Durchgezappt im September 2021

Im September sind einige starke Frauen über meinen Bildschirm geflimmert: Isabelle Huppert, Jodie Foster und Jennifer Lopez boten dem Schicksal die Stirn. Spaß hatte ich mit einem Peter Alexander-Film, dem Dwayne und zwei coolen Brüdern, die in Chicago auf spezielle Art den Blues fahren. Eine spannende Autofahrt habe ich mit einem großen Straßenkreuzer in einem Horrorfilm à la Duell unternommen. Schließlich bin ich noch ein bisschen mit der New Yorker U-Bahn gefahren.

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1. Ich bin kein Casanova (Ö 1959)

Dieses „leichtfüßige Lustspiel“ ist vielleicht nicht der beste Film mit Peter Alexander, aber ich habe mich gut unterhalten und lachen müssen. Das lag vor allem an der blutjungen Maria Sebaldt, die als Frau des neureichen Ferry Pirkner (Heinz Conrads) allen die Show stiehlt. Adrienne Pirkner (Maria Sebald) bemüht sich redlich in Sachen Bildungssprache, verwechselt aber ständig Begriffe, und so passiert es, dass sie von ihrem Mädchen „das Crétin-Kleid“ wünscht. Weil also die Umgangsformen der Pirkners recht ungeschliffen und wenig fein sind, wird Student Peter Keller (Peter Alexander) als Butler und Mädchen für alles engagiert. Ein geschäftlicher Anlass führt das Paar mit ihrem Diener nach San Remo. Unter der Sonne Italiens kommt es zu allerlei Verwechslungen: Da Pirkner unwissentlich seinem angehenden Geschäftspartner auf die Nase boxt, muss Peter fortan Herr Pirkner sein. Und Peters Angehimmelte wähnt in ihm einen Casanova. Was will man mehr: Allround-Entertainer Peter Alexander im Ford Thunderbird Convertible und launige Verwechslungen inklusive Italiensehnsucht. Ich finde, „leichtfüßig“ sollte nicht mit „banal“ oder „angestaubt“ übersetzt werden, denn der Nostalgiefilm punktet mit unbeschwerter Unterhaltung. Abschalten! Aber vom Alltag. Ich mag’s.

2. Sibyl – Therapie zwecklos (F/B 2019)

Puh! Das Ganze habe ich zu hysterisch, nervig und wenig nachvollziehbar empfunden, die Probleme aufgesetzt und überdramatisiert. Irgendwie anstrengend: Virginie Efira spielt eine Psychotherapeutin, die sich nach langer Pause wieder der Schriftstellerei widmen und einen Roman schreiben möchte. Um Zeit für ihr Projekt zu haben, gibt sie die meisten Patienten ab. Als die bekannte Schauspielerin Margot (Adèle Exarchopoulos) hartnäckig Hilfe von ihr wünscht, gibt Sibyl nach. Margot ist von ihrem Kollegen Igor (Gaspard Ulliel) schwanger und im Zweifel, ob sie abtreiben soll oder nicht. Hinzu kommt, dass sie gerade einen Film mit Igor dreht und der eigentlich mit Regisseurin Mika (Sandra Hüller) zusammen ist. Die Situation überfordert Margot (und den Zuschauer, jedenfalls mich), und sie verlangt, dass Sibyl zum Drehort kommen möge, um ihr Vorort zu helfen. Sibyl lehnt ab, aber in einer Notsituation reist sie doch auf die Insel Stromboli. Die Therapeutin hat mit eigenen Problemen zu tun und sieht bei Margot Ähnlichkeiten zu sich selbst, zudem wird Margot zur Inspirationsquelle für ihren Roman. Es entwickelt sich eine folgenreiche Wechselbeziehung zwischen Therapeutin und Patientin. Efira hat mich als Psychotherapeutin nicht überzeugt, und mir ist unklar geblieben, weshalb sie diese und jene spezifischen Probleme hat. Allerdings, die aus Suhl stammende Sandra Hüller als entnervte Regisseurin Mika ist sehenswert. Irgendwann geht sie über Bord. Ich springe hinterher!

3. Die Reise ins Labyrinth (USA 1986)

Damals Flop, heute Kult. Seine Fans hat der Fantasyfilm mit den animierten Puppen von Muppets-Erfinder Jim Henson sicher nicht nur wegen des exzentrischen Auftritts von David Bowie als Koboldkönig Jareth. Der Film macht vor allem der putzigen Puppenfiguren wegen Spaß, die ohnedies den menschlichen Darstellern die Schau stehlen. Teenie Sarah (Jennifer Connelly) ärgert sich über ihren kleinen Stiefbruder Toby und wünscht, der Koboldkönig möge ihn holen. Gesagt, getan: Jareth gibt Sarah nur wenig Zeit, um das Baby im roten Ringelhemdchen aus seinem Schloss zurückzuholen. Dazu muss sie ein großes Labyrinth überwinden. Auf ihrem Weg durch das Geflecht begegnen ihr drollige Wesen. So weist ihr ein Wurm den Weg, und sie begegnet Dobbel, Hobbel, Gockel, ach nein, Kobold Hoggle, der ihr Begleiter wird. Aber kann sie ihm trauen? Kann sie das „Moor des ewigen Gestanks“ überwinden? Wird Koboldkönig Jareth in seinen Strumpfhosen, wenn er nicht gerade singt, seine Macht ausüben und Sarah daran hindern können, ihm Baby Toby wieder zu entreißen? Am meisten macht Sarahs Weg durch das Labyrinth, den Wald und das Moor Spaß, weil die Kulissen lieblich gestaltet sind. Handarbeit. Bowie steuerte Songs zum Soundtrack bei.

5. Ein ungezähmtes Leben (USA 2005)

Der alternde Farmer Robert Redford trauert in der Einöde Wyomings um seinen toten Sohn und tröstet sich mit Alkohol. Nur sein Farmarbeiter und Freund Morgan Freeman hat Zugang zu dem Einsiedler. Nach einem Bärenangriff bedarf Freeman der Pflege, und Redford kümmert sich um ihn. Der Bär vegitiert derweil gefangen in einem Zookäfig vor sich hin. Eines Tages taucht Redfords Schwiegertochter Jennifer Lopez mit ihrer 11-jährigen Tochter auf und bittet für einige Zeit um Unterschlupf auf der Ranch, nachdem sie vor ihrem gewalttätigen Freund geflüchtet ist. Nur widerstrebend nimmt Redford die Frau seines Sohns auf, denn er gibt ihr die Schuld an seinem Tod. Das Verhältnis zwischen den beiden ist angespannt. Die aufgestauten Emotionen türmen sich so hoch wie die Rocky Mountains, die die Farm umgeben. Bei allem ist Redford überrascht eine Enkeltochter zu haben, und sie ist es, die das Herz des Farmers langsam zu erreichen scheint. Regisseur Lasse Hallström puzzelt nach und nach mit überzeugenden Darstellern ein sehr menschliches Bild von Trauer, Schuld, Verzeihen, Loslassen und Zulassen. Der Bär trauert dabei kaum weniger Mitleid erregend in seinem Käfig als der Mensch in seinem einsamen Haus. In schönen Bildern erzählt, eingebettet in toller Landschaft. Das ist kein Film für Hektiker. Und ich stelle fest, dass mir Jennifer Lopez in den drei Filmen, die ich bisher mit ihr gesehen habe, immer gefallen hat. Hier überzeugt sie in einer ernsten Rolle. In Das Schwiegermonster mit Jane Fonda fand ich sie lustig und unkapriziös.

