Durchgezappt im Februar 2022

Der Fernseh-Februar steht im Zeichen der 2: Zwei Kriegsfilme standen auf meinem Programm und damit ein wenig bevorzugtes Genre. Zwei Helden in Schwarz aus Comics waren dabei und gleich zwei Neeson-Filme fliegen wieder von meiner Festplatte. Außerdem hatte ein japanischer Anime-Film Premiere bei mir. Colin Farrell hat die 2 nicht geschafft und ist nur einmal dabei, und schließlich habe ich den Musikstil Rembetiko kennengelernt. 

Teaser Durchgezappt

1. Hard Powder (GB/Nor/Kan/USA 2019)

Liam Neeson räumt in Colorado eine Menge Schnee und Verbrecher aus dem Weg. Der Schneepflugfahrer und unbescholtene „Bürger des Jahres“ mutiert zum erbarmungslosen Rächer, als sein Sohn vom Drogenkartell ermordet wird. Schwarzhumoriges Schneegestöber, wobei der Witz nicht ganz angekommen ist bei mir. Viele Tote und ein brutal agierender Neeson. Drogenboss Tom Bateman beeindruckt allerdings als fiesester Fiesling, den man sich denken kann. Als Kontrahent hat er den indianischen Drogenbaron White Bull (Tom Jackson) in Verdacht. Kommt er Neeson auf die Schliche? Wer räumt wen (zuerst) aus dem Weg? Am meisten hat mir die Gute-Nacht-Geschichte gefallen, die Neeson dem Jungen des Drogenbosses vorliest. Bester Gag und Szene, so gefällt mir Neeson.

2. Reise zum Mittelpunkt der Erde (USA/Island 2008)

Ganz im Sinne Jule Vernes begibt sich Vulkanologe Brendan Fraser in Island mit seinem 13-jährigen Neffen Josh Hutcherson und Bergführerin Anita Briem auf eine fantastische Reise ins Innere der Erde. Auf ihrer Route durch den Berg hinab in die Tiefe erleben sie einige Abenteuer und entdecken magische Welten. Keine direkte Umsetzung des Romans, aber der Film atmet dessen Geist und Abenteuer. Unterhaltsam. Gefällt mir, schön für einen Sonntagnachmittag. Jedenfalls bin ich eine Vernianerin

3. Batman Begins (USA/GB 2005)

Trotz beachtlicher Starbesetzung, trotz Nolan, dieser Batman gefällt mir nicht. Ich finde Christian Bale nicht charismatisch genug und ohne seinen Batman-Anzug langweilig. Da gibt es aber andere Ansichten. Weder fand ich Batmans komische, tiefe Stimme toll noch das brachiale Batmobil. Nicht einmal Liam Neeson als Ra’s al Ghul gefiel mir sonderlich. Michael Cane als Butler Alfred ist sympathisch und passt gut in die Rolle. Auch Gary Oldman als Sergeant Gordon ragt heraus. Die Story erzählt, wie der Junge Bruce Wayne zu Batman wird. Der Fledermausmann bekommt es hier mit der Vogelscheuche Scarecrow zu tun. Das ist der erste Film mit Neeson, der von meiner Festplatte fliegt. Sorry.

4. Venom (USA 2018)

Tom Hardy lässt das Monster raushängen: Er dient einer außerirdischen symbiotischen Lebensform als Wirt und verfügt fortan über besondere Kräfte. Die Spezies namens Venom nimmt gelegentlich die Form einer vielzahnigen schwarzen Scheusalskreatur an und will offenbar eine Invasion der Erde durch seine Artgenossen verhindern. Das Ganze geschieht recht actionreich. So, das war mein Ausflug ins Marvel-Universum, der sich wahrscheinlich nicht so schnell wiederholen wird.

5. Systemsprenger (D 2019)

Die eigene Mutter, das Jugendamt, Therapeuten und Betreuer sind überfordert mit der geballten rosa Wut, die von Benni (Helena Zengel) ausgeht. Die 9-Jährige ist ein sogenannter „Systemsprenger“, keine Maßnahme greift, das Kind ist nicht integrierbar und durch seine Verhaltensauffälligkeiten kaum zu bändigen und gar eine Gefahr für seine Umgebung. Sehr erstaunlich, wo die Jungdarstellerin Zengel diese dramatischen Persönlichkeitsmerkmale herholt und eindrucksvoll vorträgt. Mein Hauptgedanke ist: Sei es noch so aufrichtig bemüht von Seiten der Helfenden, man kann so einem Kind vielleicht nicht nur halb geben. Mit der Ablehnung kann es umgehen, das kennt sie. Aber wer, wenn nichtmal die eigene Mutter es schafft, kann so ein gefährliches Wutknäuel aus vollstem Herzen lieben und annehmen. Ein Dilemma mit Sprengkraft.

6. Life (USA 2017)

Astronauten untersuchen an Bord der Internationalen Raumstation ISS eine Bodenprobe vom Mars. Und, ach wie niedlich, es lebt! Das außerirdische lebendige Etwas ist ganz klein und putzig anzusehen. Das Team um Jake Gyllenhaal, Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds und Hiroyuki Sanada ist ganz fasziniert. Doch das Es entwächst schnell der Petrischale und legt an Kraft zu. Und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass Es nicht nett ist. Jetzt gibt’s Stress für die Besatzung. Unter allen Umständen müssen die Quarantänevorschriften an Bord eingehalten werden. Sowas wie Alien. Richtig spannend. Es gibt im Laufe des Films einen „Au-Backe!“-Effekt, ich sage nicht wo, um nichts vorweg zu nehmen.

7. Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (D 1981)

Natja Brunckhorst verkörpert die heroinabhängige Christiane F., deren berühmter Report Wir Kinder vom Bahnhof Zoo ein eindrückliches Zeugnis ablegt für den persönlichen und körperlichen Verfall junger Drogenabhängiger. Der Film fängt das Drama der 13-Jährigen in teils schockierenden Bildern ein: Ein Kiefernholzschrank ausgestellt in einem Schaukasten in der schäbigen Bahnhofshalle, hell ausgeleuchtet und gedacht für ein schönes Zuhause, das Christiane und ihr ebenfalls abhängiger Freund Detlef (Thomas Haustein) nicht haben. Die beiden sind verlorene Seelen in der Ödnis vom Bahnhof Zoo. Die Kamera fängt diese Atmosphäre authentisch ein. Christiane himmelt im Konzert David Bowie an, danach setzt sie sich den ersten Schuss: „Ich hab’ das unter Kontrolle“, sagt sie, doch ihr Weg in die fatale Heroinabhängigkeit ist dramatisch und unaufhaltsam. Christianes Tag ist bestimmt von ihrer ersten Liebe zu Detlef, der Heroinsucht und Prostitution zur Finanzierung der Droge. Die Bilder ihres kalten Entzugs mit Detlef sind heftig. Der Film erschüttert, kann aber aus Zeitgründen nicht ausreichend in die Tiefe gehen und Hintergründe beleuchten. Ich vermag ausdrücklich nicht zu beurteilen, inwieweit der Film einen abschreckenden oder möglicherweise nicht abschreckenden Effekt auf junge Zuschauer hat. Es gibt offenbar kontroverse Meinungen dazu, insbesondere dahingehend, dass der Film von Uli Edel und Bernd Eichinger Christiane zu einer gewissen Heldin stilisiere. Einige fotografische Eindrücke der Gropiusstadt, in der Christiane lebte, habe ich kürzlich im Beitrag Die Gropiusstadt in Berlin veröffentlicht.

8. Der letzte Countdown (USA 1980)

Das amerikanische Trauma Pearl Habor spielt eine zentrale Rolle in diesem Science-Fiction-Kriegsfilm. Kirk Douglas kommandiert auf dem Flugzeugträger USS Nimitz ein Flottenmanöver unweit von Pearl Habor. An Bord ist auch Systemanalytiker Martin Sheen. Die Nimitz gerät in ein eigenartiges Wetterphänomen mit Lichterscheinungen. Danach stellt die Mannschaft anhand eindeutiger Belege fest, dass sie sich im Jahr 1941 mitten im Zweiten Weltkrieg befinden, genau einen Tag vor dem Angriff der Japaner auf Pearl Habor am 7. Dezember. Douglas bläst – na klar – zum Angriff, um Pearl Harbor nicht ungeschehen zu machen, aber siegreich aus dem Gefecht hervorzugehen. Na, ob dies gelingt? Natürlich patriotisch und beinahe lachhaft, aber der Film hat was und wenn nicht, ist er allein deshalb sehenswert: Die bombastischen (das scheint mir das richtige Wort) Panavision-Aufnahmen vom Geschehen auf einem Flugzeugträger, den Starts und Landungen der Flugzeuge, sind eindrucksvoll. Ein Werbeclip für die Navy mit Reportage-Effekt. Übrigens: Die USS Nimitz steht noch immer im Dienst. 

9. Hello World (Japan 2019)

Ich glaube, das ist der erste japanische Anime-Film, den ich seit Captain Future gesehen habe. Beim Titel musste ich ich an die Webbausteine HTML – HEAD – BODY – Hello World denken, was nicht abwegig ist: Kyoto im Jahre 2027. Der schüchterne Naomi hat Schwierigkeiten im Kontakt mit seinen Mitschülern und lebt in der Welt seiner Bücher. Die Regierung sammelt sämtliches Zeitgeschehen der Stadt und seiner Bewohner und speichert die Daten in einem Quantencomputer namens Alltale. Eines Tages erscheint Naomi auf magische Weise sein zehn Jahre älteres Ich. Der Erwachsene hat Alltale gehackt und trainiert nun sein jüngeres Ich im Umgang mit einem besonderen Handschuh, mit dem sich Materie formen und beeinflussen lässt. Naomis Alter Ego hat eine dringende Mission Mitschülerin Ruri betreffend. Dazu muss Naomi eine Beziehung zu ihr aufbauen, was ihm nicht leichtfällt, doch beide lieben Bücher. Hat mir überraschend gut gefallen: Science-Fiction mit Zeitreise-Thema, die Art der Animation, die Geschichte. Zum Ende hin gibt es schnellere, üppigere, bunte Bilder. Erinnert an Inception und Matrix und die Sache mit dem Raum-Zeit-Kontinuum aus Zurück in die Zukunft

10. Rampage – Big meets Bigger (USA 2018)

Oh Mann, der Dwayne kann einfach alles! Diesmal ist er Primatenforscher und Affenflüsterer. Nachdem Genmaterial einer mutierten Laborratte aus einer Forschungsstation im All auf die Erde gelangt, wird Dwayne Johnsons Gorilla George plötzlich ein bisschen größer und böser. Der Affe türmt nach Chicago und trifft dort auf ein weiteres Riesenmonster. Zusammen zerlegen sie die Stadt inklusive Sears Tower. Wow, dieses Komplettdesaster liegt irgendwo zwischen King Kong und Godzilla. Naomie Harris steht dem Dwayne zur Seite, der seinen Gorilla retten will. Natürlich kann Primatenforscher Dwayne Hubschrauber fliegen. Einfach, weil er’s kann! Der Dwayne sorgt hiermit für den nächsten Amusement-Kracher.

11. Widows – Tödliche Witwen (USA/GB 2018)

Müssen die Frauen mal wieder richten, was ihre Männer verpatzt haben. Das ist bei Kriminellen nicht anders, nur dass in diesem Fall die Bande bei einem verpeilten Coup draufgegangen ist und obendrein Schulden hinterlassen hat. Und so sehen sich die Witwen Viola Davis, Elisabeth Debicki, Cynthia Erivo und Michelle Rodriguez gezwungen, den Bruch zu begehen, zu dem ihre Kerle nicht mehr gekommen sind. Liam Neeson und Colin Farrell in einem Film, beide miese Typen. Von beiden sehe ich mir praktisch alles an, aber lieber in eigenen Filmen, so komme ich nicht in Konflikt. Obwohl, sie haben nur eine gemeinsame Szene, und so gern ich Filme mit Neeson ansehe, Farrell berührt mich ungleich stärker. Hier spielt er einen Politiker, der für anstehende Wahlen kandidiert und in die Fußstapfen seines herrischen Vaters tritt. Er hält eine Rede vor Bürgern und eine noch bemerkenswertere Schimpftirade anschließend im Auto, wirkungsvoll, weil nur seine Stimme zu hören ist, während man partiell das fahrende Auto und die vorbeiziehende Umgebung sieht. Insgesamt fand ich den Thriller etwas langatmig und nicht spannend genug, dabei sorgt Neeson für einen echten Überraschungsmoment. Erneut aber ragt (für mich) Colin Farrell in seiner Darstellung eines abgründigen Charakters heraus.

12. Paris, Texas (D/F 1984)

Hurra, so gehen Kinobilder, so erzeugt man Stimmung! Der verstört wirkende Harry Dean Stanton wird in der texanischen Wüste von seinem Bruder Dean Stockwell aufgegabelt. Vier Jahre war er verschwunden und spricht zunächst nicht. Sein kleiner Sohn Hunter (Hunter Carson) blieb in der Obhut des Bruders und dessen Frau. Stanton nähert sich seinem Kind wieder an und macht sich mit ihm in einem 1958er Ford Ranchero auf den Weg, seine große Liebe und Mutter von Hunter, Jane (Nastassja Kinski), wiederzufinden. Wim Wenders folgt den beiden in sorgfältig komponierten Bildern voll erzählerischer Kraft. Ein melancholisches Roadmovie mit zwei ausdrucksstarken Hauptdarstellern und einer geheimnisvollen Nastassja Kinski.

