Durchgezappt im August 2021

Auch im August habe ich mich wieder durch das Fernsehprogramm gezappt und einige Filme angeschaut. Darunter waren bissige Zombies, Haie und Alligatoren, Die Figuren Nana und Jean Valjean aus Romanklassikern, ein Mops, Miss Marple, zwei ausgesprochen berührende Filme über einen Rodeo-Reiter und eine französische Malerin sowie eine überraschend gelungene Fortsetzung eines Science-Fiction-Klassikers. Mein Bildungsprogramm des Monats setzt sich wie folgt zusammen:

1. Blade Runner 2049 (USA/GB/Kan 2017)

Skeptisch und gespannt war ich auf die Fortsetzung von Blade Runner (1982) und dachte, das kann ja nix werden. Nun gefällt mir das Sequel mit Ryan Gosling wider Erwarten so gut, dass ich erneut reingeschaut habe. Die Referenzen an das Original hinsichtlich Filmmusik und Atmosphäre sind gelungen und die Geschichte glaubwürdig weitererzählt. Glücklicherweise versucht der 2049er Runner nicht, das Original zu kopieren oder zu übertrumpfen und steht überzeugend für sich. Er fällt aber in der Tiefe zur Frage, was den Menschen von der Maschine unterscheidet, gegenüber dem Klassiker ab. Harrison Ford nicht auf Biegen und Brechen als Hauptdarsteller zu besetzen, sondern ihn relativ spät, aber eindrücklich auftreten zu lassen, ist eine gute Entscheidung der Filmemacher gewesen. Blade Runner basiert auf dem Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? von Philip K. Dick aus dem Jahr 1968. Sehens- und lesenswert!

Teaser zu Durchgezappt, ein Graffito mit dem Titel Don't trust the tv

2. Nana (F/It 1955)

Diese Filmversion mit Martine Carol und Charles Boyer lässt nur das Grundgerüst des Romans von Emile Zola übrig, ist aber durchaus passend dargestellt: Die Dirne Nana bezirzt im Revuetheater als Die blonde Venus Männer mit ihren körperlichen Reizen und verwöhnt die reichen Herrschaften auch abseits der Bühne. Sie lässt keine Möglichkeit aus, die Freier seelisch und finanziell auszunehmen. Graf Muffat verfällt ihr und verausgabt sich, wodurch der Mätresse ein kostspieliger Lebensstil gepaart mit gesellschaftlichem Aufstieg möglich wird. Weder für Nana noch für den Grafen nimmt dieses Unglück ein gutes Ende. Hier findet Nana ein vom Roman abweichendes, wohl filmischeres und einfacher zu erzählendes Ende. Nana ist Teil des Zyklus Die Rougon-Macquart, der 20 Romane Zolas umfasst: Der Totschläger erzählt Nanas Vorgeschichte als Kind einer Wäscherin und eines Trinkers: sie endet als Straßendirne. Hieraus wird Nanas Weg und Umgang mit Männern deutlich. 

3. Der Fall Collini (D 2019)

Ferdinand von Schirach steht noch auf meiner Leseliste, denn der frühere Strafverteidiger erklärt wie kein anderer die Juristerei – vor allem zeigt er Diskrepanzen auf. Der Film entstand nach seinem gleichnamigen Roman: Scheinbar grundlos tötet Fabrizio Collini (Franco Nero) den Industriellen Meyer (Manfred Zapatka) und stellt sich anschließend der Polizei. Er wird des Mordes angeklagt. Der junge unerfahrene Anwalt Caspar Leinen (Elyas M’Barek) wird als Pflichtverteidiger bestellt und deckt die tragischen Beweggründe der Tat auf. Schirach lässt den Prozess geschickt enden, so dass für den Leser und Zuschauer die Frage im Raume steht: Wie würden Sie entscheiden? Es spielen außerdem: Heiner Lauterbach und Alexandra Maria Lara. Hintergrund der Geschichte bildet der sogenannte Verjährungsskandal, der auf das Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (EGOWiG) von 1968 zurückgeht. Hiernach war es nicht möglich, Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu ahnden, weil durch die Bestimmungen des Gesetzes bereits Verjährung eingetreten war.

4. 25 km/h (D 2018)

Die Brüder Bjarne Mädel und Lars Eidinger, beide mittleren Alters und von unterschiedlichem Wesen, haben sich entfremdet. Mädel blieb beim zuletzt pflegebedürftigen Vater im Elternhaus, Eidinger zog für die Karriere hinaus in die Welt. Nach dem Tod des Vaters sehen sich die Brüder nach langer Zeit zum ersten Mal wieder und beschließen, einen Jugendtraum in die Tat umzusetzen: Auf Mofas fahren sie mit titelgebenden 25 km/h quer durch Deutschland, wobei sich ihre Konflikte ungebremst offenbaren. Gleichzeitig kommen sich die Brüder wieder näher. So ganz mitgerissen hat mich der Film nicht, obwohl ich Bjarne Mädel gern zusehe und Eidinger Extreme beherrscht. Ich kann nicht genau sagen, warum ich diesen Film nicht besonders mochte, ihn aber auch nicht völlig schlecht fand, da er einige lustige Momente bietet. Vielleicht liegt es an der mir ferne(re)n Gefühlswelt der Brüder, der Männer, und ihrer (männlichen) Ansicht über das Leben und die Frauen sowie ihr Verhältnis zueinander. Männerprobleme halt. Gleichwohl: Der Weg ist das Ziel!

5. Ein Mops zum Verlieben (GB 2018)

Beattie Edmondson, von ihrem Freund sitzengelassen, erbt von ihrer Großmutter einen eigenwilligen Mops. Das Leben der jungen Lehrerin ist fortan chaotischer, denn Mops Patrick stellt so einiges an und guckt jedes Mal soo niedlich und unschuldig mit seinem Mopsgesicht durch die Gegend. Im Park verhilft ihr das pummelige Hündchen zu Männerbekanntschaften. Da ist Tierarzt Oliver sowie Ben, der Vater einer ihrer Schülerinnen. Na, wer von beiden macht wohl das Rennen bei der Mopshalterin, die ihrerseits, nur ungern, auf Wunsch einer Kollegin für einen Wohltätigkeitslauf trainiert? Ach, eigentlich ist das ein sorgenfreier netter kleiner Film mit Sommer, Sonne, bunten Farben, Romantik und einem Mops.  

