Durchgezappt im Dezember 2021

Mit dieser Dezember-Liste werde ich das umfangreiche Format Durchgezappt einstellen und Euch und mich nicht länger quälen. Seht, welche Weihnachtsfilme ich so gucke und wie es der Dwayne schon wieder in die Liste geschafft hat. Seht, dass ich Mel Gibson nicht mochte, aber dafür Liam Neeson. Vor allem bin ich abermals sehr von Colin Farrell angetan, sei es als düsterer Zauberer, als Kunstreiter oder umgeben von lauter Psychos.

Teaser Durchgezappt - Grafitti "Don't trust the TV"

1. Jumanji – Willkommen im Dschungel (USA 2017)

Schon wieder der Dwayne! Aber das ist in Ordnung, sorgt er doch für kurzweilige Unterhaltung. Dieses Mal kokettiert er mit seinem Superkörper: In „The Rock“ steckt nämlich ein schüchterner Teenager, und das geht so: Vier Teenies – Nerd, Topsportler, Influencerin, Intellektuelle  – müssen gemeinsam nachsitzen, sonst haben sie überhaupt nichts gemeinsam. Sie finden ein Videospiel, wählen jeweils einen Charakter und landen auf magische Weise im Dschungel von Jumanji. Nerd Spencer wird zu Dwayne Johnson, Selfie-Queen Bethany, die vermeintlich einen weiblichen Charakter wählt, wird zu Jack Black, Starsportler Anthony wird zu Kevin Hart und die Einzelgängerin Martha zur Amazone Karen Gillan. Jeder Charakter verfügt über spezielle Fähigkeiten, ist aber auch an bestimmter Stelle verwundbar. Gemeinsam müssen sie Jumanji von einem Fluch befreien und ein entwendetes Juwel an seinen Platz zurückbringen. Dabei sind sie den tierischen Gefahren des Dschungels ebenso ausgesetzt wie menschlichen. Diese Fortsetzung von Jumanji (1995) gefällt mir viel besser, besonders der Witz: Die Teenager landen nicht nur im Körper eines Erwachsenen, ihr Spielcharakter ist in seinen Eigenschaften ihren eigenen entgegengesetzt. So ist es ziemlich ulkig, wenn Jack Black wie ein zickiges Mädchen agiert und der Dwayne fassungslos seine Muskeln bestaunt.

2. Mad Max (AUS 1979)

Ein „Klassiker“, den ich noch nicht gesehen hatte, aber zu bunt fand: Einerseits die Autos, andererseits ist es mit der Gewalt erst recht viel zu bunt getrieben. Gleichwohl, die Karren sind cool, der V8er-Sound Musik in den Ohren, und die Kamera fängt das Geheize auf der Straße packend ein. Ein Rocker kann ruhig ein bisschen durchgeknallt sein, aber Toecutter (Hugh Keays-Byrne) ist ein gnadenloses, reißerisches Tier, das einem glatt die Zehen abbeißen würde. Der Rest der Rockerbande ist eine Horde komplett irre gewordener Typen. Die Polizei agiert kaum minder brutal: Mel Gibson ist Polizist Max Rockatansky (Ist ja mal ein Name!), genannt Mad Max. Er versieht seinen Dienst in naher Zukunft, in der gefährliche Banden die Straßen beherrschen und alles auseinandernehmen, was nicht niet- und nagelfest ist. Als ihr Anführer Nightrider auf der Flucht bei der Verfolgung durch Mad Max ums Leben kommt, schwört Toecutter Rache. Das Tier jagt den Polizisten, dessen Frau und Kind. Mad Max rächt sich seinerseits wie verrückt und ohne Gnade. Leider eine einzige blöde Gewaltorgie. Mel Gibson war mir unsympathisch.

3. Dumbo (USA 2019)

Schon wieder der Farrell! Und jetzt kommt er auch noch auf einem Pferd daher und macht nicht zum ersten Mal im Film eine gute Figur auf dem Ross. Lange muss man warten, ihn auf einem Schimmel in die Manege galoppieren zu sehen: Im Jahre 1919 kehrt Kunstreiter Holt Farrier (Farrell) versehrt aus dem Krieg zurück in den Zirkus. Seine Kinder Milly (Nico Parker) und Joe (Finley Hobbins) sind erschrocken, weil ihrem Vater ein Arm fehlt. Zirkusdirektor Max Medici (Danny DeVito) musste die Pferde verkaufen, um seinen Zirkus am Leben zu erhalten. Holt soll nun die Elefantendame Mrs. Jumbo pflegen, die bald ein Kalb bekommen wird. Als Dumbo auf die Welt kommt, ist er anders als gewöhnlich: Der kleine Fanti kann mit den Ohren schlackern, so riesig sind die. Der Fluch erweist sich bald als Segen, denn Dumbo kann fliegen und wird zur Zirkusattraktion. Das ruft V. A. Vandevere (Michael Keaton) auf den Plan: Der Geschäftsmann betreibt einen fantastischen Vergnügungspark und möchte Dumbo zusammen mit der Trapezkünstlerin Colette Marchand (Eva Green) in einer großen Show präsentieren. Derweil ist Fanti traurig, weil man seine Mutter weggegeben hat. Die Zirkusleute ziehen mit Dumbo in Vandeveres Park. Wird Dumbo auch dort zum Star in der Manege? Ich weiß nicht, ob ich ohne Farrell diesen Disney-Familienfilm angesehen hätte, zumal mir die Zirkuswelt nicht sonderlich liegt. Aber doch, Dumbo ist nicht zu grell und laut inszeniert, die Atmosphäre besonders in Vandeveres Dreamland trägt deutlich die dunkle märchenhafte Handschrift von Regisseur Tim Burton. Der Film vereint einige namhafte Stars, darunter Lars Eidinger in einer Nebenrolle. DeVito hat noch immer dieses lustige Giftzwergartige an sich. Sharon Rooney gefiel mir als Miss Atlantis mit am besten sowie Millys Interesse für die Wissenschaft. Colin Farrell ist mal nicht der Böse. Ich mochte ihn auch in diesem Film, die Art und das Wesen seiner Figur, aber ich empfand ihn teilweise wenig präsent, ohne sagen zu können, woran das liegt. Er schien mir nicht ganz eingebunden ins Geschehen, etwas abseits. Als Reiter ist er leider insgesamt nur kurz zu sehen, besonders zum Schluss, aber man erkennt, dass er nicht zum ersten Mal auf einem Pferd sitzt. Bin schwer begeistert. Und dieser – zwar komplett animierte – Elefanti ist wirklich Zucker. Diese großen Augen, dieser traurige Blick, der ist ja so niedlich – der Farrell!

4. Peace, Love & Misunderstanding (USA 2012)

Jane Fonda spielt hier als Blumenkind quasi die Frankie aus ihrer Erfolgsserie Grace und Frankie. Wie in der Serie heißt sie ebenfalls Grace: Alt-Hippie Grace (Fonda) lebt in Woodstock in Peace und Love. Mit ihrer Tochter Diana (Catherine Keener) kam es vor zwanzig Jahren zum Bruch aufgrund Misunderstanding. Mutter und Tochter könnten nicht unterschiedlicher sein. Diana kann den Lebensstil ihrer Mutter nicht nachvollziehen und empfindet sie als verantwortungslos. Als die Anwältin von ihrem Mann verlassen wird, fährt sie mit ihren Teenagern Zoe (Elizabeth Olsen) und Jake (Nat Wolff) von New York aufs Land zu ihrer Hasch rauchenden, langhaarigen und an die Kraft der Steine glaubenden Mutter. Die alten Konflikte brechen wieder auf, aber – man ahnt es – die drei Großstädter erfahren ganz neue Inspiration und finden Peace und Love. Wahrscheinlich erfüllt der Film viele Hippie-Klischees oder Ideale, je nach Lesart. Trotz Rebellin Fonda und eines nicht gänzlich uninteressanten Lebensstils hat mich der Flow nicht ganz erreicht. Aber: Easy-Going!

5. Das Haus (D 2021)

Denn es ist böse! Das rote „Auge“ der Steuerungseinheit des Hauses erinnert verdächtig an HAL 9000 aus Space Odyssee. Deutschland wird im Jahre 2029 von einer rechtspopulistischen Regierung geführt. Der Journalist Johann Hellström (Tobias Moretti) darf seinen Beruf nicht mehr ausüben und zieht sich mit seiner Frau Lucia (Valery Tscheplanowa) auf eine einsame Insel in sein Ferienhaus zurück. Der aus Glas und Beton bestehende Bungalow ist volldigitalisiert. Das ist praktisch, wenn man vollbepackt vor der Tür steht und sich der Eingang automatisch öffnet, aber wird zum echten Problem, als die Haus-KI ein Eigenleben entwickelt. Die ersten Aussetzer sind noch harmlos: Die KI kauft einfach zu viel ein, aber vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, auf einer abgelegenen Insel mit Vorrat versorgt zu sein. Das smarte Zuhause beginnt allerdings, Intrigen gegen seine Bewohner zu spinnen, die auch deren leibliches Wohl gefährden. Gegen solche Fehlfunktionen kann selbst der Techniker nix mehr machen. Der Fernsehfilm ist ein Tick zu schläfrig inszeniert, aber ansprechend aufgrund des spannenden Themas. In weiten Teilen gerät Das Haus zu einem 2-Personen-Kammerspiel zwischen Moretti und Tscheplanowa, das etwas langweilig verläuft. Das sterile Haus und die symetrischen, kühlen Bilder vermitteln nur wenig futuristisches Flair. In so einem Haus würde ich nicht wohnen wollen, und ich meine nicht zuerst die Technik.

6. Parasite (Südkorea 2019)

Das ist dieser erste fremdsprachige Film, der jemals in der Kategorie Bester Film mit dem Oscar ausgezeichnet worden ist: Familie Kim teilt sich mit Kakerlaken eine schäbige Souterrainwohnung in der Millionenstadt Seoul. Besoffene pissen an die Fenster, und die Stadtreinigung bringt Desinfektionspulver auf der Straße aus. Von dem Zeugs bekommt die Familie die volle Dröhnung ab, aber vielleicht gehen ja die Kakerlaken daran zugrunde. Mit Glück ist gratis WLAN von den Nachbarn zu erhaschen. Vater Ki-taek (Song Kang-ho), Mutter Chung-sook (Jang Hye-jin), Sohn Ki-woo (Choi Woo-shik) und Tochter Ki-jung (Park So-dam) falten für geringen Lohn Pizzakartons zusammen. Da bietet sich eine Chance: Ein Freund von Ki-woo vermittelt ihn als Nachhilfelehrer für die Tochter der wohlhabenden Familie Park. Mit List und Tücke holt Ki-woo erst seine Schwester als Kunstlehrerin für den vermeintlich begabten Sohn in das moderne Architektenhaus, schließlich ersetzt der Vater den Chauffeur und die Mutter die Haushälterin. Bis hierhin sind die Schummeleien der Familie noch irgendwie nett, man versteht sie, ist auf ihrer Seite, gönnt es ihnen und amüsiert sich über ihre kleinen schamlosen Frechheiten. In der zweiten Stunde des Films kippt die Situation ins Unfassbare: Die geschasste Haushälterin klingelt an der Tür und bittet dringend um Einlass – denn sie hat etwas im Haus vergessen! Was folgt ist unglaublich, bizarr, grotesk, wahnwitzig, böse und schräg. Thriller, Komödie, Farce, Parabel, Satire, ein drastisches Abbild der (südkoreanischen) Gesellschaft. Oben und unten, um nicht zu sagen ganz unten. Irre!