13. Battleship (USA 2012)

Das ist der zweite Science-Fiction-Quasi-Kriegsfilm, den ich angesehen habe. Aber nur, weil Admiral Liam Neeson das Kommando über den Zerstörer hat und ein internationales Manöver vor der Küste Hawaiis anführt. Er hat Offizier Taylor Kitsch auf dem Kieker, der ausgerechnet des Admirals Tochter Brooklyn Decker heiraten will. Und weil man zuvor Botschaften ins All geschickt hat in der Hoffnung, auf intelligentes Leben zu stoßen, gibt es jetzt die Quittung: Der Flotte plumpst ein riesiges außerirdisches Raumschiff vor den Bug. Bestückt mit unfassbar zerstörerischen Waffen nietet es ein Schiff nach dem anderen in die ewigen Meeresgründe. Eine einzige patriotische Schlachtenorgie, die ich nur schwer und mit Aufmerksamkeitsdefiziten durchgehalten habe. Nah dran am Trash. Obwohl Neeson das Format für einen Admiral mitbringt, ist das der zweite Neeson-Film, der von meiner Festplatte fliegt. Sorry.

14. Djam (F/Griechenland/Türkei 2017)

Einblick in eine fremde (Musik)Kultur: Djam (Daphné Patakia) lebt bei ihrem Stiefvater Kakourgos (Simon Abkarian) auf Lesbos, ihre Mutter ist bereits verstorben. Griechenland ist wirtschaftlich geschwächt, die Flüchtlingskrise hat der Insel Lesbos zugesetzt, die Touristen bleiben aus. Kakourgos’ Ausflugsschiff liegt nicht allein deshalb im Hafen: Er schickt Djam nach Istanbul, um dort eine neue Pleuelstange für das Boot schmieden zu lassen. In der Türkei trifft Djam auf die Französin Avril (Maryne Cayon), die in der Flüchtlingshilfe arbeiten wollte und ausgeraubt worden ist. Die beiden setzen ihren Weg gemeinsam fort und haben einige Widrigkeiten zu bestehen. Djam ist, wie ihre Mutter, eine talentierte Rembetiko-Sängerin und Tänzerin. Rembetiko ist ein Musikstil mit griechischen und türkischen Einflüssen. Diese von Sehnsucht und Weltschmerz getragene Musik prägt den Film und begleitet die beiden jungen Frauen. Ein Roadmovie zu Fuß (die Bahn streikt) in melancholischer Grundstimmung mit Anklängen von „Spiel Bouzouki“ und der Wehmut von „Griechischer Wein“.

Und außerdem:

  • Das krumme Haus (USA/GB 2017)
  • Nach eigenen Regeln (USA 1996)
  • Psycho (USA 1998)
  • Jagd auf einen Unsichtbaren (USA 1992)
  • Zu guter Letzt (USA 2017)

Durchgezappt im Januar 2022

Hier kommt die Durchgezappt-Liste doch noch mal. Mein Programm im Januar war romantisch geprägt: Cary Grant ist Heiratskandidat für gleich drei Damen, während Colin Farrell als reitender (Herzens)Dieb und als Diener mein tragischer Romantikheld ist. Bill Murray benötigt bei Andie MacDowell mehrere Anläufe, und Pierre Richard flirtet als moderner Cyrano mit einer jungen Frau im Internet. Möchte man es so sehen, hat auch Liam Neeson im Flugzeug Non Stop eine Romanze mit Julianne Moore.

Teaser Durchgezappt - Grafitti "Don't trust the TV"

1. Kill the Boss (USA 2011)

Trotz Farrell wird das nicht mein Lieblingsfilm: Drei geplagte Arbeitnehmer wollen ihre Chefs umbringen. Dran glauben sollen die sexlüsterne Jennifer Aniston, der machtbesessene Kevin Spacey und der zugedröhnte Schwachmat Colin Farrell. Aniston überrascht als dunkelhaariger Vamp, der ihren Angestellten unverhohlen sexuell belästigt und erpresst. Darüber musste ich doch lachen: Die Amateurkiller verpulvern versehentlich das Kokain von Boss Farrell und klauben den Stoff wieder zusammen. Das fällt auch bestimmt nicht auf. Farrell überzeugt nicht unbedingt optisch, dafür darstellerisch – das ist ziemlich schräg.

2. Und täglich grüßt das Murmeltier (USA 1993)

Wenn ich in einer Zeitschleife festhinge und diesen Film täglich ansehen müsste, hätte ich wahrscheinlich kein Problem damit: Der mürrische Bill Murray erlebt Tag für Tag denselben Tag und erhält die einmalige Chance, die Dinge mit dem Wissen vom Vortag anders anzugehen und sein Verhalten zu korrigieren. Täglich tritt er bei der zartfühlenden Rita (Andie MacDowell) ins Fettnäpfchen und zieht, so frech wie charmant, Lehren aus seinen Verfehlungen. Eine echte Veränderung seines täglichen Dilemmas geschieht erst, als er Rita gegenüber aufrichtig handelt. Murray ist Meister in Bettszenen ohne Sex! „Bin ich, bin ich – bin ich!“ Mag ich, mag ich – mag ich!

3. Indiskret (USA 1958)

Die berühmte Theaterschauspielerin Ingrid Bergmann verliebt sich in Diplomat Cary Grant, der vorgibt, verheiratet, aber in Trennung zu leben, eben weil er genau das nicht möchte: heiraten! Sie kriegt’s raus und zahlt es ihm mit den Waffen einer Frau heim. Der alte Glanz. Heute sicher bieder. Bergmann und Grant empfinde ich zusammen nicht wirklich passend, der Liebesfunke springt wenig zündend über. In ihrer Wohnung hängen zu viele bunt gerahmte Bilder. 

4. Ein Hauch von Nerz (USA 1961)

Diese beiden zusammen versprühen schon eher ein funkelndes Feuerwerk: Doris Day wird als Pretty Woman von Cary Grant in ein Hauch von Nerz gehüllt. Die Romanze zwischen der arbeitslosen Cathy Timberlake und dem reichen Geschäftsmann Philip Shayne endet wie sie eben enden muss im Happy-End-Kino, und bis dahin sind nur ein paar seichte Wasserpfützen zu überspringen. Egal wie altbacken das sein mag, ich finde Doris Days eleganten Chic und den Glamour dieser alten Hollywood-Filme und Stars immer noch toll. Und ich mag die altmodische, gehobene Art des Flirtens. Das Automaten-Restaurant ist ein Hit! Einmal Backpfeife bitte.

5. Winter’s Tale (USA 2014)

Farrell reitet geschwind den Andalusier und ich gerate ins Schwärmen: Der märchenhafte Liebesfilm mit Fantasy-Elementen grenzt an Kitsch und ist hoffnungslos romantisch. Erzählt wird die Geschichte des Diebs Peter Lake (Colin Farrell mit etwas komischer Frisur), der sich im Jahre 1916 in New York von seinem kriminellen Ziehvater Pearly Soames (Russell Crowe) lossagt. Auf der Flucht rettet ihn in ein wahrlich fantastisches Pferd, auf dessen Rücken Lake entkommt. Der treue Schimmel führt Peter zu einem prächtigen Haus, aus dem er ein letztes Mal etwas stehlen möchte. Als er sich am Tresor zu schaffen macht, wird er der bezaubernden Beverly (Jessica Brown Findlay) gewahr, die im Nebenzimmer Klavier spielt. Sie lädt ihn zum Tee ein. Sie verlieben sich unsterblich ineinander. Aber leider ist sie sehr krank und er kann aus Liebe zu ihr nicht sterben. Irgendwie so, eventuell ist mir etwas von der Handlung entgangen, denn ich konnte nicht aufhören, in Farrells Augen zu lesen. Ich möchte Tee mit ihm trinken! Und wie hübsch die beiden anzusehen sind – ich meine „Pferd“ und Farrell. 

6. Sirene in Blond (USA 1957)

Werbefachmann Tony Randall steht kurz davor, seinen Job zu verlieren, da kann er die berühmte blonde Sirene Jayne Mansfield für eine Lippenstiftwerbung an Land ziehen. Ganz auf Sexbombe Mansfield zugeschnitten, die in diesem Film immer so ulkig quiekt wie Comedian Bülent Ceylan. Ob er sich das bei ihr abgeguckt hat? Hat mir doch nur mittelmäßig gefallen, aber der Vorspann mit den Parodien auf Fernseh-Werbespots ist gediegen!

7. Verdacht (USA 1941)

Cary Grant serviert Joan Fontaine ein Glas Milch, und sie kriegt es mit der nackten Angst zu tun. Das kann nur von Hitchcock sein. Hals über Kopf verliebt sich Fontaine in Grant und heiratet ihn übereilt, ohne viel über ihn zu wissen. Bald hat sie Zweifel an ihrem Angetrauten. Ist er ein Mörder? Gut, aber nicht der allerbeste Hitchcock, finde ich. Das Ende ist nicht ganz rund.

8. Fräulein Julie (GB/Norwegen/Irland/F 2014)

Theatralisch! Intensiv und hochdramatisch gestaltet sich die gefährliche Liebschaft zwischen der Adeligen Fräulein Julie und dem weltgewandten Diener John, beachtlich dargeboten von Jessica Chastain und Colin Farrell. Die norwegische Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann hat das gleichnamige Bühnenstück von August Strindberg aus dem Jahr 1888 adaptiert und von Schweden nach Irland verlegt. Schauplatz ist im Wesentlichen die Küche des Anwesens, in dem Fräulein Julie einsam aufwuchs. Die Handlung vollzieht sich in der Mittsommernacht, und es agieren nur drei Personen: Dritte im Bunde ist die Köchin und Verlobte von John, Kathleen (Samantha Morton): Julie vergnügt sich auf dem Mittsommerfest und tanzt ausgelassen mit Bediensteten. Der Baron, ihr Vater und Johns Herr, ist außer Haus. Julie gesellt sich zum Diener in die Küche und nutzt ihre Stellung, sich John zu ihrem Vergnügen verfügbar zu machen. Julie verspürt eine unklare Sehnsucht nach Veränderung und fühlt sich vom attraktiven und gebildeten Diener angezogen. John findet Julie ebenfalls hübsch und erhofft sich nichts mehr als gesellschaftlichen Aufstieg. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf und Julie setzt ihre Ehre aufs Spiel.

Das „Naturalistische Trauerspiel“ ist geprägt von Anziehung und Zurückweisung, Macht und Demütigung, dem Reiz des Verbotenen, unerfüllten Sehnsüchten und verlorenen Illusionen. Chastain und Farrell zerfleischen sich grandios zwischen Romantik, Liebe, Hass, Gewalt und Manipulation. Kathleen wirkt als Regulativ und moralische Instanz. Mortons ruhige Darstellung ist nicht minder beeindruckend. Das ist wie gefilmtes Theater und erfordert Aufmerksamkeit. Viel Text und melodramatisch. Ullmann bleibt in weiten Teilen dicht an der Vorlage Strindbergs, die Sprache ist lediglich etwas modernisiert. Ich kannte Strindbergs Werk zuvor nicht, umso mehr hat mich die Verwandlung Johns erschrocken und der Wirkung noch dazu, weil ich Farrell so sympathisch finde. Ich habe Strindbergs Text nachgelesen, um einzuordnen, ob ich alles richtig verstanden habe: Ist der stolze Diener John tatsächlich so grausam? Oder auch nur ein Verzweifelter? War es nicht Liebe zwischen den beiden? Jedenfalls weiß John genau, wo er steht – und wohin er nie gelangen wird. Weiter als die Treppen bis zu seinem Herrn wird er nie aufsteigen: „Je ne suis qu’un homme“, sagt John zu Julie: „Ich bin nur ein Mensch!“ Im Original spricht Ire Farrell – das ist gewollt – nordirischen Dialekt, während er eigentlich südirischen Dialekt spricht. Auch ist er im Original ausdrucksstärker.

9. A Thought of Ecstasy (D/USA/CH 2017)

Vorweg sei gesagt: Der Film von und mit RP Kahl lief trotz expliziter Sex- und Nacktszenen auf 3Sat. Das spricht für Kultur, und ein künstlerischer Anspruch ist dem Neo-Noir-Film nicht abzusprechen. Ich war sehr empfänglich für die Atmosphäre und den elektronischen Ambient-Soundtrack: Frank (RP Kahl) erkennt sich und seine 20 Jahre zurückliegende Liebesgeschichte zu Marie in einem Roman wieder und glaubt, dass Marie das Werk unter Pseudonym veröffentlicht hat. Er reist nach Kalifornien, um nach ihr, eigentlich nach seiner verlorenen Liebe zu suchen. Es wird ein teils bizarrer Trip zu sich selbst. Trump. Flirrende Hitze. Die Farben des Films wie von grellem Sonnenlicht ausgebleicht. Szenen. Monologe und Gedanken aus dem Off: „Küssen ist der Anfang von Kannibalismus.“ Straßen, Frank im Auto, deprimiert. In Nahaufnahme. Schweiß und Unmut tropfen aus seinen Poren. Er steht in der Wüste oder unter Autobahnbrücken aus Beton. Er streift durch die Nacht, trifft die geheimnisvolle Literaturagentin Liz Archer (Deborah Kara Unger) und Nina (Ava Verne). Erinnert an Zabriskie Point. Hätte man wahrscheinlich auch ohne Sex-Thema erzählen können. Da muss jeder selber schauen, was er davon hält. 

