[Gesehen] Lost in Translation

Flimmerglotze 1: Rezension von Lost in Translation mit Bill Murray //

Bob Harris (Bill Murray) ist ein bekannter, aber nicht mehr ganz populärer Schauspieler aus den Vereinigten Staaten. Für einen Whisky-Werbespot reist er nach Tokio. Vom Jetlag geplagt, versucht er den ausufernden Anweisungen des japanischen Regisseurs zu folgen. Die Instruktionen erreichen ihn wegen der knappen Übersetzung nicht richtig. Harris ist verloren in der Übersetzung und einer fremden Kultur. In der Bar des Park Hyatt Hotels hoch über der pulsierenden Stadt begegnet er der viel jüngeren Charlotte (Scarlett Johansson).

Charlotte ist im Gegensatz zu Bob noch nicht lange verheiratet und begleitet ihren Mann John (Giovanni Ribisi), der als Fotograf in Tokio Auftragsarbeiten erledigt. Charlotte bleibt derweil allein im Hotel zurück. Sie ist nachdenklich und hegt in schlaflosen Nächten Zweifel über ihr Leben. Bob findet ebenfalls keinen Schlaf. Seine Ehe scheint sich gerade noch um die Frage der neuen Teppichfarbe zu drehen.

Es beginnt mit einem Gespräch in der Hotelbar. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden Sympathie und Zuneigung. Bob und Charlotte sind Seelenverwandte. Ob beim Karaoke, im japanischen Restaurant oder beim Fernsehen auf dem Hotelzimmer, die beiden verbindet eine von Liebe getragene Freundschaft. Ihre Begegnung, so kurz sie am Ende auch ist, wird sich auf ihr Leben auswirken.

Meinung: Eine gemeinsame innere Sprache

Wenn Charlotte hoch oben in ihrem Hotelzimmer aus dem Fenster auf die fremde Stadt schaut, wirkt das Fensterglas wie ein Schutzfilter vor den äußeren Einflüssen – ähnlich einer Vorsatzlinse an einer Kamera. Hinter dem Glas bleibt Charlotte unberührt. Die Fensterscheibe macht gleichzeitig Charlottes Isolation und Einsamkeit deutlich.

Bob und Charlotte finden sich nicht allein deshalb, weil sie die fremde Sprache nicht sprechen oder einsam sind, sondern weil sie eine gemeinsame innere Sprache sprechen. Eine Sprache des Verstehens und der Verbundenheit. Sie hat sich noch nicht ganz gefunden. Er hat sich in den Jahren ein bisschen verloren. Sie profitiert von seiner Lebenserfahrung. Er von ihrer spontanen Jugendlichkeit. So hat es nichts Peinliches, wenn sie gemeinsam durch Tokios Nachtleben ziehen. Wenn Murray More than this singt, wird der Song zu einem berührenden Liebeslied an Charlotte.

Sophia Coppola hat einen Liebesfilm gedreht, einen Film über wahre, wahrhafte Liebe. Eine Liebe, die auf Nähe, Innigkeit und Verbundenheit gründet, ohne dass sie körperlich werden muss. Es ist so bemerkenswert wie konsequent, dass Bob und Charlotte nicht im Bett landen. Und doch gibt es in Lost in Translation eine der schönsten Bettszenen der Filmgeschichte: Murray ertastet zart Charlottes Fuß und lässt sie wissen, dass sie in Ordnung ist. Sie sprechen über das Leben, über die Widrigkeiten des Lebens. Charlotte und Bob mussten sich einfach finden – und wahrscheinlich wieder auseinandergehen. Was aber, was nur flüstert er ihr zum Schluss ins Ohr?

Persönliche Hitliste
  • Schauspieler/in: Bill Murray
  • Szene: Die Bettszene und Murray singt More than this
  • Zitat von Bob: „Je mehr man über sich selbst und über das, was man will, weiß, desto weniger lässt man an sich ran.“
  • Du brauchst zum Filmgucken: Japanisches Wörterbuch und einige Gläser Whisky. Du solltest keine Scheu vor Karaoke haben.
Filmdaten
  • USA, Japan 2003
  • Original: Lost in Translation
  • Regie: Sophia Coppola
  • Drehbuch: Sophia Coppola
  • Länge: 97 Minuten
  • Stars: Bill Murray (Bob Harris), Scarlett Johansson (Charlotte), Giovanni Ribisi (John), Anna Faris (Kelly)
  • Auszeichnungen: Sophia Coppola gewann den Oscar für das beste Originaldrehbuch, einen Golden Globe gab es für den besten Film, das Drehbuch und für Bill Murray als besten Darsteller. Der Film gewann viele weitere Auszeichnungen.

Bill Murray visualisiert Depression

Bill Murray veranschaulicht eindrucksvoll Depression //

Wie kann man eine Depression erklären? Bill Murray ist hier in Broken Flowers zu sehen. Murray bringt Depression in Jim Jarmuschs Film eindrucksvoll ohne Worte zum Ausdruck:

Der Schriftsteller Stefan Zweig hat in Rausch der Verwandlung folgende Worte gefunden, die den Zustand einer Depression recht passend beschreiben:

Jede Materie trägt bestimmtes Maß der Spannung in sich, über die hinaus sie Steigerung nicht mehr zulässt, das Wasser seinen Siedepunkt, die Metalle ihren Schmelzpunkt, und auch die Elemente der Seele entgehen nicht diesem unumstößlichen Gesetz. Freude kann einen Grad erreichen, in dem jedes Dazu nicht mehr fühlbar wird, und ebenso Schmerz, Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, Ekel und Angst. Einmal bis zum Rande gefüllt nimmt das innere Gefäß keinen Tropfen Welt mehr in sich hinein

Aus Rausch der Verwandlung von Stefan Zweig