7. 7 Psychos (GB 2012)

Ist Colin Farrell in diesem Werk noch nicht verrückt, wird er es dank der sieben Psychopathen werden: Der irische Hollywood-Drehbuchautor Marty (Farrell, tatsächlich Ire) sitzt ohne Eingebung vor dem berüchtigten leeren Blatt Papier und fängt an, sich zu betrinken. Das flößt ihm nicht unbedingt Ideen ein, aber immerhin steht der vielversprechende Titel: Seven Psychopaths. Sein bester Freund, der arbeitslose Schauspieler Billy (Sam Rockwell), bessert sein Salär auf, indem er gut situierte Hunde kidnappt und durch seinen Kompagnon (Christopher Walken) den Finderlohn kassieren lässt. Billy hat zwei nicht so gute Ideen: Zum einen setzt er für Marty die Anzeige „Psychopathen gesucht“ in die Zeitung, zum anderen klaut er Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson) seinen geliebten Shi Tzu. Auf Billys Anzeige meldet sich Zachariah Rigby (Tom Waits), Serienkiller im Ruhestand. Und Charlie will sein albernes Hündchen zurück, da ist ihm jedes Mittel recht. Marty hat bald mehr Stoff für sein Drehbuch als ihm lieb ist. Farrell arbeitet hier nach Brügge sehen… und sterben? zum zweiten Mal mit Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh zusammen. Die 7 Psychos sind eine ähnlich Schwarze Komödie mit im Wortsinne irrem Cast und noch extremer, schräger, haarsträubender. Echt psychopathisch. Der Humor ist klasse. Das Töten und Sterben war mir allerdings teils zu heftig, bei den brennenden Menschen musste ich weggucken. Andererseits wird der ganze Irrsinn konsequent gezeigt. Eines ist mal klar: Farrell macht mich verrückt. Bei ihm kann ich nicht mehr wegschauen. In Nebenrollen sind Gabourey Sidibe (Ihr beeindruckender Film: Precious) als Hundesitterin des Shi Tzu und Harry Dean Stanton als der Mann mit dem Hut zu sehen. Tipp: Nach Anlaufen des Abspanns nicht abschalten, denn Farrell erhält noch einen wichtigen Anruf von Tom Waits. Farrells Antwort ist der Hammer! 

8. Mona & Marie (D 2021)

Mona (Maren Kroymann) und Marie (Ulrike Kriener) sind unterschiedliche Schwestern: „Da möchte man sich ja sofort übergeben!“, ätzt Mona über die „kitschige“ Weihnachtsdekoration an der Villa, in der ihre Luxuswohnung liegt. Beste Düsseldorfer Lage, und nur das Beste zum Feste auch für die blasierten Geschäftsfreunde. Die Chanel-ige Dame, Anwaltsgattin mit einer Frisur, die der ihres getrimmten Großpudels erstaunlich ähnelt, hat kaum freundliche Worte für ihre Umwelt übrig. Als die Polizei während der Weihnachtsfeier klingelt, verbessert sich ihre Stimmung freilich nicht: Ihr Gatte sei leider verstorben! Im Umschlag mit den persönlichen Sachen befindet sich das Handy. Eine letzte Fotonachricht an den Verblichenen ploppt auf, und Mona erkennt, dass ihr Mann sie betrogen hat. Aber die Probleme fangen damit erst an. In der Not ruft Monas Sohn Jonas (Max Bretschneider) seine Tante Marie an. Marie lebt mit ihrem Partner (Peter Prager) naturnah in einem Haus an der Nordsee, betreibt Yoga und rettet Weihnachtsgänse vor der Bratenröhre. Nun macht sich der Alt-Hippie auf den Weg in die große Stadt. Die Schwestern haben sich 15 Jahre lang nicht mehr gesehen. Kroymann und Kriener bilden ein tolles Paar und raufen sich sehr unterhaltsam zusammen. Überhaupt ist dies ein gelungener, witziger TV-Film mit tollen Darstellern: Ann-Kathrin Kramer spielt eine oberflächliche Schnepfe aus dem Bekanntenkreis Monas, Susanne Bormann ist Monas Tochter und Martin Armknecht ist viel zu kurz als herrlich süffisanter Bankangestellter dabei. Klarer Neuanwärter auf meine Weihnachtsfilm-Favoriten. Was mir zu denken gibt: Ich fühle mich oft zwanzig Jahre vorgealtert, denn ich verstehe Mona so gut. Allerdings wäre ich lieber wie Marie. 

9. Mary Poppins’ Rückkehr (USA 2018)

Man muss ja gar nicht alles schlechtreden an der Neuverfilmung des berühmten Disney-Musicals. Die neue Poppins kommt aufwändig ausstaffiert daher. Ehrlich gesagt bin ich kein besonderer Fan von Mary Poppins, denn ich empfinde sie unter ihrem Liebreiz recht diktatorisch. Am meisten mochte ich immer den Ausritt auf den Karussellpferden. Auch hier entführt Mary Poppins (Emily Blunt) die Kinder in eine Zeichentrickwelt. Ihre früheren Schützlinge Michael Banks (Ben Whishaw) und seine Schwester Jane (Emily Mortimer) sind nun erwachsen. Michael lebt mit seinen drei Kindern in London in seinem Elternhaus im Kirschbaumweg. Die Weltwirtschaftskrise hat Michael in finanzielle Nöte gebracht, und er hat Sorge, das Haus zu verlieren. Da schwebt Mary Poppins vom Himmel und nimmt sich der Familie, insbesondere der Kinder an, die noch um ihre verstorbene Mutter trauern. Die Geschichte ähnelt insofern dem Vorgänger. Musicals sind so eine Sache, und mit der Musik habe ich mich schwer getan: zu viel, zu laut, blechern und wenig melodisch. Superkalifragelistic: Warum hat man nicht überlegt, die eingängigen Melodien des Originals zu verwenden und vielleicht etwas zu modernisieren? Der Laternentanz war ganz gelungen, aber ein Löffelchen voll Zucker hätte gutgetan: Dachte, die dunkle Atmosphäre wäre perfekt für einen viktorianischen Krimi. Lin-Manuel Miranda gefiel mir als Laternenanzünder Jack, eine ideale Besetzung. Ich frage mich, ob Kindern (heute) Mary Poppins wirklich gefällt?

10. Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (USA/GB 2016)

Ich glaub’, ich muss in Hogwarts nachsitzen, um manche Begriffe in diesem Harry Potter Spin-off besser zu verstehen. Sei’s drum, das Wesentliche habe ich verstanden. Mein Hauptwesen unter den Tierwesen ist sowieso Colin Farrell als mysteriöser Zauberer Percival Graves. Wow, Farrell ist von finsterer, unwiderstehlicher Anziehungskraft. Was führt er im Schilde? Der Londoner Magizoologe Newt Scamander (Eddie Redmayne) erreicht im Jahre 1926 mit einem Koffer New York. Dummerweise entwischen ihm daraus einige Phantastische Tierwesen und richten Chaos in der Stadt an. Beim Wiedereinfangen wird Newt von Porpentina Goldstein (Katherine Waterston) und dem drolligen No-Maj – ein Nichtmagier – Jacob Kowalski (Dan Fogler) unterstützt. Super, Showdown in der New Yorker U-Bahn-Station City Hall. Der Bahnsteig als Bühne für Farrell, der in seinem vampirähnlichen Kostüm ganz phantastisch bedrohlich wirkt. Magisch! Ich bin verzaubert – in einen Obscurus oder so.

11. Der Nikolaus im Haus (D/Österreich 2008)

Ein TV-Weihnachtsfilm, der in Salzburg und unweit der Stadt in Anif spielt. Die Konditorin Klaudia (Christine Neubauer) wird wegen Unterschlagung zu drei Jahren Haft verurteilt. Sie flieht aus dem Gericht, weil sie unschuldig ist. Als Nikolaus verkleidet flüchtet sie zum Haus ihres Geschäftspartners Lehmann (Helmut Berger), um dort Beweise für ihre Unschuld zu sichern. Als der Hausalarm ausgelöst wird, versteckt sie sich im Nachbargarten von Witwer Paul Weber (Bernhard Shir), dessen Kinder Pia und Tom den vermeintlichen Nikolaus ins Haus bitten. Die Kinder finden schneller Gefallen an Klaudia als der Papa. Den Rest kann man sich leicht denken. Die Kulisse für Klaudias Zuckerbäckerei bildet die bekannte Schatz Konditorei In Salzburg. Da habe ich schon Kaffee getrunken und Kuchen gegessen. Der Film ruft aus zweierlei Gründen Erinnerungen in mir wach, die mich traurig machen.

12. Ich bin dein Mensch (D 2021)

Alma (Maren Eggert) arbeitet in naher Zukunft in Berlin an der Erforschung der sumerischen Keilschriften. Für eine Finanzspritze ist sie bereit, sich aus der Urzeit in die Zukunft zu begeben und an einer Studie teilzunehmen. Probeweise soll sie mit dem humanoiden Roboter Tom (Dan Stevens) zusammenleben. Tom ist perfekt auf Almas Persönlichkeit abgestimmt und als ihr Idealpartner programmiert. Alma begegnet dem äußerlich nicht von einem Menschen zu unterscheidenden Roboter skeptisch und zurückhaltend, zumal Tom noch nicht ganz rund läuft. Aber seine KI ist lernfähig. Wird sie sich auf ihn einlassen und in ihrem Abschlussbericht humanoide Roboter (als Partner) befürworten oder ablehnen? Ich mochte Sandra Hüller als Mitarbeiterin der Roboter-Firma. Jürgen Tarrach als Dr. Stuber in Begleitung seiner humanoiden Roboter-Partnerin drückt meines Erachtens nachvollziehbar die Pros für eine solche KI aus. Für mich eines der faszinierendsten Science-Fiction-Themen. Was macht den Menschen menschlich? Worin unterscheidet sich die Maschine vom Menschen? Eines Tages womöglich gar nicht mehr. Ich lese den Filmtitel Ich bin dein Mensch aus der Sicht des Roboters. Ich habe die Vorstellung, dass ein humanoider Roboter, wie er im Film dargestellt wird, bestimmten Menschen mit persönlichen und/oder körperlichen Einschränkungen ein adäquater Ersatz anstelle einer mit einem Menschen geführten Partnerschaft sein könnte. Falls kein vollwertiger Ersatz, doch eine gewisse legitime Kompensation des Mangels an echter Bindung zu einem Menschen. Ein Hubot nimmt es mir bestimmt nicht übel, wenn ich ihn zwischendurch abschalte, wenn ich eine Pause brauche oder nachdem er meine Bücher nach Farbe sortiert hat.

13. Bad Santa (USA 2003) und Bad Santa 2 (USA 2016)

Bad Santa gehört zu meinen liebsten Weihnachtsfilmen. Hier gibt es unter Garantie keine heile kitschige Familienwelt zum Fest. Willie (Billy Bob Thornton) gibt den Weihnachtsmann im Kaufhaus. Er ist so richtig schön mies drauf: Er säuft, raucht, flucht, pisst, kotzt, bumst und hasst die Kinder, die sich auf seinen Schoß setzen und mit schokoladenverschmierter Schnute ihre Wünsche an den lieben Santa formulieren. Die Richtung des Films ist von der ersten Szene an klar. Wer das Intro nicht mag, schaltet lieber gleich ab. Ich gucke gern bis zum bitter-süßen Ende weiter und amüsiere mich. Weihnachten kriegt hier gänzlich politisch unkorrekt einen auf den Sack. Unter dem Deckmantel seines roten Weihnachtsmann-Kostüms hat Willie Übles im Sinn: Nach Ladenschluss will er mit seinem kleinwüchsigen Kumpel Marcus (Tony Cox) den Kaufhaus-Safe knacken. Aus einem unerfindlichen Grund hat der goldlockige Wonneproppen Thurman (Brett Kelly) einen Narren an Willie gefressen. Thurman scheint in seiner Entwicklung etwas zurückgeblieben. Das Kind lebt allein mit seiner nicht mehr ganz klaren Omi in einem großen Haus, während sein Vater im Gefängnis sitzt. Willie quartiert sich bei Thurman ein, ist meistens unfreundlich und hart zu ihm, trotzdem möchte Thurman ihm immer Brote machen. Irgendwo, tief vergraben in seinem verrotteten Inneren, hat Willie ein Herz, das Thurman zu berühren vermag. Auf recht spezielle Weise kümmert sich Willie gar um Thurman. Im zweiten Teil von Bad Santa lernen wir Willies schäbige und versoffene Mutter (Kathy Bates) kennen, die ihren Sohn liebevoll „Kackstengel“ nennt und in der Weihnachtszeit die Einnahmen einer Wohltätigkeitsorganisation erbeuten möchte. Gegen Mutti erscheint Willie wie ein Engel!

14. Die Geister, die ich rief… (USA 1988)

Nachdem ich Charles Dickens Eine Weihnachtsgeschichte bisher vor allem aus Die Muppets-Weihnachtsgeschichte und Die Geister, die ich rief… kannte, habe ich die Bildungslücke geschlossen und die Geschichte von der Verwandlung des Ebenezer Scrooge vom griesgrämigen Geizhals zum guten Menschen kürzlich gelesen. Aber was soll ich sagen, Bill Murray als quasi Scrooge gefällt mir doch um Längen besser. Dickens Geschichte ist in der Komödie von Richard Donner genial in die Neuzeit übertragen worden. Das ist mein Weihnachtsklassiker. Murray kriegt von drei Geistern eine Psychotherapie verpasst, die sich gewaschen hat. Herrlich fies!

