After Yang – Kogonada schickt Colin Farrell auf Seelenexploration

Der aus Südkorea stammende US-amerikanische Regisseur Kogonada schickt Colin Farrell in After Yang auf eine stille emotionale Reise zu sich selbst. Die tiefgehende Seelenschau eines Familienvaters wird ausgelöst durch die im elektronischen Gedächtnis gespeicherten Daten des humanoiden Hausroboters, und diese Erinnerungen scheinen zutiefst menschlich.

Jake (Farrell) führt ein Teegeschäft und lebt mit seiner Familie in einem von Joseph Eichler entworfenen Haus in naher Zukunft. Selbstfahrende Autos und geklonte Menschen sind Realität, ebenso humanoide Roboter. Jake hat mit seiner Frau Kyra (Jodie Turner-Smith) Tochter Mika (Malea Emma Tjandrawidjaja) adoptiert und für sie den Techno-Sapien namens Yang (Justin H. Min) ins Haus geholt, damit dieser Mika etwas über ihre chinesischen Wurzeln und Kultur beibringen kann und ihr Gesellschaft leistet. Und so soll Yang selbstverständlich mit auf das Familienfoto. Die emotionale Bindung der Familie zu ihrem Roboter wird umso deutlicher, als Yang Fehlfunktionen erleidet und offenbar nicht mehr zu reparieren ist. Die kleine Mika ist verzweifelt, alle wollen Yang zurückhaben, doch Jake bleibt nur Yangs Gedächtnisspeicher. 

Mit einer speziellen Brille kann er die darauf enthaltenen Erinnerungen sichten und sein eigenes Leben Revue passieren lassen. Vielmehr noch erkennt er, was ihm im Leben entgangen ist und inwieweit er von seiner Familie distanziert ist. Oft sind es nur kurze Erinnerungsfetzen Yangs von einem Regenbogen, die Frau, die das Kind auf dem Arm trägt oder ein Schmetterling, der davonfliegt. Jake begibt sich auf eine intensive Exploration in sein Inneres. Und der Zuschauer reist mit, zwangsläufig, in sein eigenes Inneres. Aber das eigene Selbst kann so weit entfernt liegen wie ein unerforschter Exoplanet – vielleicht für immer unerreichbar.

Ich sprach davon, dass Yang „Fehlfunktionen erleidet“. Ein Mensch kann leiden. Eine Maschine auch? Auf seiner Erkundung durch die Erinnerungen des Roboters erfährt Jake, dass Yang den Wunsch hatte, echte Erinnerungen und Gefühle, so wie sie Menschen haben, empfinden zu können. Yang ist von einem Menschen kaum zu unterscheiden, trotzdem handelt es sich nur um die schlichte – und fantastische – Funktion seiner lernfähigen KI: In einer philosophischen Teezeremonie zwischen Jake und Yang wirkt der Roboter wissbegierig wie ein Mensch und gelangt zu der Erkenntnis: „Eine Tasse Tee kann die Welt enthalten!“ Und ich möchte einmal mehr mit Colin Farrell Tee trinken:

Der kontemplative, stille und melancholische Science-Fiction-Film ist nach Columbus erst der zweite Film von Kogonada und basiert auf der Kurzgeschichte Saying Goodbye to Yang von Alexander Weinstein, enthalten in der Kurzgeschichtensammlung Children of the New World. In den USA kam After Yang im März 2022 in die Kinos. Ob und wann der Film in deutschen Kinos zu sehen sein wird, ist bislang unbekannt.  

And it’s all very simple, little snippets, three-second snippets of simple things in nature. And it just made me think about my life and my children and the loves that I have and loves that I’ve lost and the loves that I’m going to lose and all that kind of stuff. And what I leave behind. And will somebody cry when I’m gone? And all that self-interested stuff, even what it is to be a human being. That’s an incredibly profound thing.

Colin Farrell

The Banshees of Inisherin – McDonagh vereint erneut Brendan Gleeson und Colin Farrell

Martin McDonagh vereint nach Brügge sehen … und sterben? (2008) in The Banshees of Inisherin erneut Brendan Gleeson und Colin Farrell. Der irische Regisseur und Drehbuchautor entwirft ein interessantes Sujet: Colm (Gleeson) und Pádraic (Farrell) leben auf der irischen Insel Inisheer und sind seit jeher beste Freunde. Eines Tages kündigt der ältere Colm unvermittelt die Freundschaft auf: „Ich mag dich einfach nicht mehr!“, begründet er seine Entscheidung knapp. Der gutherzige, aber einfältige Pádraic versteht die Welt nicht mehr. Ein vielversprechender Trailer vermittelt erste Eindrücke der Tragikomödie:

Die Paarung der Iren Gleeson und Farrell erscheint wieder sehr geglückt. Die beiden harmonieren, wenngleich zwischen ihnen keine Einigkeit herrscht. Pádraics Not ist spürbar, fast unerträglich und grausam. Colms plötzliche Ablehnung weht ihm so kalt ins Gesicht wie der Wind, der von See auf das raue kleine Eiland trifft. Je schroffer Colm ihn zurückweist, desto verzweifelter und wütender versucht Pádraic die Situation zu klären und bleibt bloß ratlos zurück. Er bittet seine Schwester Siobhan (Kerry Condon) um Hilfe. Als Colm droht, sich jedes Mal mit der Schafschere einen Finger abzuschneiden, wenn Pádraic ihn noch einmal anspricht oder nervt, scheint die Lage zu eskalieren. Colms Entscheidung, die Freundschaft aufzugeben, hat nicht nur Auswirkungen auf ihn selber und Pádraic, sondern trifft alle Beteiligten der kleinen Gemeinde.

Welche Beweggründe hat Colm? Er wirkt verschlossen. Die veröffentlichten Filmsequenzen legen nahe, dass Colm sich an Pádraics Stumpfsinnigkeit stört. So beschwert er sich darüber, dass Pádraic ihm zwei Stunden lang erzählt, was er alles in der Scheiße seines kleinen Esels gefunden hat. Auch hat Pádraic keine Ahnung, wer Mozart war. Er hingegen findet, dass Colm ihm nicht richtig zuhört, weil es sich doch um den Misthaufen seines Ponys und nicht um den des Esels gehandelt hat. Der Priester fragt Colm, weshalb er nicht mehr mit Pádraic spricht, und Colm entgegnet, ob das jetzt nicht eine Sünde wäre? 