6. Jeder gegen Jeden (Spanien 2016)

Ich mag doch U-Bahnhöfe so: die Atmosphäre, die Architektur, die Züge, eine kleine Parallelwelt. Da musste ich einfach einschalten: Eine Gruppe von Räubern plant, nach dem Bruch durch einen unterhalb der Bank gelegenen U-Bahn-Tunnel zu fliehen. Ausgerechnet am Tag ihres Raubzugs schüttet es in Valencia wie aus Eimern. Gleichwohl verspricht die protzig mit Marmor vertäfelte Bank reichlich schnöden Mammon. Fette Beute also für Anführer Uruguayo (Rodrigo de la Serna) und seine Helfer. Ziel der Räuber ist der Tresor mit den Schließfächern. Einige Kunden und Angestellte sowie die Leiterin der Bank, Sandra (Patricia Vico), werden als Geiseln festgehalten. Sandra hat schon vor Eintreffen der Räuber schlechte Laune, da ihre Kündigung im Raume steht. Sie fühlt sich deswegen der Bank nicht mehr sehr verbunden und schlägt Räuber Gallego (Luis Tosa) einen Deal vor. Bald belauern und misstrauen sich Uruguayo und Gallego. Jeder scheint eigene Ziele zu verfolgen, aber in Wahrheit geht es um etwas noch viel Brisanteres. Blöd nur, dass der U-Bahn-Tunnel durch den Regen geflutet ist und eine Flucht unmöglich macht. Vergiss Hollywood, Blockbuster kommen jetzt aus Spanien. Mittig flaut der Starkregen etwas ab, und es nieselt etwas, aber die Verhandlungen der Geiselnehmer mit der Polizei sind spannend und geraten zum Nervenpoker: Wer sitzt am längeren Hebel? Werden die Räuber aus der Bank entkommen können?

7. Leave No Trace – Meine Wildnis (USA 2018)

Will (Bill Foster) lebt mit seiner 13 Jahre alten Tochter Tom (Thomasin McKenzie) im Wald in der Nähe von Portland in Oregon. Sie leben nicht etwa in einer Waldhütte, sondern in einem provisorischen Verschlag. Ein Zelt und Schlafsäcke, ein paar Utensilien zum Kochen, ein Schachspiel und einige Bücher, aus denen Tom lernt, zeugen von einem früheren Leben in der Zivilisation. Will ist kein überzeugter Naturbursche, dennoch scheint es sein fester Wille, allen Widrigkeiten zum Trotz frei zu leben. Gerade ob der offensichtlichen Nachteile des ungeschützten Lebens in freier Natur muss Will einen besonderen Grund haben, es vorzuziehen von den Menschen zurückgezogen zu leben. Nur selten begeben sich die beiden in die Stadt, um ein paar Lebensmittel zusätzlich zu ihrer Nahrung, die ihnen die Natur schenkt, zu erwerben. Woher das Geld stammt, erklärt der Film, es soll nicht verraten werden. Eines Tages werden Vater und Tochter entdeckt. Sie geraten in die Fänge der Behörden und müssen psychologische Fragebögen beantworten. Wohlwollend werden Sie an einen Farmer vermittelt, der ihnen ein Häuschen zur Verfügung stellt. Im Gegenzug soll Will helfen, Weihnachtsbäume zu fällen. Während Tom sich unter Menschen gut zurechtfindet, werden Wills Schwierigkeiten offenbar. Er möchte in den Wald zurück. Ein Mensch kann seelisch so schweren Schaden nehmen, dass er es schlicht nicht mehr erträgt, unter Menschen zu sein. Wills Entscheidung ist für mich nachvollziehbar, für seine Tochter aber weitreichend.

8. The Awakening – Geister der Vergangenheit (GB 2011)

Das ist ein nostalgischer Geister-Gruselfilm, dessen Schauplatz ein einsam gelegenes britisches Internat bildet. Die Sonne scheint nie auf das graue Gemäuer, hinter dessen Fassade ausschließlich Jungen unterrichtet werden. Wir schreiben das Jahr 1921: Ein Schüler kommt auf mysteriöse Weise zu Tode. Zuvor sei ihm ein Geist erschienen. Der Lehrer Robert Mallory (Dominic West) bittet die junge Wissenschaftlerin Florence Cathcart (Rebecca Hall) an das Internat, um der Sache auf den Grund zu gehen. Florence glaubt nicht an Geister und hat es sich zur Aufgabe gemacht, derlei Behauptungen wissenschaftlich zu widerlegen. Sie platziert Messgeräte in den Fluren und Zimmern des Internats, um den geheimnisvollen Vorgängen auf die Spur zu kommen. Die Geschehnisse haben mit ihr persönlich mehr zu tun als ihr bewusst ist und plötzlich sieht auch Florence einen Geist. Hui Buh! Der Film ist eher mäßig spannend in mild gruseliger Atmosphäre. Interessant ist, dass im Jahre 1921 eine selbstbewusst auftretende Frau wissenschaftlich agiert und moderne technische Apparaturen ihrer Zeit benutzt. Florence setzt zum Beispiel die damals noch verhältnismäßig junge Fotografie ein und entwickelt in der Dunkelkammer Fotos. Sehr analog! 

9. Heartbreakers – Achtung: Scharfe Kurven (USA 2001)

Sigourney Weaver und Jennifer Love Hewitt bilden ein attraktives Mutter-Tochter-Gespann: Mutter verheiratet sich mit reichem Ray Liotta. Tochter lässt den Angetrauten untreu werden. Mutter lässt sich gewinnbringend scheiden. Mutter heiratet als nächstes Gene Hackman. Liotta will Weaver zurückgewinnen. Für’s Geschäft gar nicht gut, wenn plötzlich sowohl bei Mutter als auch Tochter echte Gefühle für ihre Kerle im Spiel sind. Weaver ist kess, sexy und frech, ungewohnt, wenn man sie vor allem mit Alien in Verbindung bringt. Die Komödie hat ein paar Momente, liegt mir aber insgesamt nicht besonders.