10. Monsieur Pierre geht online (Ö/F/D/Belgien 2017)

Der große Franzose: Der alte Pierre (Pierre Richard) lebt zurückgezogen in seiner großen Pariser Wohnung und trauert um seine Frau. Zur Ablenkung will ihm seine Tochter Sylvie (Stéphane Bissot) mithilfe des jungen Alex (Yaniss Lespert) das Internet näherbringen. Über ein Datingportal flirtet Pierre mit der jungen Flora (Fanny Valette). Als ein Treffen ansteht, schickt Pierre Cyrano gleich Alex vor, sich für ihn auszugeben. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf. Schon als Teenie habe ich Richard und seine Komik geliebt. Er hat etwas in seinem Wesen, das ihm in die Wiege gelegt worden ist: Gesicht und Augen strahlen eine Grundheiterkeit aus. Selbst im Alter wirkt Richard noch schelmisch und jung, wobei er hervorragend altert. Pierre Richard gelingt es, mich zum Schmunzeln, im besten Fall zum Lachen zu bringen, selbst wenn es mir nicht gut geht. Mit vielen der neuen französischen Komödien kann ich mich nicht mehr ganz anfreunden. Diese hier ist recht charmant. Mit der unverkennbaren Filmmusik von Vladimir Cosma, der auch die meisten früheren Richard-Filme vertonte und in dessen leichten Melodien stets diese Spur Tristesse mitschwingt: zum Heulen!

11. Zu zweit ist es leichter (F/Belgien/Luxemburg 2009)

Eine weitere neuere französische Fernsehkomödie, die mir dank der beiden eigenwilligen Charaktere gut gefällt und ich wiederholt ansehen mochte: Michel Galabru und Luce Radot bilden notgedrungen eine Zweckgemeinschaft: Um seine große Pariser Wohnung nicht zu verlieren, nimmt der alte Joseph Marilyn auf, die in Kürze eine Ausbildung zur Maskenbildnerin für Horrorfilme beginnen wird und ein Zimmer benötigt. Für die Unterkunft soll sie Joseph bei alltäglichen Dingen zur Hand gehen. Da passt so gar nichts zusammen bei den beiden oder doch? Generationenkonflikt, niedlich und liebenswert. 

12. Die Wannseekonferenz (D 2021)

Die Banalität des Bösen: Am 20. Januar 1942 lädt Obergruppenführer Reinhard Heydrich (Philipp Hochmair) vierzehn Reichsfunktionäre zu einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ in eine idyllisch am Wannsee gelegene Villa. In weniger als zwei Stunden wird bei einer Tasse Kaffee über die „Sonderbehandlung“ von 11 Millionen Menschen beraten: Über die „Endlösung der Judenfrage“ herrscht unter den Anwesenden große Einigkeit. Beklemmende Geschichtsstunde!

13. Non Stop (GB/F/USA/Kanada 2014)

Der psychisch angeschlagene Air Marshal Liam Neeson erhält im Flugzeug eine Drohnachricht auf sein Handy: Alle 20 Minuten soll ein Passagier getötet werden, wenn nicht 150 Millionen auf ein Konto überwiesen werden. Wer unter den Flugreisenden ist der Übeltäter? Katz-und-Maus-Spiel auf beengtem Raum. Spannend und toll auf großem Bildschirm! Einer meiner liebsten und besten Streifen aus Neesons Actionfilm-Phase. Gott sei Dank gibt es immer einen Co-Piloten!

14. Das Riesending (D 2021)

Kein Film, aber so sehenswert: Die 90-minütige Dokumentation begleitet Forscher in die Riesending-Schachthöhle. Das Höhlengeflecht im Untersberg dehnt sich auf über 20 Kilometer Länge bis in eine Tiefe von etwas über 1000 Meter aus. Der Eingang befindet sich auf deutscher Seite des zu den Berchtesgadener Alpen gehörenden Bergs und wurde erst 1996 entdeckt. 2014 ging die dramatische Rettung des Bergforschers Johann Westhauser aus der verschachtelten Höhle um die Welt. Westhauser ist Teil der Gruppe, die den Zuschauer in eine faszinierende Welt mit hinab nimmt. Die Männer klettern, kriechen, seilen sich ab und quetschen sich durch beängstigend enge Felsspalten. Helmkameras vermitteln teilweise ein beeindruckendes Dabei-Gefühl, wenn es durch die imposante Bergwelt geht, die von Wasser aus dem Kalkstein gespült worden ist: Hinab in hundert Meter dunkelstes Schwarz zu tosenden Wassern und stillen Bächen, durch Gänge und Felsportale hinein in Hallen wie Kathedralen, vorbei an bizarren Steinstrukturen, durch einen Canyon, durch Matsch und Geröll bis ins nächste Biwak mit Tütensuppe zur Stärkung. Angenehm zurückhaltende Infos von einem Erzähler. Sehr atmosphärisch vertont. Die Forscher bewegen sich wie Astronauten auf einem fremden Planeten. Einfach zuschauen und staunen: Werden die Forscher auf ihrer Entdeckungsreise das Ende der Höhle und einen möglichen Ausgang finden? Packend und unfassbar spannend! Derzeit in der Arte-Mediathek.

Blick zum Untersberg von Salzburg aus
Der Untersberg (rechts) von Salzburg aus gesehen. Foto: Seelenkompott

Und außerdem:

  • Sprachlos in Irland (D 2021)
  • Rat mal, wer zum Essen kommt (USA 1967)
  • Die Teufelshand (F 1943)
  • The Lobster (Griechenland/GB/F/Irland/Niederlande 2015)
  • Immer wenn das Licht ausgeht (F/It 1957)
  • Under the Tree (Island/Dänemark/Polen/D 2017)
  • Vertigo – Aus dem Reich der Toten (USA 1958)
  • Nicht auflegen! (USA 2002)
  • Die Toten von Salzburg – Vergeltung (Österreich 2021)

Durchgezappt im Dezember 2021

Mit dieser Dezember-Liste werde ich das umfangreiche Format Durchgezappt einstellen und Euch und mich nicht länger quälen. Seht, welche Weihnachtsfilme ich so gucke und wie es der Dwayne schon wieder in die Liste geschafft hat. Seht, dass ich Mel Gibson nicht mochte, aber dafür Liam Neeson. Vor allem bin ich abermals sehr von Colin Farrell angetan, sei es als düsterer Zauberer, als Kunstreiter oder umgeben von lauter Psychos.

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1. Jumanji – Willkommen im Dschungel (USA 2017)

Schon wieder der Dwayne! Aber das ist in Ordnung, sorgt er doch für kurzweilige Unterhaltung. Dieses Mal kokettiert er mit seinem Superkörper: In „The Rock“ steckt nämlich ein schüchterner Teenager, und das geht so: Vier Teenies – Nerd, Topsportler, Influencerin, Intellektuelle  – müssen gemeinsam nachsitzen, sonst haben sie überhaupt nichts gemeinsam. Sie finden ein Videospiel, wählen jeweils einen Charakter und landen auf magische Weise im Dschungel von Jumanji. Nerd Spencer wird zu Dwayne Johnson, Selfie-Queen Bethany, die vermeintlich einen weiblichen Charakter wählt, wird zu Jack Black, Starsportler Anthony wird zu Kevin Hart und die Einzelgängerin Martha zur Amazone Karen Gillan. Jeder Charakter verfügt über spezielle Fähigkeiten, ist aber auch an bestimmter Stelle verwundbar. Gemeinsam müssen sie Jumanji von einem Fluch befreien und ein entwendetes Juwel an seinen Platz zurückbringen. Dabei sind sie den tierischen Gefahren des Dschungels ebenso ausgesetzt wie menschlichen. Diese Fortsetzung von Jumanji (1995) gefällt mir viel besser, besonders der Witz: Die Teenager landen nicht nur im Körper eines Erwachsenen, ihr Spielcharakter ist in seinen Eigenschaften ihren eigenen entgegengesetzt. So ist es ziemlich ulkig, wenn Jack Black wie ein zickiges Mädchen agiert und der Dwayne fassungslos seine Muskeln bestaunt.

2. Mad Max (AUS 1979)

Ein „Klassiker“, den ich noch nicht gesehen hatte, aber zu bunt fand: Einerseits die Autos, andererseits ist es mit der Gewalt erst recht viel zu bunt getrieben. Gleichwohl, die Karren sind cool, der V8er-Sound Musik in den Ohren, und die Kamera fängt das Geheize auf der Straße packend ein. Ein Rocker kann ruhig ein bisschen durchgeknallt sein, aber Toecutter (Hugh Keays-Byrne) ist ein gnadenloses, reißerisches Tier, das einem glatt die Zehen abbeißen würde. Der Rest der Rockerbande ist eine Horde komplett irre gewordener Typen. Die Polizei agiert kaum minder brutal: Mel Gibson ist Polizist Max Rockatansky (Ist ja mal ein Name!), genannt Mad Max. Er versieht seinen Dienst in naher Zukunft, in der gefährliche Banden die Straßen beherrschen und alles auseinandernehmen, was nicht niet- und nagelfest ist. Als ihr Anführer Nightrider auf der Flucht bei der Verfolgung durch Mad Max ums Leben kommt, schwört Toecutter Rache. Das Tier jagt den Polizisten, dessen Frau und Kind. Mad Max rächt sich seinerseits wie verrückt und ohne Gnade. Leider eine einzige blöde Gewaltorgie. Mel Gibson war mir unsympathisch.

3. Dumbo (USA 2019)

Schon wieder der Farrell! Und jetzt kommt er auch noch auf einem Pferd daher und macht nicht zum ersten Mal im Film eine gute Figur auf dem Ross. Lange muss man warten, ihn auf einem Schimmel in die Manege galoppieren zu sehen: Im Jahre 1919 kehrt Kunstreiter Holt Farrier (Farrell) versehrt aus dem Krieg zurück in den Zirkus. Seine Kinder Milly (Nico Parker) und Joe (Finley Hobbins) sind erschrocken, weil ihrem Vater ein Arm fehlt. Zirkusdirektor Max Medici (Danny DeVito) musste die Pferde verkaufen, um seinen Zirkus am Leben zu erhalten. Holt soll nun die Elefantendame Mrs. Jumbo pflegen, die bald ein Kalb bekommen wird. Als Dumbo auf die Welt kommt, ist er anders als gewöhnlich: Der kleine Fanti kann mit den Ohren schlackern, so riesig sind die. Der Fluch erweist sich bald als Segen, denn Dumbo kann fliegen und wird zur Zirkusattraktion. Das ruft V. A. Vandevere (Michael Keaton) auf den Plan: Der Geschäftsmann betreibt einen fantastischen Vergnügungspark und möchte Dumbo zusammen mit der Trapezkünstlerin Colette Marchand (Eva Green) in einer großen Show präsentieren. Derweil ist Fanti traurig, weil man seine Mutter weggegeben hat. Die Zirkusleute ziehen mit Dumbo in Vandeveres Park. Wird Dumbo auch dort zum Star in der Manege? Ich weiß nicht, ob ich ohne Farrell diesen Disney-Familienfilm angesehen hätte, zumal mir die Zirkuswelt nicht sonderlich liegt. Aber doch, Dumbo ist nicht zu grell und laut inszeniert, die Atmosphäre besonders in Vandeveres Dreamland trägt deutlich die dunkle märchenhafte Handschrift von Regisseur Tim Burton. Der Film vereint einige namhafte Stars, darunter Lars Eidinger in einer Nebenrolle. DeVito hat noch immer dieses lustige Giftzwergartige an sich. Sharon Rooney gefiel mir als Miss Atlantis mit am besten sowie Millys Interesse für die Wissenschaft. Colin Farrell ist mal nicht der Böse. Ich mochte ihn auch in diesem Film, die Art und das Wesen seiner Figur, aber ich empfand ihn teilweise wenig präsent, ohne sagen zu können, woran das liegt. Er schien mir nicht ganz eingebunden ins Geschehen, etwas abseits. Als Reiter ist er leider insgesamt nur kurz zu sehen, besonders zum Schluss, aber man erkennt, dass er nicht zum ersten Mal auf einem Pferd sitzt. Bin schwer begeistert. Und dieser – zwar komplett animierte – Elefanti ist wirklich Zucker. Diese großen Augen, dieser traurige Blick, der ist ja so niedlich – der Farrell!

4. Peace, Love & Misunderstanding (USA 2012)

Jane Fonda spielt hier als Blumenkind quasi die Frankie aus ihrer Erfolgsserie Grace und Frankie. Wie in der Serie heißt sie ebenfalls Grace: Alt-Hippie Grace (Fonda) lebt in Woodstock in Peace und Love. Mit ihrer Tochter Diana (Catherine Keener) kam es vor zwanzig Jahren zum Bruch aufgrund Misunderstanding. Mutter und Tochter könnten nicht unterschiedlicher sein. Diana kann den Lebensstil ihrer Mutter nicht nachvollziehen und empfindet sie als verantwortungslos. Als die Anwältin von ihrem Mann verlassen wird, fährt sie mit ihren Teenagern Zoe (Elizabeth Olsen) und Jake (Nat Wolff) von New York aufs Land zu ihrer Hasch rauchenden, langhaarigen und an die Kraft der Steine glaubenden Mutter. Die alten Konflikte brechen wieder auf, aber – man ahnt es – die drei Großstädter erfahren ganz neue Inspiration und finden Peace und Love. Wahrscheinlich erfüllt der Film viele Hippie-Klischees oder Ideale, je nach Lesart. Trotz Rebellin Fonda und eines nicht gänzlich uninteressanten Lebensstils hat mich der Flow nicht ganz erreicht. Aber: Easy-Going!