6. Skyscraper (USA 2018)

Dwayne Johnson agiert als Actiongranate in einem Streifen zwischen Flammendes Inferno und Stirb langsam. Das ist auf jeden Fall spannend und unterhaltsam, egal – oder gerade – wie abstrus manche Szenen sein mögen, der Dwayne scheint über Superman-Kräfte zu verfügen. Wahnsinn, unkaputtbar der Mann, eventuell plumpst ihm höchstens mal die Unterbeinprothese ab. Der ehemalige FBI-Mann arbeitet deshalb als Sicherheitsexperte in einem futuristischen Superhochhaus in Hongkong. Die Sicherheitssysteme des höchsten Hochhauses der Welt können mit einem Tablet gesteuert werden, das der Dwayne nicht ganz freiwillig aus der Hand geben muss. Ein böser Mensch hat es nämlich auf den Tower und dessen Erbauer abgesehen. Weil der Übeltäter die Feuerschutzsysteme außer Kraft setzt, breitet sich ein Feuer im Skyscraper aus. Dwayne muss seine Familie vor der Feuersbrunst retten und nebenher die Terroristen plattmachen. Der Dwayne gewinnt jeden Weitsprungwettbewerb! Granatiert!

7. Blues Brothers (USA 1980)

Boom Boom! Die Blues Brothers sind mir bis jetzt durch die Lappen gegangen. Wieso bloß? Vielleicht liegt es an der ausrangierten Polizeikarre, mit der Dan Aykroyd und James Belushi in Chicago auf die Tube drücken – gefolgt von jeder Menge echter Polizeiwagen, die hinterher haufenweise Totalschrott sind. Elwood (Aykroyd) holt seinen Bruder Jake (Belushi) aus dem Knast ab, und gleich die ersten Szenen begeistern durch die herrliche Bildsprache von Kameramann Stephen M. Katz: So tritt Jake aus einer Art Lichttunnel wieder hinaus ins Leben. Auferstanden von den Toten besteht ihre erste Mission darin, zum Waisenhaus zu fahren, in dem sie aufgewachsen sind. Die Einrichtung hat finanzielle Nöte. Die Brüder wollen helfen, aber die gestrenge Mutter Oberin duldet kein kriminelles Geld. Jake und Elwood wollen ihre frühere Band, die Blues Brothers, reanimieren und ehrliche Kohle verdienen. Dazu müssen sie erstmal alle Musiker zusammentrommeln. Im Partnerlook – Anzug, Hut, Sonnenbrille, alles schwarz – steigen sie in ihren abgerockten Dodge mit dem ganzen Dreck auf dem Amarturenbrett und machen sich auf den Weg. Stoisch und unbeweglich wie Dummys hocken sie in ihrem Vehikel und verziehen keine Miene, wenn eine ganze Polizeiarmada hinter ihnen klebt, die Chicagoer Hochbahn gefühlt durch Elwoods Appartement rauscht oder ihnen irgendetwas um die Ohren fliegt, weil Jakes Verflossene versucht, ihn explosiv aus dem Weg zu räumen. Dazu gibt es musikalische Auftritte von James Brown, Aretha Franklin und John Lee Hooker (Boom Boom). Ich liebe die Crashfahrt durch das Einkaufszentrum. Meisterliche Zeile im Drehbuch: „Scheiße.“ „Was?“ „’Ne Streife.“ „Nein.“ „Doch.“ „Scheiße.“ Scheiße, ist das cool!

8. Hotel Artemis (USA/GB 2018)

Was nach einem sonnigen Griechenlandurlaub klingt, entpuppt sich als dystopisches Szenario in Los Angeles des Jahres 2028. Jodie Foster ist „Die Schwester“ im ehemaligen Hotel Artemis, das in unruhigen und düsteren Zeiten zu einem geheimen Krankenhaus für Verbrecher geworden ist. Der Service richtet sich ausschließlich an zahlende Mitglieder. Die Schwester Jean Thomas agiert wie eine Ärztin, indem sie computergesteuerte Operationsgeräte bedient. Ihr zur Seite steht nur der schrankgroße Krankenpfleger Everest (Dave Bautista). Kurz: Zwei Brüder werden nach einem missglückten Raubzug verletzt aufgenommen, kurz darauf auch Gangsterboss „Der Wolfking“ (Jeff Goldblum), der das Hospital gegründet hat. Die Brüder haben etwas sehr Wertvolles mitgehen lassen, das dem Gangsterboss gehört. Die eingeschleuste Patientin Nice (Sofia Boutella) ist eine Auftragsmörderin. Die Schwester leidet infolge eines Traumas unter Angst und hat das Hotel seit 22 Jahren nicht mehr verlassen. Man stricke das Ganze zusammen. Eingeschaltet wegen Jodie Foster. Dachte, dass Foster ja auch älter geworden ist, aber dankenswerterweise mit ehrlichen Falten ins Alter zu gehen scheint.

9. Der schweigende Stern (DDR/Polen 1960)

Der schweigende Stern ist die Venus. Wissenschaftler finden eine geheimnisvolle Spule, die im Zusammenhang mit einem abgestürzten Raumschiff der Venus steht. Die Botschaft kann nur teilweise entschlüsselt werden, und so macht sich ein internationales Team mit der Raumfähre Kosmokrator auf den Weg zur Venus. Auf ihrer Reise finden sie heraus, dass von dem schweigenden Stern eine Gefahr ausgeht. Jedes Faschingskostüm für Kinder scheint heute aufwändiger geschneidert als die Raumanzüge der Expeditionsteilnehmer, in denen sie wie Teletubbies aussehen. Die Kulissen wirken – aus heutiger Sicht – so hilflos wie faszinierend. Erstaunlich, dass allein blinkende Lämpchen, ein bisschen Aluminium und blubbernder Schlamm ein futuristisches Gefühl erzeugen können. Das Modell der Kosmokrator ist toll retrospacig. Die Dialoge sind eher blutleer, aber vor allem die Erkundung der Venus ist spannend. Was werden die Erdlinge vorfinden? Gibt es Leben auf dem schweigenden Stern? Was hat es mit der Botschaft auf der Spule auf sich? Das erfolgreiche Science-Fiction-Abenteuer der DEFA spielt nicht weit entfernt im Jahr 1970 vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs. Die Furcht und Mahnung vor einem atomaren Angriff steht im Mittelpunkt der Handlung. Grundlage bildete der Roman Die Astronauten des polnischen Schriftstellers Stanislaw Lem. 