10. Cocoon (USA 1985)

Cocoon gehörte nie zu meinen Lieblingsfilmen und dabei bleibt es, nachdem ich ihn mir nach langer Zeit in Erinnerung gerufen habe: Eine Gruppe Senioren geht in Nachbarschaft zu ihrem Altenheim heimlich im Pool einer leerstehenden Villa schwimmen. Im Schwimmbecken sind eigenartige Rieseneier versenkt. Die Herren entdecken plötzlich die verjüngende Wirkung des Bades. Als erstes bemerken sie natürlich eine Wirkung ähnlich Viagra. Auch sonst fühlen sich die Alten fitter und unternehmungslustiger. Das kann nicht von dieser Welt sein! Irgendwie mag ich’s nicht so. Ok, als Steve Guttenberg die schöne Passagierin seines Schiffs beim Ausziehen beobachtet und seine Erwartungen übererfüllt werden, das ist schon recht witzig.

11. Die Toten von Salzburg – Treibgut (Ö 2021)

Die Krimireihe sehe ich mir wegen Salzburg an, weil ich die Stadt ganz gut kenne und dann immer rate und gucke, wo sich Major Palfinger (Florian Teichtmeister), der österreichische Ermittler im Rollstuhl, und Kommissar Mur (Michael Fitz), der meist mürrische deutsche Ermittler, gerade so bewegen und zu tun haben. In dieser Folge wird eine tote Stadtführerin in einem Koffer ans Ufer der Salzach geschwemmt. Ich find’s leider a bissl fad. Mein Vorschlag für eine Folge: Die Ermittlungen führen die Kommissare zu den Sehenswürdigkeiten der The Sound of Music-Tour: Tote sind im Stift Nonnberg, im Park Hellbrunn und Schloss Leopoldskron zu beklagen. Wer ist der kaltblütige Sound of Music-Killer? Welches Motiv hat er? Wird er so viele Menschen töten wie die Trapp-Familie Kinder hatte oder können ihn Palfinger und Mur vorher aufhalten? Übrigens: Die Mozartkugel ist auch noch nicht Gegenstand irgendwelcher Ermittlungen geworden. Manche würden für die Schoko-Nougat-Marzipan-Pistazien-Kugel töten!

12. London Boulevard (USA/GB 2010)

Einmal Gangster immer Gangster? Colin Farrell wird aus dem Knast entlassen und möchte seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen. Durch seinen Kumpel gerät er in den Dunstkreis eines Gangsterbosses, der ihn anwerben möchte. Farrell lehnt ab und wird Bodyguard der berühmten Schauspielerin Keira Knightley. Als sein obdachloser Freund getötet wird, will Farrell Rache. Der Gangsterboss lässt ihn nicht in Ruhe und kennt keine Gnade. Fazit: Leichen pflastern seinen Weg! Aber Farrell als einsamer Antiheld ist eine Schau. Hot!

13. Agatha Christie’s Marple (GB 2004 – 2013)

Ich bin mal wieder spät dran, denn ein paar Jahre gibt es diese Miss Marple-Reihe ja schon. In letzter Zeit habe ich einige Episoden mit Geraldine McEwan als Miss Marple angesehen, darunter 16 Uhr 50 ab Paddington, Bertram’s Hotel oder Das Geheimnis von Sittaford. Miss Marple ermittelt hier in den 1950er Jahren. Die Serie ist liebevoll ausgestattet und produziert. Besonders augen(ge)fällig ist die elegante und kreative Kameraführung, die effektvolle Perspektiven findet.

14. Endzeit (D 2018)

Zombie-Filme gucke ich eher nicht. Menschen sind auch ohne dies oft zum Fürchten, finde ich. In dieser Endzeit gibt es nach einer Zombie-Apokalypse einzig in Weimar und Jena Überlebende. Wer in Weimar von einem Zombie angeknabbert wird, wird abgeknallt. In Jena wird ein Gegenmittel gesucht. Zwischen den Städten pendelt ein führerloser Schienenbus zum Austausch von Waren. Die 22-jährige Vivi (Gro Swantje Kohlhof) springt auf den Zug auf, um nach Jena zu gelangen. Auch die etwas ältere und forschere Eva (Maja Lehrer) ist an Bord mit dem gleichen Ziel. Leider bleibt der Schienenbus plötzlich auf offener Strecke stehen. Die beiden müssen zu Fuß weiter, und ein paar Zombies sind natürlich auch unterwegs. Ausgerechnet in Weimar und Jena haben Menschen überlebt? Ich bin in der Nähe, da kann ich einer Zombiepandemie vielleicht beruhigter entgegensehen. Womöglich schaffe ich es auch zu Fuß nach Jena. Von dort stammt nämlich Olivia Vieweg, auf deren Comic mit dem gleichen Titel der Film basiert. Endzeit ist ein kontemplativer, recht ruhiger Horrorfilm mit mystischen Elementen. So trifft Vivi auf eine Art Elfen-Frau, deren Gesicht halbseitig von einer rankenden Grünpflanze eingenommen und mit ihr verwachsen zu sein scheint. Die Zombies hingegen – ich kenne mich da nicht so aus, mir ist noch keiner begegnet – attackieren auf typisch blutige und bissige Weise und wecken einen wieder etwas auf. Anders als in gängigen Zombie-Szenarien sind Vivi und Eva nicht bis an die Zähne bewaffnet, sondern sind den Zombiebiestern auf ihrem Weg weitgehend schutzlos ausgeliefert. Der Film hat was. Ich habe mich ein wenig gewundert, wie lange der Akku in Evas Kamera durchhält.

15. Les Misérables (1998 GB/D/USA)

Gérard Depardieu bleibt für mich der einzig wahre Jean Valjean, doch Liam Neeson darf sich gern dicht hinten anstellen! Diese Version in Spielfilmlänge entstand zwei Jahre vor dem Vierteiler mit Depardieu und muss zwangsläufig mit starker Verknappung und leichten Änderungen des Stoffs daherkommen. Dennoch bleibt der Kern der Geschichte von Victor Hugo passabel erhalten. Neeson passt und gefällt mir gut als Valjean. Wenngleich er forscher und aggressiver auftritt als der Valjean aus dem Roman, besitzt er das nötige Charisma für die tragische vom Schicksal belastete Figur. Uma Thurman leidet als Fantine, Geoffrey Rush ist als Inspector Javert Valjean auf den Fersen und Claire Danes ist als Cosette zu sehen. Ja, Neeson war schon vor seiner Karriere als Actionheld in guten Filmen zu sehen.