5. Das Haus (D 2021)

Denn es ist böse! Das rote „Auge“ der Steuerungseinheit des Hauses erinnert verdächtig an HAL 9000 aus Space Odyssee. Deutschland wird im Jahre 2029 von einer rechtspopulistischen Regierung geführt. Der Journalist Johann Hellström (Tobias Moretti) darf seinen Beruf nicht mehr ausüben und zieht sich mit seiner Frau Lucia (Valery Tscheplanowa) auf eine einsame Insel in sein Ferienhaus zurück. Der aus Glas und Beton bestehende Bungalow ist volldigitalisiert. Das ist praktisch, wenn man vollbepackt vor der Tür steht und sich der Eingang automatisch öffnet, aber wird zum echten Problem, als die Haus-KI ein Eigenleben entwickelt. Die ersten Aussetzer sind noch harmlos: Die KI kauft einfach zu viel ein, aber vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, auf einer abgelegenen Insel mit Vorrat versorgt zu sein. Das smarte Zuhause beginnt allerdings, Intrigen gegen seine Bewohner zu spinnen, die auch deren leibliches Wohl gefährden. Gegen solche Fehlfunktionen kann selbst der Techniker nix mehr machen. Der Fernsehfilm ist ein Tick zu schläfrig inszeniert, aber ansprechend aufgrund des spannenden Themas. In weiten Teilen gerät Das Haus zu einem 2-Personen-Kammerspiel zwischen Moretti und Tscheplanowa, das etwas langweilig verläuft. Das sterile Haus und die symetrischen, kühlen Bilder vermitteln nur wenig futuristisches Flair. In so einem Haus würde ich nicht wohnen wollen, und ich meine nicht zuerst die Technik.

6. Parasite (Südkorea 2019)

Das ist dieser erste fremdsprachige Film, der jemals in der Kategorie Bester Film mit dem Oscar ausgezeichnet worden ist: Familie Kim teilt sich mit Kakerlaken eine schäbige Souterrainwohnung in der Millionenstadt Seoul. Besoffene pissen an die Fenster, und die Stadtreinigung bringt Desinfektionspulver auf der Straße aus. Von dem Zeugs bekommt die Familie die volle Dröhnung ab, aber vielleicht gehen ja die Kakerlaken daran zugrunde. Mit Glück ist gratis WLAN von den Nachbarn zu erhaschen. Vater Ki-taek (Song Kang-ho), Mutter Chung-sook (Jang Hye-jin), Sohn Ki-woo (Choi Woo-shik) und Tochter Ki-jung (Park So-dam) falten für geringen Lohn Pizzakartons zusammen. Da bietet sich eine Chance: Ein Freund von Ki-woo vermittelt ihn als Nachhilfelehrer für die Tochter der wohlhabenden Familie Park. Mit List und Tücke holt Ki-woo erst seine Schwester als Kunstlehrerin für den vermeintlich begabten Sohn in das moderne Architektenhaus, schließlich ersetzt der Vater den Chauffeur und die Mutter die Haushälterin. Bis hierhin sind die Schummeleien der Familie noch irgendwie nett, man versteht sie, ist auf ihrer Seite, gönnt es ihnen und amüsiert sich über ihre kleinen schamlosen Frechheiten. In der zweiten Stunde des Films kippt die Situation ins Unfassbare: Die geschasste Haushälterin klingelt an der Tür und bittet dringend um Einlass – denn sie hat etwas im Haus vergessen! Was folgt ist unglaublich, bizarr, grotesk, wahnwitzig, böse und schräg. Thriller, Komödie, Farce, Parabel, Satire, ein drastisches Abbild der (südkoreanischen) Gesellschaft. Oben und unten, um nicht zu sagen ganz unten. Irre!

7. 7 Psychos (GB 2012)

Ist Colin Farrell in diesem Werk noch nicht verrückt, wird er es dank der sieben Psychopathen werden: Der irische Hollywood-Drehbuchautor Marty (Farrell, tatsächlich Ire) sitzt ohne Eingebung vor dem berüchtigten leeren Blatt Papier und fängt an, sich zu betrinken. Das flößt ihm nicht unbedingt Ideen ein, aber immerhin steht der vielversprechende Titel: Seven Psychopaths. Sein bester Freund, der arbeitslose Schauspieler Billy (Sam Rockwell), bessert sein Salär auf, indem er gut situierte Hunde kidnappt und durch seinen Kompagnon (Christopher Walken) den Finderlohn kassieren lässt. Billy hat zwei nicht so gute Ideen: Zum einen setzt er für Marty die Anzeige „Psychopathen gesucht“ in die Zeitung, zum anderen klaut er Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson) seinen geliebten Shi Tzu. Auf Billys Anzeige meldet sich Zachariah Rigby (Tom Waits), Serienkiller im Ruhestand. Und Charlie will sein albernes Hündchen zurück, da ist ihm jedes Mittel recht. Marty hat bald mehr Stoff für sein Drehbuch als ihm lieb ist. Farrell arbeitet hier nach Brügge sehen… und sterben? zum zweiten Mal mit Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh zusammen. Die 7 Psychos sind eine ähnlich Schwarze Komödie mit im Wortsinne irrem Cast und noch extremer, schräger, haarsträubender. Echt psychopathisch. Der Humor ist klasse. Das Töten und Sterben war mir allerdings teils zu heftig, bei den brennenden Menschen musste ich weggucken. Andererseits wird der ganze Irrsinn konsequent gezeigt. Eines ist mal klar: Farrell macht mich verrückt. Bei ihm kann ich nicht mehr wegschauen. In Nebenrollen sind Gabourey Sidibe (Ihr beeindruckender Film: Precious) als Hundesitterin des Shi Tzu und Harry Dean Stanton als der Mann mit dem Hut zu sehen. Tipp: Nach Anlaufen des Abspanns nicht abschalten, denn Farrell erhält noch einen wichtigen Anruf von Tom Waits. Farrells Antwort ist der Hammer! 

8. Mona & Marie (D 2021)

Mona (Maren Kroymann) und Marie (Ulrike Kriener) sind unterschiedliche Schwestern: „Da möchte man sich ja sofort übergeben!“, ätzt Mona über die „kitschige“ Weihnachtsdekoration an der Villa, in der ihre Luxuswohnung liegt. Beste Düsseldorfer Lage, und nur das Beste zum Feste auch für die blasierten Geschäftsfreunde. Die Chanel-ige Dame, Anwaltsgattin mit einer Frisur, die der ihres getrimmten Großpudels erstaunlich ähnelt, hat kaum freundliche Worte für ihre Umwelt übrig. Als die Polizei während der Weihnachtsfeier klingelt, verbessert sich ihre Stimmung freilich nicht: Ihr Gatte sei leider verstorben! Im Umschlag mit den persönlichen Sachen befindet sich das Handy. Eine letzte Fotonachricht an den Verblichenen ploppt auf, und Mona erkennt, dass ihr Mann sie betrogen hat. Aber die Probleme fangen damit erst an. In der Not ruft Monas Sohn Jonas (Max Bretschneider) seine Tante Marie an. Marie lebt mit ihrem Partner (Peter Prager) naturnah in einem Haus an der Nordsee, betreibt Yoga und rettet Weihnachtsgänse vor der Bratenröhre. Nun macht sich der Alt-Hippie auf den Weg in die große Stadt. Die Schwestern haben sich 15 Jahre lang nicht mehr gesehen. Kroymann und Kriener bilden ein tolles Paar und raufen sich sehr unterhaltsam zusammen. Überhaupt ist dies ein gelungener, witziger TV-Film mit tollen Darstellern: Ann-Kathrin Kramer spielt eine oberflächliche Schnepfe aus dem Bekanntenkreis Monas, Susanne Bormann ist Monas Tochter und Martin Armknecht ist viel zu kurz als herrlich süffisanter Bankangestellter dabei. Klarer Neuanwärter auf meine Weihnachtsfilm-Favoriten. Was mir zu denken gibt: Ich fühle mich oft zwanzig Jahre vorgealtert, denn ich verstehe Mona so gut. Allerdings wäre ich lieber wie Marie. 

9. Mary Poppins’ Rückkehr (USA 2018)

Man muss ja gar nicht alles schlechtreden an der Neuverfilmung des berühmten Disney-Musicals. Die neue Poppins kommt aufwändig ausstaffiert daher. Ehrlich gesagt bin ich kein besonderer Fan von Mary Poppins, denn ich empfinde sie unter ihrem Liebreiz recht diktatorisch. Am meisten mochte ich immer den Ausritt auf den Karussellpferden. Auch hier entführt Mary Poppins (Emily Blunt) die Kinder in eine Zeichentrickwelt. Ihre früheren Schützlinge Michael Banks (Ben Whishaw) und seine Schwester Jane (Emily Mortimer) sind nun erwachsen. Michael lebt mit seinen drei Kindern in London in seinem Elternhaus im Kirschbaumweg. Die Weltwirtschaftskrise hat Michael in finanzielle Nöte gebracht, und er hat Sorge, das Haus zu verlieren. Da schwebt Mary Poppins vom Himmel und nimmt sich der Familie, insbesondere der Kinder an, die noch um ihre verstorbene Mutter trauern. Die Geschichte ähnelt insofern dem Vorgänger. Musicals sind so eine Sache, und mit der Musik habe ich mich schwer getan: zu viel, zu laut, blechern und wenig melodisch. Superkalifragelistic: Warum hat man nicht überlegt, die eingängigen Melodien des Originals zu verwenden und vielleicht etwas zu modernisieren? Der Laternentanz war ganz gelungen, aber ein Löffelchen voll Zucker hätte gutgetan: Dachte, die dunkle Atmosphäre wäre perfekt für einen viktorianischen Krimi. Lin-Manuel Miranda gefiel mir als Laternenanzünder Jack, eine ideale Besetzung. Ich frage mich, ob Kindern (heute) Mary Poppins wirklich gefällt?

10. Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (USA/GB 2016)

Ich glaub’, ich muss in Hogwarts nachsitzen, um manche Begriffe in diesem Harry Potter Spin-off besser zu verstehen. Sei’s drum, das Wesentliche habe ich verstanden. Mein Hauptwesen unter den Tierwesen ist sowieso Colin Farrell als mysteriöser Zauberer Percival Graves. Wow, Farrell ist von finsterer, unwiderstehlicher Anziehungskraft. Was führt er im Schilde? Der Londoner Magizoologe Newt Scamander (Eddie Redmayne) erreicht im Jahre 1926 mit einem Koffer New York. Dummerweise entwischen ihm daraus einige Phantastische Tierwesen und richten Chaos in der Stadt an. Beim Wiedereinfangen wird Newt von Porpentina Goldstein (Katherine Waterston) und dem drolligen No-Maj – ein Nichtmagier – Jacob Kowalski (Dan Fogler) unterstützt. Super, Showdown in der New Yorker U-Bahn-Station City Hall. Der Bahnsteig als Bühne für Farrell, der in seinem vampirähnlichen Kostüm ganz phantastisch bedrohlich wirkt. Magisch! Ich bin verzaubert – in einen Obscurus oder so.

11. Der Nikolaus im Haus (D/Österreich 2008)

Ein TV-Weihnachtsfilm, der in Salzburg und unweit der Stadt in Anif spielt. Die Konditorin Klaudia (Christine Neubauer) wird wegen Unterschlagung zu drei Jahren Haft verurteilt. Sie flieht aus dem Gericht, weil sie unschuldig ist. Als Nikolaus verkleidet flüchtet sie zum Haus ihres Geschäftspartners Lehmann (Helmut Berger), um dort Beweise für ihre Unschuld zu sichern. Als der Hausalarm ausgelöst wird, versteckt sie sich im Nachbargarten von Witwer Paul Weber (Bernhard Shir), dessen Kinder Pia und Tom den vermeintlichen Nikolaus ins Haus bitten. Die Kinder finden schneller Gefallen an Klaudia als der Papa. Den Rest kann man sich leicht denken. Die Kulisse für Klaudias Zuckerbäckerei bildet die bekannte Schatz Konditorei In Salzburg. Da habe ich schon Kaffee getrunken und Kuchen gegessen. Der Film ruft aus zweierlei Gründen Erinnerungen in mir wach, die mich traurig machen.

12. Ich bin dein Mensch (D 2021)

Alma (Maren Eggert) arbeitet in naher Zukunft in Berlin an der Erforschung der sumerischen Keilschriften. Für eine Finanzspritze ist sie bereit, sich aus der Urzeit in die Zukunft zu begeben und an einer Studie teilzunehmen. Probeweise soll sie mit dem humanoiden Roboter Tom (Dan Stevens) zusammenleben. Tom ist perfekt auf Almas Persönlichkeit abgestimmt und als ihr Idealpartner programmiert. Alma begegnet dem äußerlich nicht von einem Menschen zu unterscheidenden Roboter skeptisch und zurückhaltend, zumal Tom noch nicht ganz rund läuft. Aber seine KI ist lernfähig. Wird sie sich auf ihn einlassen und in ihrem Abschlussbericht humanoide Roboter (als Partner) befürworten oder ablehnen? Ich mochte Sandra Hüller als Mitarbeiterin der Roboter-Firma. Jürgen Tarrach als Dr. Stuber in Begleitung seiner humanoiden Roboter-Partnerin drückt meines Erachtens nachvollziehbar die Pros für eine solche KI aus. Für mich eines der faszinierendsten Science-Fiction-Themen. Was macht den Menschen menschlich? Worin unterscheidet sich die Maschine vom Menschen? Eines Tages womöglich gar nicht mehr. Ich lese den Filmtitel Ich bin dein Mensch aus der Sicht des Roboters. Ich habe die Vorstellung, dass ein humanoider Roboter, wie er im Film dargestellt wird, bestimmten Menschen mit persönlichen und/oder körperlichen Einschränkungen ein adäquater Ersatz anstelle einer mit einem Menschen geführten Partnerschaft sein könnte. Falls kein vollwertiger Ersatz, doch eine gewisse legitime Kompensation des Mangels an echter Bindung zu einem Menschen. Ein Hubot nimmt es mir bestimmt nicht übel, wenn ich ihn zwischendurch abschalte, wenn ich eine Pause brauche oder nachdem er meine Bücher nach Farbe sortiert hat.