Ich rätsele und überlege: Pádraic könnte schon länger einiges nicht verstanden haben. Vielleicht hat er die Zeichen, die Colm womöglich gesendet hat, nicht erkannt, seien diese stiller oder direkter Natur. Im irischen Volksglauben ist eine Banshee ein Geist aus einer Parallelwelt. Ihr Erscheinen, ihr Weinen und Klagen kündigt einen bevorstehenden Tod an. Mindestens die Freundschaft zwischen Colm und Pádraic scheint gestorben zu sein. Was, wenn Colm weiß oder befürchtet, dass er bald sterben wird und sich vielleicht Sorgen macht, was aus seinem naiven und bedürftigen Freund wird, wenn er nicht mehr da ist. Ob Colm aus väterlicher Fürsorge handelt? Lässt er Pádraic, weil nichts anderes hilft, eine gewisse Erziehungsmaßnahme angedeihen, um ihn wachzurütteln, damit er menschlich reift? Will er den anhänglichen Freund von sich stoßen, damit diesem sein mögliches Ableben nicht so hart trifft und er bis dahin neue Freunde gefunden hat? Diese Idee gefällt mir am besten, nämlich dass Colm Pádraic im Gegenteil einen wahren Freundschaftsdienst erweist. 

Andererseits könnte der tiefgründigere Colm es schlicht satt haben nach Jahren des geistig wenig regen Austausches mit Pádraic und erträgt dessen Ignoranz nicht mehr. Vielleicht hat er den Wunsch, seinem bisherigen Leben und den begrenzten Möglichkeiten auf der engen Insel ein Stück weit zu entkommen. Auf der Suche nach neuen Impulsen sieht sich Colm vielleicht verhindert, sein Leben zu ändern. Oder hat Colms Verhalten etwas mit seinen Glaubensgrundsätzen zu tun? Und: Was macht Freundschaft aus? Was passiert mit Menschen, wenn diese Verbundenheit wegbricht? Vermag Colm am Ende irgendwie (hoffentlich!) den Wert und die Bedeutung seiner Freundschaft zu Pádraic erkennen? Oder mündet der Konflikt in einen erbitterten Kampf zwischen den beiden bis aufs Blut? Dreht Pádraic den Spieß um? Aber natürlich kann alles auch ganz anders ausgehen…

Ein Film jedenfalls, dessen Trailer allein schon existenzielle Fragen aufwirft. Ich bin so gespannt wie lange nicht auf einen neuen Kinofilm und dessen Auflösung. Farrell bleibt für mich eine lohnende Entdeckung und Empfehlung. Mit seinen Independent-Filmen trifft er eine gute Wahl. 

Ursprünglich, so heißt es bei Wikipedia, habe Martin McDonagh den Stoff schon 1994 für ein Bühnenstück verfasst, mit dem er aber nicht zufrieden gewesen sei. Das Werk sei daher nie aufgeführt worden. Der Film sei von August bis Oktober 2021 auf den irischen Inseln Árainn und Acaill gedreht worden. Mit dabei ist auch Barry Keoghan, der mit Colin Farrell 2017 The Killing of a Sacred Deer drehte. The Banshees of Inisherin wird bei den kommenden 79. Filmfestspielen von Venedig im September seine Premiere feiern und läuft im Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Branchenkenner handeln das Drama als Anwärter für die Oscarverleihung 2023. Gewann Colin Farrell für Brügge den Golden Globe, geht der Oscar dieses Mal vielleicht an Brendan Gleeson für seine eindrückliche Darstellung des Colm. Hierzulande heißt es warten: Der deutsche Kinostart ist für den 12. Januar 2023 mitgeteilt worden. 

Durchgezappt im Februar 2022

Der Fernseh-Februar steht im Zeichen der 2: Zwei Kriegsfilme standen auf meinem Programm und damit ein wenig bevorzugtes Genre. Zwei Helden in Schwarz aus Comics waren dabei und gleich zwei Neeson-Filme fliegen wieder von meiner Festplatte. Außerdem hatte ein japanischer Anime-Film Premiere bei mir. Colin Farrell hat die 2 nicht geschafft und ist nur einmal dabei, und schließlich habe ich den Musikstil Rembetiko kennengelernt. 

Teaser Durchgezappt

1. Hard Powder (GB/Nor/Kan/USA 2019)

Liam Neeson räumt in Colorado eine Menge Schnee und Verbrecher aus dem Weg. Der Schneepflugfahrer und unbescholtene „Bürger des Jahres“ mutiert zum erbarmungslosen Rächer, als sein Sohn vom Drogenkartell ermordet wird. Schwarzhumoriges Schneegestöber, wobei der Witz nicht ganz angekommen ist bei mir. Viele Tote und ein brutal agierender Neeson. Drogenboss Tom Bateman beeindruckt allerdings als fiesester Fiesling, den man sich denken kann. Als Kontrahent hat er den indianischen Drogenbaron White Bull (Tom Jackson) in Verdacht. Kommt er Neeson auf die Schliche? Wer räumt wen (zuerst) aus dem Weg? Am meisten hat mir die Gute-Nacht-Geschichte gefallen, die Neeson dem Jungen des Drogenbosses vorliest. Bester Gag und Szene, so gefällt mir Neeson.

2. Reise zum Mittelpunkt der Erde (USA/Island 2008)

Ganz im Sinne Jule Vernes begibt sich Vulkanologe Brendan Fraser in Island mit seinem 13-jährigen Neffen Josh Hutcherson und Bergführerin Anita Briem auf eine fantastische Reise ins Innere der Erde. Auf ihrer Route durch den Berg hinab in die Tiefe erleben sie einige Abenteuer und entdecken magische Welten. Keine direkte Umsetzung des Romans, aber der Film atmet dessen Geist und Abenteuer. Unterhaltsam. Gefällt mir, schön für einen Sonntagnachmittag. Jedenfalls bin ich eine Vernianerin

3. Batman Begins (USA/GB 2005)

Trotz beachtlicher Starbesetzung, trotz Nolan, dieser Batman gefällt mir nicht. Ich finde Christian Bale nicht charismatisch genug und ohne seinen Batman-Anzug langweilig. Da gibt es aber andere Ansichten. Weder fand ich Batmans komische, tiefe Stimme toll noch das brachiale Batmobil. Nicht einmal Liam Neeson als Ra’s al Ghul gefiel mir sonderlich. Michael Cane als Butler Alfred ist sympathisch und passt gut in die Rolle. Auch Gary Oldman als Sergeant Gordon ragt heraus. Die Story erzählt, wie der Junge Bruce Wayne zu Batman wird. Der Fledermausmann bekommt es hier mit der Vogelscheuche Scarecrow zu tun. Das ist der erste Film mit Neeson, der von meiner Festplatte fliegt. Sorry.