16. Zeugin der Anklage (USA 2016)

Die Neuverfilmung konzentriert sich auf die Beziehung des Verteidigers zum Angeklagten und die Lebenssituation des Anwalts, insbesondere dessen Beziehung zu seiner Frau. Der Kern des Krimis, der auf einer Kurzgeschichte beziehungsweise Theaterstück von Agatha Christie basiert, bleibt zwar erhalten, die Gerichtsverhandlung macht aber viel weniger von der Spannung und Raffinesse des Originals von Billy Wilder aus. Die grünstichige trübe Sepia-Optik hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich hatte immer das Gefühl, durch eine bemoste Fensterscheibe auf das Geschehen zu schauen.

17. Ödipussi (D 1988)

„Guck mal Frau Tietze“, Vicco von Bülow alias Loriot und Evelyn Hamann kommen sich trotz dominanter Mütter näher, auch wenn sie sich „vom psychologischen Standpunkt“ aus nicht ganz einig sind über Farben für Sofabezüge. Wenn ich da mal „ein frisches Steingrau“ empfehlen darf? „Wie ist doch die Erde so schön, so schön!“, wenn diese Komödie im Programm läuft. Die „Hundnase“ riecht schon das lecker „aufgebratene Püree“, das es dazu gibt. Unsterblicher Humor weit entfernt von „Mausgrau, Staubgrau, Aschgrau, Steingrau…“ Aber Achtung: Bloß kein Violett!

18. The Rider (USA 2017)

Cowboys weinen nicht! Der Titel eines Jugendbuchs von Jo Pestum kam mir in den Sinn bei diesem Neo-Western, der die Geschichte eines Rodeo-Reiters aus South Dakota erzählt. Der junge Pferdetrainer hat sich bei einem Sturz eine schwere Kopfverletzung zugezogen und darf nicht mehr reiten. Doch er hat nichts anderes, die Pferde sind sein Leben. Brady (Brady Jandreau) hat so viel seelische Last zu tragen, dass sie ihn erdrücken könnte. Tapfer hält Brady in der von harten Männern geprägten Rodeo-Welt dagegen. Sein Vater scheint gleichgültig und mit eigenen Problemen beschäftigt, und so übernimmt Brady Verantwortung für seine jüngere geistig behinderte Schwester. Außerdem kümmert er sich liebevoll um seinen besten Freund, der nach einem Rodeo-Unfall fast vollständig gelähmt im Rollstuhl sitzt. Der Hauptprotagonist Brady Jandreau ist Laiendarsteller und spielt in Grundzügen seine eigene Geschichte, was den Film authentisch macht. Auch sein Vater und eigene Schwester spielen sich selbst. Sein Freund Lane Scott ist tatsächlich ein ehemaliger Champion im Rodeo, aber nach einem Autounfall körperlich beeinträchtigt. Sehr bewegend, bedrückend und melancholisch. Mit Nachhall. Ruhig erzählt in epischen, aber nicht kitschigen Bildern. Gemacht von einer Frau. Buch und Regie von Chloé Zhao. Der beeindruckendste Film seit langem. So schön, dass man ihn wie ein gutes Buch ins Regal stellen möchte.

19. Séraphine (F/B 2008)

Die hierzulande wenig bekannte belgische Schauspielerin Yolande Moreau mochte ich neben Gérard Depardieu in Mammuth richtig gern. Sie ist sympathisch und witzig, ihr Spiel berührend. Moreau ist (m)ein Geheimtipp: Diesen Film über das Leben und Schaffen der französischen Malerin Séraphine Louis habe ich nach einigen Jahren zum zweiten Mal angesehen. Séraphine zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen der naiven Malerei Frankreichs. Ihre Motive stellen häufig Blüten und Blätter in kräftigen leuchtenden Farben dar in überschwenglicher Anordnung oder stattliche Bäume auf zumeist dunklem Grund. Der deutsche Kunstsammler Wilhelm Ude (Ulrich Tukur) bemerkt 1912 während seines Frankreich-Aufenthalts in Senlis das künstlerische Talent seiner Zugehfrau Séraphine (Yolande Moreau) und fördert sie. Später leidet Séraphine zunehmend unter Wahnvorstellungen. Moreaus Spiel ist über weite Strecken von stiller rein darstellerischer Kraft. Wenn sie an der Staffelei steht und malt, entsteht beim Betrachter ein Bild, ohne dass er sehen könnte, was sie gerade auf die Leinwand bringt. Wenn sie mit einem Stuhl in der Hand auf den imposanten Baum zugeht, spürt man, welch immense Bedeutung der Baum für sie hat. Ganz toll! Moreau gewann den César als beste Hauptdarstellerin.

20. Meg (USA/China 2018)

Meg? Meg Ryan? Nein, Jason Statham hat es mit einem Megalodon zu tun, so ein Riesenhai aus der Urzeit. Der Knorpelfisch gilt eigentlich als ausgestorben, dabei wissen es einige Tiefseeforscher und Jason Statham besser: Der Megahai von der Größe eines Tankers beißt sich beinahe durch die Unterwasser-Station der Meeresforscher und verschluckt schon mal ein Tauchboot oder ein paar Menschen. Das ist lustig an Stellen anzusehen, die eigentlich nicht lustig gemeint sind und weniger lustig dort, wo es sehr wohl lustig gemeint sein soll. Spätestens das Ende ist einem Film aus der Sharknado-Reihe würdig. Um es mit den Worten Martys in Zurück in die Zukunft II zu sagen: „Der Hai sieht immer noch aus wie eine Attrappe!“ Trotzdem mega unterhaltsam.