15. Eine Leiche zum Dessert (USA 1976)

Ein weiterer ewiger Lieblingsklassiker, n’est-ce pas? Ein abgelegenes Schloss, finstere Nacht, Nebel, Blitz und Donner: Lionel Twain (Truman Capote) lädt fünf berühmte Detektive nebst Begleitung zu einem „Dinner und einer Leiche zum Dessert“. Der Gastgeber serviert den Nachtisch um Punkt Mitternacht. Nur die „Kuh an Wand“ war Zeuge. Wer ist der Mörder? Die Raffinesse der Meisterdetektive ist gefragt: David Niven ist Dick Charleston alias Nick Charles, Peter Sellers ist Sidney Wang alias Charlie Chan, Elsa Lanchester ist Jessica Marbles alias Miss Marple, James Coco ist Milo Perrier alias Hercule Poirot und in einer seiner besten Rollen neben Columbo ist Peter Falk als Sam Diamond alias Sam Spade zu sehen. Außerdem spielen Alec Guiness, Maggie Smith und Eileen Brennan. Meisterliche Dialoge aus der Feder von Neil Simon (Ein seltsames Paar). Die Starparade liefert die abstrusesten Mordtheorien und haarsträubendsten Wendungen. Blödsinnig komisch! 

16. Tatsächlich Liebe (GB/USA/F 2003)

Ein Episodenfilm mit Liebesgeschichten, die in den Wochen vor Weihnachten spielen. Mit großem Staraufgebot: In Liebe sind Hugh Grant, Emma Thompson, Colin Firth, Alan Rickman, Heike Makatsch, Billy Bob Thornton, Keira Knighley u. v. a. Eingeschaltet wegen Liam Neeson, dessen Episode mir auch am meisten gefällt.

Und außerdem:

  • Endjährig (D 2020)
  • Fast & Furious: Hobbs & Shaw (USA 2019)

Exkurs

Ich wollte gern wissen, weshalb von Colin Farrell stets ein Hauch Melancholie ausgeht, die nicht allein in den Figuren, die er spielt, angelegt ist, sondern ihm zu eigen scheint. Und ja, soweit, nach einigem Material aus dem Netz, denke ich, da ist wohl jemand, der auch dunkle Seiten des Lebens kennt und mit seinen Dämonen zu kämpfen hatte oder hat. Jemand, der über Depression spricht, über Alleinsein oder über die Schwierigkeiten, Vater zu sein. Kurz jemand, der über seine inneren Vorgänge sprechen kann. Ein bisschen scheu, ein bisschen Rebell. Ein bisschen frech.

Auf der anderen Seite offenbart sich ein spontaner, offener, herzlicher, freundlicher, verspielter, eloquenter und nachdenklicher Typ, der für einigen Spaß zu haben ist. Jedenfalls habe ich eine Ahnung, weshalb ich so auf ihn anspringe. Ausgewählt habe ich ein Video, das Farrells ausgesprochenen Humor und seine Herzlichkeit darstellt. Sein Lachen ist so ansteckend wie befreiend. Ich liebe die Szene mit seinem jungen nervösen Schauspielkollegen während eines Interviews zu ihrem Film The Killing of a Sacred Deer, wie er den jungen Mann spiegelt und beide in ihren Stühlen herumrutschen und wild mit den Armen gestikulieren. Farrell trifft auf dem roten Teppich Gary Oldman und wird selber zum Fan, er spricht „ein wenig“ französisch, hat etwas für einen Obdachlosen übrig und zu guter Letzt biegt er sich vor Lachen am Filmset. Ich bewundere seine Fähigkeit, Situationen mit Humor zu begegnen und zu entschärfen. Nennt er Frauen „Sweetheart“, klingt es, als nenne er nur die jeweils Angesprochene so. Ich kann nicht aufhören, die Clips in Reihe zu schauen. Das rettet meinen Tag. Farrell ist mein Highlight des Jahres!

Belief is very important. It’s like when you are riding a horse and you want it to go to the left, you look to the left first and then pull the horse’s head. As a human being it is the same thing: wherever you put your attention is probably where you are going to find yourself. With that in mind, the ideas of imagination and stories are very important for a more real and centralized truth.

Colin Farrell

Durchgezappt im Oktober 2021

Dominierten im Vormonat Frauen mein Fernsehprogramm, sind es im Oktober mit Ausnahme von Glenn Close die Männer: Der Dwayne hat wieder seine Familie gerettet und für gute Unterhaltung gesorgt. Colin Farrell gefiel mir gleich doppelt gut, und Kurt Russel machte in Schwarz eine gute Figur. Bjarne Mädel hatte als Paketbote einiges zu schleppen, während Alain Delon hinter einer Gangsterbande her war. Gerard Butler hat im Weltall versucht, das Wetter wieder in Ordnung zu bringen, und Nathaniel Parker hat mir als Inspector gefallen, aber es war nicht Inspector Lynley. Schließlich: Günther Maria Halmer machte mir als Misanthrop nicht das erste Mal Spaß. Und zu Halloween kann ich etwas Gänsehaut empfehlen.

Graffito Don't trust the TV. Teaser von Durchgezappt auf Seelenkompott

1. Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers (D 2019) 

Von wegen „Trippel trippel, trappel Pony“: Wie dieser Film das Attribut Immenhof erlangen konnte, ist mir schleierhaft. Mit dem unbeschwerten Leben auf einem Ponyhof hat dieses Abenteuer eines Sommers nichts zu tun. Es gibt ja nicht einmal Ponys. Und wo ist die liebe Omi? Hier agiert die next, next, overnext Generation von Dick und Dalli: Die 16-jährige Teenagerin Lou (Leia Holtwick) und ein hoch im Blut stehendes Superpferd à la Fury und Black Beauty stehen im Mittelpunkt der Geschichte um drei verwaiste Schwestern, die den Immenhof betreiben. Lou rettet total kitschig den schwarzen Superhengst aus dem Moor. Der Besitzer (Heiner Lauterbach) des Rennpferds ist Inhaber eines benachbarten Pferdeguts und Kreditgeber für den Immenhof. Lauterbach ist sauer, weil sein A-teures Rennpferd jetzt eine Macke hat. Er rächt sich, indem er den Kredit von den armen drei Schwestern zurückfordert. Lou besitzt natürlich die Gabe einer Pferdeflüsterin und will das edle Ross, an dem alle anderen gescheitert sind, therapieren. Als früheres Pferdemädchen und Liebhaberin der Immenhof-Reihe aus den 50er Jahren habe ich mich vom Filmtitel komplett in die Irre führen lassen. Die talentfreie Hauptdarstellerin ist fast nie auf dem Pferd zu sehen. Da reitet einfach keiner durch die Gegend und singt das fröhliche Ponylied „Trippel trippel, trappel Pony. Doof. Moderne Pferdemädchen mögen’s vielleicht. 

2. Hass (F 1995)

Hass ist krass! Noch krasser umgesetzt von Mathieu Kassovitz in seinem Film La Haine. Es geht um das Elend von französischen Jugendlichen der Banlieue. Der Jude Vinz (Vincent Cassel), der Schwarze Hubert (Hubert Koundé) und Araber Saïd (Saïd Taghmaoui) leben in Chanteloup-les-Vignes nahe Paris umgeben von gleichförmigen Hochhäusern in einem sozialen Brennpunkt. Ihre Realität besteht aus Gewalt, die mehr Gewalt erzeugt, aus Drogen und Konfrontationen mit der Polizei. Sie sind beinahe noch Kinder und sich selbst überlassen. Anstelle einer Perspektive gedeihen Aggressionen. Ihre Aussichten, dem Milieu zu entkommen, tendieren gegen Null. Als bei einem Polizeieinsatz einer von ihnen schwer verletzt wird, schwört Vinz, einen Polizisten zu töten, sollte der Junge sterben. Hass ist ein eindrückliches und erschreckendes Portrait einer aussichtslosen Tristesse. Kassovitz entzieht dem Film die Farbe wie es den Jugendlichen an Farbe in ihrem Leben fehlt. Das Schwarzweiß verstärkt die Trostlosigkeit. Mit starker Bildsprache und schonungslosem Ende. Hass verfehlt seine Wirkung nicht.

3. Flucht aus L. A. (USA 1996)

Kurt Russell rebelliert wieder als Snake Plissken in einem ähnlichen Plot wie 1981 in Die Klapperschlange: Im Jahr 2013 ist Los Angeles nach einem Erdbeben vom Festland abgetrennt und eine düstere Insel für Abtrünnige. Der Gesetzlose Plissken hat keine Wahl: Er muss notgedrungen für den Präsidenten einen Auftrag erledigen oder er stirbt innerhalb weniger Stunden an einem injizierten Virus. Utopia, die Tochter des korrupten Präsidenten hat eine effektive Satellitenwaffe entwendet und sich dem Aufstand gegen ihren Vater angeschlossen. Snake soll die Waffe, eine kleine Fernbedienung, zurückbringen und Utopia töten. Der Präsident ist ein echter Rabenvater, aber was haben wir hier: Ein Typ mit Haaren und Augenklappe in schwarzer Kluft mit langem Ledermantel und ’ner Wumme. Was das ausmacht für den Film! Plissken spricht eigenartig flüsternd, aber der drohende Unterton seiner Stimme lässt keinen Zweifel: „Leg dich bloß nicht mit mir an!“ Und Snake räumt ordentlich auf. Russel ist cool und ansehnlich. Russel macht’s! Ohne ihn wäre es weniger mein Fall. Von John Carpenter und mit Peter Fonda als Pipeline in einer Nebenrolle.

4. Total Recall (USA/Kanada 2012)

Konflikt! Liebhaber des Originals mit Schwarzenegger werden dessen totale Erinnerung stets vorziehen, so ich. Das Remake aber hat Colin Farrell als Douglas Quaid, der nicht mehr so recht weiß, wer er eigentlich ist und ob seine Erinnerungen echt sind. Die Grundstory ist gleich, doch die Kolonie liegt nicht auf dem Mars, sondern in Australien. Von dort führt eine Art Rohrpost-Transporter die Arbeiter durch die Erde hindurch in die am anderen Ende gelegene United Federation of Britain, dem ehemaligen Großbritannien und einzigen Gebiet der Erde, das im Jahr 2084 neben der Kolonie noch bewohnbar ist. Die düstere Atmosphäre erinnert eher an Blade Runner. Die Drei-Busen-Frau taucht (natürlich) auf, und ein Déjà-vu verursacht eine auffällige Frau in gelber Jacke beim Check-In: Haste wohl gedacht! Der Humor des Originals fehlt. Aber ich habe die totale Erinnerung an Farrell!

5. The Last House on the Left (USA 2009)

Dies ist ein Horrorfilm-Remake von Das letzte Haus links aus dem Jahr 1972. Das Original kenne ich allerdings nicht. Hier wird offenbar Gewalt um der Gewalt willen zelebriert: Slasher, Rape und Revenge sind die Genrebegriffe zur Einordnung des Massakers: Mari (Sara Paxton) und Paige (Martha MacIsaac) amüsieren sich mit einem jungen Mann (Spencer Treat Clark) bis dessen Vater nebst Bruder und Freundin unerwartet nach Hause kommt. Daddy ist ein entflohener Sträfling und kann keine Zeugen gebrauchen. Das gewaltbereite Trio entführt die Mädchen. Sohnemann muss mit, er kann gegen seinen grausamen Erzeuger aber nichts ausrichten und den Mädchen nicht helfen. Als der Mörder-Daddy glaubt, Mari getötet zu haben, kann sie fliehen. Die Verbrecher landen schließlich im abgelegenen Ferienhaus der Eltern von Mari. Denen schwant bald etwas Fürchterliches. Spannung kommt durchaus auf, besonders im Elternhaus. Kann, muss man aber nicht ansehen.

6. Der Bruch (DDR 1988)

Berlin 1946, die Stadt liegt in Trümmern. Götz George, Otto Sander und Rolf Hoppe planen den Bruch ihres Lebens: Das Trio will die Einnahmen der Reichsbahn ergaunern, die sicher und trocken im Banktresor schlummern. Das Projekt wird äußerst motiviert, aber wenig professionell umgesetzt. So ein Loch muss halt ganz schön groß gebohrt, gehämmert, gemeißelt und geschweißt werden, damit ein Hoppe durchpasst, und deshalb bieten die Ausgrabungsarbeiten der drei Gauner neben einigen Dialogen den meisten Witz der Krimikomödie. Die Klasse von George, Sander und Hoppe kommt zurückhaltend zum Tragen, würde ich sagen. Ein Bruchteil mehr Tempo hätte etwas von der Langeweile genommen. Auch dabei: Ulrike Krumbiegel, Franziska Troegner und zeit(politisches) Kolorit. Die Geschichte beruht auf einem wahren Einbruch 1951 in die Eisenbahnverkehrskasse. 

