-jährige Marie-Desneige zu den Männern, um sie im Wald zu verstecken. Mit den beiden Frauen weht eine Brise der Veränderung, die der Liebe, durch die eingeschworene Waldgemeinschaft. Die zarte alte Dame erfährt zum ersten Mal überhaupt ein selbstbestimmtes und freies Leben. Zur Unabhängigkeit der Männer gehört auch die Entscheidung, über den eigenen Tod frei zu bestimmen.

Ein Stück Geschichte Kanadas und eine Geschichte über Freiheit, Menschsein und das Leben. Leise, ergreifend, traurig und ermutigend.

Die Aufgabe der Mitmachaktion lautet: Blättere in Deinem Buch auf Seite 158 und notiere den 10. Satz:

Der helle Fleck ist das Luftloch, durch das die Mutter des ungeborenen Kindes geatmet hatte.

Aus Ein Leben mehr von Jocelyne Saucier

Im Blog Ich lese von Rina bin ich auf den Saturday Sentence aufmerksam geworden. Die Regeln für den Saturday Sentence lauten:

  • Samstags posten
  • Blättere auf Seite 158 in dem Buch, das Du gerade liest, und notiere den 10. Satz
  • Im E-Book wähle die Position 158 aus
  • Du hast noch kein neues Buch begonnen: Wähle den 10. Satz von Deiner aktuellen Seite
Blogaktion Saturday Sentence

Der Mensch aus Sicht eines Roboters

„Schauen Sie sich doch nur einmal selbst an!“, sagte er schließlich. „Ich sage dies keineswegs in verächtlichem Sinn, aber schauen Sie sich doch nur selbst an! Das Material, aus dem Sie hergestellt sind, ist weich und schlaff. Ihm fehlt alle Dauerhaftigkeit und Stärke. Ihre Kraft schöpfen Sie aus der unvollständigen Oxidation organischer Materie, wie etwa solchem Zeug da.“ Er deutete geringschätzig auf die Überreste von Donovans Sandwich. „Periodisch versinken Sie in ein Koma, und die kleinste Schwankung von Temperatur, Luftdruck, Feuchtigkeit oder Strahlungsintensität vermindert Ihre Leistungsfähigkeit. Sie sind ein lächerliches Provisorium.“

Aus Ich der Roboter von Isaac Asimov

Ungesagtes

Aber mit Ungesagtem lebt es sich nicht gut. Die nie angeschnittenen Fragen und nie ausgesprochenen Worte liegen über dem Boden verstreut wie Glasscherben. Nach ein paar Jahren tut jeder Schritt weh.

Aus Das Leben ist ein listiger Kater von Marie-Sabine Roger