4. Venom (USA 2018)

Tom Hardy lässt das Monster raushängen: Er dient einer außerirdischen symbiotischen Lebensform als Wirt und verfügt fortan über besondere Kräfte. Die Spezies namens Venom nimmt gelegentlich die Form einer vielzahnigen schwarzen Scheusalskreatur an und will offenbar eine Invasion der Erde durch seine Artgenossen verhindern. Das Ganze geschieht recht actionreich. So, das war mein Ausflug ins Marvel-Universum, der sich wahrscheinlich nicht so schnell wiederholen wird.

5. Systemsprenger (D 2019)

Die eigene Mutter, das Jugendamt, Therapeuten und Betreuer sind überfordert mit der geballten rosa Wut, die von Benni (Helena Zengel) ausgeht. Die 9-Jährige ist ein sogenannter „Systemsprenger“, keine Maßnahme greift, das Kind ist nicht integrierbar und durch seine Verhaltensauffälligkeiten kaum zu bändigen und gar eine Gefahr für seine Umgebung. Sehr erstaunlich, wo die Jungdarstellerin Zengel diese dramatischen Persönlichkeitsmerkmale herholt und eindrucksvoll vorträgt. Mein Hauptgedanke ist: Sei es noch so aufrichtig bemüht von Seiten der Helfenden, man kann so einem Kind vielleicht nicht nur halb geben. Mit der Ablehnung kann es umgehen, das kennt sie. Aber wer, wenn nichtmal die eigene Mutter es schafft, kann so ein gefährliches Wutknäuel aus vollstem Herzen lieben und annehmen. Ein Dilemma mit Sprengkraft.

6. Life (USA 2017)

Astronauten untersuchen an Bord der Internationalen Raumstation ISS eine Bodenprobe vom Mars. Und, ach wie niedlich, es lebt! Das außerirdische lebendige Etwas ist ganz klein und putzig anzusehen. Das Team um Jake Gyllenhaal, Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds und Hiroyuki Sanada ist ganz fasziniert. Doch das Es entwächst schnell der Petrischale und legt an Kraft zu. Und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass Es nicht nett ist. Jetzt gibt’s Stress für die Besatzung. Unter allen Umständen müssen die Quarantänevorschriften an Bord eingehalten werden. Sowas wie Alien. Richtig spannend. Es gibt im Laufe des Films einen „Au-Backe!“-Effekt, ich sage nicht wo, um nichts vorweg zu nehmen.

7. Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (D 1981)

Natja Brunckhorst verkörpert die heroinabhängige Christiane F., deren berühmter Report Wir Kinder vom Bahnhof Zoo ein eindrückliches Zeugnis ablegt für den persönlichen und körperlichen Verfall junger Drogenabhängiger. Der Film fängt das Drama der 13-Jährigen in teils schockierenden Bildern ein: Ein Kiefernholzschrank ausgestellt in einem Schaukasten in der schäbigen Bahnhofshalle, hell ausgeleuchtet und gedacht für ein schönes Zuhause, das Christiane und ihr ebenfalls abhängiger Freund Detlef (Thomas Haustein) nicht haben. Die beiden sind verlorene Seelen in der Ödnis vom Bahnhof Zoo. Die Kamera fängt diese Atmosphäre authentisch ein. Christiane himmelt im Konzert David Bowie an, danach setzt sie sich den ersten Schuss: „Ich hab’ das unter Kontrolle“, sagt sie, doch ihr Weg in die fatale Heroinabhängigkeit ist dramatisch und unaufhaltsam. Christianes Tag ist bestimmt von ihrer ersten Liebe zu Detlef, der Heroinsucht und Prostitution zur Finanzierung der Droge. Die Bilder ihres kalten Entzugs mit Detlef sind heftig. Der Film erschüttert, kann aber aus Zeitgründen nicht ausreichend in die Tiefe gehen und Hintergründe beleuchten. Ich vermag ausdrücklich nicht zu beurteilen, inwieweit der Film einen abschreckenden oder möglicherweise nicht abschreckenden Effekt auf junge Zuschauer hat. Es gibt offenbar kontroverse Meinungen dazu, insbesondere dahingehend, dass der Film von Uli Edel und Bernd Eichinger Christiane zu einer gewissen Heldin stilisiere. Einige fotografische Eindrücke der Gropiusstadt, in der Christiane lebte, habe ich kürzlich im Beitrag Die Gropiusstadt in Berlin veröffentlicht.

8. Der letzte Countdown (USA 1980)

Das amerikanische Trauma Pearl Habor spielt eine zentrale Rolle in diesem Science-Fiction-Kriegsfilm. Kirk Douglas kommandiert auf dem Flugzeugträger USS Nimitz ein Flottenmanöver unweit von Pearl Habor. An Bord ist auch Systemanalytiker Martin Sheen. Die Nimitz gerät in ein eigenartiges Wetterphänomen mit Lichterscheinungen. Danach stellt die Mannschaft anhand eindeutiger Belege fest, dass sie sich im Jahr 1941 mitten im Zweiten Weltkrieg befinden, genau einen Tag vor dem Angriff der Japaner auf Pearl Habor am 7. Dezember. Douglas bläst – na klar – zum Angriff, um Pearl Harbor nicht ungeschehen zu machen, aber siegreich aus dem Gefecht hervorzugehen. Na, ob dies gelingt? Natürlich patriotisch und beinahe lachhaft, aber der Film hat was und wenn nicht, ist er allein deshalb sehenswert: Die bombastischen (das scheint mir das richtige Wort) Panavision-Aufnahmen vom Geschehen auf einem Flugzeugträger, den Starts und Landungen der Flugzeuge, sind eindrucksvoll. Ein Werbeclip für die Navy mit Reportage-Effekt. Übrigens: Die USS Nimitz steht noch immer im Dienst. 