10. The Frighteners – Herr der Geister (Neuseeland/USA 1996)

Diese Horrorkomödie mit Michael J. Fox als Geisterjäger hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, wahrscheinlich nicht von ungefähr, denn das ist nicht Fox’ bester Film: Frank Bannister (Michael J. Fox) kann nach dem Unfalltod seiner Frau Geister sehen und setzt diese Fähigkeit mithilfe dreier Gespenster nicht ganz redlich ein, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als sein letzter Kunde stirbt, gerät er unter Mordverdacht. Die hübsche Witwe (Trini Alvarado) des Verstorbenen glaubt an Bannisters Unschuld, und die beiden bändeln an. Außerdem hat Frank es mit einem Massenmörder zu tun, der auch als Geist noch sein Unwesen treibt. Der Plot nervt durch die tönenden, sich oft schreiend gebärdenden Geister, und ich mag diesen Special Agent (Jeffrey Combs) nicht. Außerdem sind Fox’ Haare zu kurz geschnitten. Aber keiner küsst ein Mädchen im Film so zart wie Fox. 

11. Elle (F/D 2018)

Selbstbewusst führt Isabelle Huppert ein Unternehmen für Computerspiele und behauptet sich gegenüber den jungen Techniknerds ihrer Firma. Eines Tages bricht ein maskierter Mann in ihr Pariser Haus ein und vergewaltigt sie brutal. Als wäre ihr das Geschirr nur versehentlich aus der Hand gefallen, kehrt sie die Scherben des Kampfes auf und entsorgt die Splitter im Mülleimer. Anschließend nimmt sie ein Bad. Hat die Vergewaltigung Spuren in ihr hinterlassen? Es muss so sein, und ist es nicht vielmehr der in ihr hinterlassene Scherbenhaufen, den Michèle Leblanc da zusammenkehrt? Scheinbar ungerührt von dem Vorfall, geht die spröde Frau ihren gewohnten Tagesgeschäften nach und erzählt nur ihren engsten Freunden beiläufig bei einem Essen, was ihr zugestoßen ist. Aus einem persönlichen Grund schaltet Michèle die Polizei nicht ein. Der Angreifer bedroht sie weiter mit Textnachrichten. Michèle besorgt sich Pfefferspray und eine Axt. Ich glaubte, Elle erzähle von einer Frau und ihrem Umgang mit dem traumatischen Erlebnis der Vergewaltigung. Paul Verhoeven (Basic Instinct) tut dies auf eine drastische und – vielleicht kann man es so sagen – unerwartet abgründige und keinesfalls leichtgängige Weise. Alles ist zu krass in Elle: Die Lebensgeschichte der Michèle Leblanc, die Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Sohn sowie dessen Beziehung zu seiner Freundin. Es kann eine Menge diskutiert und psychologisiert werden über Elle. Die Liste der Auszeichnungen für das Drama ist lang. Ohne Frage ist Hupperts Darstellung gewagt und eindrucksvoll, in welche Richtung man dies auch empfinden mag: Elle ist Geschmacksache, man kann und darf geteilter Meinung sein. Christian Berkel ist als Unsympath dabei. Außerdem spielen Laurent Lafitte, Virginie Efira, Anne Consigny und Charles Berling. Der Film basiert auf dem Roman Oh… von Philippe Dijan.

12. Joyride – Spritztour (USA 2001)

Es ist nur ein Streich junger Männer: Die Brüder Paul Walker und Steve Zahn sind in einem 71er Chrysler Newport on the road in Wyoming. Aus Langeweile albern sie mit dem Funkgerät herum: Paul Walker lockt mit verstellter Stimme als vermeintliche Frau einen Trucker zum Date in ein Motel. Sie lotsen ihn in ein falsches Zimmer und belauschen aus dem Nachbarzimmer, wie der Lastwagenfahrer das Erwartete nicht vorfindet. Irgendetwas passiert in dem Zimmer. Am nächsten Morgen wird der Zimmernachbar halb tot von der Straße gesammelt. Die Polizei hat Fragen an die Brüder, die es bald sehr mit der Angst zu tun bekommen werden, denn der Trucker kommt ihnen auf die Spur. So ähnlich wie Duell, ein Roadmovie mit cooler Benzinkutsche, Landschaft, Highways und einem Motel im Regen mit Neonreklame. Tolle Optik. Und spannend. 

13. Money Train (USA 1995)

Na ja: Wesley Snipes und Woody Harrelson quasseln den Zuschauer gnadenlos nieder. Die Filmlocation ist top: Die beiden Adoptivbrüder arbeiten nämlich als Polizisten undercover im Untergrund der New Yorker U-Bahn. Der Chef hat sie auf dem Kieker, sein Augapfel ist der Geldzug, der regelmäßig im Tunnel pendelt. Harrelson hat Spielschulden, die Brüder geraten in Konflikt. Ihr Disput wird durch die hübsche neue Kollegin (Jennifer Lopez) größer. Harrelson will den Geldzug überfallen. Die Handlung ist nicht gerade von Intelligenz geprägt, aber Jennifer Lopez ist mir ein weiteres Mal positiv aufgefallen – und die U-Bahn-Kulisse.

14. Madame Bovary (F 1991)

Isabelle Huppert ist Gustave Flauberts Madame Bovary, die unglückliche Frau eines Provinzarztes, die literarischen Weltruhm erreicht hat. Sie nimmt sich einen Liebhaber und verschuldet sich für Tand und schöne Kleider. Ihrem Unglück vermag sie nicht zu entkommen und geht daran zugrunde. Claude Chabrol inszeniert die Leiden und Sehnsüchte der jungen Frau mit Wiedererkennungswert zum Roman von 1857. Flaubert wurde für Madame Bovary wegen des Verstoßes gegen die guten Sitten vor Gericht gestellt, aber freigesprochen. Huppert gibt eine dramatische Vorstellung. Ihre Schluss-Szene packt den Betrachter ebenso entsetzlich wie Flaubert sie in seinem Roman beschreibt.

15. Die fabelhafte Welt der Amélie (F/D 2001)

Ich gehöre zu denen, die Amélie nicht so sehr verzaubert. Weil Yolande Moreau als Concierge mitspielt, habe ich mir den Film noch einmal angesehen. Moreau gefällt mir darin am meisten. Wenn Amélie (Audrey Tautou) mit ihren schwarzen Kulleraugen groß dreinschaut, erscheint mir ihr Blick eher nichtsagend als vielsagend. Die Filmmusik nervt durchgehend und ist zu laut über Dialoge und Erzähler gelegt. Die Geschichte eines kontaktscheuen Mädchens, das zum Engel für andere Menschen wird, liegt mir nicht. Interessant finde ich die Frage, weshalb jemand zerrissene Passfotos von fremden Menschen aufsammelt, sie wieder zusammensetzt und in ein Album klebt.  