21. Crawl (USA 2019)

Noch ein Horrorfilm mit bissigen Tierchen: Fies große Alligatoren haben sich während eines Hurrikans über Florida im großen Keller eines Hauses verkrochen. Haley (Kaya Scodelario) macht sich Sorgen um ihren Vater (Barry Pepper) und findet ihn ohnmächtig im Keller seines Hauses. Das Auge des Hurrikans naht und bringt eine Menge Regen mit. Bald bemerkt Haley, dass sie und ihr Dad nicht allein sind im Keller. Die Riesenschnapper versperren ihnen den Ausweg. Das Wasser steht Haley bis zum Hals und das Kroko lauert. Hier und da gehen bei einigen Protagonisten ein paar Körperteile verloren. Bloß nicht kopflos werden! Aber vielleicht kommt es Haley zugute, dass sie eine schnelle und professionelle Sportschwimmerin ist. Gott sei Dank hat sie im Haus eine Badewanne mit Duschkabinen-Türen!

Und was hast Du so geguckt?

Meine Juli-Liste ist hier zu finden.

Meine TV-Guckliste Juli 2021

Ich stelle fest, dass ich eine altmodische Fernsehguckerin bin, obwohl ich wenigstens einen angesagten und bekannten Streamingdienst abonniere, diesen aber wenig nutze. Schon die Auswahl eines Programms stresst mich und dann habe ich keine Lust mehr. So zappe ich mich doch überwiegend durch das Fernsehprogramm oder durch meine eigene Sammlung auf der Festplatte. Hier habe ich einmal festgehalten, was ich so angeschaut habe im Juli und ein bisschen meinen Senf dazugegeben.

Graffiti Don't trust the TV

1. Der Liebe verfallen (USA 1984)

Oh, diese verdammte Sehnsucht! Dieser Schmerz! Meryl Streep und Robert de Niro leiden, weil sie sich lieben. Aber sie sind verheiratet und haben Kinder, deswegen wagen sie es nicht, ihren Gefühlen nachzugeben. Schließlich trennen sich ihre Wege. Der Zug scheint für sie endgültig abgefahren. In diesem Liebesdrama tobt der Sturm im Inneren der Protagonisten, während die Landschaft ruhig am Zugfenster vorbeizieht. Ihr Liebesleid ist spürbar und (nach)fühlbar. Auf diesen Zug konnte ich aufspringen und mitfahren.

2. Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone (USA 1986)

Genau das Richtige zur Aufhellung trüber Tage: Bette Midler als boshaftes und wehrhaftes Opfer, Judge Reinhold und Helen Slater als naive und sympathische Entführer und Danny de Vito als listiger Geschäftsmann, der seine Frau auf praktische Weise loswerden will und dies teuer bezahlen wird, obwohl er keinerlei Anstalten macht, den Entführern auch nur einen Cent Lösegeld für seine Liebste zu zahlen. Mehr 80er Jahre-Kolorit geht nicht. Garstig und voller Gags. Lieblingsspruch: „Die klopfen an, hätte ich nicht gedacht!“

3. Charlie staubt Millionen ab (GB 1969)

Das ist britisches Understatement: Erst mal mit ’nem Lamborghini Miura die Serpentinen entlangkurven, dann einen Supercoup planen, auf der Flucht mit drei Mini Cooper spektakulär durch Turin heizen, um schließlich in einem Autobus über die Alpen mit dem Gold zu entkommen. Oder doch nicht? Tolle Kinobilder und teure Autoklassiker. Oh, diese Schmerzen, wenn der Bulldozer loslegt! Für Autofans und/oder Fans von Michael Cane.

4. Ein (un)möglicher Härtefall (USA 2003)

Huch, ich habe einen Film mit Clooney George angeguckt. Dieser hier war recht amüsant. Clooney spielt einen Scheidungsanwalt, dessen Spezialität es ist, seine meist männlichen und vermögenden Mandanten ohne nennenswerte finanzielle Verluste durch die Scheidung zu bringen. Als auf der Gegenseite die bombenattraktive Catherine Zeta-Jones steht, gerät er ins Wanken und kann ihr nicht widerstehen. Wird sie die Erste sein, die seinen bombensicheren unangreifbaren Scheidungsvertrag erschüttert? Und wie! Und mit Billy Bob Thornton als Ölmogul in einer schrägen Nebenrolle.

5. Halt nicht an! (NL/B 2019)

Der Plot lässt zunächst an Duell denken, und Steven Spielbergs Frühwerk sollte man sich lieber ansehen als das hier: Eine nervige Familie ist mit dem Auto unterwegs. Es kommt zum Konflikt mit dem Fahrer des Vans vor ihnen. Der macht partout die Überholspur nicht frei. An der Tanke kommt es zur Konfrontation. Im Verlauf des Streits will der Familienvater die vom Fahrer des Vans geforderte Entschuldigung nicht abgeben. Das hat der Papa nun davon: Der Typ im weißen Van nimmt die Verfolgung der Familie auf und wird immer bedrohlicher. Mit Jeroen Spitzenberger, Anniek Pheifer und Willem de Wolf. Halt ich nicht aus!

6. Der weiße Hai 3 (USA 1983)

Der dritte Teil der Reihe mit Dennis Quaid und Bess Armstrong hat eigentlich eine gute Idee, nämlich, dass der fiese Hai in einen Unterwasser-Freizeitpark eindringt und für Schrecken bei den Besuchern sorgt. Ein biss-chen langweilig und schade, dass daraus nicht ein biss-chen mehr geworden ist. Kein wirkliches Hailight. Eben nur ein Biss-chen.

7. Florence Foster Jenkins (GB/F 2016)

Und noch einmal Meryl Streep, dieses Mal in einer Biografie als inbrünstige, aber untalentierte Amateursängerin Florence Foster Jenkins, die unbedingt auf der großen Bühne ein Konzert geben möchte. Der Film ist hübsch ausgestattet und das schräge Gequicke der Florence recht ulkig, aber ich bin für derartige Geräuschbelastungen wohl nicht gemacht. Hugh Grant spielt auch mit.