13. Bad Santa (USA 2003) und Bad Santa 2 (USA 2016)

Bad Santa gehört zu meinen liebsten Weihnachtsfilmen. Hier gibt es unter Garantie keine heile kitschige Familienwelt zum Fest. Willie (Billy Bob Thornton) gibt den Weihnachtsmann im Kaufhaus. Er ist so richtig schön mies drauf: Er säuft, raucht, flucht, pisst, kotzt, bumst und hasst die Kinder, die sich auf seinen Schoß setzen und mit schokoladenverschmierter Schnute ihre Wünsche an den lieben Santa formulieren. Die Richtung des Films ist von der ersten Szene an klar. Wer das Intro nicht mag, schaltet lieber gleich ab. Ich gucke gern bis zum bitter-süßen Ende weiter und amüsiere mich. Weihnachten kriegt hier gänzlich politisch unkorrekt einen auf den Sack. Unter dem Deckmantel seines roten Weihnachtsmann-Kostüms hat Willie Übles im Sinn: Nach Ladenschluss will er mit seinem kleinwüchsigen Kumpel Marcus (Tony Cox) den Kaufhaus-Safe knacken. Aus einem unerfindlichen Grund hat der goldlockige Wonneproppen Thurman (Brett Kelly) einen Narren an Willie gefressen. Thurman scheint in seiner Entwicklung etwas zurückgeblieben. Das Kind lebt allein mit seiner nicht mehr ganz klaren Omi in einem großen Haus, während sein Vater im Gefängnis sitzt. Willie quartiert sich bei Thurman ein, ist meistens unfreundlich und hart zu ihm, trotzdem möchte Thurman ihm immer Brote machen. Irgendwo, tief vergraben in seinem verrotteten Inneren, hat Willie ein Herz, das Thurman zu berühren vermag. Auf recht spezielle Weise kümmert sich Willie gar um Thurman. Im zweiten Teil von Bad Santa lernen wir Willies schäbige und versoffene Mutter (Kathy Bates) kennen, die ihren Sohn liebevoll „Kackstengel“ nennt und in der Weihnachtszeit die Einnahmen einer Wohltätigkeitsorganisation erbeuten möchte. Gegen Mutti erscheint Willie wie ein Engel!

14. Die Geister, die ich rief… (USA 1988)

Nachdem ich Charles Dickens Eine Weihnachtsgeschichte bisher vor allem aus Die Muppets-Weihnachtsgeschichte und Die Geister, die ich rief… kannte, habe ich die Bildungslücke geschlossen und die Geschichte von der Verwandlung des Ebenezer Scrooge vom griesgrämigen Geizhals zum guten Menschen kürzlich gelesen. Aber was soll ich sagen, Bill Murray als quasi Scrooge gefällt mir doch um Längen besser. Dickens Geschichte ist in der Komödie von Richard Donner genial in die Neuzeit übertragen worden. Das ist mein Weihnachtsklassiker. Murray kriegt von drei Geistern eine Psychotherapie verpasst, die sich gewaschen hat. Herrlich fies!

15. Eine Leiche zum Dessert (USA 1976)

Ein weiterer ewiger Lieblingsklassiker, n’est-ce pas? Ein abgelegenes Schloss, finstere Nacht, Nebel, Blitz und Donner: Lionel Twain (Truman Capote) lädt fünf berühmte Detektive nebst Begleitung zu einem „Dinner und einer Leiche zum Dessert“. Der Gastgeber serviert den Nachtisch um Punkt Mitternacht. Nur die „Kuh an Wand“ war Zeuge. Wer ist der Mörder? Die Raffinesse der Meisterdetektive ist gefragt: David Niven ist Dick Charleston alias Nick Charles, Peter Sellers ist Sidney Wang alias Charlie Chan, Elsa Lanchester ist Jessica Marbles alias Miss Marple, James Coco ist Milo Perrier alias Hercule Poirot und in einer seiner besten Rollen neben Columbo ist Peter Falk als Sam Diamond alias Sam Spade zu sehen. Außerdem spielen Alec Guiness, Maggie Smith und Eileen Brennan. Meisterliche Dialoge aus der Feder von Neil Simon (Ein seltsames Paar). Die Starparade liefert die abstrusesten Mordtheorien und haarsträubendsten Wendungen. Blödsinnig komisch! 

16. Tatsächlich Liebe (GB/USA/F 2003)

Ein Episodenfilm mit Liebesgeschichten, die in den Wochen vor Weihnachten spielen. Mit großem Staraufgebot: In Liebe sind Hugh Grant, Emma Thompson, Colin Firth, Alan Rickman, Heike Makatsch, Billy Bob Thornton, Keira Knighley u. v. a. Eingeschaltet wegen Liam Neeson, dessen Episode mir auch am meisten gefällt.

Und außerdem:

  • Endjährig (D 2020)
  • Fast & Furious: Hobbs & Shaw (USA 2019)

Exkurs

Ich wollte gern wissen, weshalb von Colin Farrell stets ein Hauch Melancholie ausgeht, die nicht allein in den Figuren, die er spielt, angelegt ist, sondern ihm zu eigen scheint. Und ja, soweit, nach einigem Material aus dem Netz, denke ich, da ist wohl jemand, der auch dunkle Seiten des Lebens kennt und mit seinen Dämonen zu kämpfen hatte oder hat. Jemand, der über Depression spricht, über Alleinsein oder über die Schwierigkeiten, Vater zu sein. Kurz jemand, der über seine inneren Vorgänge sprechen kann. Ein bisschen scheu, ein bisschen Rebell. Ein bisschen frech.

Auf der anderen Seite offenbart sich ein spontaner, offener, herzlicher, freundlicher, verspielter, eloquenter und nachdenklicher Typ, der für einigen Spaß zu haben ist. Jedenfalls habe ich eine Ahnung, weshalb ich so auf ihn anspringe. Ausgewählt habe ich ein Video, das Farrells ausgesprochenen Humor und seine Herzlichkeit darstellt. Sein Lachen ist so ansteckend wie befreiend. Ich liebe die Szene mit seinem jungen nervösen Schauspielkollegen während eines Interviews zu ihrem Film The Killing of a Sacred Deer, wie er den jungen Mann spiegelt und beide in ihren Stühlen herumrutschen und wild mit den Armen gestikulieren. Farrell trifft auf dem roten Teppich Gary Oldman und wird selber zum Fan, er spricht „ein wenig“ französisch, hat etwas für einen Obdachlosen übrig und zu guter Letzt biegt er sich vor Lachen am Filmset. Ich bewundere seine Fähigkeit, Situationen mit Humor zu begegnen und zu entschärfen. Nennt er Frauen „Sweetheart“, klingt es, als nenne er nur die jeweils Angesprochene so. Ich kann nicht aufhören, die Clips in Reihe zu schauen. Das rettet meinen Tag. Farrell ist mein Highlight des Jahres!

Belief is very important. It’s like when you are riding a horse and you want it to go to the left, you look to the left first and then pull the horse’s head. As a human being it is the same thing: wherever you put your attention is probably where you are going to find yourself. With that in mind, the ideas of imagination and stories are very important for a more real and centralized truth.

Colin Farrell

Durchgezappt im Oktober 2021

Dominierten im Vormonat Frauen mein Fernsehprogramm, sind es im Oktober mit Ausnahme von Glenn Close die Männer: Der Dwayne hat wieder seine Familie gerettet und für gute Unterhaltung gesorgt. Colin Farrell gefiel mir gleich doppelt gut, und Kurt Russel machte in Schwarz eine gute Figur. Bjarne Mädel hatte als Paketbote einiges zu schleppen, während Alain Delon hinter einer Gangsterbande her war. Gerard Butler hat im Weltall versucht, das Wetter wieder in Ordnung zu bringen, und Nathaniel Parker hat mir als Inspector gefallen, aber es war nicht Inspector Lynley. Schließlich: Günther Maria Halmer machte mir als Misanthrop nicht das erste Mal Spaß. Und zu Halloween kann ich etwas Gänsehaut empfehlen.

Graffito Don't trust the TV. Teaser von Durchgezappt auf Seelenkompott

1. Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers (D 2019) 

Von wegen „Trippel trippel, trappel Pony“: Wie dieser Film das Attribut Immenhof erlangen konnte, ist mir schleierhaft. Mit dem unbeschwerten Leben auf einem Ponyhof hat dieses Abenteuer eines Sommers nichts zu tun. Es gibt ja nicht einmal Ponys. Und wo ist die liebe Omi? Hier agiert die next, next, overnext Generation von Dick und Dalli: Die 16-jährige Teenagerin Lou (Leia Holtwick) und ein hoch im Blut stehendes Superpferd à la Fury und Black Beauty stehen im Mittelpunkt der Geschichte um drei verwaiste Schwestern, die den Immenhof betreiben. Lou rettet total kitschig den schwarzen Superhengst aus dem Moor. Der Besitzer (Heiner Lauterbach) des Rennpferds ist Inhaber eines benachbarten Pferdeguts und Kreditgeber für den Immenhof. Lauterbach ist sauer, weil sein A-teures Rennpferd jetzt eine Macke hat. Er rächt sich, indem er den Kredit von den armen drei Schwestern zurückfordert. Lou besitzt natürlich die Gabe einer Pferdeflüsterin und will das edle Ross, an dem alle anderen gescheitert sind, therapieren. Als früheres Pferdemädchen und Liebhaberin der Immenhof-Reihe aus den 50er Jahren habe ich mich vom Filmtitel komplett in die Irre führen lassen. Die talentfreie Hauptdarstellerin ist fast nie auf dem Pferd zu sehen. Da reitet einfach keiner durch die Gegend und singt das fröhliche Ponylied „Trippel trippel, trappel Pony. Doof. Moderne Pferdemädchen mögen’s vielleicht. 

2. Hass (F 1995)

Hass ist krass! Noch krasser umgesetzt von Mathieu Kassovitz in seinem Film La Haine. Es geht um das Elend von französischen Jugendlichen der Banlieue. Der Jude Vinz (Vincent Cassel), der Schwarze Hubert (Hubert Koundé) und Araber Saïd (Saïd Taghmaoui) leben in Chanteloup-les-Vignes nahe Paris umgeben von gleichförmigen Hochhäusern in einem sozialen Brennpunkt. Ihre Realität besteht aus Gewalt, die mehr Gewalt erzeugt, aus Drogen und Konfrontationen mit der Polizei. Sie sind beinahe noch Kinder und sich selbst überlassen. Anstelle einer Perspektive gedeihen Aggressionen. Ihre Aussichten, dem Milieu zu entkommen, tendieren gegen Null. Als bei einem Polizeieinsatz einer von ihnen schwer verletzt wird, schwört Vinz, einen Polizisten zu töten, sollte der Junge sterben. Hass ist ein eindrückliches und erschreckendes Portrait einer aussichtslosen Tristesse. Kassovitz entzieht dem Film die Farbe wie es den Jugendlichen an Farbe in ihrem Leben fehlt. Das Schwarzweiß verstärkt die Trostlosigkeit. Mit starker Bildsprache und schonungslosem Ende. Hass verfehlt seine Wirkung nicht.

3. Flucht aus L. A. (USA 1996)

Kurt Russell rebelliert wieder als Snake Plissken in einem ähnlichen Plot wie 1981 in Die Klapperschlange: Im Jahr 2013 ist Los Angeles nach einem Erdbeben vom Festland abgetrennt und eine düstere Insel für Abtrünnige. Der Gesetzlose Plissken hat keine Wahl: Er muss notgedrungen für den Präsidenten einen Auftrag erledigen oder er stirbt innerhalb weniger Stunden an einem injizierten Virus. Utopia, die Tochter des korrupten Präsidenten hat eine effektive Satellitenwaffe entwendet und sich dem Aufstand gegen ihren Vater angeschlossen. Snake soll die Waffe, eine kleine Fernbedienung, zurückbringen und Utopia töten. Der Präsident ist ein echter Rabenvater, aber was haben wir hier: Ein Typ mit Haaren und Augenklappe in schwarzer Kluft mit langem Ledermantel und ’ner Wumme. Was das ausmacht für den Film! Plissken spricht eigenartig flüsternd, aber der drohende Unterton seiner Stimme lässt keinen Zweifel: „Leg dich bloß nicht mit mir an!“ Und Snake räumt ordentlich auf. Russel ist cool und ansehnlich. Russel macht’s! Ohne ihn wäre es weniger mein Fall. Von John Carpenter und mit Peter Fonda als Pipeline in einer Nebenrolle.