7. Der Nebel (USA 2007)

Die Umsetzung einer Geschichte von Stephen King hat einen so schlichten wie effektiven Grusel: Nebel. Dieser Nebel hier bringt außerdem einige beachtliche und gefräßige Viecher hervor. Eines Tages taucht der geheimnisvolle Nebel die Kleinstadt Castle Rock in Maine in einen undurchdringlichen grauen Schleier. David Drayton (Thomas Jane) ist mit seinem kleinen Sohn und Nachbarn auf den Weg ins Stadtzentrum und flüchtet sich vor dem eigenartigen Wetterphänomen mit einigen anderen Menschen in den örtlichen Supermarkt. Ihnen wird klar, dass sie nicht gefahrlos in den Nebel hinaustreten können. Flugs kleben ein paar atomare Rieseninsekten an den Fensterscheiben. Was tun? Mrs Carmody (Marcia Gay Harden) hält den Nebel von Gott gesandt und spaltet die eingeschlossene Gruppe mit ihren – leider nervigen – Reden in zwei Lager. Auch sonst sind die Konflikte der Menschen leidlich, darunter die unnötige Auseinandersetzung schwarzer gegen weißen Mann. Trotzdem gruselig und spannend. Die Viecher wirken sehr effektvoll. Ich verlasse nie mehr das Haus bei Nebel. Fieses Ende!

8. The Quake – Das große Beben (Norwegen 2018)

Ein langweiliger, labiler Typ (Kristoffer Joner) ist der ungewöhnliche Held in diesem Katastrophenfilm, der in Oslo ein schweres Erdbeben losbrechen und einiges zum Wackeln und Einstürzen bringt. Der Film ist die Fortsetzung von The Wave – Die Todeswelle. Darin löst ein Felssturz im Geirangerfjord einen Tsunami aus. Der Geologe Kristian Eikjord leidet noch unter den Folgen der damaligen Ereignisse und lebt getrennt von seiner Frau und Kindern. Er geht Erkenntnissen nach, die auf ein bevorstehendes Erdbeben hindeuten. Verantwortliche glauben ihm nicht und so tut die Erde ohne jede Vorwarnung ihre Pforten auf und verschluckt alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Der Geologe versucht, seine Frau und Tochter aus einem modernen Hochhaus zu retten. Die oberen Etagen des Glaskastens sind schwer in Schieflage geraten. Wie bei Titanic wird der Film erst mit Eintreten der Katastrophe spannender. Einige Szenen in dem einsturzgefährdeten Hochhaus sind recht packend und tricktechnisch ansprechend. Die Vorgeschichte ist so lahm wie der Typ. Nur ein durchschnittliches Beben.

8. Geliefert (D 2021)

Ein empfehlenswerter Fernsehfilm über die Widrigkeiten des Lebens: Bjarne Mädel spielt den alleinerziehenden Vater eines Teenagers. Einst war Volker Profi-Fußballtrainer, doch jetzt muss er sein Geld als Paketbote verdienen. Er malocht 12 Stunden am Tag und trainiert nur noch in seiner Freizeit Kinder im Fußballspielen. Der Job wird so mies bezahlt, dass die Kosten der bevorstehenden Klassenfahrt seines 16-jährigen Sohns nicht drin sind. Der Vater geht deshalb neben seinen Pakettouren einer Schwarzarbeit nach. Der Titel Geliefert kann auf zweierlei Art gelesen werden: Zum einen zeigt der Film die schwere und schlecht bezahlte Arbeit der Paketzusteller auf, zum anderen das persönliche Geliefertsein des Hauptprotagonisten. Mädel kann gut diese derangierten Typen: Hier ist es ein angezählter auf die Fünfzig zugehender Mann, der eigentlich herzensgut ist, dem es aber aus schierer Verzweiflung nicht mehr gelingt, aufrecht zu bleiben. Berührend die Szene, in der Mädel, gepeinigt vom eigenen Versagen, die Fassung verliert und sein Vergehen gesteht. Menschlich!

9. Der Chef (F/Italien 1972)

In Jean-Pierre Melvilles Gangsterballade braucht es der Worte nicht viel und das ist gut so: Ein in den Sommermonaten belebter Küstenort, der menschenleer unter grauem Himmel gespenstisch und unwirklich wirkt. Ein schwarzer Dodge Dart als prima Gangsterkarre, die im Regen langsam heranrollt und in der Nähe einer Bank stoppt. Die Eröffnungssequenz eines Banküberfalls kommt minutenlang ohne Dialog aus und ist wohl der beste Filmanfang, den ich kenne. Im Verlauf des Krimis findet ein noch größerer Coup statt: Satte 20 Minuten schaut man gebannt einem großen Eisenbahnraub zu, während nicht ein einziges Wort gesprochen wird. Das funktioniert ganz wunderbar, ohne langweilig zu sein. Im Gegentei, die Inszenierung des Films ist seine Stärke. Alain Delon ist Der Chef und hinter den Verbrechern her. Der Kommissar geht wenig zimperlich vor und ist fast unsympathischer als die Gangster. Der blaustichige Farbton – ob gewollt oder dem damaligen Filmmaterial geschuldet – unterstreicht die unterkühlte Atmosphäre, eigentlich das kalte, gefühllose Agieren Delons. Mein Fall ist Delon nicht. Catherine Deneuve spielt seine Geliebte, Richard Crenna ist der Kopf der Gangsterbande.

10. Gänsehaut (USA/Australien 2015) und Gänsehaut 2 – Gruseliges Halloween (USA 2018)

Du findest Gartenzwerge echt gruselig? Dann ist Gänsehaut Dein Halloween-Film schlechthin. Augenscheinlich gehöre ich nicht zur primären Zielgruppe dieser Gruselkomödie und doch gefällt sie mir richtig gut: Die filmische Umsetzung der erfolgreichen Jugendbuchreihe des Amerikaners R. L. Stine ist ideen- und temporeich, ohne überdreht zu sein. Ein Yeti, das auf viele viele bunte Smarties steht und eine Horde lebendig gewordener Gartenzwerge sind nur der Anfang dieses Monster-Happenings: Zach Cooper (Dylan Minette) zieht mit seiner Mutter in die Kleinstadt Madison. Im Nachbarhaus lebt der geheimnisvolle Autor R. L. Stine (Jack Black) mit seiner Tochter Hannah (Odeya Rush). Die Teenager freunden sich an. In Stines Haus schlägt Zach eines der Bücher des Schriftstellers auf und befreit auf diese Weise die Holzpuppe Slappy aus den Buchseiten. Slappy ist gar nicht nett und lässt die ganze Monsterschar des Gruselautors frei. Die Tricktechnik ist beachtlich angesichts der Fülle von Monstern, auch wenn diese keine echte Gänsehaut erzeugen. Die Gags zünden mit einer Reichweite über den ganzen Film: Lasset die Halloween-Party beginnen! Mir macht’s richtig Spaß. Auch Gänsehaut 2 ist kurzweilig, bietet von allem nur etwas weniger. Die Jungen Sonny (Jeremy Ray Taylor) und Sam (Callel Harris) sind die liebenswerten Hauptpersonen. Beim Schrottsammeln in einem alten Haus finden sie in einer Truhe ein unscheinbares Buch – und öffnen es: Schwups, da ist Slappy zurück! Und die Halloween-Overkill-Deko des Nachbarn Mr. Chu (Ken Jeong) ist ganz im Sinne Slappys. So schön zu Halloween wie Die Addams Family in verrückter Tradition.

11. Der Hypnotiseur (Schweden 2012)

Im Gegensatz zu Lasse Hallströms Ein ungezähmtes Leben (Durchgezappt im September) hat mir Der Hypnotiseur kaum gefallen, obwohl der Plot recht vielversprechend klingt: Eine Familie wird niedermetzelt, einzig der Sohn überlebt schwer verletzt. Da er kaum vernehmungsfähig, aber der einzige Zeuge ist, lässt der ermittelnde Kommissar Linna (Tobias Zilliacus) den Teenager (Jonatan Bökman) von Arzt Erik Maria Bark (Mikael Persbrandt) unter Hypnose setzen. Was dabei herauskommt, erschreckt die Beteiligten und bringt Bark, der ohnedies mit Eheproblemen zu tun hat und Schlaftabletten schluckt, ein früheres Drama seiner Arbeit zurück. Das Ganze spielt in einem finsteren Stockholm. Ich fand den Krimi langweilig oder konnte keine Geduld dafür aufbringen. So habe ich den Finger nicht von der Doppelte-Geschwindigkeit-Taste der Fernbedienung lassen können – nur um zu gucken, wie es ausgeht.

12. Geostorm (USA 2017)

Die Handlung passt in die Zeit: Im Jahr 2019 häufen sich katastrophale Wetterphänomene, so dass weltweit Satelliten zur Kontrolle des Wetters in Umlauf gebracht werden. Der Entwickler des Dutch Boy genannten Systems, Gerard Butler, musste gehen, nachdem er es ohne Weisung in Betrieb nahm, um Menschen vor Unwettern zu retten. Stattdessen leitet sein Bruder das Projekt. Bruderkonflikt. Nun läuft das System nicht einwandfrei: Ein Satellit über Afghanistan hat Menschen schockgefrostet. Butler soll wieder ran, um den Betriebsausfällen mehrerer Satelliten auf den Grund zu gehen. Er wird ins All zur internationalen Klima-Raumstation geschossen und an Bord von Alexandra Maria Lara, der Kommandantin, empfangen. Es droht eine weltumspannende Wetterkatastrophe. Ja, naja, es geht so: Da ist halt so ein irrer Typ (nicht Trump), der Amerika gern great again sehen möchte und ein Präsident, der in Sicherheit gebracht werden muss. Patriotisch eben. Das Thema ist – klar nicht – wenig wissenschaftlich, sondern vorwiegend auf Mega-Katastrophe, Action und einen finalen Big Bang angelegt. Ein Hauch mehr Anspruch darf gern einmal an den Zuschauer gerichtet werden. So macht Geostorm zwar viel Wind, hat mich aber nicht umgepustet.

13. Die Frau des Nobelpreisträgers (Schweden/USA 2017)

Glenn Close ist die Ehefrau des Nobelpreisträgers Jonathan Pryce. Das Paar reist 1992 nach Stockholm, wo dem Schriftsteller der Nobelpreis für Literatur verliehen werden soll. Für den Autor ist die Verleihung der Höhepunkt seiner herausragenden Karriere. Seine Frau Glenn Close steht zurückhaltend, fürsorglich und fördernd an seiner Seite. Geduldig erträgt sie die Allüren des Egozentrikers. Für die Karriere ihres Mannes hat sie in jungen Jahren das Schreiben aufgegeben, auch in der Annahme, als Frau bliebe ihr Erfolg als Schriftstellerin verwehrt. Ihr Sohn, der ebenfalls schreibt, ist der harten Kritik seines Vaters ausgesetzt. Welchen Anteil die dezente und kluge Frau wirklich am Erfolg ihre Mannes hat, ist bald zu erahnen und wird in Rückblenden erzählt. Close wurde für den Oscar nominiert, hat ihn aber nicht gewonnen – wie noch nie bei acht Nominierungen: Hier sehe ich eine kleine Parallele zu ihrer Filmfigur. Verdient hätte Glenn Close die goldene Statue für ihre Darstellung einer offenbar liebenden Frau und Mutter, hinter deren Fassade es allerdings brodelt. Ihre Umgebung ahnt nichts, als Zuschauer bleibt man eine Weile einziger Zeuge des quälenden Verzichts dieser starken Frau, die Close formidabel spielt.

14. San Andreas (USA 2015)

Oh Mann, der Dwayne „The Rock“ Johnson gefällt und hat mich erneut toll unterhalten. Faszinierend, wie der Mann allen Totalanschlägen auf seinen Körper trotzt: Der Dwayne ist stärker als jedes Containerschiff, das in einem Tsunami auf ihn zurast. Los Angeles erschüttert ein nie dagewesenes Erdbeben der Stärke Neun irgendwas drüber, aber Hubschrauberpilot der Feuerwehr, der Dwayne, ist allenfalls zu erschüttern, wenn es um seine Familie geht. So schraubt er sich mit seiner schon getrennt von ihm lebenden Frau in die Höhe, um die gemeinsame Tochter zu retten, während die Stadt unter ihnen in Brösel zerfällt. Der neue Typ der Frau entpuppt sich derweil als echtes Charakterschwein. Ein Action-Katastrophen-Spektakel ohne Atempause. Keine Angst, der Dwayne wird dich retten!