8. Taxi 5 (F 2018)

Oh, so eine Überraschung: „Die Calzone hat den Ofen verlassen!“ Dass es einen fünften Teil der Reihe gibt, ist an mir vorbeigegangen. Gefunden auf RTL Nitro, wo sonst passt dieses 407er Renntaxi auch hin. Polizist Franck Gastambide, auch Drehbuch, und Kumpel Malik Bentalha bilden das neue Team im aufgemotzten Hightech-Taxi. Die beiden verfolgen italienische Diamantendiebe, die entweder im quietscheentchengelben Ferrari 458 Italia oder einem – ui! – schwarzen Lamborghini Aventador LP700-4 auf der Flucht sind. Ja, so fies hat ein Verbrecher noch nie einen Kaugummi zerschmatzt, während er ein Polizeiauto vollkrass in die Luft sprengt. Von der Hauptbesetzung ist Bernard Farcy als Gibert dabei geblieben, nunmehr als Bürgermeister von Marseille und gerade im Umfragetief. Eine gelungene und spaßige Fortsetzung vollgetankt mit dem Benzin der früheren Teile: Komplett beknackt und sinnfrei, durchaus liebenswert und rasant unterhaltsam. Lachen mit Vollgas!

9. Wasabi – Ein Bulle in Japan (F/Japan 2001)

Die Actionkomödie mit Jean Reno und Ryoko Hirosue war mir nicht mehr genau präsent und bot sich im Anschluss an Taxi 5 im Programm an: Ein Pariser Bulle beerbt seine frühere japanische Geliebte und reist nach Tokio. Dort erfährt er, dass er mit ihr eine mittlerweile 19-jährige Tochter hat, die ein Vermögen erbt, auf das es Verbrecher abgesehen haben. Er muss seine Tochter beschützen. Ich erinnerte mich vor allem an das arg angeknipste Mädchen, deren Gehopse ich noch immer nicht ganz nachvollziehen kann. Sie wirkt wie aus einem Manga entsprungen. Mein Lieblingsfilm wird Wasabi nicht mehr, aber er gefiel mir besser als früher. Kann man sich mal ansehen, wenn es sonst nichts gibt. Bill Murray in Tokio (Lost in Translation) gefällt mir mehr.

10. Mutter kündigt (D 2021)

Die Tragikomödie mit Maren Kroymann habe ich wegen Maren Kroymann angesehen und Maren Kroymann war gut in der Rolle einer Mutter, die ihren drei erwachsenen Kindern das Muttersein aufkündigt und das Erbe in drei gerechten Geldstapeln bar auszahlt. Das klingt nicht nur nach Familienkonflikten: da kann ich wenig mitschwingen. Aber Maren Kroymann war gut.

11. The Mule (USA 2018)

Anarchie und Breaking Bad: Ganz alter Knacker, Clint Eastwood, steht mit seiner Blumenfarm vor der Pleite und Zwangsversteigerung. Er bessert seine Finanzen auf, indem er in seinem Truck als Muli für das mexikanische Drogenkartell kiloweise Kokain kutschiert – was er zunächst nicht weiß. Die Fracht wird mit jeder Tour größer, die Lohntüte immer dicker. Der 90-Jährige ist eigenwillig, aber aufgrund seines Alters und harmlosen Erscheinung erfreulich unauffällig als Drogenkurier. Der Alte hat als Ehemann und Vater versagt. Einzig seine Enkelin hält noch zu ihm. Doch auch seine Frau (Dianne Wiest) hat noch Liebe für ihn übrig. Als sie schwer erkrankt, hält sich der alte Mann nicht an die Vorgaben des Kartells und unterbricht die Fahrt, um bei seiner Frau zu sein. Die Drogenbosse und Polizist Bradley Cooper sind ihm auf den Fersen. Was ist wichtig im Leben, welche Prioritäten setze ich? Super! Inspiriert von einer wahren Geschichte. Eastwood führte auch Regie.

12. Der Wilde (USA 1953)

Marlon Brando ist der charismatische Anführer einer Motorrad-Gang, die eine amerikanische Kleinstadt wie eine wildgewordene Horde Heuschrecken überfällt und die Bewohner aufmischt. Die Rocker in Bluejeans und schwarzen Lederjacken pöbeln, plündern, provozieren, raufen und saufen. Die Halbstarken hängen im örtlichen Café mit angeschlossener Bar herum, wo Anführer Johnny ein Auge auf die Bedienung Kathie (Mary Murphy) wirft. Sie ist die Tochter des Polizisten Harry Bleeker (Robert Keith), der versucht, ruhig auf die Bande einzuwirken. Als Mary von den Jungs mit dem Motorrad verfolgt wird, rettet Johnny sie aus der bedrohlichen Lage und fährt mit ihr auf seiner Triumph Thunderbird davon. Während sich eine gewisse Romanze zwischen den beiden entspinnt, rotten sich die Bürger der Kleinstadt zusammen, um gegen die Rocker vorzugehen. Die Situation eskaliert. Dieses Frühwerk Brandos formte sein Image als Rebell und Jugendidol. Brandos Bildschirmpräsenz ist durchaus eindrucksvoll. Das Drama gilt als einflussreiches Werk auf die Jugend der 1950er Jahre.

13. Das schönste Geschenk meines Lebens (D 2003)

Die Familie steht an erster Stelle. Jutta Speidel ist eine treu sorgende Mutter und Ehefrau. Der Lohn: ihr Mann betrügt sie! Aber da ist doch der nette italienische Kioskinhaber Bruno Maccallini, der im Stillen mit ihr liebäugelt. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag bittet sie ihn kurzerhand, mit ihr zu verreisen. Italien. Amalfi. Amore. Doch als die liebe Familie nachreist, traut sich Jutta Speidel nicht, den charmanten Kioskbesitzer als ihren Liebhaber vorzustellen und degradiert ihn zum Gärtner seines eigenen Feriendomizils. Es kommt zu einigen Missverständnissen. Wird sie sich am Ende für Bruno Maccallini entscheiden? Jedenfalls hat Speidel im wahren Leben zehn Jahre mit Maccallini verbracht. Die beiden waren bis 2013 ein Paar. Vielen geht bei Bruno Maccallini erst hier ein Licht auf: „Isch ’abe gar kein Auto, Signorina!“ Ja, das ist der Mann aus der Kaffee-Werbung der frühen 90er Jahre. In Italien ist Maccallini ein bekannter Schauspieler. Auch hierzulande ist er gelegentlich in TV-Filmen zu sehen, einige zusammen mit Jutta Speidel. Für Maccallini kann man sich schon mal entscheiden und 90 Minuten versüßen lassen.