Und außerdem:

Die Serie Die Bergpolizei mit Terence Hill, über die ich hier schon einmal ausführlicher erzählt habe.

Und Columbo darf nicht fehlen. Über Falks Schaffen und sein Buch Just One More Thing habe ich hier berichtet.

Meine Durchgezappt-Liste für August 2021 ist hier zu finden.

Und was hast Du so geguckt?

Meine TV-Guckliste Juli 2021

Ich stelle fest, dass ich eine altmodische Fernsehguckerin bin, obwohl ich wenigstens einen angesagten und bekannten Streamingdienst abonniere, diesen aber wenig nutze. Schon die Auswahl eines Programms stresst mich und dann habe ich keine Lust mehr. So zappe ich mich doch überwiegend durch das Fernsehprogramm oder durch meine eigene Sammlung auf der Festplatte. Hier habe ich einmal festgehalten, was ich so angeschaut habe im Juli und ein bisschen meinen Senf dazugegeben.

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1. Der Liebe verfallen (USA 1984)

Oh, diese verdammte Sehnsucht! Dieser Schmerz! Meryl Streep und Robert de Niro leiden, weil sie sich lieben. Aber sie sind verheiratet und haben Kinder, deswegen wagen sie es nicht, ihren Gefühlen nachzugeben. Schließlich trennen sich ihre Wege. Der Zug scheint für sie endgültig abgefahren. In diesem Liebesdrama tobt der Sturm im Inneren der Protagonisten, während die Landschaft ruhig am Zugfenster vorbeizieht. Ihr Liebesleid ist spürbar und (nach)fühlbar. Auf diesen Zug konnte ich aufspringen und mitfahren.

2. Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone (USA 1986)

Genau das Richtige zur Aufhellung trüber Tage: Bette Midler als boshaftes und wehrhaftes Opfer, Judge Reinhold und Helen Slater als naive und sympathische Entführer und Danny de Vito als listiger Geschäftsmann, der seine Frau auf praktische Weise loswerden will und dies teuer bezahlen wird, obwohl er keinerlei Anstalten macht, den Entführern auch nur einen Cent Lösegeld für seine Liebste zu zahlen. Mehr 80er Jahre-Kolorit geht nicht. Garstig und voller Gags. Lieblingsspruch: „Die klopfen an, hätte ich nicht gedacht!“

3. Charlie staubt Millionen ab (GB 1969)

Das ist britisches Understatement: Erst mal mit ’nem Lamborghini Miura die Serpentinen entlangkurven, dann einen Supercoup planen, auf der Flucht mit drei Mini Cooper spektakulär durch Turin heizen, um schließlich in einem Autobus über die Alpen mit dem Gold zu entkommen. Oder doch nicht? Tolle Kinobilder und teure Autoklassiker. Oh, diese Schmerzen, wenn der Bulldozer loslegt! Für Autofans und/oder Fans von Michael Cane.

4. Ein (un)möglicher Härtefall (USA 2003)

Huch, ich habe einen Film mit Clooney George angeguckt. Dieser hier war recht amüsant. Clooney spielt einen Scheidungsanwalt, dessen Spezialität es ist, seine meist männlichen und vermögenden Mandanten ohne nennenswerte finanzielle Verluste durch die Scheidung zu bringen. Als auf der Gegenseite die bombenattraktive Catherine Zeta-Jones steht, gerät er ins Wanken und kann ihr nicht widerstehen. Wird sie die Erste sein, die seinen bombensicheren unangreifbaren Scheidungsvertrag erschüttert? Und wie! Und mit Billy Bob Thornton als Ölmogul in einer schrägen Nebenrolle.

5. Halt nicht an! (NL/B 2019)

Der Plot lässt zunächst an Duell denken, und Steven Spielbergs Frühwerk sollte man sich lieber ansehen als das hier: Eine nervige Familie ist mit dem Auto unterwegs. Es kommt zum Konflikt mit dem Fahrer des Vans vor ihnen. Der macht partout die Überholspur nicht frei. An der Tanke kommt es zur Konfrontation. Im Verlauf des Streits will der Familienvater die vom Fahrer des Vans geforderte Entschuldigung nicht abgeben. Das hat der Papa nun davon: Der Typ im weißen Van nimmt die Verfolgung der Familie auf und wird immer bedrohlicher. Mit Jeroen Spitzenberger, Anniek Pheifer und Willem de Wolf. Halt ich nicht aus!

6. Der weiße Hai 3 (USA 1983)

Der dritte Teil der Reihe mit Dennis Quaid und Bess Armstrong hat eigentlich eine gute Idee, nämlich, dass der fiese Hai in einen Unterwasser-Freizeitpark eindringt und für Schrecken bei den Besuchern sorgt. Ein biss-chen langweilig und schade, dass daraus nicht ein biss-chen mehr geworden ist. Kein wirkliches Hailight. Eben nur ein Biss-chen.

7. Florence Foster Jenkins (GB/F 2016)

Und noch einmal Meryl Streep, dieses Mal in einer Biografie als inbrünstige, aber untalentierte Amateursängerin Florence Foster Jenkins, die unbedingt auf der großen Bühne ein Konzert geben möchte. Der Film ist hübsch ausgestattet und das schräge Gequicke der Florence recht ulkig, aber ich bin für derartige Geräuschbelastungen wohl nicht gemacht. Hugh Grant spielt auch mit.

8. Taxi 5 (F 2018)

Oh, so eine Überraschung: „Die Calzone hat den Ofen verlassen!“ Dass es einen fünften Teil der Reihe gibt, ist an mir vorbeigegangen. Gefunden auf RTL Nitro, wo sonst passt dieses 407er Renntaxi auch hin. Polizist Franck Gastambide, auch Drehbuch, und Kumpel Malik Bentalha bilden das neue Team im aufgemotzten Hightech-Taxi. Die beiden verfolgen italienische Diamantendiebe, die entweder im quietscheentchengelben Ferrari 458 Italia oder einem – ui! – schwarzen Lamborghini Aventador LP700-4 auf der Flucht sind. Ja, so fies hat ein Verbrecher noch nie einen Kaugummi zerschmatzt, während er ein Polizeiauto vollkrass in die Luft sprengt. Von der Hauptbesetzung ist Bernard Farcy als Gibert dabei geblieben, nunmehr als Bürgermeister von Marseille und gerade im Umfragetief. Eine gelungene und spaßige Fortsetzung vollgetankt mit dem Benzin der früheren Teile: Komplett beknackt und sinnfrei, durchaus liebenswert und rasant unterhaltsam. Lachen mit Vollgas!