4. Total Recall (USA/Kanada 2012)

Konflikt! Liebhaber des Originals mit Schwarzenegger werden dessen totale Erinnerung stets vorziehen, so ich. Das Remake aber hat Colin Farrell als Douglas Quaid, der nicht mehr so recht weiß, wer er eigentlich ist und ob seine Erinnerungen echt sind. Die Grundstory ist gleich, doch die Kolonie liegt nicht auf dem Mars, sondern in Australien. Von dort führt eine Art Rohrpost-Transporter die Arbeiter durch die Erde hindurch in die am anderen Ende gelegene United Federation of Britain, dem ehemaligen Großbritannien und einzigen Gebiet der Erde, das im Jahr 2084 neben der Kolonie noch bewohnbar ist. Die düstere Atmosphäre erinnert eher an Blade Runner. Die Drei-Busen-Frau taucht (natürlich) auf, und ein Déjà-vu verursacht eine auffällige Frau in gelber Jacke beim Check-In: Haste wohl gedacht! Der Humor des Originals fehlt. Aber ich habe die totale Erinnerung an Farrell!

5. The Last House on the Left (USA 2009)

Dies ist ein Horrorfilm-Remake von Das letzte Haus links aus dem Jahr 1972. Das Original kenne ich allerdings nicht. Hier wird offenbar Gewalt um der Gewalt willen zelebriert: Slasher, Rape und Revenge sind die Genrebegriffe zur Einordnung des Massakers: Mari (Sara Paxton) und Paige (Martha MacIsaac) amüsieren sich mit einem jungen Mann (Spencer Treat Clark) bis dessen Vater nebst Bruder und Freundin unerwartet nach Hause kommt. Daddy ist ein entflohener Sträfling und kann keine Zeugen gebrauchen. Das gewaltbereite Trio entführt die Mädchen. Sohnemann muss mit, er kann gegen seinen grausamen Erzeuger aber nichts ausrichten und den Mädchen nicht helfen. Als der Mörder-Daddy glaubt, Mari getötet zu haben, kann sie fliehen. Die Verbrecher landen schließlich im abgelegenen Ferienhaus der Eltern von Mari. Denen schwant bald etwas Fürchterliches. Spannung kommt durchaus auf, besonders im Elternhaus. Kann, muss man aber nicht ansehen.

6. Der Bruch (DDR 1988)

Berlin 1946, die Stadt liegt in Trümmern. Götz George, Otto Sander und Rolf Hoppe planen den Bruch ihres Lebens: Das Trio will die Einnahmen der Reichsbahn ergaunern, die sicher und trocken im Banktresor schlummern. Das Projekt wird äußerst motiviert, aber wenig professionell umgesetzt. So ein Loch muss halt ganz schön groß gebohrt, gehämmert, gemeißelt und geschweißt werden, damit ein Hoppe durchpasst, und deshalb bieten die Ausgrabungsarbeiten der drei Gauner neben einigen Dialogen den meisten Witz der Krimikomödie. Die Klasse von George, Sander und Hoppe kommt zurückhaltend zum Tragen, würde ich sagen. Ein Bruchteil mehr Tempo hätte etwas von der Langeweile genommen. Auch dabei: Ulrike Krumbiegel, Franziska Troegner und zeit(politisches) Kolorit. Die Geschichte beruht auf einem wahren Einbruch 1951 in die Eisenbahnverkehrskasse. 

7. Der Nebel (USA 2007)

Die Umsetzung einer Geschichte von Stephen King hat einen so schlichten wie effektiven Grusel: Nebel. Dieser Nebel hier bringt außerdem einige beachtliche und gefräßige Viecher hervor. Eines Tages taucht der geheimnisvolle Nebel die Kleinstadt Castle Rock in Maine in einen undurchdringlichen grauen Schleier. David Drayton (Thomas Jane) ist mit seinem kleinen Sohn und Nachbarn auf den Weg ins Stadtzentrum und flüchtet sich vor dem eigenartigen Wetterphänomen mit einigen anderen Menschen in den örtlichen Supermarkt. Ihnen wird klar, dass sie nicht gefahrlos in den Nebel hinaustreten können. Flugs kleben ein paar atomare Rieseninsekten an den Fensterscheiben. Was tun? Mrs Carmody (Marcia Gay Harden) hält den Nebel von Gott gesandt und spaltet die eingeschlossene Gruppe mit ihren – leider nervigen – Reden in zwei Lager. Auch sonst sind die Konflikte der Menschen leidlich, darunter die unnötige Auseinandersetzung schwarzer gegen weißen Mann. Trotzdem gruselig und spannend. Die Viecher wirken sehr effektvoll. Ich verlasse nie mehr das Haus bei Nebel. Fieses Ende!

8. The Quake – Das große Beben (Norwegen 2018)

Ein langweiliger, labiler Typ (Kristoffer Joner) ist der ungewöhnliche Held in diesem Katastrophenfilm, der in Oslo ein schweres Erdbeben losbrechen und einiges zum Wackeln und Einstürzen bringt. Der Film ist die Fortsetzung von The Wave – Die Todeswelle. Darin löst ein Felssturz im Geirangerfjord einen Tsunami aus. Der Geologe Kristian Eikjord leidet noch unter den Folgen der damaligen Ereignisse und lebt getrennt von seiner Frau und Kindern. Er geht Erkenntnissen nach, die auf ein bevorstehendes Erdbeben hindeuten. Verantwortliche glauben ihm nicht und so tut die Erde ohne jede Vorwarnung ihre Pforten auf und verschluckt alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Der Geologe versucht, seine Frau und Tochter aus einem modernen Hochhaus zu retten. Die oberen Etagen des Glaskastens sind schwer in Schieflage geraten. Wie bei Titanic wird der Film erst mit Eintreten der Katastrophe spannender. Einige Szenen in dem einsturzgefährdeten Hochhaus sind recht packend und tricktechnisch ansprechend. Die Vorgeschichte ist so lahm wie der Typ. Nur ein durchschnittliches Beben.

8. Geliefert (D 2021)

Ein empfehlenswerter Fernsehfilm über die Widrigkeiten des Lebens: Bjarne Mädel spielt den alleinerziehenden Vater eines Teenagers. Einst war Volker Profi-Fußballtrainer, doch jetzt muss er sein Geld als Paketbote verdienen. Er malocht 12 Stunden am Tag und trainiert nur noch in seiner Freizeit Kinder im Fußballspielen. Der Job wird so mies bezahlt, dass die Kosten der bevorstehenden Klassenfahrt seines 16-jährigen Sohns nicht drin sind. Der Vater geht deshalb neben seinen Pakettouren einer Schwarzarbeit nach. Der Titel Geliefert kann auf zweierlei Art gelesen werden: Zum einen zeigt der Film die schwere und schlecht bezahlte Arbeit der Paketzusteller auf, zum anderen das persönliche Geliefertsein des Hauptprotagonisten. Mädel kann gut diese derangierten Typen: Hier ist es ein angezählter auf die Fünfzig zugehender Mann, der eigentlich herzensgut ist, dem es aber aus schierer Verzweiflung nicht mehr gelingt, aufrecht zu bleiben. Berührend die Szene, in der Mädel, gepeinigt vom eigenen Versagen, die Fassung verliert und sein Vergehen gesteht. Menschlich!

9. Der Chef (F/Italien 1972)

In Jean-Pierre Melvilles Gangsterballade braucht es der Worte nicht viel und das ist gut so: Ein in den Sommermonaten belebter Küstenort, der menschenleer unter grauem Himmel gespenstisch und unwirklich wirkt. Ein schwarzer Dodge Dart als prima Gangsterkarre, die im Regen langsam heranrollt und in der Nähe einer Bank stoppt. Die Eröffnungssequenz eines Banküberfalls kommt minutenlang ohne Dialog aus und ist wohl der beste Filmanfang, den ich kenne. Im Verlauf des Krimis findet ein noch größerer Coup statt: Satte 20 Minuten schaut man gebannt einem großen Eisenbahnraub zu, während nicht ein einziges Wort gesprochen wird. Das funktioniert ganz wunderbar, ohne langweilig zu sein. Im Gegentei, die Inszenierung des Films ist seine Stärke. Alain Delon ist Der Chef und hinter den Verbrechern her. Der Kommissar geht wenig zimperlich vor und ist fast unsympathischer als die Gangster. Der blaustichige Farbton – ob gewollt oder dem damaligen Filmmaterial geschuldet – unterstreicht die unterkühlte Atmosphäre, eigentlich das kalte, gefühllose Agieren Delons. Mein Fall ist Delon nicht. Catherine Deneuve spielt seine Geliebte, Richard Crenna ist der Kopf der Gangsterbande.

10. Gänsehaut (USA/Australien 2015) und Gänsehaut 2 – Gruseliges Halloween (USA 2018)

Du findest Gartenzwerge echt gruselig? Dann ist Gänsehaut Dein Halloween-Film schlechthin. Augenscheinlich gehöre ich nicht zur primären Zielgruppe dieser Gruselkomödie und doch gefällt sie mir richtig gut: Die filmische Umsetzung der erfolgreichen Jugendbuchreihe des Amerikaners R. L. Stine ist ideen- und temporeich, ohne überdreht zu sein. Ein Yeti, das auf viele viele bunte Smarties steht und eine Horde lebendig gewordener Gartenzwerge sind nur der Anfang dieses Monster-Happenings: Zach Cooper (Dylan Minette) zieht mit seiner Mutter in die Kleinstadt Madison. Im Nachbarhaus lebt der geheimnisvolle Autor R. L. Stine (Jack Black) mit seiner Tochter Hannah (Odeya Rush). Die Teenager freunden sich an. In Stines Haus schlägt Zach eines der Bücher des Schriftstellers auf und befreit auf diese Weise die Holzpuppe Slappy aus den Buchseiten. Slappy ist gar nicht nett und lässt die ganze Monsterschar des Gruselautors frei. Die Tricktechnik ist beachtlich angesichts der Fülle von Monstern, auch wenn diese keine echte Gänsehaut erzeugen. Die Gags zünden mit einer Reichweite über den ganzen Film: Lasset die Halloween-Party beginnen! Mir macht’s richtig Spaß. Auch Gänsehaut 2 ist kurzweilig, bietet von allem nur etwas weniger. Die Jungen Sonny (Jeremy Ray Taylor) und Sam (Callel Harris) sind die liebenswerten Hauptpersonen. Beim Schrottsammeln in einem alten Haus finden sie in einer Truhe ein unscheinbares Buch – und öffnen es: Schwups, da ist Slappy zurück! Und die Halloween-Overkill-Deko des Nachbarn Mr. Chu (Ken Jeong) ist ganz im Sinne Slappys. So schön zu Halloween wie Die Addams Family in verrückter Tradition.

11. Der Hypnotiseur (Schweden 2012)

Im Gegensatz zu Lasse Hallströms Ein ungezähmtes Leben (Durchgezappt im September) hat mir Der Hypnotiseur kaum gefallen, obwohl der Plot recht vielversprechend klingt: Eine Familie wird niedermetzelt, einzig der Sohn überlebt schwer verletzt. Da er kaum vernehmungsfähig, aber der einzige Zeuge ist, lässt der ermittelnde Kommissar Linna (Tobias Zilliacus) den Teenager (Jonatan Bökman) von Arzt Erik Maria Bark (Mikael Persbrandt) unter Hypnose setzen. Was dabei herauskommt, erschreckt die Beteiligten und bringt Bark, der ohnedies mit Eheproblemen zu tun hat und Schlaftabletten schluckt, ein früheres Drama seiner Arbeit zurück. Das Ganze spielt in einem finsteren Stockholm. Ich fand den Krimi langweilig oder konnte keine Geduld dafür aufbringen. So habe ich den Finger nicht von der Doppelte-Geschwindigkeit-Taste der Fernbedienung lassen können – nur um zu gucken, wie es ausgeht.

12. Geostorm (USA 2017)

Die Handlung passt in die Zeit: Im Jahr 2019 häufen sich katastrophale Wetterphänomene, so dass weltweit Satelliten zur Kontrolle des Wetters in Umlauf gebracht werden. Der Entwickler des Dutch Boy genannten Systems, Gerard Butler, musste gehen, nachdem er es ohne Weisung in Betrieb nahm, um Menschen vor Unwettern zu retten. Stattdessen leitet sein Bruder das Projekt. Bruderkonflikt. Nun läuft das System nicht einwandfrei: Ein Satellit über Afghanistan hat Menschen schockgefrostet. Butler soll wieder ran, um den Betriebsausfällen mehrerer Satelliten auf den Grund zu gehen. Er wird ins All zur internationalen Klima-Raumstation geschossen und an Bord von Alexandra Maria Lara, der Kommandantin, empfangen. Es droht eine weltumspannende Wetterkatastrophe. Ja, naja, es geht so: Da ist halt so ein irrer Typ (nicht Trump), der Amerika gern great again sehen möchte und ein Präsident, der in Sicherheit gebracht werden muss. Patriotisch eben. Das Thema ist – klar nicht – wenig wissenschaftlich, sondern vorwiegend auf Mega-Katastrophe, Action und einen finalen Big Bang angelegt. Ein Hauch mehr Anspruch darf gern einmal an den Zuschauer gerichtet werden. So macht Geostorm zwar viel Wind, hat mich aber nicht umgepustet.