14. Eine ganz heiße Nummer 2.0

Die Fortsetzung des TV-Films Eine ganz heiße Nummer habe ich wegen Günther Maria Halmer angesehen, der so langsam ins Altenfach wechselt: Er will noch einmal „die Sterne sehen“, bevor er stirbt und hat Telefonsex mit Gisela Schneeberger. Das war auch schon der unterhaltsamste Teil des Films: Das Nest Marienzell hat nur eine – wenn überhaupt – lahme Internetverbindung und leidet unter Bevölkerungsschwund. Die Damen des Dorfes wollen an einem Tanzwettbewerb teilnehmen, um mit der Siegprämie eine schnellere Internetanbindung herzustellen. Mit Jorge González als Tanzcoach. Die Komödie hat mich – Ausnahme Halmer und Schneeberger – nicht zum Lachen gebracht.

15. Royal Corgi – Der Liebling der Queen (B 2019)

Nach Ice Age hat mir praktisch keiner dieser vielen Animationsfilme mehr gefallen. Einige habe ich zugegebenermaßen gar nicht erst angesehen. Meistens sind sie zu laut, zu grell, zu überdreht, zu grob mit lieblosen Dialogen und unerträglich viel  „Uh!“, „Aah!“, „Oh!“ und „Yeah!“-Geschrei. Ein Film über die Lieblingshunde der Queen, dachte ich, ist vielleicht ganz niedlich. Mitnichten und das ist der Punkt: Niedlich ist zwar der ulkige Hund mit dem großen Kopf eines Schäferhundes auf einem Dackelkörper – bis er anfängt zu sprechen. Die Sprache ist wirklich „übelst“ schlimm! Der Film ist für Kinder meiner Meinung nach nicht geeignet, weil er einige gewalttätige Szenen enthält: Der kleine Lieblings-Corgi der Queen wird vom eifersüchtigen Zweit-Corgi gemein von einer Brücke ins Eiswasser gestoßen und droht zu ertrinken. Zuvor empfängt die Queen Trump. Dessen polternder Auftritt ist allerdings einigermaßen mit Wiedererkennungswert dargestellt. First Lady Melania hat eine notgeile Hundedame dabei, die sich dem armen Corgi aufdrängt und sexuell nötigt. Corgi wird aus den Wasser gerettet und landet im Tierheim, in dem es recht düster ist und ein fieser Pitbull das Sagen hat und brutale Kämpfe zwischen den Hunden abhält. Die hübsche Saluki-Hundedame erobert das Herz des Corgi und türmt mit ihm zum Buckingham-Palast zurück, unterstützt von den anderen Hundefreunden. Eine sehr fragwürdige Szene ist die, als Zweit-Corgi Erst-Corgi und seine Herz-Hundedame unter einem Haufen Merchandising-Artikeln, die aus einem Schrank gepurzelt sind, verschüttet werden und der Fies-Corgi den Haufen mit der bewussten Absicht anzündet, die beiden zu verbrennen. Der Film ist ohne Altersbeschränkung freigegeben. Ich weiß nicht. Oder ist der Film eher nicht für Leute über 40 geeignet? Guckt doch mal Susi und Strolch!

Die 5 BESTEN am Donnerstag: In den Bergen

Der Berg ruft! Mit den 5 BESTEN am Donnerstag erklimmen wir heute den Gipfel. Gastgeberin Gina fragt nach den 5 besten Filmen, die in den Bergen spielen.

Hier ist meine Liste

Der Ästhet: In Willy Bogners Feuer und Eis (1986) ist weniger die Handlung als die spektakulär gefilmten Ski- und Snowboardszenen in Erinnerung geblieben. Der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger ist als Erzähler zu hören.

Beklemmend: Das Dokudrama Sturz ins Leere (2003) erzählt die wahre Geschichte des Bergsteigers Joe Simpson, der 1985 in den Anden in eine tiefe Gletscherspalte stürzt und sich verloren glaubt. Allein, ohne Wasser und Nahrung und mit gebrochenem Bein kämpft er ums Überleben und trifft eine dramatische Entscheidung.

Schock-Opener: Auch wenn Sylvester Stallone nur an Pappfelsen herumgehangen haben soll statt in den echten Rocky Mountains, bleibt Cliffhanger (1993) eine spannende Aktionkanone mit Styroporschneegestöber, Herumgeballere, Stallone als Einzelkämpfer und Held sowie John Lithgow als mieser fieser Fiesling.

Reales Drama: Der Film Nanga Parbat (2010) erzählt die Geschichte der Bergsteiger-Brüder Reinhold und Günther Messner, die 1970 den Nanga Parbat im Himalaya besteigen. Der 8000er wird Günther Messner zum Verhängnis: er stirbt. Der Film gibt die Ereignisse aus Sicht seines Bruders Reinhold wieder.

Geheimtipp: In Mörderischer Vorsprung (1988) entflieht ein psychopathischer Räuber und Killer nahe der kanadischen Grenze in die Berge und schließt sich einer Gruppe Wanderer unter Leitung der Bergführerin Sarah (Kirstie Alley) an. Der FBI-Mann Stantin (Sidney Poitier) benötigt die Hilfe des raubeinigen Naturburschen Knox (Tom Berenger), der ihn durch die tückische Bergwelt lotsen soll: Schwarz trifft Weiß, Anzug auf Holzfällerhemd, gepflegte Sprache auf Schnoddrigkeit, da sind Konflikte in der schönen Landschaft vorprogrammiert. Äußerst spannend mit einigen sehr lustigen Szenen und mit Toleranzbotschaft.

Die 5 BESTEN am Donnerstag: Schule

Mit den 5 BESTEN am Donnerstag drücken wir heute die Schulbank. Gastgeberin Gina fragt nach den 5 besten Filmen, die in der Schule spielen.