9. Hello World (Japan 2019)

Ich glaube, das ist der erste japanische Anime-Film, den ich seit Captain Future gesehen habe. Beim Titel musste ich ich an die Webbausteine HTML – HEAD – BODY – Hello World denken, was nicht abwegig ist: Kyoto im Jahre 2027. Der schüchterne Naomi hat Schwierigkeiten im Kontakt mit seinen Mitschülern und lebt in der Welt seiner Bücher. Die Regierung sammelt sämtliches Zeitgeschehen der Stadt und seiner Bewohner und speichert die Daten in einem Quantencomputer namens Alltale. Eines Tages erscheint Naomi auf magische Weise sein zehn Jahre älteres Ich. Der Erwachsene hat Alltale gehackt und trainiert nun sein jüngeres Ich im Umgang mit einem besonderen Handschuh, mit dem sich Materie formen und beeinflussen lässt. Naomis Alter Ego hat eine dringende Mission Mitschülerin Ruri betreffend. Dazu muss Naomi eine Beziehung zu ihr aufbauen, was ihm nicht leichtfällt, doch beide lieben Bücher. Hat mir überraschend gut gefallen: Science-Fiction mit Zeitreise-Thema, die Art der Animation, die Geschichte. Zum Ende hin gibt es schnellere, üppigere, bunte Bilder. Erinnert an Inception und Matrix und die Sache mit dem Raum-Zeit-Kontinuum aus Zurück in die Zukunft

10. Rampage – Big meets Bigger (USA 2018)

Oh Mann, der Dwayne kann einfach alles! Diesmal ist er Primatenforscher und Affenflüsterer. Nachdem Genmaterial einer mutierten Laborratte aus einer Forschungsstation im All auf die Erde gelangt, wird Dwayne Johnsons Gorilla George plötzlich ein bisschen größer und böser. Der Affe türmt nach Chicago und trifft dort auf ein weiteres Riesenmonster. Zusammen zerlegen sie die Stadt inklusive Sears Tower. Wow, dieses Komplettdesaster liegt irgendwo zwischen King Kong und Godzilla. Naomie Harris steht dem Dwayne zur Seite, der seinen Gorilla retten will. Natürlich kann Primatenforscher Dwayne Hubschrauber fliegen. Einfach, weil er’s kann! Der Dwayne sorgt hiermit für den nächsten Amusement-Kracher.

11. Widows – Tödliche Witwen (USA/GB 2018)

Müssen die Frauen mal wieder richten, was ihre Männer verpatzt haben. Das ist bei Kriminellen nicht anders, nur dass in diesem Fall die Bande bei einem verpeilten Coup draufgegangen ist und obendrein Schulden hinterlassen hat. Und so sehen sich die Witwen Viola Davis, Elisabeth Debicki, Cynthia Erivo und Michelle Rodriguez gezwungen, den Bruch zu begehen, zu dem ihre Kerle nicht mehr gekommen sind. Liam Neeson und Colin Farrell in einem Film, beide miese Typen. Von beiden sehe ich mir praktisch alles an, aber lieber in eigenen Filmen, so komme ich nicht in Konflikt. Obwohl, sie haben nur eine gemeinsame Szene, und so gern ich Filme mit Neeson ansehe, Farrell berührt mich ungleich stärker. Hier spielt er einen Politiker, der für anstehende Wahlen kandidiert und in die Fußstapfen seines herrischen Vaters tritt. Er hält eine Rede vor Bürgern und eine noch bemerkenswertere Schimpftirade anschließend im Auto, wirkungsvoll, weil nur seine Stimme zu hören ist, während man partiell das fahrende Auto und die vorbeiziehende Umgebung sieht. Insgesamt fand ich den Thriller etwas langatmig und nicht spannend genug, dabei sorgt Neeson für einen echten Überraschungsmoment. Erneut aber ragt (für mich) Colin Farrell in seiner Darstellung eines abgründigen Charakters heraus.

12. Paris, Texas (D/F 1984)

Hurra, so gehen Kinobilder, so erzeugt man Stimmung! Der verstört wirkende Harry Dean Stanton wird in der texanischen Wüste von seinem Bruder Dean Stockwell aufgegabelt. Vier Jahre war er verschwunden und spricht zunächst nicht. Sein kleiner Sohn Hunter (Hunter Carson) blieb in der Obhut des Bruders und dessen Frau. Stanton nähert sich seinem Kind wieder an und macht sich mit ihm in einem 1958er Ford Ranchero auf den Weg, seine große Liebe und Mutter von Hunter, Jane (Nastassja Kinski), wiederzufinden. Wim Wenders folgt den beiden in sorgfältig komponierten Bildern voll erzählerischer Kraft. Ein melancholisches Roadmovie mit zwei ausdrucksstarken Hauptdarstellern und einer geheimnisvollen Nastassja Kinski.

13. Battleship (USA 2012)

Das ist der zweite Science-Fiction-Quasi-Kriegsfilm, den ich angesehen habe. Aber nur, weil Admiral Liam Neeson das Kommando über den Zerstörer hat und ein internationales Manöver vor der Küste Hawaiis anführt. Er hat Offizier Taylor Kitsch auf dem Kieker, der ausgerechnet des Admirals Tochter Brooklyn Decker heiraten will. Und weil man zuvor Botschaften ins All geschickt hat in der Hoffnung, auf intelligentes Leben zu stoßen, gibt es jetzt die Quittung: Der Flotte plumpst ein riesiges außerirdisches Raumschiff vor den Bug. Bestückt mit unfassbar zerstörerischen Waffen nietet es ein Schiff nach dem anderen in die ewigen Meeresgründe. Eine einzige patriotische Schlachtenorgie, die ich nur schwer und mit Aufmerksamkeitsdefiziten durchgehalten habe. Nah dran am Trash. Obwohl Neeson das Format für einen Admiral mitbringt, ist das der zweite Neeson-Film, der von meiner Festplatte fliegt. Sorry.