9. Wasabi – Ein Bulle in Japan (F/Japan 2001)

Die Actionkomödie mit Jean Reno und Ryoko Hirosue war mir nicht mehr genau präsent und bot sich im Anschluss an Taxi 5 im Programm an: Ein Pariser Bulle beerbt seine frühere japanische Geliebte und reist nach Tokio. Dort erfährt er, dass er mit ihr eine mittlerweile 19-jährige Tochter hat, die ein Vermögen erbt, auf das es Verbrecher abgesehen haben. Er muss seine Tochter beschützen. Ich erinnerte mich vor allem an das arg angeknipste Mädchen, deren Gehopse ich noch immer nicht ganz nachvollziehen kann. Sie wirkt wie aus einem Manga entsprungen. Mein Lieblingsfilm wird Wasabi nicht mehr, aber er gefiel mir besser als früher. Kann man sich mal ansehen, wenn es sonst nichts gibt. Bill Murray in Tokio (Lost in Translation) gefällt mir mehr.

10. Mutter kündigt (D 2021)

Die Tragikomödie mit Maren Kroymann habe ich wegen Maren Kroymann angesehen und Maren Kroymann war gut in der Rolle einer Mutter, die ihren drei erwachsenen Kindern das Muttersein aufkündigt und das Erbe in drei gerechten Geldstapeln bar auszahlt. Das klingt nicht nur nach Familienkonflikten: da kann ich wenig mitschwingen. Aber Maren Kroymann war gut.

11. The Mule (USA 2018)

Anarchie und Breaking Bad: Ganz alter Knacker, Clint Eastwood, steht mit seiner Blumenfarm vor der Pleite und Zwangsversteigerung. Er bessert seine Finanzen auf, indem er in seinem Truck als Muli für das mexikanische Drogenkartell kiloweise Kokain kutschiert – was er zunächst nicht weiß. Die Fracht wird mit jeder Tour größer, die Lohntüte immer dicker. Der 90-Jährige ist eigenwillig, aber aufgrund seines Alters und harmlosen Erscheinung erfreulich unauffällig als Drogenkurier. Der Alte hat als Ehemann und Vater versagt. Einzig seine Enkelin hält noch zu ihm. Doch auch seine Frau (Dianne Wiest) hat noch Liebe für ihn übrig. Als sie schwer erkrankt, hält sich der alte Mann nicht an die Vorgaben des Kartells und unterbricht die Fahrt, um bei seiner Frau zu sein. Die Drogenbosse und Polizist Bradley Cooper sind ihm auf den Fersen. Was ist wichtig im Leben, welche Prioritäten setze ich? Super! Inspiriert von einer wahren Geschichte. Eastwood führte auch Regie.

12. Der Wilde (USA 1953)

Marlon Brando ist der charismatische Anführer einer Motorrad-Gang, die eine amerikanische Kleinstadt wie eine wildgewordene Horde Heuschrecken überfällt und die Bewohner aufmischt. Die Rocker in Bluejeans und schwarzen Lederjacken pöbeln, plündern, provozieren, raufen und saufen. Die Halbstarken hängen im örtlichen Café mit angeschlossener Bar herum, wo Anführer Johnny ein Auge auf die Bedienung Kathie (Mary Murphy) wirft. Sie ist die Tochter des Polizisten Harry Bleeker (Robert Keith), der versucht, ruhig auf die Bande einzuwirken. Als Mary von den Jungs mit dem Motorrad verfolgt wird, rettet Johnny sie aus der bedrohlichen Lage und fährt mit ihr auf seiner Triumph Thunderbird davon. Während sich eine gewisse Romanze zwischen den beiden entspinnt, rotten sich die Bürger der Kleinstadt zusammen, um gegen die Rocker vorzugehen. Die Situation eskaliert. Dieses Frühwerk Brandos formte sein Image als Rebell und Jugendidol. Brandos Bildschirmpräsenz ist durchaus eindrucksvoll. Das Drama gilt als einflussreiches Werk auf die Jugend der 1950er Jahre.

13. Das schönste Geschenk meines Lebens (D 2003)

Die Familie steht an erster Stelle. Jutta Speidel ist eine treu sorgende Mutter und Ehefrau. Der Lohn: ihr Mann betrügt sie! Aber da ist doch der nette italienische Kioskinhaber Bruno Maccallini, der im Stillen mit ihr liebäugelt. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag bittet sie ihn kurzerhand, mit ihr zu verreisen. Italien. Amalfi. Amore. Doch als die liebe Familie nachreist, traut sich Jutta Speidel nicht, den charmanten Kioskbesitzer als ihren Liebhaber vorzustellen und degradiert ihn zum Gärtner seines eigenen Feriendomizils. Es kommt zu einigen Missverständnissen. Wird sie sich am Ende für Bruno Maccallini entscheiden? Jedenfalls hat Speidel im wahren Leben zehn Jahre mit Maccallini verbracht. Die beiden waren bis 2013 ein Paar. Vielen geht bei Bruno Maccallini erst hier ein Licht auf: „Isch ’abe gar kein Auto, Signorina!“ Ja, das ist der Mann aus der Kaffee-Werbung der frühen 90er Jahre. In Italien ist Maccallini ein bekannter Schauspieler. Auch hierzulande ist er gelegentlich in TV-Filmen zu sehen, einige zusammen mit Jutta Speidel. Für Maccallini kann man sich schon mal entscheiden und 90 Minuten versüßen lassen.

14. Eine ganz heiße Nummer 2.0

Die Fortsetzung des TV-Films Eine ganz heiße Nummer habe ich wegen Günther Maria Halmer angesehen, der so langsam ins Altenfach wechselt: Er will noch einmal „die Sterne sehen“, bevor er stirbt und hat Telefonsex mit Gisela Schneeberger. Das war auch schon der unterhaltsamste Teil des Films: Das Nest Marienzell hat nur eine – wenn überhaupt – lahme Internetverbindung und leidet unter Bevölkerungsschwund. Die Damen des Dorfes wollen an einem Tanzwettbewerb teilnehmen, um mit der Siegprämie eine schnellere Internetanbindung herzustellen. Mit Jorge González als Tanzcoach. Die Komödie hat mich – Ausnahme Halmer und Schneeberger – nicht zum Lachen gebracht.