15. Die Vorsehung (USA 2015)

Die FBI-Ermittler Jeffrey Dean Morgan und Abbie Cornish ermitteln in einer Mordserie: den Opfern wird durch einen tiefen Stich in den Hinterkopf das Leben genommen. Die Toten scheinen keine Gemeinsamkeiten aufzuweisen, das Tatmotiv ist unklar. Die Agents kommen nicht weiter und ziehen Anthony Hopkins zu Rate, der Hellsehen kann. Nur widerwillig erklärt sich der alte Mann bereit, seine Fähigkeiten noch einmal einzusetzen. Die Vorsehungen des Hopkins führen die Ermittler zum Täter. Der Hellseher erkennt, dass er es mit einem ebenbürtigen, nicht zu unterschätzenden Gegner zu tun hat. Eingeschaltet nicht etwa wegen Hopkins, den ich, ohne dass er Hannibal Lecter ist, immer ein wenig zum Fürchten finde, aber wegen Colin Farrell, der in diesem Film im letzten Drittel auftaucht und die eigentlich furchteinflößende Rolle inne hat. Farrell finde ich immer interessanter. 

16. Inspector Gamache – Denn alle tragen Schuld (Kanada 2013)

Hierbei handelt es sich um eine TV-Verfilmung des ersten Falls von Inspector Gamache aus der gleichnamigen Romanreihe von Louise Penny. Ich schaue nur gelegentlich Fernsehkrimis. In diesem Fall hat mich die zufällig aufgeschnappte Vorschau angefüttert und der Umstand, dass der Krimi in Kanada spielt. Armand Gamache (Nathaniel Parker) ermittelt in der überschaubaren Ortschaft Three Pines in ansprechender Landschaft der Provinz von Québec. Die Lehrerin Jane Neal wird durch einen Pfeilschuss getötet. Wer hat die allseits beliebte Lehrerin getötet? Der frankokanadische Inspector mit britischem Einschlag handelt ruhig und überlegt. Unterstützt wird er von Inspector Jean-Guy Beauvoir (Anthony Lemke) und der jungen Polizistin Yvette Nichol (Susanna Fournier). Der teils abwertende Umgang Gamaches mit seiner jungen Kollegin passt nicht ganz ins Bild des ansonsten sym- und empathischen Inspektors. Ein angenehmer Krimi ohne Hektik, Action und Spannung zum Umfallen. Andere könnten dies daher schwerwiegend langweilig empfinden. Leider gibt es keine weiteren Fernsehkrimis mit Gamache. Nathaniel Parker ermittelte zuvor als britischer Inspector Lynley.

17. Mann gesucht, Liebe gefunden (D 2003)

Dieser Fernsehfilm gehört zu den besten und meinen liebsten Komödien mit Günther Maria Halmer in seiner Paraderolle eines mehr oder weniger misanthropischen Typs, der gerade noch liebenswert ist. Hier zankt er sich mit Thekla Carola Wied, Inhaberin einer Partnervermittlung. Nachdem das Finanzamt ihr gegenüber eine hohe Forderung aufmacht, sieht sie sich gezwungen, den gut honorierten Auftrag einer Kundin (Saskia Vester) anzunehmen, die ausgerechnet ihren launischen Nachbarn Wieland Busch (Halmer) kennenlernen möchte. Wohl oder übel muss sie sich mit dem Philosophen und Autor von Die Liebeslüge auseinandersetzen und den Kaktus-Besitzer dazu bringen, sich mit ihrer Kundin zu treffen. Freiwillig macht Halmer auf keinen Fall mit, aber Wied weiß etwas von ihm, das auf keinen Fall an die Öffentlichkeit geraten darf und so muss er gezwungenermaßen mitspielen. Dabei bleibt es nicht aus, dass die Kontrahenten Zeit miteinander verbringen. Der Mann, der nicht an die Liebe glaubt, fühlt sich von Wied bald eingesponnen wie von einer Spinne. Eine Weile zappelt er noch. Die Komödie hält sich gut im Programm und wird bis dato regelmäßig wiederholt, bestimmt nicht von ungefähr, denn sie ist launig und unterhaltsam und macht auch nach dem x-ten Mal Spaß. Aber ich kann nicht glauben, dass dieser Film schon bald 20 Jahre alt ist. Das heißt, ich bin alt…

Und was hast Du so geguckt?

Durchgezappt im September 2021

Im September sind einige starke Frauen über meinen Bildschirm geflimmert: Isabelle Huppert, Jodie Foster und Jennifer Lopez boten dem Schicksal die Stirn. Spaß hatte ich mit einem Peter Alexander-Film, dem Dwayne und zwei coolen Brüdern, die in Chicago auf spezielle Art den Blues fahren. Eine spannende Autofahrt habe ich mit einem großen Straßenkreuzer in einem Horrorfilm à la Duell unternommen. Schließlich bin ich noch ein bisschen mit der New Yorker U-Bahn gefahren.

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1. Ich bin kein Casanova (Ö 1959)

Dieses „leichtfüßige Lustspiel“ ist vielleicht nicht der beste Film mit Peter Alexander, aber ich habe mich gut unterhalten und lachen müssen. Das lag vor allem an der blutjungen Maria Sebaldt, die als Frau des neureichen Ferry Pirkner (Heinz Conrads) allen die Show stiehlt. Adrienne Pirkner (Maria Sebald) bemüht sich redlich in Sachen Bildungssprache, verwechselt aber ständig Begriffe, und so passiert es, dass sie von ihrem Mädchen „das Crétin-Kleid“ wünscht. Weil also die Umgangsformen der Pirkners recht ungeschliffen und wenig fein sind, wird Student Peter Keller (Peter Alexander) als Butler und Mädchen für alles engagiert. Ein geschäftlicher Anlass führt das Paar mit ihrem Diener nach San Remo. Unter der Sonne Italiens kommt es zu allerlei Verwechslungen: Da Pirkner unwissentlich seinem angehenden Geschäftspartner auf die Nase boxt, muss Peter fortan Herr Pirkner sein. Und Peters Angehimmelte wähnt in ihm einen Casanova. Was will man mehr: Allround-Entertainer Peter Alexander im Ford Thunderbird Convertible und launige Verwechslungen inklusive Italiensehnsucht. Ich finde, „leichtfüßig“ sollte nicht mit „banal“ oder „angestaubt“ übersetzt werden, denn der Nostalgiefilm punktet mit unbeschwerter Unterhaltung. Abschalten! Aber vom Alltag. Ich mag’s.

2. Sibyl – Therapie zwecklos (F/B 2019)

Puh! Das Ganze habe ich zu hysterisch, nervig und wenig nachvollziehbar empfunden, die Probleme aufgesetzt und überdramatisiert. Irgendwie anstrengend: Virginie Efira spielt eine Psychotherapeutin, die sich nach langer Pause wieder der Schriftstellerei widmen und einen Roman schreiben möchte. Um Zeit für ihr Projekt zu haben, gibt sie die meisten Patienten ab. Als die bekannte Schauspielerin Margot (Adèle Exarchopoulos) hartnäckig Hilfe von ihr wünscht, gibt Sibyl nach. Margot ist von ihrem Kollegen Igor (Gaspard Ulliel) schwanger und im Zweifel, ob sie abtreiben soll oder nicht. Hinzu kommt, dass sie gerade einen Film mit Igor dreht und der eigentlich mit Regisseurin Mika (Sandra Hüller) zusammen ist. Die Situation überfordert Margot (und den Zuschauer, jedenfalls mich), und sie verlangt, dass Sibyl zum Drehort kommen möge, um ihr Vorort zu helfen. Sibyl lehnt ab, aber in einer Notsituation reist sie doch auf die Insel Stromboli. Die Therapeutin hat mit eigenen Problemen zu tun und sieht bei Margot Ähnlichkeiten zu sich selbst, zudem wird Margot zur Inspirationsquelle für ihren Roman. Es entwickelt sich eine folgenreiche Wechselbeziehung zwischen Therapeutin und Patientin. Efira hat mich als Psychotherapeutin nicht überzeugt, und mir ist unklar geblieben, weshalb sie diese und jene spezifischen Probleme hat. Allerdings, die aus Suhl stammende Sandra Hüller als entnervte Regisseurin Mika ist sehenswert. Irgendwann geht sie über Bord. Ich springe hinterher!

3. Die Reise ins Labyrinth (USA 1986)

Damals Flop, heute Kult. Seine Fans hat der Fantasyfilm mit den animierten Puppen von Muppets-Erfinder Jim Henson sicher nicht nur wegen des exzentrischen Auftritts von David Bowie als Koboldkönig Jareth. Der Film macht vor allem der putzigen Puppenfiguren wegen Spaß, die ohnedies den menschlichen Darstellern die Schau stehlen. Teenie Sarah (Jennifer Connelly) ärgert sich über ihren kleinen Stiefbruder Toby und wünscht, der Koboldkönig möge ihn holen. Gesagt, getan: Jareth gibt Sarah nur wenig Zeit, um das Baby im roten Ringelhemdchen aus seinem Schloss zurückzuholen. Dazu muss sie ein großes Labyrinth überwinden. Auf ihrem Weg durch das Geflecht begegnen ihr drollige Wesen. So weist ihr ein Wurm den Weg, und sie begegnet Dobbel, Hobbel, Gockel, ach nein, Kobold Hoggle, der ihr Begleiter wird. Aber kann sie ihm trauen? Kann sie das „Moor des ewigen Gestanks“ überwinden? Wird Koboldkönig Jareth in seinen Strumpfhosen, wenn er nicht gerade singt, seine Macht ausüben und Sarah daran hindern können, ihm Baby Toby wieder zu entreißen? Am meisten macht Sarahs Weg durch das Labyrinth, den Wald und das Moor Spaß, weil die Kulissen lieblich gestaltet sind. Handarbeit. Bowie steuerte Songs zum Soundtrack bei.

5. Ein ungezähmtes Leben (USA 2005)

Der alternde Farmer Robert Redford trauert in der Einöde Wyomings um seinen toten Sohn und tröstet sich mit Alkohol. Nur sein Farmarbeiter und Freund Morgan Freeman hat Zugang zu dem Einsiedler. Nach einem Bärenangriff bedarf Freeman der Pflege, und Redford kümmert sich um ihn. Der Bär vegitiert derweil gefangen in einem Zookäfig vor sich hin. Eines Tages taucht Redfords Schwiegertochter Jennifer Lopez mit ihrer 11-jährigen Tochter auf und bittet für einige Zeit um Unterschlupf auf der Ranch, nachdem sie vor ihrem gewalttätigen Freund geflüchtet ist. Nur widerstrebend nimmt Redford die Frau seines Sohns auf, denn er gibt ihr die Schuld an seinem Tod. Das Verhältnis zwischen den beiden ist angespannt. Die aufgestauten Emotionen türmen sich so hoch wie die Rocky Mountains, die die Farm umgeben. Bei allem ist Redford überrascht eine Enkeltochter zu haben, und sie ist es, die das Herz des Farmers langsam zu erreichen scheint. Regisseur Lasse Hallström puzzelt nach und nach mit überzeugenden Darstellern ein sehr menschliches Bild von Trauer, Schuld, Verzeihen, Loslassen und Zulassen. Der Bär trauert dabei kaum weniger Mitleid erregend in seinem Käfig als der Mensch in seinem einsamen Haus. In schönen Bildern erzählt, eingebettet in toller Landschaft. Das ist kein Film für Hektiker. Und ich stelle fest, dass mir Jennifer Lopez in den drei Filmen, die ich bisher mit ihr gesehen habe, immer gefallen hat. Hier überzeugt sie in einer ernsten Rolle. In Das Schwiegermonster mit Jane Fonda fand ich sie lustig und unkapriziös.

6. Skyscraper (USA 2018)

Dwayne Johnson agiert als Actiongranate in einem Streifen zwischen Flammendes Inferno und Stirb langsam. Das ist auf jeden Fall spannend und unterhaltsam, egal – oder gerade – wie abstrus manche Szenen sein mögen, der Dwayne scheint über Superman-Kräfte zu verfügen. Wahnsinn, unkaputtbar der Mann, eventuell plumpst ihm höchstens mal die Unterbeinprothese ab. Der ehemalige FBI-Mann arbeitet deshalb als Sicherheitsexperte in einem futuristischen Superhochhaus in Hongkong. Die Sicherheitssysteme des höchsten Hochhauses der Welt können mit einem Tablet gesteuert werden, das der Dwayne nicht ganz freiwillig aus der Hand geben muss. Ein böser Mensch hat es nämlich auf den Tower und dessen Erbauer abgesehen. Weil der Übeltäter die Feuerschutzsysteme außer Kraft setzt, breitet sich ein Feuer im Skyscraper aus. Dwayne muss seine Familie vor der Feuersbrunst retten und nebenher die Terroristen plattmachen. Der Dwayne gewinnt jeden Weitsprungwettbewerb! Granatiert!