14. Djam (F/Griechenland/Türkei 2017)

Einblick in eine fremde (Musik)Kultur: Djam (Daphné Patakia) lebt bei ihrem Stiefvater Kakourgos (Simon Abkarian) auf Lesbos, ihre Mutter ist bereits verstorben. Griechenland ist wirtschaftlich geschwächt, die Flüchtlingskrise hat der Insel Lesbos zugesetzt, die Touristen bleiben aus. Kakourgos’ Ausflugsschiff liegt nicht allein deshalb im Hafen: Er schickt Djam nach Istanbul, um dort eine neue Pleuelstange für das Boot schmieden zu lassen. In der Türkei trifft Djam auf die Französin Avril (Maryne Cayon), die in der Flüchtlingshilfe arbeiten wollte und ausgeraubt worden ist. Die beiden setzen ihren Weg gemeinsam fort und haben einige Widrigkeiten zu bestehen. Djam ist, wie ihre Mutter, eine talentierte Rembetiko-Sängerin und Tänzerin. Rembetiko ist ein Musikstil mit griechischen und türkischen Einflüssen. Diese von Sehnsucht und Weltschmerz getragene Musik prägt den Film und begleitet die beiden jungen Frauen. Ein Roadmovie zu Fuß (die Bahn streikt) in melancholischer Grundstimmung mit Anklängen von „Spiel Bouzouki“ und der Wehmut von „Griechischer Wein“.

Und außerdem:

  • Das krumme Haus (USA/GB 2017)
  • Nach eigenen Regeln (USA 1996)
  • Psycho (USA 1998)
  • Jagd auf einen Unsichtbaren (USA 1992)
  • Zu guter Letzt (USA 2017)

Durchgezappt im Januar 2022

Hier kommt die Durchgezappt-Liste doch noch mal. Mein Programm im Januar war romantisch geprägt: Cary Grant ist Heiratskandidat für gleich drei Damen, während Colin Farrell als reitender (Herzens)Dieb und als Diener mein tragischer Romantikheld ist. Bill Murray benötigt bei Andie MacDowell mehrere Anläufe, und Pierre Richard flirtet als moderner Cyrano mit einer jungen Frau im Internet. Möchte man es so sehen, hat auch Liam Neeson im Flugzeug Non Stop eine Romanze mit Julianne Moore.

Teaser Durchgezappt - Grafitti "Don't trust the TV"

1. Kill the Boss (USA 2011)

Trotz Farrell wird das nicht mein Lieblingsfilm: Drei geplagte Arbeitnehmer wollen ihre Chefs umbringen. Dran glauben sollen die sexlüsterne Jennifer Aniston, der machtbesessene Kevin Spacey und der zugedröhnte Schwachmat Colin Farrell. Aniston überrascht als dunkelhaariger Vamp, der ihren Angestellten unverhohlen sexuell belästigt und erpresst. Darüber musste ich doch lachen: Die Amateurkiller verpulvern versehentlich das Kokain von Boss Farrell und klauben den Stoff wieder zusammen. Das fällt auch bestimmt nicht auf. Farrell überzeugt nicht unbedingt optisch, dafür darstellerisch – das ist ziemlich schräg.

2. Und täglich grüßt das Murmeltier (USA 1993)

Wenn ich in einer Zeitschleife festhinge und diesen Film täglich ansehen müsste, hätte ich wahrscheinlich kein Problem damit: Der mürrische Bill Murray erlebt Tag für Tag denselben Tag und erhält die einmalige Chance, die Dinge mit dem Wissen vom Vortag anders anzugehen und sein Verhalten zu korrigieren. Täglich tritt er bei der zartfühlenden Rita (Andie MacDowell) ins Fettnäpfchen und zieht, so frech wie charmant, Lehren aus seinen Verfehlungen. Eine echte Veränderung seines täglichen Dilemmas geschieht erst, als er Rita gegenüber aufrichtig handelt. Murray ist Meister in Bettszenen ohne Sex! „Bin ich, bin ich – bin ich!“ Mag ich, mag ich – mag ich!

3. Indiskret (USA 1958)

Die berühmte Theaterschauspielerin Ingrid Bergmann verliebt sich in Diplomat Cary Grant, der vorgibt, verheiratet, aber in Trennung zu leben, eben weil er genau das nicht möchte: heiraten! Sie kriegt’s raus und zahlt es ihm mit den Waffen einer Frau heim. Der alte Glanz. Heute sicher bieder. Bergmann und Grant empfinde ich zusammen nicht wirklich passend, der Liebesfunke springt wenig zündend über. In ihrer Wohnung hängen zu viele bunt gerahmte Bilder. 

4. Ein Hauch von Nerz (USA 1961)

Diese beiden zusammen versprühen schon eher ein funkelndes Feuerwerk: Doris Day wird als Pretty Woman von Cary Grant in ein Hauch von Nerz gehüllt. Die Romanze zwischen der arbeitslosen Cathy Timberlake und dem reichen Geschäftsmann Philip Shayne endet wie sie eben enden muss im Happy-End-Kino, und bis dahin sind nur ein paar seichte Wasserpfützen zu überspringen. Egal wie altbacken das sein mag, ich finde Doris Days eleganten Chic und den Glamour dieser alten Hollywood-Filme und Stars immer noch toll. Und ich mag die altmodische, gehobene Art des Flirtens. Das Automaten-Restaurant ist ein Hit! Einmal Backpfeife bitte.

5. Winter’s Tale (USA 2014)

Farrell reitet geschwind den Andalusier und ich gerate ins Schwärmen: Der märchenhafte Liebesfilm mit Fantasy-Elementen grenzt an Kitsch und ist hoffnungslos romantisch. Erzählt wird die Geschichte des Diebs Peter Lake (Colin Farrell mit etwas komischer Frisur), der sich im Jahre 1916 in New York von seinem kriminellen Ziehvater Pearly Soames (Russell Crowe) lossagt. Auf der Flucht rettet ihn in ein wahrlich fantastisches Pferd, auf dessen Rücken Lake entkommt. Der treue Schimmel führt Peter zu einem prächtigen Haus, aus dem er ein letztes Mal etwas stehlen möchte. Als er sich am Tresor zu schaffen macht, wird er der bezaubernden Beverly (Jessica Brown Findlay) gewahr, die im Nebenzimmer Klavier spielt. Sie lädt ihn zum Tee ein. Sie verlieben sich unsterblich ineinander. Aber leider ist sie sehr krank und er kann aus Liebe zu ihr nicht sterben. Irgendwie so, eventuell ist mir etwas von der Handlung entgangen, denn ich konnte nicht aufhören, in Farrells Augen zu lesen. Ich möchte Tee mit ihm trinken! Und wie hübsch die beiden anzusehen sind – ich meine „Pferd“ und Farrell. 