15. Royal Corgi – Der Liebling der Queen (B 2019)

Nach Ice Age hat mir praktisch keiner dieser vielen Animationsfilme mehr gefallen. Einige habe ich zugegebenermaßen gar nicht erst angesehen. Meistens sind sie zu laut, zu grell, zu überdreht, zu grob mit lieblosen Dialogen und unerträglich viel  „Uh!“, „Aah!“, „Oh!“ und „Yeah!“-Geschrei. Ein Film über die Lieblingshunde der Queen, dachte ich, ist vielleicht ganz niedlich. Mitnichten und das ist der Punkt: Niedlich ist zwar der ulkige Hund mit dem großen Kopf eines Schäferhundes auf einem Dackelkörper – bis er anfängt zu sprechen. Die Sprache ist wirklich „übelst“ schlimm! Der Film ist für Kinder meiner Meinung nach nicht geeignet, weil er einige gewalttätige Szenen enthält: Der kleine Lieblings-Corgi der Queen wird vom eifersüchtigen Zweit-Corgi gemein von einer Brücke ins Eiswasser gestoßen und droht zu ertrinken. Zuvor empfängt die Queen Trump. Dessen polternder Auftritt ist allerdings einigermaßen mit Wiedererkennungswert dargestellt. First Lady Melania hat eine notgeile Hundedame dabei, die sich dem armen Corgi aufdrängt und sexuell nötigt. Corgi wird aus den Wasser gerettet und landet im Tierheim, in dem es recht düster ist und ein fieser Pitbull das Sagen hat und brutale Kämpfe zwischen den Hunden abhält. Die hübsche Saluki-Hundedame erobert das Herz des Corgi und türmt mit ihm zum Buckingham-Palast zurück, unterstützt von den anderen Hundefreunden. Eine sehr fragwürdige Szene ist die, als Zweit-Corgi Erst-Corgi und seine Herz-Hundedame unter einem Haufen Merchandising-Artikeln, die aus einem Schrank gepurzelt sind, verschüttet werden und der Fies-Corgi den Haufen mit der bewussten Absicht anzündet, die beiden zu verbrennen. Der Film ist ohne Altersbeschränkung freigegeben. Ich weiß nicht. Oder ist der Film eher nicht für Leute über 40 geeignet? Guckt doch mal Susi und Strolch!

Gesehen: Starflight One

Inspiriert von meiner Liste der 5 BESTEN Filme im Weltall musste ich mir unbedingt Starflight One wieder ansehen. Ehrlich, damit hatte ich den besten Fernsehabend seit langem. Als Teenager fand ich den Film unglaublich spannend, allenfalls übertroffen von der Höllenfahrt der Poseidon. Und noch immer ist die Unterhaltung alles Gold wert, das sich in unzähligen Barren an Bord des Fliegers befindet. Der Film ist ein echtes Highflight unter den Flugzeug-Katastrophenfilmen. Was für ein super Trash-Crash!

Die Starflight One ist ein Flugzeug mit Raketenantrieb, das mit dreifacher Schallgeschwindigkeit in zwei Stunden von Florida nach Australien düsen kann. Der Supervogel startet seinen Jungfernflug. An Bord sind ausgewählte Passagiere und Presseleute. Eine andernorts gestartete Trägerrakete zündet nicht wie vorgesehen und muss gesprengt werden. Trümmerteile beschädigen das Flugzeug, dessen Raketenantrieb sich nicht mehr stoppen lässt. Und plötzlich: Die absolute Stille. Das Flugzeug schwebt im Weltall! Erste Anweisungen der Bodenkontrolle lauten: Energie sparen! Kein heißer Kaffee! Auch das noch! Die Meldung eines Reporters an Bord lautet: „Wir befinden uns in einem Flugzeug, das vielleicht in wenigen Stunden zerplatzt!“ Der Sauerstoff reicht für ungefähr zwei Tage. Aber keine Bange: Ihr Kapitän ist Colt Seavers Lee Majors!

Der „Captain“ hat keine Kapitänsmütze auf, sondern sein Glückskäppi. Möge es helfen! Doch Majors ist ein echter Kerl mit natürlicher Autorität, der die Nerven behält. Klar hat er was mit der hübschen Stewardess, die ihn flehentlich fragt, ob sie denn wieder auf die Erde zurück kämen. Majors trägt den Film mit reduzierter Mimik. Überhaupt verhalten sich die Beteiligten angenehm ruhig. Keiner flippt aus, wird komplett hysterisch, heult rum oder hat einen Anfall von hitziger Aggression. Niedlich, wie das Mädchen und die nette Omi das Modell-Raumschiff aus dem Flugzeugfenster betrachten. Diese alte Tricktechnik macht Spaß. Alles fühlt sich physisch und echt an. Da mag die Bergungskapsel eine weiß angepinselte Cola-Dose sein. Das macht gar nichts. Das ist toll!

Besser man lässt sich mit dem Flugzeug einfach schwerelos durchs All treiben, statt Starflight One logisch zu hinterfragen. Die Rettungsaktionen sind herrlich abstrus. Wenigstens ein Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen, wenn man in Betracht zieht, dass im Weltraum minus 270 Grad herrschen. Hätte Josh in seiner besonderen Transportkiste auf dem Weg vom Flugzeug zum Raumschiff hinüber nicht schockgefrostet werden müssen? Aber eigentlich weiß ich nicht, was mit einem menschlichen Körper dort oben im schwärzesten Schwarz und bei solchen Minusgraden ohne Schutzanzug geschehen würde. Trotz oder gerade wegen dieser Unstimmigkeiten fühlt man sich bestens unterhalten auf dem Flug durch die unendlichen Weiten des Weltraums. Starflight One ist eine echte Eins!

Was mir gefallen hat in Starflight One
  • Szene: Die plötzliche Stille nach Eintritt des Flugzeugs in den Orbit. Schwebender Telefonhörer. Transport von Josh zum Raumschiff. Die Sache mit den Goldbarren.
  • Zitat vom Kapitän: „Die Presse kann die Batterien aufladen!“
  • Zitat von Thornwell: „Eine undichte Stelle und die Luft ist raus!“
  • Zitat eines Passagiers: „3 minus 1 macht 1?“
  • Du brauchst zum Filmgucken: Flugticket oder Presseakkreditierung, Fantasie, Anschnallgurt, heißen Kaffee im Thermobecher als Reserve, Du solltest nicht klaustrophobisch veranlagt sein und eine Geschwindigkeit von über Mach 2.4 aushalten können, Goldbarren sind Dir schnurz, Colt Seavers als Flugkapitän findest Du toll, Logik interessiert Dich nicht, Du wolltest schon immer mal ins Weltall reisen.
Filmdaten
  • USA 1983
  • Regie: Jerry Jameson
  • Drehbuch: Peter R. Brooke, Robert M. Young
  • Länge: 105 Minuten
  • Stars: Lee Majors (Captain Cody Briggs), Lauren Hutton (Erica Hansen), Ray Milland (Q. T. Thornwell), Gail Strickland (Nancy Gilliam), Hal Linden (Josh Gilliam), Michael Sacks (Pete) u.v.a.

Gelesen: Serotonin von Michel Houellebecq

Menschen, die an einer Depression leiden, haben neben dem Mangel an Lebensfreude wahrscheinlich zu wenig Serotonin im Körper. Vereinfacht gesagt wirkt sich das Hormon auf die Stimmung aus und lässt sich mit der Gabe von Tabletten beeinflussen, wobei dies mit nicht unerheblichen Nebenwirkungen einhergehen kann. Michel Houellebecq spinnt diese sogenannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer in seinem Roman Serotonin weiter. 