Hier ist meine Liste

Frisch, fromm, fröhlich, frei: In den Pauker-Filmen der späten 60er und frühen 70er Jahre heckt Hansi Kraus als Schüler Pepe Nietnagel Pennäler-Streiche am Mommsen-Gymnasium aus. Uschi Glas und Hannelore Elsner sind in der Filmreihe Die Lümmel von der ersten Bank in frühen Rollen zu sehen neben Theo Lingen als Schuldirektor Dr. Gottlieb Taft sowie Ruth Stefan, Hans Clarin und Rudolf Schündler als Lehrer. Entweder man mag die Filme oder denkt: „Man fasst es nicht!““

Chantal, heul leise: Nachdem so viel Wirbel um Fack ju Göhte (2013) gemacht worden ist, habe ich den Film im Fernsehen angesehen und war überrascht, dass ich ihn durchaus lustig finde. Die Referenz an die Pauker-Filme durch den Auftritt von Uschi Glas als gepeinigte Lehrerin ist gelungen. Ihr Spruch „Hier! Hab ich dir in der Burnout-Klinik getöpfert“ ist ein Knaller.

Kurzschluss: In Heute trage ich Rock! (2008) platzt aus Isabelle Adjani die blanke Wut heraus. Sie unterrichtet Jugendliche, deren Familien nach Frankreich eingewandert sind. Die Schüler sind respektlos, hören nicht zu und stören den Unterricht. Plötzlich hat die Lehrerin eine Pistole in der Hand. Die (nachvollziehbare) Scheißwut der Lehrerin bricht sich eindrucksvoll und fürchterlich Bahn. Ein konsequentes Drama.

In Der Club der toten Dichter (1989) inspiriert der Englischlehrer John Keating (Robin Williams) seine Schüler zu neuen Denkweisen. Die Jungen des konservativen Internats rufen den Club der toten Dichter wieder ins Leben, dem einst auch ihr Lehrer angehörte. In geheimen nächtlichen Treffen rezitieren sie Gedichte. Doch insbesondere das Schicksal eines Schülers nimmt einen tragischen Verlauf, wofür Keating verantwortlich gemacht wird.

Mannomann: Eine meiner Lieblingskomödien aus den 80er Jahren ist Laß mich mal ran! Als Junge ist sie spitze! (Just one of the Guys, 1985). Terry (Joyce Hyser) ist ein Mädchen und als solches wird sie bei einem Wettbewerb für angehende Journalisten an der Highschool benachteiligt. Sie versucht es verkleidet als Junge an einer anderen Schule erneut. Beste – und sehr unterhaltsame – Tipps erhält sie von ihrem pubertierenden Bruder (Billy Jayne). Als Junge sieht sich Terry neuen Problemen gegenüber: Ein Mädchen verknallt sich in sie als Junge und sie selbst verliebt sich in Rick, der denkt, dass sie sein Kumpel ist.

Serienmittwoch: Katastrophenfilme

Beim Serienmittwoch fragt Corly heute: „Mögt ihr Katastrophenfilme?“ Da sage ich: „Ja!“ Besonders gefallen mir die Klassiker des Genres.

Die Airport-Reihe hebt zuerst ab. Der erste Teil Airport aus dem Jahr 1970 und der dritte Teil Airport 77 – Verschollen im Bermuda-Dreieck sind meine Favoriten: Harte Kerle, schöne Frauen, Stars, Schicksale, Drama, Humor – auch unfreiwillig, Klischees, starke Kinobilder und spannende Unterhaltung vor Styropor-Schneegestöber. Bitte anschnallen und das Rauchen einstellen! Ruhig bleiben!

Ein weiterer Flugzeugkatastrophen-Lieblingsfilm von mir ist Starflight One – Irrlug ins Weltall aus dem Jahr 1983. Die Starflight One ist ein Überschallflugzeug, das nach einer Kollision mit Trümmerteilen in den Weltraum abdriftet. Colt Seavers Lee Majors ist der Captain an Bord. Über Starflight One habe ich mich kürzlich hier ausführlicher ausgelassen.

Zu den starbesetzten Klassikern zählt auch Erdbeben von 1974. Ein schweres Beben erschüttert Los Angeles. Wird der Staudamm halten? Weit ab von digitalen Spezialeffekten beeindruckt der Film mit realistisch wirkenden Effekten, die den Fernsehsessel gleich miterzittern lassen.

Noch so ein Ding aus dem Jahr 1974 ist Flammendes Inferno. Hier bricht in San Francisco in einem gerade fertiggestellten Wolkenkratzer ein verheerendes Feuer aus, das die Gäste der Einweihungsfeier im 135. Stockwerk einschließt. Neuere Vertreter der Feuerkatastrophen in Hochhäusern sind der südkoreanische Film The Tower (2012) und Skyscraper (2018), in dem Dwayne Johnson als Sicherheitsexperte in einem futuristischen Superhochhaus in Hongkong seine Familie vor der Feuersbrunst retten und nebenher noch ein paar Terroristen plattmachen muss. Einige – unfreiwillige – Lacher hat das Aktionspektakel allerdings inklusive.

Nicht fehlen darf Die Höllenfahrt der Poseidon (1972): Eine Monsterwelle lässt den Luxusdampfer Poseidon kopfüber kentern. Gene Hackman führt eine kleine Gruppe an, die einen Ausweg aus dem Schiff sucht. Was früher unten war, ist jetzt oben. Finde den Weg. Ich bin ab der Sache mit dem Tauchen draußen!

Einen Tunnelblick bekommt man in Daylight (1996) und dem russischen Film Metro – im Netz des Todes (2013). In Daylight gibt Sylvester Stallone den Retter in einem Straßentunnel unter dem New Yorker Hudson River. Nach einem Verkehrsunfall während der Rush Hour kommt es zu einer Explosion, in deren Folge Wasser in den Tunnel läuft. Und dieses Wasser steht den Überlebenden sprichwörtlich bis zum Hals. In Metro bricht ebenfalls Wasser in eine Moskauer U-Bahnstation ein, die sich unter dem Fluss Moskwa befindet, und lässt eine U-Bahn entgleisen.

Eine wahre Katastrophe inszeniert der Film Pompeii aus dem Jahr 2014: 79 n. Chr. bricht der Vesuv aus und begräbt Pompeji unter einer Ascheschicht. Moderne Spezialeffekte lassen die Katastrophe bombastisch und (über)dramatisch lebendig werden. Der Gladiator Milo versucht mit seiner Liebsten Cassia – Tochter des Stadtoberhaupts – zu fliehen. Nicht nur die pyroklastische Welle des Vulkans verfolgt sie, sondern auch Senator Corvus. Der brodelt wie der Vulkan, weil Cassia ihn nicht heiraten will. Sehr eruptiv das Ganze!