6. Sirene in Blond (USA 1957)

Werbefachmann Tony Randall steht kurz davor, seinen Job zu verlieren, da kann er die berühmte blonde Sirene Jayne Mansfield für eine Lippenstiftwerbung an Land ziehen. Ganz auf Sexbombe Mansfield zugeschnitten, die in diesem Film immer so ulkig quiekt wie Comedian Bülent Ceylan. Ob er sich das bei ihr abgeguckt hat? Hat mir doch nur mittelmäßig gefallen, aber der Vorspann mit den Parodien auf Fernseh-Werbespots ist gediegen!

7. Verdacht (USA 1941)

Cary Grant serviert Joan Fontaine ein Glas Milch, und sie kriegt es mit der nackten Angst zu tun. Das kann nur von Hitchcock sein. Hals über Kopf verliebt sich Fontaine in Grant und heiratet ihn übereilt, ohne viel über ihn zu wissen. Bald hat sie Zweifel an ihrem Angetrauten. Ist er ein Mörder? Gut, aber nicht der allerbeste Hitchcock, finde ich. Das Ende ist nicht ganz rund.

8. Fräulein Julie (GB/Norwegen/Irland/F 2014)

Theatralisch! Intensiv und hochdramatisch gestaltet sich die gefährliche Liebschaft zwischen der Adeligen Fräulein Julie und dem weltgewandten Diener John, beachtlich dargeboten von Jessica Chastain und Colin Farrell. Die norwegische Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann hat das gleichnamige Bühnenstück von August Strindberg aus dem Jahr 1888 adaptiert und von Schweden nach Irland verlegt. Schauplatz ist im Wesentlichen die Küche des Anwesens, in dem Fräulein Julie einsam aufwuchs. Die Handlung vollzieht sich in der Mittsommernacht, und es agieren nur drei Personen: Dritte im Bunde ist die Köchin und Verlobte von John, Kathleen (Samantha Morton): Julie vergnügt sich auf dem Mittsommerfest und tanzt ausgelassen mit Bediensteten. Der Baron, ihr Vater und Johns Herr, ist außer Haus. Julie gesellt sich zum Diener in die Küche und nutzt ihre Stellung, sich John zu ihrem Vergnügen verfügbar zu machen. Julie verspürt eine unklare Sehnsucht nach Veränderung und fühlt sich vom attraktiven und gebildeten Diener angezogen. John findet Julie ebenfalls hübsch und erhofft sich nichts mehr als gesellschaftlichen Aufstieg. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf und Julie setzt ihre Ehre aufs Spiel.

Das „Naturalistische Trauerspiel“ ist geprägt von Anziehung und Zurückweisung, Macht und Demütigung, dem Reiz des Verbotenen, unerfüllten Sehnsüchten und verlorenen Illusionen. Chastain und Farrell zerfleischen sich grandios zwischen Romantik, Liebe, Hass, Gewalt und Manipulation. Kathleen wirkt als Regulativ und moralische Instanz. Mortons ruhige Darstellung ist nicht minder beeindruckend. Das ist wie gefilmtes Theater und erfordert Aufmerksamkeit. Viel Text und melodramatisch. Ullmann bleibt in weiten Teilen dicht an der Vorlage Strindbergs, die Sprache ist lediglich etwas modernisiert. Ich kannte Strindbergs Werk zuvor nicht, umso mehr hat mich die Verwandlung Johns erschrocken und der Wirkung noch dazu, weil ich Farrell so sympathisch finde. Ich habe Strindbergs Text nachgelesen, um einzuordnen, ob ich alles richtig verstanden habe: Ist der stolze Diener John tatsächlich so grausam? Oder auch nur ein Verzweifelter? War es nicht Liebe zwischen den beiden? Jedenfalls weiß John genau, wo er steht – und wohin er nie gelangen wird. Weiter als die Treppen bis zu seinem Herrn wird er nie aufsteigen: „Je ne suis qu’un homme“, sagt John zu Julie: „Ich bin nur ein Mensch!“ Im Original spricht Ire Farrell – das ist gewollt – nordirischen Dialekt, während er eigentlich südirischen Dialekt spricht. Auch ist er im Original ausdrucksstärker.

9. A Thought of Ecstasy (D/USA/CH 2017)

Vorweg sei gesagt: Der Film von und mit RP Kahl lief trotz expliziter Sex- und Nacktszenen auf 3Sat. Das spricht für Kultur, und ein künstlerischer Anspruch ist dem Neo-Noir-Film nicht abzusprechen. Ich war sehr empfänglich für die Atmosphäre und den elektronischen Ambient-Soundtrack: Frank (RP Kahl) erkennt sich und seine 20 Jahre zurückliegende Liebesgeschichte zu Marie in einem Roman wieder und glaubt, dass Marie das Werk unter Pseudonym veröffentlicht hat. Er reist nach Kalifornien, um nach ihr, eigentlich nach seiner verlorenen Liebe zu suchen. Es wird ein teils bizarrer Trip zu sich selbst. Trump. Flirrende Hitze. Die Farben des Films wie von grellem Sonnenlicht ausgebleicht. Szenen. Monologe und Gedanken aus dem Off: „Küssen ist der Anfang von Kannibalismus.“ Straßen, Frank im Auto, deprimiert. In Nahaufnahme. Schweiß und Unmut tropfen aus seinen Poren. Er steht in der Wüste oder unter Autobahnbrücken aus Beton. Er streift durch die Nacht, trifft die geheimnisvolle Literaturagentin Liz Archer (Deborah Kara Unger) und Nina (Ava Verne). Erinnert an Zabriskie Point. Hätte man wahrscheinlich auch ohne Sex-Thema erzählen können. Da muss jeder selber schauen, was er davon hält. 

10. Monsieur Pierre geht online (Ö/F/D/Belgien 2017)

Der große Franzose: Der alte Pierre (Pierre Richard) lebt zurückgezogen in seiner großen Pariser Wohnung und trauert um seine Frau. Zur Ablenkung will ihm seine Tochter Sylvie (Stéphane Bissot) mithilfe des jungen Alex (Yaniss Lespert) das Internet näherbringen. Über ein Datingportal flirtet Pierre mit der jungen Flora (Fanny Valette). Als ein Treffen ansteht, schickt Pierre Cyrano gleich Alex vor, sich für ihn auszugeben. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf. Schon als Teenie habe ich Richard und seine Komik geliebt. Er hat etwas in seinem Wesen, das ihm in die Wiege gelegt worden ist: Gesicht und Augen strahlen eine Grundheiterkeit aus. Selbst im Alter wirkt Richard noch schelmisch und jung, wobei er hervorragend altert. Pierre Richard gelingt es, mich zum Schmunzeln, im besten Fall zum Lachen zu bringen, selbst wenn es mir nicht gut geht. Mit vielen der neuen französischen Komödien kann ich mich nicht mehr ganz anfreunden. Diese hier ist recht charmant. Mit der unverkennbaren Filmmusik von Vladimir Cosma, der auch die meisten früheren Richard-Filme vertonte und in dessen leichten Melodien stets diese Spur Tristesse mitschwingt: zum Heulen!