7. Blues Brothers (USA 1980)

Boom Boom! Die Blues Brothers sind mir bis jetzt durch die Lappen gegangen. Wieso bloß? Vielleicht liegt es an der ausrangierten Polizeikarre, mit der Dan Aykroyd und James Belushi in Chicago auf die Tube drücken – gefolgt von jeder Menge echter Polizeiwagen, die hinterher haufenweise Totalschrott sind. Elwood (Aykroyd) holt seinen Bruder Jake (Belushi) aus dem Knast ab, und gleich die ersten Szenen begeistern durch die herrliche Bildsprache von Kameramann Stephen M. Katz: So tritt Jake aus einer Art Lichttunnel wieder hinaus ins Leben. Auferstanden von den Toten besteht ihre erste Mission darin, zum Waisenhaus zu fahren, in dem sie aufgewachsen sind. Die Einrichtung hat finanzielle Nöte. Die Brüder wollen helfen, aber die gestrenge Mutter Oberin duldet kein kriminelles Geld. Jake und Elwood wollen ihre frühere Band, die Blues Brothers, reanimieren und ehrliche Kohle verdienen. Dazu müssen sie erstmal alle Musiker zusammentrommeln. Im Partnerlook – Anzug, Hut, Sonnenbrille, alles schwarz – steigen sie in ihren abgerockten Dodge mit dem ganzen Dreck auf dem Amarturenbrett und machen sich auf den Weg. Stoisch und unbeweglich wie Dummys hocken sie in ihrem Vehikel und verziehen keine Miene, wenn eine ganze Polizeiarmada hinter ihnen klebt, die Chicagoer Hochbahn gefühlt durch Elwoods Appartement rauscht oder ihnen irgendetwas um die Ohren fliegt, weil Jakes Verflossene versucht, ihn explosiv aus dem Weg zu räumen. Dazu gibt es musikalische Auftritte von James Brown, Aretha Franklin und John Lee Hooker (Boom Boom). Ich liebe die Crashfahrt durch das Einkaufszentrum. Meisterliche Zeile im Drehbuch: „Scheiße.“ „Was?“ „’Ne Streife.“ „Nein.“ „Doch.“ „Scheiße.“ Scheiße, ist das cool!

8. Hotel Artemis (USA/GB 2018)

Was nach einem sonnigen Griechenlandurlaub klingt, entpuppt sich als dystopisches Szenario in Los Angeles des Jahres 2028. Jodie Foster ist „Die Schwester“ im ehemaligen Hotel Artemis, das in unruhigen und düsteren Zeiten zu einem geheimen Krankenhaus für Verbrecher geworden ist. Der Service richtet sich ausschließlich an zahlende Mitglieder. Die Schwester Jean Thomas agiert wie eine Ärztin, indem sie computergesteuerte Operationsgeräte bedient. Ihr zur Seite steht nur der schrankgroße Krankenpfleger Everest (Dave Bautista). Kurz: Zwei Brüder werden nach einem missglückten Raubzug verletzt aufgenommen, kurz darauf auch Gangsterboss „Der Wolfking“ (Jeff Goldblum), der das Hospital gegründet hat. Die Brüder haben etwas sehr Wertvolles mitgehen lassen, das dem Gangsterboss gehört. Die eingeschleuste Patientin Nice (Sofia Boutella) ist eine Auftragsmörderin. Die Schwester leidet infolge eines Traumas unter Angst und hat das Hotel seit 22 Jahren nicht mehr verlassen. Man stricke das Ganze zusammen. Eingeschaltet wegen Jodie Foster. Dachte, dass Foster ja auch älter geworden ist, aber dankenswerterweise mit ehrlichen Falten ins Alter zu gehen scheint.

9. Der schweigende Stern (DDR/Polen 1960)

Der schweigende Stern ist die Venus. Wissenschaftler finden eine geheimnisvolle Spule, die im Zusammenhang mit einem abgestürzten Raumschiff der Venus steht. Die Botschaft kann nur teilweise entschlüsselt werden, und so macht sich ein internationales Team mit der Raumfähre Kosmokrator auf den Weg zur Venus. Auf ihrer Reise finden sie heraus, dass von dem schweigenden Stern eine Gefahr ausgeht. Jedes Faschingskostüm für Kinder scheint heute aufwändiger geschneidert als die Raumanzüge der Expeditionsteilnehmer, in denen sie wie Teletubbies aussehen. Die Kulissen wirken – aus heutiger Sicht – so hilflos wie faszinierend. Erstaunlich, dass allein blinkende Lämpchen, ein bisschen Aluminium und blubbernder Schlamm ein futuristisches Gefühl erzeugen können. Das Modell der Kosmokrator ist toll retrospacig. Die Dialoge sind eher blutleer, aber vor allem die Erkundung der Venus ist spannend. Was werden die Erdlinge vorfinden? Gibt es Leben auf dem schweigenden Stern? Was hat es mit der Botschaft auf der Spule auf sich? Das erfolgreiche Science-Fiction-Abenteuer der DEFA spielt nicht weit entfernt im Jahr 1970 vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs. Die Furcht und Mahnung vor einem atomaren Angriff steht im Mittelpunkt der Handlung. Grundlage bildete der Roman Die Astronauten des polnischen Schriftstellers Stanislaw Lem. 

10. The Frighteners – Herr der Geister (Neuseeland/USA 1996)

Diese Horrorkomödie mit Michael J. Fox als Geisterjäger hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, wahrscheinlich nicht von ungefähr, denn das ist nicht Fox’ bester Film: Frank Bannister (Michael J. Fox) kann nach dem Unfalltod seiner Frau Geister sehen und setzt diese Fähigkeit mithilfe dreier Gespenster nicht ganz redlich ein, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als sein letzter Kunde stirbt, gerät er unter Mordverdacht. Die hübsche Witwe (Trini Alvarado) des Verstorbenen glaubt an Bannisters Unschuld, und die beiden bändeln an. Außerdem hat Frank es mit einem Massenmörder zu tun, der auch als Geist noch sein Unwesen treibt. Der Plot nervt durch die tönenden, sich oft schreiend gebärdenden Geister, und ich mag diesen Special Agent (Jeffrey Combs) nicht. Außerdem sind Fox’ Haare zu kurz geschnitten. Aber keiner küsst ein Mädchen im Film so zart wie Fox. 

11. Elle (F/D 2018)

Selbstbewusst führt Isabelle Huppert ein Unternehmen für Computerspiele und behauptet sich gegenüber den jungen Techniknerds ihrer Firma. Eines Tages bricht ein maskierter Mann in ihr Pariser Haus ein und vergewaltigt sie brutal. Als wäre ihr das Geschirr nur versehentlich aus der Hand gefallen, kehrt sie die Scherben des Kampfes auf und entsorgt die Splitter im Mülleimer. Anschließend nimmt sie ein Bad. Hat die Vergewaltigung Spuren in ihr hinterlassen? Es muss so sein, und ist es nicht vielmehr der in ihr hinterlassene Scherbenhaufen, den Michèle Leblanc da zusammenkehrt? Scheinbar ungerührt von dem Vorfall, geht die spröde Frau ihren gewohnten Tagesgeschäften nach und erzählt nur ihren engsten Freunden beiläufig bei einem Essen, was ihr zugestoßen ist. Aus einem persönlichen Grund schaltet Michèle die Polizei nicht ein. Der Angreifer bedroht sie weiter mit Textnachrichten. Michèle besorgt sich Pfefferspray und eine Axt. Ich glaubte, Elle erzähle von einer Frau und ihrem Umgang mit dem traumatischen Erlebnis der Vergewaltigung. Paul Verhoeven (Basic Instinct) tut dies auf eine drastische und – vielleicht kann man es so sagen – unerwartet abgründige und keinesfalls leichtgängige Weise. Alles ist zu krass in Elle: Die Lebensgeschichte der Michèle Leblanc, die Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Sohn sowie dessen Beziehung zu seiner Freundin. Es kann eine Menge diskutiert und psychologisiert werden über Elle. Die Liste der Auszeichnungen für das Drama ist lang. Ohne Frage ist Hupperts Darstellung gewagt und eindrucksvoll, in welche Richtung man dies auch empfinden mag: Elle ist Geschmacksache, man kann und darf geteilter Meinung sein. Christian Berkel ist als Unsympath dabei. Außerdem spielen Laurent Lafitte, Virginie Efira, Anne Consigny und Charles Berling. Der Film basiert auf dem Roman Oh… von Philippe Dijan.

12. Joyride – Spritztour (USA 2001)

Es ist nur ein Streich junger Männer: Die Brüder Paul Walker und Steve Zahn sind in einem 71er Chrysler Newport on the road in Wyoming. Aus Langeweile albern sie mit dem Funkgerät herum: Paul Walker lockt mit verstellter Stimme als vermeintliche Frau einen Trucker zum Date in ein Motel. Sie lotsen ihn in ein falsches Zimmer und belauschen aus dem Nachbarzimmer, wie der Lastwagenfahrer das Erwartete nicht vorfindet. Irgendetwas passiert in dem Zimmer. Am nächsten Morgen wird der Zimmernachbar halb tot von der Straße gesammelt. Die Polizei hat Fragen an die Brüder, die es bald sehr mit der Angst zu tun bekommen werden, denn der Trucker kommt ihnen auf die Spur. So ähnlich wie Duell, ein Roadmovie mit cooler Benzinkutsche, Landschaft, Highways und einem Motel im Regen mit Neonreklame. Tolle Optik. Und spannend. 

13. Money Train (USA 1995)

Na ja: Wesley Snipes und Woody Harrelson quasseln den Zuschauer gnadenlos nieder. Die Filmlocation ist top: Die beiden Adoptivbrüder arbeiten nämlich als Polizisten undercover im Untergrund der New Yorker U-Bahn. Der Chef hat sie auf dem Kieker, sein Augapfel ist der Geldzug, der regelmäßig im Tunnel pendelt. Harrelson hat Spielschulden, die Brüder geraten in Konflikt. Ihr Disput wird durch die hübsche neue Kollegin (Jennifer Lopez) größer. Harrelson will den Geldzug überfallen. Die Handlung ist nicht gerade von Intelligenz geprägt, aber Jennifer Lopez ist mir ein weiteres Mal positiv aufgefallen – und die U-Bahn-Kulisse.

14. Madame Bovary (F 1991)

Isabelle Huppert ist Gustave Flauberts Madame Bovary, die unglückliche Frau eines Provinzarztes, die literarischen Weltruhm erreicht hat. Sie nimmt sich einen Liebhaber und verschuldet sich für Tand und schöne Kleider. Ihrem Unglück vermag sie nicht zu entkommen und geht daran zugrunde. Claude Chabrol inszeniert die Leiden und Sehnsüchte der jungen Frau mit Wiedererkennungswert zum Roman von 1857. Flaubert wurde für Madame Bovary wegen des Verstoßes gegen die guten Sitten vor Gericht gestellt, aber freigesprochen. Huppert gibt eine dramatische Vorstellung. Ihre Schluss-Szene packt den Betrachter ebenso entsetzlich wie Flaubert sie in seinem Roman beschreibt.

15. Die fabelhafte Welt der Amélie (F/D 2001)

Ich gehöre zu denen, die Amélie nicht so sehr verzaubert. Weil Yolande Moreau als Concierge mitspielt, habe ich mir den Film noch einmal angesehen. Moreau gefällt mir darin am meisten. Wenn Amélie (Audrey Tautou) mit ihren schwarzen Kulleraugen groß dreinschaut, erscheint mir ihr Blick eher nichtsagend als vielsagend. Die Filmmusik nervt durchgehend und ist zu laut über Dialoge und Erzähler gelegt. Die Geschichte eines kontaktscheuen Mädchens, das zum Engel für andere Menschen wird, liegt mir nicht. Interessant finde ich die Frage, weshalb jemand zerrissene Passfotos von fremden Menschen aufsammelt, sie wieder zusammensetzt und in ein Album klebt.  

Und außerdem:

Die Serie Die Bergpolizei mit Terence Hill, über die ich hier schon einmal ausführlicher erzählt habe.

Und Columbo darf nicht fehlen. Über Falks Schaffen und sein Buch Just One More Thing habe ich hier berichtet.