Es ist eine kleine weiße, ovale, teilbare Tablette

Michel Houellebecq – Serotonin

Der 46 Jahre alte Ich-Erzähler Florent-Claude Labrouste beginnt mit seiner Morgenroutine: Kaffee, Zigarette, eine Captorix. In dieser Reihenfolge. Das neuartige Antidepressivum ist eine fiktive Weiterentwicklung des Autors. Der Stimmungsaufheller gelte als sehr wirksam, ohne „den Hang zu Selbstmord und Selbstverstümmelung“ zu verstärken. Nebenwirkungsfrei sei Captorix dennoch nicht, denn „Übelkeit, Libidoverlust, Impotenz“ können auftreten.

Roman Serotonin von Michel Houellebecq

Bei Florent-Claude läuft unter Captorix sexuell nichts mehr. Auch sonst befindet er sich im Leerlauf. Er mag weder seinen Namen noch seine gut bezahlte Arbeit im Landwirtschaftsministerium als Experte für das französische Agrarwesen. Florent bricht mit allem, steigt aus. Er kündigt seinen Job, verlässt seine verhasste Pariser Wohnung im Totem-Hochhaus nebst japanischer Freundin, von der er wie von einer Nutte spricht und einzig ihre sexuelle Verfügbarkeit rühmt. Im Prinzip sind Frauen Schlampen aus Sicht Florents, und hätte eine Frau mehr als drei Körperöffnungen, Houellebecq würde sie detailliert beschreiben.

Konnte ich in der Einsamkeit glücklich sein? Ich bezweifelte es. Konnte ich überhaupt glücklich sein? Ich glaube, das ist die Art von Frage, die man sich besser nicht stellen sollte.

Michel Houellebecq – Serotonin

Florent ist schwer depressiv, richtig krank. Die kleine weiße Tablette hilft ihm gerade so durch den Tag und versetzt ihn in die Lage, sich minimal der Körperpflege zu widmen. Er mietet ein Hotelzimmer in der Nähe eines Supermarkts, der seine liebsten Hummus-Sorten führt. Florent glotzt Fernsehen, hockt im Café, raucht und grübelt. Er denkt über seine Vergangenheit und die Frauen in seinem Leben nach. Und obwohl Florent ein Leidender ist, kommt schwerlich Mitleid mit ihm auf. Er ist nicht allein unsympathisch, weil er abwertend über Frauen spricht, sondern weil er insgesamt gefühllos und kalt erscheint. Er berichtet über sich und die Geschehnisse in seiner Umgebung als distanzierter Beobachter, kühl und sachlich wie ein Unbeteiligter, und damit hält er seine Mitmenschen und Leser auf Abstand. Eigentlich muss Florent gerade deswegen bedauert werden: weil er nicht fähig ist, Glück, Freude, Nähe und vielleicht sogar wahre Liebe zu empfinden – Merkmale einer Depression. 

Zwischen den Zeilen ist Florents Bedauern und seine Trauer über die gescheiterte Beziehung zu Camille zu spüren. Er konnte es nicht sein lassen, sie zu betrügen. Nun hat sie von einem anderen ein Kind. In einem abstrusen Szenario beobachtet Florent Camille und ihr Kind aus der Ferne – bewaffnet mit einem Gewehr, das er minutenlang auf den Vierjährigen richtet und überlegt abzudrücken, um Camille zurückzugewinnen. 

War es vorstellbar, dass Camille mir zuliebe diese perfekte und symbiotische Beziehung zu ihrem Sohn aufs Spiel setzte? Und war es vorstellbar, dass er, der Junge, die Zuneigung seiner Mutter mit einem anderen Mann teilen würde? Die Antwort auf die Fragen war leider offensichtlich und die Lösung unausweichlich: entweder er oder ich.

Michel Houellebecq – Serotonin

Alles oder nichts: Florent hat nichts und niemanden mehr. Er ist einsam. Mit seinem Sterne-SUV macht er sich auf den Weg in die Normandie und besucht seinen Studienfreund Aymeric. Der ist Landwirt und wie Florent am Ende, persönlich wie (land)wirtschaftlich, denn die Lage der Bauern ist verheerend. Auflagen, Quoten, Billigimporte und ausländische Investoren zwingen immer mehr Landwirte in die Knie. Die beiden trinken, erzählen und hören Pink Floyd, wobei nur Houellebecq weiß, weshalb er Aymeric das Album Ummagumma, die „Scheibe mit der Kuh“, auflegen lässt, während die Kuh das Cover von Atom Heart Mother ziert. Jedenfalls eine schöne Metapher oder Doppelmetapher: Ummagumma ist ein umgangssprachliches Wort aus Cambridge für Geschlechtsverkehr beziehungsweise Sex. 

Aymeric vermietet nebenbei Ferienbungalows, um sich über Wasser zu halten. Einen dieser Bungalows bezieht Florent, und in dieser Zeit erhält er ein Gewehr von seinem Freund und übt sich im Schießen – genügend Seevögel flattern ja herum an der rauen Küste der Normandie. Der Extreme nicht genug: In einem Nachbarbungalow beobachtet Florent einen Mann, der von einem jungen Mädchen besucht wird. Es ist ein Pädophiler. Florent dringt in dessen Bungalow ein und entdeckt entsprechendes Filmmaterial, das Houellebecq dezidiert beschreibt. Derweil proben Aymeric und seine Kollegen den Aufstand. Die Landwirte organisieren eine Trecker-Blockade. Die Demonstration gipfelt in einem tragischen Finale, in dessen Zentrum Aymeric steht. Florent beobachtet die Szenerie aus der Ferne und wird für den Leser zum Reporter des Dramas.

Gott ist ein mittelmäßiger Drehbuchschreiber, das ist die Überzeugung, zu der mich meine fast fünfzigjährige Existenz gebracht hat, Gott ist mittelmäßig, seine gesamte Kreation trägt das Mal des Ungefähren und des Misserfolgs, wo nicht schlichtweg der Bosheit, sicher gibt es Ausnahmen, die gibt es zwangsläufig, die Möglichkeit des Glücks muss weiterbestehen, und sei es nur als Köder, aber ich schweife ab […]

Michel Houellebecq – Serotonin

Florent wird sein persönliches Scheitern in Beziehungs- und Liebesdingen am Ende nicht heilen können. Houellebecq lässt seinen Protagonisten zum Schluss in seiner neuen Hochhauswohnung über Proust, Thomas Mann und Goethe – „einer der grauenvollsten Schwafler der Weltliteratur“ – sinnieren und mit hoher Mathematik ausrechnen, wie lange es wohl vom Fenster seine Apartments aus dauern wird, bis er unten auf dem Betonboden aufklatscht. Da will einer sterben. So ist das eben.