11. Zu zweit ist es leichter (F/Belgien/Luxemburg 2009)

Eine weitere neuere französische Fernsehkomödie, die mir dank der beiden eigenwilligen Charaktere gut gefällt und ich wiederholt ansehen mochte: Michel Galabru und Luce Radot bilden notgedrungen eine Zweckgemeinschaft: Um seine große Pariser Wohnung nicht zu verlieren, nimmt der alte Joseph Marilyn auf, die in Kürze eine Ausbildung zur Maskenbildnerin für Horrorfilme beginnen wird und ein Zimmer benötigt. Für die Unterkunft soll sie Joseph bei alltäglichen Dingen zur Hand gehen. Da passt so gar nichts zusammen bei den beiden oder doch? Generationenkonflikt, niedlich und liebenswert. 

12. Die Wannseekonferenz (D 2021)

Die Banalität des Bösen: Am 20. Januar 1942 lädt Obergruppenführer Reinhard Heydrich (Philipp Hochmair) vierzehn Reichsfunktionäre zu einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ in eine idyllisch am Wannsee gelegene Villa. In weniger als zwei Stunden wird bei einer Tasse Kaffee über die „Sonderbehandlung“ von 11 Millionen Menschen beraten: Über die „Endlösung der Judenfrage“ herrscht unter den Anwesenden große Einigkeit. Beklemmende Geschichtsstunde!

13. Non Stop (GB/F/USA/Kanada 2014)

Der psychisch angeschlagene Air Marshal Liam Neeson erhält im Flugzeug eine Drohnachricht auf sein Handy: Alle 20 Minuten soll ein Passagier getötet werden, wenn nicht 150 Millionen auf ein Konto überwiesen werden. Wer unter den Flugreisenden ist der Übeltäter? Katz-und-Maus-Spiel auf beengtem Raum. Spannend und toll auf großem Bildschirm! Einer meiner liebsten und besten Streifen aus Neesons Actionfilm-Phase. Gott sei Dank gibt es immer einen Co-Piloten!

14. Das Riesending (D 2021)

Kein Film, aber so sehenswert: Die 90-minütige Dokumentation begleitet Forscher in die Riesending-Schachthöhle. Das Höhlengeflecht im Untersberg dehnt sich auf über 20 Kilometer Länge bis in eine Tiefe von etwas über 1000 Meter aus. Der Eingang befindet sich auf deutscher Seite des zu den Berchtesgadener Alpen gehörenden Bergs und wurde erst 1996 entdeckt. 2014 ging die dramatische Rettung des Bergforschers Johann Westhauser aus der verschachtelten Höhle um die Welt. Westhauser ist Teil der Gruppe, die den Zuschauer in eine faszinierende Welt mit hinab nimmt. Die Männer klettern, kriechen, seilen sich ab und quetschen sich durch beängstigend enge Felsspalten. Helmkameras vermitteln teilweise ein beeindruckendes Dabei-Gefühl, wenn es durch die imposante Bergwelt geht, die von Wasser aus dem Kalkstein gespült worden ist: Hinab in hundert Meter dunkelstes Schwarz zu tosenden Wassern und stillen Bächen, durch Gänge und Felsportale hinein in Hallen wie Kathedralen, vorbei an bizarren Steinstrukturen, durch einen Canyon, durch Matsch und Geröll bis ins nächste Biwak mit Tütensuppe zur Stärkung. Angenehm zurückhaltende Infos von einem Erzähler. Sehr atmosphärisch vertont. Die Forscher bewegen sich wie Astronauten auf einem fremden Planeten. Einfach zuschauen und staunen: Werden die Forscher auf ihrer Entdeckungsreise das Ende der Höhle und einen möglichen Ausgang finden? Packend und unfassbar spannend! Derzeit in der Arte-Mediathek.

Blick zum Untersberg von Salzburg aus
Der Untersberg (rechts) von Salzburg aus gesehen. Foto: Seelenkompott

Und außerdem:

  • Sprachlos in Irland (D 2021)
  • Rat mal, wer zum Essen kommt (USA 1967)
  • Die Teufelshand (F 1943)
  • The Lobster (Griechenland/GB/F/Irland/Niederlande 2015)
  • Immer wenn das Licht ausgeht (F/It 1957)
  • Under the Tree (Island/Dänemark/Polen/D 2017)
  • Vertigo – Aus dem Reich der Toten (USA 1958)
  • Nicht auflegen! (USA 2002)
  • Die Toten von Salzburg – Vergeltung (Österreich 2021)

Durchgezappt im Oktober 2021

Dominierten im Vormonat Frauen mein Fernsehprogramm, sind es im Oktober mit Ausnahme von Glenn Close die Männer: Der Dwayne hat wieder seine Familie gerettet und für gute Unterhaltung gesorgt. Colin Farrell gefiel mir gleich doppelt gut, und Kurt Russel machte in Schwarz eine gute Figur. Bjarne Mädel hatte als Paketbote einiges zu schleppen, während Alain Delon hinter einer Gangsterbande her war. Gerard Butler hat im Weltall versucht, das Wetter wieder in Ordnung zu bringen, und Nathaniel Parker hat mir als Inspector gefallen, aber es war nicht Inspector Lynley. Schließlich: Günther Maria Halmer machte mir als Misanthrop nicht das erste Mal Spaß. Und zu Halloween kann ich etwas Gänsehaut empfehlen.