13. Die Frau des Nobelpreisträgers (Schweden/USA 2017)

Glenn Close ist die Ehefrau des Nobelpreisträgers Jonathan Pryce. Das Paar reist 1992 nach Stockholm, wo dem Schriftsteller der Nobelpreis für Literatur verliehen werden soll. Für den Autor ist die Verleihung der Höhepunkt seiner herausragenden Karriere. Seine Frau Glenn Close steht zurückhaltend, fürsorglich und fördernd an seiner Seite. Geduldig erträgt sie die Allüren des Egozentrikers. Für die Karriere ihres Mannes hat sie in jungen Jahren das Schreiben aufgegeben, auch in der Annahme, als Frau bliebe ihr Erfolg als Schriftstellerin verwehrt. Ihr Sohn, der ebenfalls schreibt, ist der harten Kritik seines Vaters ausgesetzt. Welchen Anteil die dezente und kluge Frau wirklich am Erfolg ihre Mannes hat, ist bald zu erahnen und wird in Rückblenden erzählt. Close wurde für den Oscar nominiert, hat ihn aber nicht gewonnen – wie noch nie bei acht Nominierungen: Hier sehe ich eine kleine Parallele zu ihrer Filmfigur. Verdient hätte Glenn Close die goldene Statue für ihre Darstellung einer offenbar liebenden Frau und Mutter, hinter deren Fassade es allerdings brodelt. Ihre Umgebung ahnt nichts, als Zuschauer bleibt man eine Weile einziger Zeuge des quälenden Verzichts dieser starken Frau, die Close formidabel spielt.

14. San Andreas (USA 2015)

Oh Mann, der Dwayne „The Rock“ Johnson gefällt und hat mich erneut toll unterhalten. Faszinierend, wie der Mann allen Totalanschlägen auf seinen Körper trotzt: Der Dwayne ist stärker als jedes Containerschiff, das in einem Tsunami auf ihn zurast. Los Angeles erschüttert ein nie dagewesenes Erdbeben der Stärke Neun irgendwas drüber, aber Hubschrauberpilot der Feuerwehr, der Dwayne, ist allenfalls zu erschüttern, wenn es um seine Familie geht. So schraubt er sich mit seiner schon getrennt von ihm lebenden Frau in die Höhe, um die gemeinsame Tochter zu retten, während die Stadt unter ihnen in Brösel zerfällt. Der neue Typ der Frau entpuppt sich derweil als echtes Charakterschwein. Ein Action-Katastrophen-Spektakel ohne Atempause. Keine Angst, der Dwayne wird dich retten!

15. Die Vorsehung (USA 2015)

Die FBI-Ermittler Jeffrey Dean Morgan und Abbie Cornish ermitteln in einer Mordserie: den Opfern wird durch einen tiefen Stich in den Hinterkopf das Leben genommen. Die Toten scheinen keine Gemeinsamkeiten aufzuweisen, das Tatmotiv ist unklar. Die Agents kommen nicht weiter und ziehen Anthony Hopkins zu Rate, der Hellsehen kann. Nur widerwillig erklärt sich der alte Mann bereit, seine Fähigkeiten noch einmal einzusetzen. Die Vorsehungen des Hopkins führen die Ermittler zum Täter. Der Hellseher erkennt, dass er es mit einem ebenbürtigen, nicht zu unterschätzenden Gegner zu tun hat. Eingeschaltet nicht etwa wegen Hopkins, den ich, ohne dass er Hannibal Lecter ist, immer ein wenig zum Fürchten finde, aber wegen Colin Farrell, der in diesem Film im letzten Drittel auftaucht und die eigentlich furchteinflößende Rolle inne hat. Farrell finde ich immer interessanter. 

16. Inspector Gamache – Denn alle tragen Schuld (Kanada 2013)

Hierbei handelt es sich um eine TV-Verfilmung des ersten Falls von Inspector Gamache aus der gleichnamigen Romanreihe von Louise Penny. Ich schaue nur gelegentlich Fernsehkrimis. In diesem Fall hat mich die zufällig aufgeschnappte Vorschau angefüttert und der Umstand, dass der Krimi in Kanada spielt. Armand Gamache (Nathaniel Parker) ermittelt in der überschaubaren Ortschaft Three Pines in ansprechender Landschaft der Provinz von Québec. Die Lehrerin Jane Neal wird durch einen Pfeilschuss getötet. Wer hat die allseits beliebte Lehrerin getötet? Der frankokanadische Inspector mit britischem Einschlag handelt ruhig und überlegt. Unterstützt wird er von Inspector Jean-Guy Beauvoir (Anthony Lemke) und der jungen Polizistin Yvette Nichol (Susanna Fournier). Der teils abwertende Umgang Gamaches mit seiner jungen Kollegin passt nicht ganz ins Bild des ansonsten sym- und empathischen Inspektors. Ein angenehmer Krimi ohne Hektik, Action und Spannung zum Umfallen. Andere könnten dies daher schwerwiegend langweilig empfinden. Leider gibt es keine weiteren Fernsehkrimis mit Gamache. Nathaniel Parker ermittelte zuvor als britischer Inspector Lynley.

17. Mann gesucht, Liebe gefunden (D 2003)

Dieser Fernsehfilm gehört zu den besten und meinen liebsten Komödien mit Günther Maria Halmer in seiner Paraderolle eines mehr oder weniger misanthropischen Typs, der gerade noch liebenswert ist. Hier zankt er sich mit Thekla Carola Wied, Inhaberin einer Partnervermittlung. Nachdem das Finanzamt ihr gegenüber eine hohe Forderung aufmacht, sieht sie sich gezwungen, den gut honorierten Auftrag einer Kundin (Saskia Vester) anzunehmen, die ausgerechnet ihren launischen Nachbarn Wieland Busch (Halmer) kennenlernen möchte. Wohl oder übel muss sie sich mit dem Philosophen und Autor von Die Liebeslüge auseinandersetzen und den Kaktus-Besitzer dazu bringen, sich mit ihrer Kundin zu treffen. Freiwillig macht Halmer auf keinen Fall mit, aber Wied weiß etwas von ihm, das auf keinen Fall an die Öffentlichkeit geraten darf und so muss er gezwungenermaßen mitspielen. Dabei bleibt es nicht aus, dass die Kontrahenten Zeit miteinander verbringen. Der Mann, der nicht an die Liebe glaubt, fühlt sich von Wied bald eingesponnen wie von einer Spinne. Eine Weile zappelt er noch. Die Komödie hält sich gut im Programm und wird bis dato regelmäßig wiederholt, bestimmt nicht von ungefähr, denn sie ist launig und unterhaltsam und macht auch nach dem x-ten Mal Spaß. Aber ich kann nicht glauben, dass dieser Film schon bald 20 Jahre alt ist. Das heißt, ich bin alt…

Und was hast Du so geguckt?

Durchgezappt im September 2021

Im September sind einige starke Frauen über meinen Bildschirm geflimmert: Isabelle Huppert, Jodie Foster und Jennifer Lopez boten dem Schicksal die Stirn. Spaß hatte ich mit einem Peter Alexander-Film, dem Dwayne und zwei coolen Brüdern, die in Chicago auf spezielle Art den Blues fahren. Eine spannende Autofahrt habe ich mit einem großen Straßenkreuzer in einem Horrorfilm à la Duell unternommen. Schließlich bin ich noch ein bisschen mit der New Yorker U-Bahn gefahren.

Graffiti Don't trust the TV

1. Ich bin kein Casanova (Ö 1959)

Dieses „leichtfüßige Lustspiel“ ist vielleicht nicht der beste Film mit Peter Alexander, aber ich habe mich gut unterhalten und lachen müssen. Das lag vor allem an der blutjungen Maria Sebaldt, die als Frau des neureichen Ferry Pirkner (Heinz Conrads) allen die Show stiehlt. Adrienne Pirkner (Maria Sebald) bemüht sich redlich in Sachen Bildungssprache, verwechselt aber ständig Begriffe, und so passiert es, dass sie von ihrem Mädchen „das Crétin-Kleid“ wünscht. Weil also die Umgangsformen der Pirkners recht ungeschliffen und wenig fein sind, wird Student Peter Keller (Peter Alexander) als Butler und Mädchen für alles engagiert. Ein geschäftlicher Anlass führt das Paar mit ihrem Diener nach San Remo. Unter der Sonne Italiens kommt es zu allerlei Verwechslungen: Da Pirkner unwissentlich seinem angehenden Geschäftspartner auf die Nase boxt, muss Peter fortan Herr Pirkner sein. Und Peters Angehimmelte wähnt in ihm einen Casanova. Was will man mehr: Allround-Entertainer Peter Alexander im Ford Thunderbird Convertible und launige Verwechslungen inklusive Italiensehnsucht. Ich finde, „leichtfüßig“ sollte nicht mit „banal“ oder „angestaubt“ übersetzt werden, denn der Nostalgiefilm punktet mit unbeschwerter Unterhaltung. Abschalten! Aber vom Alltag. Ich mag’s.

2. Sibyl – Therapie zwecklos (F/B 2019)

Puh! Das Ganze habe ich zu hysterisch, nervig und wenig nachvollziehbar empfunden, die Probleme aufgesetzt und überdramatisiert. Irgendwie anstrengend: Virginie Efira spielt eine Psychotherapeutin, die sich nach langer Pause wieder der Schriftstellerei widmen und einen Roman schreiben möchte. Um Zeit für ihr Projekt zu haben, gibt sie die meisten Patienten ab. Als die bekannte Schauspielerin Margot (Adèle Exarchopoulos) hartnäckig Hilfe von ihr wünscht, gibt Sibyl nach. Margot ist von ihrem Kollegen Igor (Gaspard Ulliel) schwanger und im Zweifel, ob sie abtreiben soll oder nicht. Hinzu kommt, dass sie gerade einen Film mit Igor dreht und der eigentlich mit Regisseurin Mika (Sandra Hüller) zusammen ist. Die Situation überfordert Margot (und den Zuschauer, jedenfalls mich), und sie verlangt, dass Sibyl zum Drehort kommen möge, um ihr Vorort zu helfen. Sibyl lehnt ab, aber in einer Notsituation reist sie doch auf die Insel Stromboli. Die Therapeutin hat mit eigenen Problemen zu tun und sieht bei Margot Ähnlichkeiten zu sich selbst, zudem wird Margot zur Inspirationsquelle für ihren Roman. Es entwickelt sich eine folgenreiche Wechselbeziehung zwischen Therapeutin und Patientin. Efira hat mich als Psychotherapeutin nicht überzeugt, und mir ist unklar geblieben, weshalb sie diese und jene spezifischen Probleme hat. Allerdings, die aus Suhl stammende Sandra Hüller als entnervte Regisseurin Mika ist sehenswert. Irgendwann geht sie über Bord. Ich springe hinterher!

3. Die Reise ins Labyrinth (USA 1986)

Damals Flop, heute Kult. Seine Fans hat der Fantasyfilm mit den animierten Puppen von Muppets-Erfinder Jim Henson sicher nicht nur wegen des exzentrischen Auftritts von David Bowie als Koboldkönig Jareth. Der Film macht vor allem der putzigen Puppenfiguren wegen Spaß, die ohnedies den menschlichen Darstellern die Schau stehlen. Teenie Sarah (Jennifer Connelly) ärgert sich über ihren kleinen Stiefbruder Toby und wünscht, der Koboldkönig möge ihn holen. Gesagt, getan: Jareth gibt Sarah nur wenig Zeit, um das Baby im roten Ringelhemdchen aus seinem Schloss zurückzuholen. Dazu muss sie ein großes Labyrinth überwinden. Auf ihrem Weg durch das Geflecht begegnen ihr drollige Wesen. So weist ihr ein Wurm den Weg, und sie begegnet Dobbel, Hobbel, Gockel, ach nein, Kobold Hoggle, der ihr Begleiter wird. Aber kann sie ihm trauen? Kann sie das „Moor des ewigen Gestanks“ überwinden? Wird Koboldkönig Jareth in seinen Strumpfhosen, wenn er nicht gerade singt, seine Macht ausüben und Sarah daran hindern können, ihm Baby Toby wieder zu entreißen? Am meisten macht Sarahs Weg durch das Labyrinth, den Wald und das Moor Spaß, weil die Kulissen lieblich gestaltet sind. Handarbeit. Bowie steuerte Songs zum Soundtrack bei.

5. Ein ungezähmtes Leben (USA 2005)

Der alternde Farmer Robert Redford trauert in der Einöde Wyomings um seinen toten Sohn und tröstet sich mit Alkohol. Nur sein Farmarbeiter und Freund Morgan Freeman hat Zugang zu dem Einsiedler. Nach einem Bärenangriff bedarf Freeman der Pflege, und Redford kümmert sich um ihn. Der Bär vegitiert derweil gefangen in einem Zookäfig vor sich hin. Eines Tages taucht Redfords Schwiegertochter Jennifer Lopez mit ihrer 11-jährigen Tochter auf und bittet für einige Zeit um Unterschlupf auf der Ranch, nachdem sie vor ihrem gewalttätigen Freund geflüchtet ist. Nur widerstrebend nimmt Redford die Frau seines Sohns auf, denn er gibt ihr die Schuld an seinem Tod. Das Verhältnis zwischen den beiden ist angespannt. Die aufgestauten Emotionen türmen sich so hoch wie die Rocky Mountains, die die Farm umgeben. Bei allem ist Redford überrascht eine Enkeltochter zu haben, und sie ist es, die das Herz des Farmers langsam zu erreichen scheint. Regisseur Lasse Hallström puzzelt nach und nach mit überzeugenden Darstellern ein sehr menschliches Bild von Trauer, Schuld, Verzeihen, Loslassen und Zulassen. Der Bär trauert dabei kaum weniger Mitleid erregend in seinem Käfig als der Mensch in seinem einsamen Haus. In schönen Bildern erzählt, eingebettet in toller Landschaft. Das ist kein Film für Hektiker. Und ich stelle fest, dass mir Jennifer Lopez in den drei Filmen, die ich bisher mit ihr gesehen habe, immer gefallen hat. Hier überzeugt sie in einer ernsten Rolle. In Das Schwiegermonster mit Jane Fonda fand ich sie lustig und unkapriziös.