Es ist eine kleine, weiße, ovale, teilbare Tablette. Sie erschafft nichts, und sie verändert nichts; sie interpretiert. Was endgültig war, lässt sie vergehen; was unumgänglich war, macht sie unwesentlich. Sie liefert eine neue Interpretation des Lebens – weniger reichhaltig, künstlicher und von einer gewissen Unbeweglichkeit geprägt. Sie bietet weder irgendeine Form von Glück noch auch nur tatsächlichen Trost […] 

Michel Houellebecq – Serotonin
Mein Fazit

Mit Serotonin verabreicht Houellebecq eine bittere Pille, die spürbar Wirkung im Körper entfaltet. Der 65-jährige Franzose beschreibt durch den depressiven Florent, dessen Freund Aymeric und die Situation der Landwirte die Depression eines ganzen Landes, wenn nicht Europas. Houellebecqs Sprache ist elegant, umso krasser wirken die extremen Situationen und werden noch gesteigert durch Florents praktisch emotionslosen Report. Auf diese Weise treten die persönlichen Gefühle des Lesers ungehindert hervor. Und da kann alles dabei sein: von A wie angewidert bis Z wie zermürbt. Mir scheint dies ein geschicktes Stilmittel des Autors, aber auch treffendes Kennzeichen einer Depression, Florents Depression.

Serotonin enthält meines Erachtens auch Kritik an Antidepressiva und liest sich so gesehen als sehr ausführlicher Beipackzettel mit (Warn)hinweisen zu Wirkung und (möglichen) Nebenkwirkungen dieser Psychopharmaka. Und Serotonin zeigt auf, dass eine Depression eine ernste Erkrankung ist, die tödlich enden kann. Man kann sich über Houellebecq aufregen oder nicht. In Serotonin hat er gewichtige und Zeit-wichtige Themen aufgegriffen. Houellebecq beschreibt Dinge, die es gibt. Unschöne Dinge. Das muss und kann nicht bequem sein. Es gibt Depressionen, Menschen, die sterben wollen, Menschen, die andere betrügen und beschissen über Frauen sprechen, es gibt Pädophile und es gibt Bauern, die am Abgrund stehen. Houellebecq schreibt das. Gut so.

Gesehen: Sörensen hat Angst

Manchmal sind Fernsehfilme großes Kino und manchmal besser: Die ARD zeigt mit Sörensen hat Angst einen emotionalen und beeindruckend dargestellten Krimi mit Bjarne Mädel in der Hauptrolle, der erstmals auch Regie führte. Der Kriminalhauptkommissar Sörensen (Bjarne Mädel) lässt sich aus Hamburg in die kleine friesische Ortschaft Katenbüll versetzen in der Hoffnung, seiner Arbeit weniger nervenaufreibend nachgehen zu können und mehr Ruhe zu finden. Sörensen leidet nämlich an einer ausgeprägten Angststörung.

Das persönliche Drama des Kommissars läuft ab wie ein zweiter Film im eigentlichen Film – nebenher, ohne unterzugehen. Dringlich, aber unaufdringlich, ohne um den heißen Brei herumzureden: Angst ist Angst bei Sörensen, um nicht zu sagen blanke Angst mit allem, was dazugehören kann: Er kotzt, hat Herzrasen, er zittert und krümmt sich, Umgebungsgeräusche irritieren ihn im höchsten Maße. Mädel gelingt es, einen Mann mit echter Scheißangst treffend darzustellen. Ein Mann, der mit sich ringt, aber trotz seiner Ängste versucht, aufrecht zu bleiben und das Leben anzugehen.

Sein neuer Wirkungskreis empfängt Sörensen passend zu seiner Stimmung mit regnerischer Tristesse. Mit Ausnahme eines Hundes, der immer wieder vor Sörensens Tür sitzt, erweisen sich die Menschen im hohen Norden kühl bis abweisend. Schafe halten das Deichgras kurz. Der Blick geht weit raus. Doch mit der Ruhe wird es nichts für Sörensen, denn auf dem platten Land tun sich düstere Abgründe auf: Bürgermeister Hinrichs ist erschossen worden. Sörensen nimmt mit seinen neuen Kollegen Jenny Holstenbeck (Katrin Wichmann) und Malte Schuster (Leo Meier) die Arbeit auf. Bald stehen drei Männer im Fokus der Ermittlungen – und zwei Kinder.

Die Psychologie menschlicher Abgründe und Leiden spielt eine tragende Rolle in dem Fernsehkrimi. Matthias Brandt als Frieder Marek imponiert als desillusionierter Säufer, der als Alibi angibt, sich zur Tatzeit „auf dem Boden von so ’ner Flasche“ befunden zu haben. Marion Breckwoldt hat als Bäuerin einen kurzen heftigen Auftritt, einen heftig komischen. Die Kamera spiegelt die depressive Stimmung, die Bildsprache verstärkt und stützt das gesprochene Wort. Die ruhige Kameraführung erschüttert umso mehr, wenn Sörensen zittert auf den Boden sackt und die Linse die Qual still und ungerührt einfängt. Trotzdem wartet der Film mit einigen humorigen Szenen auf.

Der Ort Katenbüll ist fiktiv. Im Film ist er im Landkreis Brake (Unterweser) angesiedelt. Gedreht worden ist der Fernsehfilm unter anderem in Varel, Bremerhaven, Burhave und Butjadingen. Sörensen hat Angst basiert auf dem gleichnamigen Hörspiel und Roman von Sven Stricker. Der Film ist aktuell in der ARD-Mediathek abrufbar.

Was mir gefallen hat in Sörensen hat Angst
  • Szene: Gespräch zwischen Sörensen und Jenny im Deichkrug. Sörensen bringt der Bäuerin den Hund zurück. Gespräch zwischen Sörensen und Marek vor der Garage im Regen.
  • Zitat von Sörensen: „Bei meinem Vornamen waren vielleicht auch Drogen mit im Spiel.“
  • Zitat von Sörensen: „[…] Wie soll ich das denn alles schaffen. ich schaff‘ das alles gar nicht. Gar nichts schaff‘ ich mehr. Das schlimmste ist immer der nächste Tag. Ja, dann wirst du krank, kriegst keine Luft mehr, bist erschöpft andauernd – immer öfter […]“
  • Du brauchst zum Filmgucken: Einen treuen Hund, Galgenhumor, Lorazepam, Kaffee Latte mit doppeltem Espresso, Labskaus, ’nen Kaktus und Gummistiefel.
Filmdaten
  • D, 2021
  • Regie: Bjarne Mädel
  • Drehbuch: Sven Stricker
  • Länge: 89 Minuten
  • Stars: Bjarne Mädel (Sörensen), Katrin Wichmann (Jenny Holstenbeck), Leo Maier (Malte Schuster), Matthias Brandt (Frieder Marek), Peter Kurth (Jens Schäffler), Anne Ratte-Polle (Hilda Hinrichs) u.v.a.