Meine Durchgezappt-Liste für August 2021 ist hier zu finden.

Und was hast Du so geguckt?

Durchgezappt im August 2021

Auch im August habe ich mich wieder durch das Fernsehprogramm gezappt und einige Filme angeschaut. Darunter waren bissige Zombies, Haie und Alligatoren, Die Figuren Nana und Jean Valjean aus Romanklassikern, ein Mops, Miss Marple, zwei ausgesprochen berührende Filme über einen Rodeo-Reiter und eine französische Malerin sowie eine überraschend gelungene Fortsetzung eines Science-Fiction-Klassikers. Mein Bildungsprogramm des Monats setzt sich wie folgt zusammen:

1. Blade Runner 2049 (USA/GB/Kan 2017)

Skeptisch und gespannt war ich auf die Fortsetzung von Blade Runner (1982) und dachte, das kann ja nix werden. Nun gefällt mir das Sequel mit Ryan Gosling wider Erwarten so gut, dass ich erneut reingeschaut habe. Die Referenzen an das Original hinsichtlich Filmmusik und Atmosphäre sind gelungen und die Geschichte glaubwürdig weitererzählt. Glücklicherweise versucht der 2049er Runner nicht, das Original zu kopieren oder zu übertrumpfen und steht überzeugend für sich. Er fällt aber in der Tiefe zur Frage, was den Menschen von der Maschine unterscheidet, gegenüber dem Klassiker ab. Harrison Ford nicht auf Biegen und Brechen als Hauptdarsteller zu besetzen, sondern ihn relativ spät, aber eindrücklich auftreten zu lassen, ist eine gute Entscheidung der Filmemacher gewesen. Blade Runner basiert auf dem Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? von Philip K. Dick aus dem Jahr 1968. Sehens- und lesenswert!

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2. Nana (F/It 1955)

Diese Filmversion mit Martine Carol und Charles Boyer lässt nur das Grundgerüst des Romans von Emile Zola übrig, ist aber durchaus passend dargestellt: Die Dirne Nana bezirzt im Revuetheater als Die blonde Venus Männer mit ihren körperlichen Reizen und verwöhnt die reichen Herrschaften auch abseits der Bühne. Sie lässt keine Möglichkeit aus, die Freier seelisch und finanziell auszunehmen. Graf Muffat verfällt ihr und verausgabt sich, wodurch der Mätresse ein kostspieliger Lebensstil gepaart mit gesellschaftlichem Aufstieg möglich wird. Weder für Nana noch für den Grafen nimmt dieses Unglück ein gutes Ende. Hier findet Nana ein vom Roman abweichendes, wohl filmischeres und einfacher zu erzählendes Ende. Nana ist Teil des Zyklus Die Rougon-Macquart, der 20 Romane Zolas umfasst: Der Totschläger erzählt Nanas Vorgeschichte als Kind einer Wäscherin und eines Trinkers: sie endet als Straßendirne. Hieraus wird Nanas Weg und Umgang mit Männern deutlich. 

3. Der Fall Collini (D 2019)

Ferdinand von Schirach steht noch auf meiner Leseliste, denn der frühere Strafverteidiger erklärt wie kein anderer die Juristerei – vor allem zeigt er Diskrepanzen auf. Der Film entstand nach seinem gleichnamigen Roman: Scheinbar grundlos tötet Fabrizio Collini (Franco Nero) den Industriellen Meyer (Manfred Zapatka) und stellt sich anschließend der Polizei. Er wird des Mordes angeklagt. Der junge unerfahrene Anwalt Caspar Leinen (Elyas M’Barek) wird als Pflichtverteidiger bestellt und deckt die tragischen Beweggründe der Tat auf. Schirach lässt den Prozess geschickt enden, so dass für den Leser und Zuschauer die Frage im Raume steht: Wie würden Sie entscheiden? Es spielen außerdem: Heiner Lauterbach und Alexandra Maria Lara. Hintergrund der Geschichte bildet der sogenannte Verjährungsskandal, der auf das Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (EGOWiG) von 1968 zurückgeht. Hiernach war es nicht möglich, Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu ahnden, weil durch die Bestimmungen des Gesetzes bereits Verjährung eingetreten war.

4. 25 km/h (D 2018)

Die Brüder Bjarne Mädel und Lars Eidinger, beide mittleren Alters und von unterschiedlichem Wesen, haben sich entfremdet. Mädel blieb beim zuletzt pflegebedürftigen Vater im Elternhaus, Eidinger zog für die Karriere hinaus in die Welt. Nach dem Tod des Vaters sehen sich die Brüder nach langer Zeit zum ersten Mal wieder und beschließen, einen Jugendtraum in die Tat umzusetzen: Auf Mofas fahren sie mit titelgebenden 25 km/h quer durch Deutschland, wobei sich ihre Konflikte ungebremst offenbaren. Gleichzeitig kommen sich die Brüder wieder näher. So ganz mitgerissen hat mich der Film nicht, obwohl ich Bjarne Mädel gern zusehe und Eidinger Extreme beherrscht. Ich kann nicht genau sagen, warum ich diesen Film nicht besonders mochte, ihn aber auch nicht völlig schlecht fand, da er einige lustige Momente bietet. Vielleicht liegt es an der mir ferne(re)n Gefühlswelt der Brüder, der Männer, und ihrer (männlichen) Ansicht über das Leben und die Frauen sowie ihr Verhältnis zueinander. Männerprobleme halt. Gleichwohl: Der Weg ist das Ziel!

5. Ein Mops zum Verlieben (GB 2018)

Beattie Edmondson, von ihrem Freund sitzengelassen, erbt von ihrer Großmutter einen eigenwilligen Mops. Das Leben der jungen Lehrerin ist fortan chaotischer, denn Mops Patrick stellt so einiges an und guckt jedes Mal soo niedlich und unschuldig mit seinem Mopsgesicht durch die Gegend. Im Park verhilft ihr das pummelige Hündchen zu Männerbekanntschaften. Da ist Tierarzt Oliver sowie Ben, der Vater einer ihrer Schülerinnen. Na, wer von beiden macht wohl das Rennen bei der Mopshalterin, die ihrerseits, nur ungern, auf Wunsch einer Kollegin für einen Wohltätigkeitslauf trainiert? Ach, eigentlich ist das ein sorgenfreier netter kleiner Film mit Sommer, Sonne, bunten Farben, Romantik und einem Mops.  

6. Jeder gegen Jeden (Spanien 2016)

Ich mag doch U-Bahnhöfe so: die Atmosphäre, die Architektur, die Züge, eine kleine Parallelwelt. Da musste ich einfach einschalten: Eine Gruppe von Räubern plant, nach dem Bruch durch einen unterhalb der Bank gelegenen U-Bahn-Tunnel zu fliehen. Ausgerechnet am Tag ihres Raubzugs schüttet es in Valencia wie aus Eimern. Gleichwohl verspricht die protzig mit Marmor vertäfelte Bank reichlich schnöden Mammon. Fette Beute also für Anführer Uruguayo (Rodrigo de la Serna) und seine Helfer. Ziel der Räuber ist der Tresor mit den Schließfächern. Einige Kunden und Angestellte sowie die Leiterin der Bank, Sandra (Patricia Vico), werden als Geiseln festgehalten. Sandra hat schon vor Eintreffen der Räuber schlechte Laune, da ihre Kündigung im Raume steht. Sie fühlt sich deswegen der Bank nicht mehr sehr verbunden und schlägt Räuber Gallego (Luis Tosa) einen Deal vor. Bald belauern und misstrauen sich Uruguayo und Gallego. Jeder scheint eigene Ziele zu verfolgen, aber in Wahrheit geht es um etwas noch viel Brisanteres. Blöd nur, dass der U-Bahn-Tunnel durch den Regen geflutet ist und eine Flucht unmöglich macht. Vergiss Hollywood, Blockbuster kommen jetzt aus Spanien. Mittig flaut der Starkregen etwas ab, und es nieselt etwas, aber die Verhandlungen der Geiselnehmer mit der Polizei sind spannend und geraten zum Nervenpoker: Wer sitzt am längeren Hebel? Werden die Räuber aus der Bank entkommen können?

7. Leave No Trace – Meine Wildnis (USA 2018)

Will (Bill Foster) lebt mit seiner 13 Jahre alten Tochter Tom (Thomasin McKenzie) im Wald in der Nähe von Portland in Oregon. Sie leben nicht etwa in einer Waldhütte, sondern in einem provisorischen Verschlag. Ein Zelt und Schlafsäcke, ein paar Utensilien zum Kochen, ein Schachspiel und einige Bücher, aus denen Tom lernt, zeugen von einem früheren Leben in der Zivilisation. Will ist kein überzeugter Naturbursche, dennoch scheint es sein fester Wille, allen Widrigkeiten zum Trotz frei zu leben. Gerade ob der offensichtlichen Nachteile des ungeschützten Lebens in freier Natur muss Will einen besonderen Grund haben, es vorzuziehen von den Menschen zurückgezogen zu leben. Nur selten begeben sich die beiden in die Stadt, um ein paar Lebensmittel zusätzlich zu ihrer Nahrung, die ihnen die Natur schenkt, zu erwerben. Woher das Geld stammt, erklärt der Film, es soll nicht verraten werden. Eines Tages werden Vater und Tochter entdeckt. Sie geraten in die Fänge der Behörden und müssen psychologische Fragebögen beantworten. Wohlwollend werden Sie an einen Farmer vermittelt, der ihnen ein Häuschen zur Verfügung stellt. Im Gegenzug soll Will helfen, Weihnachtsbäume zu fällen. Während Tom sich unter Menschen gut zurechtfindet, werden Wills Schwierigkeiten offenbar. Er möchte in den Wald zurück. Ein Mensch kann seelisch so schweren Schaden nehmen, dass er es schlicht nicht mehr erträgt, unter Menschen zu sein. Wills Entscheidung ist für mich nachvollziehbar, für seine Tochter aber weitreichend.

8. The Awakening – Geister der Vergangenheit (GB 2011)

Das ist ein nostalgischer Geister-Gruselfilm, dessen Schauplatz ein einsam gelegenes britisches Internat bildet. Die Sonne scheint nie auf das graue Gemäuer, hinter dessen Fassade ausschließlich Jungen unterrichtet werden. Wir schreiben das Jahr 1921: Ein Schüler kommt auf mysteriöse Weise zu Tode. Zuvor sei ihm ein Geist erschienen. Der Lehrer Robert Mallory (Dominic West) bittet die junge Wissenschaftlerin Florence Cathcart (Rebecca Hall) an das Internat, um der Sache auf den Grund zu gehen. Florence glaubt nicht an Geister und hat es sich zur Aufgabe gemacht, derlei Behauptungen wissenschaftlich zu widerlegen. Sie platziert Messgeräte in den Fluren und Zimmern des Internats, um den geheimnisvollen Vorgängen auf die Spur zu kommen. Die Geschehnisse haben mit ihr persönlich mehr zu tun als ihr bewusst ist und plötzlich sieht auch Florence einen Geist. Hui Buh! Der Film ist eher mäßig spannend in mild gruseliger Atmosphäre. Interessant ist, dass im Jahre 1921 eine selbstbewusst auftretende Frau wissenschaftlich agiert und moderne technische Apparaturen ihrer Zeit benutzt. Florence setzt zum Beispiel die damals noch verhältnismäßig junge Fotografie ein und entwickelt in der Dunkelkammer Fotos. Sehr analog! 

9. Heartbreakers – Achtung: Scharfe Kurven (USA 2001)

Sigourney Weaver und Jennifer Love Hewitt bilden ein attraktives Mutter-Tochter-Gespann: Mutter verheiratet sich mit reichem Ray Liotta. Tochter lässt den Angetrauten untreu werden. Mutter lässt sich gewinnbringend scheiden. Mutter heiratet als nächstes Gene Hackman. Liotta will Weaver zurückgewinnen. Für’s Geschäft gar nicht gut, wenn plötzlich sowohl bei Mutter als auch Tochter echte Gefühle für ihre Kerle im Spiel sind. Weaver ist kess, sexy und frech, ungewohnt, wenn man sie vor allem mit Alien in Verbindung bringt. Die Komödie hat ein paar Momente, liegt mir aber insgesamt nicht besonders.