6. Skyscraper (USA 2018)

Dwayne Johnson agiert als Actiongranate in einem Streifen zwischen Flammendes Inferno und Stirb langsam. Das ist auf jeden Fall spannend und unterhaltsam, egal – oder gerade – wie abstrus manche Szenen sein mögen, der Dwayne scheint über Superman-Kräfte zu verfügen. Wahnsinn, unkaputtbar der Mann, eventuell plumpst ihm höchstens mal die Unterbeinprothese ab. Der ehemalige FBI-Mann arbeitet deshalb als Sicherheitsexperte in einem futuristischen Superhochhaus in Hongkong. Die Sicherheitssysteme des höchsten Hochhauses der Welt können mit einem Tablet gesteuert werden, das der Dwayne nicht ganz freiwillig aus der Hand geben muss. Ein böser Mensch hat es nämlich auf den Tower und dessen Erbauer abgesehen. Weil der Übeltäter die Feuerschutzsysteme außer Kraft setzt, breitet sich ein Feuer im Skyscraper aus. Dwayne muss seine Familie vor der Feuersbrunst retten und nebenher die Terroristen plattmachen. Der Dwayne gewinnt jeden Weitsprungwettbewerb! Granatiert!

7. Blues Brothers (USA 1980)

Boom Boom! Die Blues Brothers sind mir bis jetzt durch die Lappen gegangen. Wieso bloß? Vielleicht liegt es an der ausrangierten Polizeikarre, mit der Dan Aykroyd und James Belushi in Chicago auf die Tube drücken – gefolgt von jeder Menge echter Polizeiwagen, die hinterher haufenweise Totalschrott sind. Elwood (Aykroyd) holt seinen Bruder Jake (Belushi) aus dem Knast ab, und gleich die ersten Szenen begeistern durch die herrliche Bildsprache von Kameramann Stephen M. Katz: So tritt Jake aus einer Art Lichttunnel wieder hinaus ins Leben. Auferstanden von den Toten besteht ihre erste Mission darin, zum Waisenhaus zu fahren, in dem sie aufgewachsen sind. Die Einrichtung hat finanzielle Nöte. Die Brüder wollen helfen, aber die gestrenge Mutter Oberin duldet kein kriminelles Geld. Jake und Elwood wollen ihre frühere Band, die Blues Brothers, reanimieren und ehrliche Kohle verdienen. Dazu müssen sie erstmal alle Musiker zusammentrommeln. Im Partnerlook – Anzug, Hut, Sonnenbrille, alles schwarz – steigen sie in ihren abgerockten Dodge mit dem ganzen Dreck auf dem Amarturenbrett und machen sich auf den Weg. Stoisch und unbeweglich wie Dummys hocken sie in ihrem Vehikel und verziehen keine Miene, wenn eine ganze Polizeiarmada hinter ihnen klebt, die Chicagoer Hochbahn gefühlt durch Elwoods Appartement rauscht oder ihnen irgendetwas um die Ohren fliegt, weil Jakes Verflossene versucht, ihn explosiv aus dem Weg zu räumen. Dazu gibt es musikalische Auftritte von James Brown, Aretha Franklin und John Lee Hooker (Boom Boom). Ich liebe die Crashfahrt durch das Einkaufszentrum. Meisterliche Zeile im Drehbuch: „Scheiße.“ „Was?“ „’Ne Streife.“ „Nein.“ „Doch.“ „Scheiße.“ Scheiße, ist das cool!

8. Hotel Artemis (USA/GB 2018)

Was nach einem sonnigen Griechenlandurlaub klingt, entpuppt sich als dystopisches Szenario in Los Angeles des Jahres 2028. Jodie Foster ist „Die Schwester“ im ehemaligen Hotel Artemis, das in unruhigen und düsteren Zeiten zu einem geheimen Krankenhaus für Verbrecher geworden ist. Der Service richtet sich ausschließlich an zahlende Mitglieder. Die Schwester Jean Thomas agiert wie eine Ärztin, indem sie computergesteuerte Operationsgeräte bedient. Ihr zur Seite steht nur der schrankgroße Krankenpfleger Everest (Dave Bautista). Kurz: Zwei Brüder werden nach einem missglückten Raubzug verletzt aufgenommen, kurz darauf auch Gangsterboss „Der Wolfking“ (Jeff Goldblum), der das Hospital gegründet hat. Die Brüder haben etwas sehr Wertvolles mitgehen lassen, das dem Gangsterboss gehört. Die eingeschleuste Patientin Nice (Sofia Boutella) ist eine Auftragsmörderin. Die Schwester leidet infolge eines Traumas unter Angst und hat das Hotel seit 22 Jahren nicht mehr verlassen. Man stricke das Ganze zusammen. Eingeschaltet wegen Jodie Foster. Dachte, dass Foster ja auch älter geworden ist, aber dankenswerterweise mit ehrlichen Falten ins Alter zu gehen scheint.

9. Der schweigende Stern (DDR/Polen 1960)

Der schweigende Stern ist die Venus. Wissenschaftler finden eine geheimnisvolle Spule, die im Zusammenhang mit einem abgestürzten Raumschiff der Venus steht. Die Botschaft kann nur teilweise entschlüsselt werden, und so macht sich ein internationales Team mit der Raumfähre Kosmokrator auf den Weg zur Venus. Auf ihrer Reise finden sie heraus, dass von dem schweigenden Stern eine Gefahr ausgeht. Jedes Faschingskostüm für Kinder scheint heute aufwändiger geschneidert als die Raumanzüge der Expeditionsteilnehmer, in denen sie wie Teletubbies aussehen. Die Kulissen wirken – aus heutiger Sicht – so hilflos wie faszinierend. Erstaunlich, dass allein blinkende Lämpchen, ein bisschen Aluminium und blubbernder Schlamm ein futuristisches Gefühl erzeugen können. Das Modell der Kosmokrator ist toll retrospacig. Die Dialoge sind eher blutleer, aber vor allem die Erkundung der Venus ist spannend. Was werden die Erdlinge vorfinden? Gibt es Leben auf dem schweigenden Stern? Was hat es mit der Botschaft auf der Spule auf sich? Das erfolgreiche Science-Fiction-Abenteuer der DEFA spielt nicht weit entfernt im Jahr 1970 vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs. Die Furcht und Mahnung vor einem atomaren Angriff steht im Mittelpunkt der Handlung. Grundlage bildete der Roman Die Astronauten des polnischen Schriftstellers Stanislaw Lem. 

10. The Frighteners – Herr der Geister (Neuseeland/USA 1996)

Diese Horrorkomödie mit Michael J. Fox als Geisterjäger hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, wahrscheinlich nicht von ungefähr, denn das ist nicht Fox’ bester Film: Frank Bannister (Michael J. Fox) kann nach dem Unfalltod seiner Frau Geister sehen und setzt diese Fähigkeit mithilfe dreier Gespenster nicht ganz redlich ein, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als sein letzter Kunde stirbt, gerät er unter Mordverdacht. Die hübsche Witwe (Trini Alvarado) des Verstorbenen glaubt an Bannisters Unschuld, und die beiden bändeln an. Außerdem hat Frank es mit einem Massenmörder zu tun, der auch als Geist noch sein Unwesen treibt. Der Plot nervt durch die tönenden, sich oft schreiend gebärdenden Geister, und ich mag diesen Special Agent (Jeffrey Combs) nicht. Außerdem sind Fox’ Haare zu kurz geschnitten. Aber keiner küsst ein Mädchen im Film so zart wie Fox. 

11. Elle (F/D 2018)

Selbstbewusst führt Isabelle Huppert ein Unternehmen für Computerspiele und behauptet sich gegenüber den jungen Techniknerds ihrer Firma. Eines Tages bricht ein maskierter Mann in ihr Pariser Haus ein und vergewaltigt sie brutal. Als wäre ihr das Geschirr nur versehentlich aus der Hand gefallen, kehrt sie die Scherben des Kampfes auf und entsorgt die Splitter im Mülleimer. Anschließend nimmt sie ein Bad. Hat die Vergewaltigung Spuren in ihr hinterlassen? Es muss so sein, und ist es nicht vielmehr der in ihr hinterlassene Scherbenhaufen, den Michèle Leblanc da zusammenkehrt? Scheinbar ungerührt von dem Vorfall, geht die spröde Frau ihren gewohnten Tagesgeschäften nach und erzählt nur ihren engsten Freunden beiläufig bei einem Essen, was ihr zugestoßen ist. Aus einem persönlichen Grund schaltet Michèle die Polizei nicht ein. Der Angreifer bedroht sie weiter mit Textnachrichten. Michèle besorgt sich Pfefferspray und eine Axt. Ich glaubte, Elle erzähle von einer Frau und ihrem Umgang mit dem traumatischen Erlebnis der Vergewaltigung. Paul Verhoeven (Basic Instinct) tut dies auf eine drastische und – vielleicht kann man es so sagen – unerwartet abgründige und keinesfalls leichtgängige Weise. Alles ist zu krass in Elle: Die Lebensgeschichte der Michèle Leblanc, die Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Sohn sowie dessen Beziehung zu seiner Freundin. Es kann eine Menge diskutiert und psychologisiert werden über Elle. Die Liste der Auszeichnungen für das Drama ist lang. Ohne Frage ist Hupperts Darstellung gewagt und eindrucksvoll, in welche Richtung man dies auch empfinden mag: Elle ist Geschmacksache, man kann und darf geteilter Meinung sein. Christian Berkel ist als Unsympath dabei. Außerdem spielen Laurent Lafitte, Virginie Efira, Anne Consigny und Charles Berling. Der Film basiert auf dem Roman Oh… von Philippe Dijan.

12. Joyride – Spritztour (USA 2001)

Es ist nur ein Streich junger Männer: Die Brüder Paul Walker und Steve Zahn sind in einem 71er Chrysler Newport on the road in Wyoming. Aus Langeweile albern sie mit dem Funkgerät herum: Paul Walker lockt mit verstellter Stimme als vermeintliche Frau einen Trucker zum Date in ein Motel. Sie lotsen ihn in ein falsches Zimmer und belauschen aus dem Nachbarzimmer, wie der Lastwagenfahrer das Erwartete nicht vorfindet. Irgendetwas passiert in dem Zimmer. Am nächsten Morgen wird der Zimmernachbar halb tot von der Straße gesammelt. Die Polizei hat Fragen an die Brüder, die es bald sehr mit der Angst zu tun bekommen werden, denn der Trucker kommt ihnen auf die Spur. So ähnlich wie Duell, ein Roadmovie mit cooler Benzinkutsche, Landschaft, Highways und einem Motel im Regen mit Neonreklame. Tolle Optik. Und spannend. 

13. Money Train (USA 1995)

Na ja: Wesley Snipes und Woody Harrelson quasseln den Zuschauer gnadenlos nieder. Die Filmlocation ist top: Die beiden Adoptivbrüder arbeiten nämlich als Polizisten undercover im Untergrund der New Yorker U-Bahn. Der Chef hat sie auf dem Kieker, sein Augapfel ist der Geldzug, der regelmäßig im Tunnel pendelt. Harrelson hat Spielschulden, die Brüder geraten in Konflikt. Ihr Disput wird durch die hübsche neue Kollegin (Jennifer Lopez) größer. Harrelson will den Geldzug überfallen. Die Handlung ist nicht gerade von Intelligenz geprägt, aber Jennifer Lopez ist mir ein weiteres Mal positiv aufgefallen – und die U-Bahn-Kulisse.

14. Madame Bovary (F 1991)

Isabelle Huppert ist Gustave Flauberts Madame Bovary, die unglückliche Frau eines Provinzarztes, die literarischen Weltruhm erreicht hat. Sie nimmt sich einen Liebhaber und verschuldet sich für Tand und schöne Kleider. Ihrem Unglück vermag sie nicht zu entkommen und geht daran zugrunde. Claude Chabrol inszeniert die Leiden und Sehnsüchte der jungen Frau mit Wiedererkennungswert zum Roman von 1857. Flaubert wurde für Madame Bovary wegen des Verstoßes gegen die guten Sitten vor Gericht gestellt, aber freigesprochen. Huppert gibt eine dramatische Vorstellung. Ihre Schluss-Szene packt den Betrachter ebenso entsetzlich wie Flaubert sie in seinem Roman beschreibt.

15. Die fabelhafte Welt der Amélie (F/D 2001)

Ich gehöre zu denen, die Amélie nicht so sehr verzaubert. Weil Yolande Moreau als Concierge mitspielt, habe ich mir den Film noch einmal angesehen. Moreau gefällt mir darin am meisten. Wenn Amélie (Audrey Tautou) mit ihren schwarzen Kulleraugen groß dreinschaut, erscheint mir ihr Blick eher nichtsagend als vielsagend. Die Filmmusik nervt durchgehend und ist zu laut über Dialoge und Erzähler gelegt. Die Geschichte eines kontaktscheuen Mädchens, das zum Engel für andere Menschen wird, liegt mir nicht. Interessant finde ich die Frage, weshalb jemand zerrissene Passfotos von fremden Menschen aufsammelt, sie wieder zusammensetzt und in ein Album klebt.  

Und außerdem:

Die Serie Die Bergpolizei mit Terence Hill, über die ich hier schon einmal ausführlicher erzählt habe.

Und Columbo darf nicht fehlen. Über Falks Schaffen und sein Buch Just One More Thing habe ich hier berichtet.

Meine Durchgezappt-Liste für August 2021 ist hier zu finden.

Und was hast Du so geguckt?