10. Cocoon (USA 1985)

Cocoon gehörte nie zu meinen Lieblingsfilmen und dabei bleibt es, nachdem ich ihn mir nach langer Zeit in Erinnerung gerufen habe: Eine Gruppe Senioren geht in Nachbarschaft zu ihrem Altenheim heimlich im Pool einer leerstehenden Villa schwimmen. Im Schwimmbecken sind eigenartige Rieseneier versenkt. Die Herren entdecken plötzlich die verjüngende Wirkung des Bades. Als erstes bemerken sie natürlich eine Wirkung ähnlich Viagra. Auch sonst fühlen sich die Alten fitter und unternehmungslustiger. Das kann nicht von dieser Welt sein! Irgendwie mag ich’s nicht so. Ok, als Steve Guttenberg die schöne Passagierin seines Schiffs beim Ausziehen beobachtet und seine Erwartungen übererfüllt werden, das ist schon recht witzig.

11. Die Toten von Salzburg – Treibgut (Ö 2021)

Die Krimireihe sehe ich mir wegen Salzburg an, weil ich die Stadt ganz gut kenne und dann immer rate und gucke, wo sich Major Palfinger (Florian Teichtmeister), der österreichische Ermittler im Rollstuhl, und Kommissar Mur (Michael Fitz), der meist mürrische deutsche Ermittler, gerade so bewegen und zu tun haben. In dieser Folge wird eine tote Stadtführerin in einem Koffer ans Ufer der Salzach geschwemmt. Ich find’s leider a bissl fad. Mein Vorschlag für eine Folge: Die Ermittlungen führen die Kommissare zu den Sehenswürdigkeiten der The Sound of Music-Tour: Tote sind im Stift Nonnberg, im Park Hellbrunn und Schloss Leopoldskron zu beklagen. Wer ist der kaltblütige Sound of Music-Killer? Welches Motiv hat er? Wird er so viele Menschen töten wie die Trapp-Familie Kinder hatte oder können ihn Palfinger und Mur vorher aufhalten? Übrigens: Die Mozartkugel ist auch noch nicht Gegenstand irgendwelcher Ermittlungen geworden. Manche würden für die Schoko-Nougat-Marzipan-Pistazien-Kugel töten!

12. London Boulevard (USA/GB 2010)

Einmal Gangster immer Gangster? Colin Farrell wird aus dem Knast entlassen und möchte seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen. Durch seinen Kumpel gerät er in den Dunstkreis eines Gangsterbosses, der ihn anwerben möchte. Farrell lehnt ab und wird Bodyguard der berühmten Schauspielerin Keira Knightley. Als sein obdachloser Freund getötet wird, will Farrell Rache. Der Gangsterboss lässt ihn nicht in Ruhe und kennt keine Gnade. Fazit: Leichen pflastern seinen Weg! Aber Farrell als einsamer Antiheld ist eine Schau. Hot!

13. Agatha Christie’s Marple (GB 2004 – 2013)

Ich bin mal wieder spät dran, denn ein paar Jahre gibt es diese Miss Marple-Reihe ja schon. In letzter Zeit habe ich einige Episoden mit Geraldine McEwan als Miss Marple angesehen, darunter 16 Uhr 50 ab Paddington, Bertram’s Hotel oder Das Geheimnis von Sittaford. Miss Marple ermittelt hier in den 1950er Jahren. Die Serie ist liebevoll ausgestattet und produziert. Besonders augen(ge)fällig ist die elegante und kreative Kameraführung, die effektvolle Perspektiven findet.

14. Endzeit (D 2018)

Zombie-Filme gucke ich eher nicht. Menschen sind auch ohne dies oft zum Fürchten, finde ich. In dieser Endzeit gibt es nach einer Zombie-Apokalypse einzig in Weimar und Jena Überlebende. Wer in Weimar von einem Zombie angeknabbert wird, wird abgeknallt. In Jena wird ein Gegenmittel gesucht. Zwischen den Städten pendelt ein führerloser Schienenbus zum Austausch von Waren. Die 22-jährige Vivi (Gro Swantje Kohlhof) springt auf den Zug auf, um nach Jena zu gelangen. Auch die etwas ältere und forschere Eva (Maja Lehrer) ist an Bord mit dem gleichen Ziel. Leider bleibt der Schienenbus plötzlich auf offener Strecke stehen. Die beiden müssen zu Fuß weiter, und ein paar Zombies sind natürlich auch unterwegs. Ausgerechnet in Weimar und Jena haben Menschen überlebt? Ich bin in der Nähe, da kann ich einer Zombiepandemie vielleicht beruhigter entgegensehen. Womöglich schaffe ich es auch zu Fuß nach Jena. Von dort stammt nämlich Olivia Vieweg, auf deren Comic mit dem gleichen Titel der Film basiert. Endzeit ist ein kontemplativer, recht ruhiger Horrorfilm mit mystischen Elementen. So trifft Vivi auf eine Art Elfen-Frau, deren Gesicht halbseitig von einer rankenden Grünpflanze eingenommen und mit ihr verwachsen zu sein scheint. Die Zombies hingegen – ich kenne mich da nicht so aus, mir ist noch keiner begegnet – attackieren auf typisch blutige und bissige Weise und wecken einen wieder etwas auf. Anders als in gängigen Zombie-Szenarien sind Vivi und Eva nicht bis an die Zähne bewaffnet, sondern sind den Zombiebiestern auf ihrem Weg weitgehend schutzlos ausgeliefert. Der Film hat was. Ich habe mich ein wenig gewundert, wie lange der Akku in Evas Kamera durchhält.

15. Les Misérables (1998 GB/D/USA)

Gérard Depardieu bleibt für mich der einzig wahre Jean Valjean, doch Liam Neeson darf sich gern dicht hinten anstellen! Diese Version in Spielfilmlänge entstand zwei Jahre vor dem Vierteiler mit Depardieu und muss zwangsläufig mit starker Verknappung und leichten Änderungen des Stoffs daherkommen. Dennoch bleibt der Kern der Geschichte von Victor Hugo passabel erhalten. Neeson passt und gefällt mir gut als Valjean. Wenngleich er forscher und aggressiver auftritt als der Valjean aus dem Roman, besitzt er das nötige Charisma für die tragische vom Schicksal belastete Figur. Uma Thurman leidet als Fantine, Geoffrey Rush ist als Inspector Javert Valjean auf den Fersen und Claire Danes ist als Cosette zu sehen. Ja, Neeson war schon vor seiner Karriere als Actionheld in guten Filmen zu sehen.

16. Zeugin der Anklage (USA 2016)

Die Neuverfilmung konzentriert sich auf die Beziehung des Verteidigers zum Angeklagten und die Lebenssituation des Anwalts, insbesondere dessen Beziehung zu seiner Frau. Der Kern des Krimis, der auf einer Kurzgeschichte beziehungsweise Theaterstück von Agatha Christie basiert, bleibt zwar erhalten, die Gerichtsverhandlung macht aber viel weniger von der Spannung und Raffinesse des Originals von Billy Wilder aus. Die grünstichige trübe Sepia-Optik hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich hatte immer das Gefühl, durch eine bemoste Fensterscheibe auf das Geschehen zu schauen.

17. Ödipussi (D 1988)

„Guck mal Frau Tietze“, Vicco von Bülow alias Loriot und Evelyn Hamann kommen sich trotz dominanter Mütter näher, auch wenn sie sich „vom psychologischen Standpunkt“ aus nicht ganz einig sind über Farben für Sofabezüge. Wenn ich da mal „ein frisches Steingrau“ empfehlen darf? „Wie ist doch die Erde so schön, so schön!“, wenn diese Komödie im Programm läuft. Die „Hundnase“ riecht schon das lecker „aufgebratene Püree“, das es dazu gibt. Unsterblicher Humor weit entfernt von „Mausgrau, Staubgrau, Aschgrau, Steingrau…“ Aber Achtung: Bloß kein Violett!

18. The Rider (USA 2017)

Cowboys weinen nicht! Der Titel eines Jugendbuchs von Jo Pestum kam mir in den Sinn bei diesem Neo-Western, der die Geschichte eines Rodeo-Reiters aus South Dakota erzählt. Der junge Pferdetrainer hat sich bei einem Sturz eine schwere Kopfverletzung zugezogen und darf nicht mehr reiten. Doch er hat nichts anderes, die Pferde sind sein Leben. Brady (Brady Jandreau) hat so viel seelische Last zu tragen, dass sie ihn erdrücken könnte. Tapfer hält Brady in der von harten Männern geprägten Rodeo-Welt dagegen. Sein Vater scheint gleichgültig und mit eigenen Problemen beschäftigt, und so übernimmt Brady Verantwortung für seine jüngere geistig behinderte Schwester. Außerdem kümmert er sich liebevoll um seinen besten Freund, der nach einem Rodeo-Unfall fast vollständig gelähmt im Rollstuhl sitzt. Der Hauptprotagonist Brady Jandreau ist Laiendarsteller und spielt in Grundzügen seine eigene Geschichte, was den Film authentisch macht. Auch sein Vater und eigene Schwester spielen sich selbst. Sein Freund Lane Scott ist tatsächlich ein ehemaliger Champion im Rodeo, aber nach einem Autounfall körperlich beeinträchtigt. Sehr bewegend, bedrückend und melancholisch. Mit Nachhall. Ruhig erzählt in epischen, aber nicht kitschigen Bildern. Gemacht von einer Frau. Buch und Regie von Chloé Zhao. Der beeindruckendste Film seit langem. So schön, dass man ihn wie ein gutes Buch ins Regal stellen möchte.

19. Séraphine (F/B 2008)

Die hierzulande wenig bekannte belgische Schauspielerin Yolande Moreau mochte ich neben Gérard Depardieu in Mammuth richtig gern. Sie ist sympathisch und witzig, ihr Spiel berührend. Moreau ist (m)ein Geheimtipp: Diesen Film über das Leben und Schaffen der französischen Malerin Séraphine Louis habe ich nach einigen Jahren zum zweiten Mal angesehen. Séraphine zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen der naiven Malerei Frankreichs. Ihre Motive stellen häufig Blüten und Blätter in kräftigen leuchtenden Farben dar in überschwenglicher Anordnung oder stattliche Bäume auf zumeist dunklem Grund. Der deutsche Kunstsammler Wilhelm Ude (Ulrich Tukur) bemerkt 1912 während seines Frankreich-Aufenthalts in Senlis das künstlerische Talent seiner Zugehfrau Séraphine (Yolande Moreau) und fördert sie. Später leidet Séraphine zunehmend unter Wahnvorstellungen. Moreaus Spiel ist über weite Strecken von stiller rein darstellerischer Kraft. Wenn sie an der Staffelei steht und malt, entsteht beim Betrachter ein Bild, ohne dass er sehen könnte, was sie gerade auf die Leinwand bringt. Wenn sie mit einem Stuhl in der Hand auf den imposanten Baum zugeht, spürt man, welch immense Bedeutung der Baum für sie hat. Ganz toll! Moreau gewann den César als beste Hauptdarstellerin.

20. Meg (USA/China 2018)

Meg? Meg Ryan? Nein, Jason Statham hat es mit einem Megalodon zu tun, so ein Riesenhai aus der Urzeit. Der Knorpelfisch gilt eigentlich als ausgestorben, dabei wissen es einige Tiefseeforscher und Jason Statham besser: Der Megahai von der Größe eines Tankers beißt sich beinahe durch die Unterwasser-Station der Meeresforscher und verschluckt schon mal ein Tauchboot oder ein paar Menschen. Das ist lustig an Stellen anzusehen, die eigentlich nicht lustig gemeint sind und weniger lustig dort, wo es sehr wohl lustig gemeint sein soll. Spätestens das Ende ist einem Film aus der Sharknado-Reihe würdig. Um es mit den Worten Martys in Zurück in die Zukunft II zu sagen: „Der Hai sieht immer noch aus wie eine Attrappe!“ Trotzdem mega unterhaltsam.

21. Crawl (USA 2019)

Noch ein Horrorfilm mit bissigen Tierchen: Fies große Alligatoren haben sich während eines Hurrikans über Florida im großen Keller eines Hauses verkrochen. Haley (Kaya Scodelario) macht sich Sorgen um ihren Vater (Barry Pepper) und findet ihn ohnmächtig im Keller seines Hauses. Das Auge des Hurrikans naht und bringt eine Menge Regen mit. Bald bemerkt Haley, dass sie und ihr Dad nicht allein sind im Keller. Die Riesenschnapper versperren ihnen den Ausweg. Das Wasser steht Haley bis zum Hals und das Kroko lauert. Hier und da gehen bei einigen Protagonisten ein paar Körperteile verloren. Bloß nicht kopflos werden! Aber vielleicht kommt es Haley zugute, dass sie eine schnelle und professionelle Sportschwimmerin ist. Gott sei Dank hat sie im Haus eine Badewanne mit Duschkabinen-Türen!

Und was hast Du so geguckt?

Meine Juli-Liste ist hier zu finden.