Graffito Don't trust the TV. Teaser von Durchgezappt auf Seelenkompott

1. Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers (D 2019) 

Von wegen „Trippel trippel, trappel Pony“: Wie dieser Film das Attribut Immenhof erlangen konnte, ist mir schleierhaft. Mit dem unbeschwerten Leben auf einem Ponyhof hat dieses Abenteuer eines Sommers nichts zu tun. Es gibt ja nicht einmal Ponys. Und wo ist die liebe Omi? Hier agiert die next, next, overnext Generation von Dick und Dalli: Die 16-jährige Teenagerin Lou (Leia Holtwick) und ein hoch im Blut stehendes Superpferd à la Fury und Black Beauty stehen im Mittelpunkt der Geschichte um drei verwaiste Schwestern, die den Immenhof betreiben. Lou rettet total kitschig den schwarzen Superhengst aus dem Moor. Der Besitzer (Heiner Lauterbach) des Rennpferds ist Inhaber eines benachbarten Pferdeguts und Kreditgeber für den Immenhof. Lauterbach ist sauer, weil sein A-teures Rennpferd jetzt eine Macke hat. Er rächt sich, indem er den Kredit von den armen drei Schwestern zurückfordert. Lou besitzt natürlich die Gabe einer Pferdeflüsterin und will das edle Ross, an dem alle anderen gescheitert sind, therapieren. Als früheres Pferdemädchen und Liebhaberin der Immenhof-Reihe aus den 50er Jahren habe ich mich vom Filmtitel komplett in die Irre führen lassen. Die talentfreie Hauptdarstellerin ist fast nie auf dem Pferd zu sehen. Da reitet einfach keiner durch die Gegend und singt das fröhliche Ponylied „Trippel trippel, trappel Pony. Doof. Moderne Pferdemädchen mögen’s vielleicht. 

2. Hass (F 1995)

Hass ist krass! Noch krasser umgesetzt von Mathieu Kassovitz in seinem Film La Haine. Es geht um das Elend von französischen Jugendlichen der Banlieue. Der Jude Vinz (Vincent Cassel), der Schwarze Hubert (Hubert Koundé) und Araber Saïd (Saïd Taghmaoui) leben in Chanteloup-les-Vignes nahe Paris umgeben von gleichförmigen Hochhäusern in einem sozialen Brennpunkt. Ihre Realität besteht aus Gewalt, die mehr Gewalt erzeugt, aus Drogen und Konfrontationen mit der Polizei. Sie sind beinahe noch Kinder und sich selbst überlassen. Anstelle einer Perspektive gedeihen Aggressionen. Ihre Aussichten, dem Milieu zu entkommen, tendieren gegen Null. Als bei einem Polizeieinsatz einer von ihnen schwer verletzt wird, schwört Vinz, einen Polizisten zu töten, sollte der Junge sterben. Hass ist ein eindrückliches und erschreckendes Portrait einer aussichtslosen Tristesse. Kassovitz entzieht dem Film die Farbe wie es den Jugendlichen an Farbe in ihrem Leben fehlt. Das Schwarzweiß verstärkt die Trostlosigkeit. Mit starker Bildsprache und schonungslosem Ende. Hass verfehlt seine Wirkung nicht.

3. Flucht aus L. A. (USA 1996)

Kurt Russell rebelliert wieder als Snake Plissken in einem ähnlichen Plot wie 1981 in Die Klapperschlange: Im Jahr 2013 ist Los Angeles nach einem Erdbeben vom Festland abgetrennt und eine düstere Insel für Abtrünnige. Der Gesetzlose Plissken hat keine Wahl: Er muss notgedrungen für den Präsidenten einen Auftrag erledigen oder er stirbt innerhalb weniger Stunden an einem injizierten Virus. Utopia, die Tochter des korrupten Präsidenten hat eine effektive Satellitenwaffe entwendet und sich dem Aufstand gegen ihren Vater angeschlossen. Snake soll die Waffe, eine kleine Fernbedienung, zurückbringen und Utopia töten. Der Präsident ist ein echter Rabenvater, aber was haben wir hier: Ein Typ mit Haaren und Augenklappe in schwarzer Kluft mit langem Ledermantel und ’ner Wumme. Was das ausmacht für den Film! Plissken spricht eigenartig flüsternd, aber der drohende Unterton seiner Stimme lässt keinen Zweifel: „Leg dich bloß nicht mit mir an!“ Und Snake räumt ordentlich auf. Russel ist cool und ansehnlich. Russel macht’s! Ohne ihn wäre es weniger mein Fall. Von John Carpenter und mit Peter Fonda als Pipeline in einer Nebenrolle.

4. Total Recall (USA/Kanada 2012)

Konflikt! Liebhaber des Originals mit Schwarzenegger werden dessen totale Erinnerung stets vorziehen, so ich. Das Remake aber hat Colin Farrell als Douglas Quaid, der nicht mehr so recht weiß, wer er eigentlich ist und ob seine Erinnerungen echt sind. Die Grundstory ist gleich, doch die Kolonie liegt nicht auf dem Mars, sondern in Australien. Von dort führt eine Art Rohrpost-Transporter die Arbeiter durch die Erde hindurch in die am anderen Ende gelegene United Federation of Britain, dem ehemaligen Großbritannien und einzigen Gebiet der Erde, das im Jahr 2084 neben der Kolonie noch bewohnbar ist. Die düstere Atmosphäre erinnert eher an Blade Runner. Die Drei-Busen-Frau taucht (natürlich) auf, und ein Déjà-vu verursacht eine auffällige Frau in gelber Jacke beim Check-In: Haste wohl gedacht! Der Humor des Originals fehlt. Aber ich habe die totale Erinnerung an Farrell!

5. The Last House on the Left (USA 2009)

Dies ist ein Horrorfilm-Remake von Das letzte Haus links aus dem Jahr 1972. Das Original kenne ich allerdings nicht. Hier wird offenbar Gewalt um der Gewalt willen zelebriert: Slasher, Rape und Revenge sind die Genrebegriffe zur Einordnung des Massakers: Mari (Sara Paxton) und Paige (Martha MacIsaac) amüsieren sich mit einem jungen Mann (Spencer Treat Clark) bis dessen Vater nebst Bruder und Freundin unerwartet nach Hause kommt. Daddy ist ein entflohener Sträfling und kann keine Zeugen gebrauchen. Das gewaltbereite Trio entführt die Mädchen. Sohnemann muss mit, er kann gegen seinen grausamen Erzeuger aber nichts ausrichten und den Mädchen nicht helfen. Als der Mörder-Daddy glaubt, Mari getötet zu haben, kann sie fliehen. Die Verbrecher landen schließlich im abgelegenen Ferienhaus der Eltern von Mari. Denen schwant bald etwas Fürchterliches. Spannung kommt durchaus auf, besonders im Elternhaus. Kann, muss man aber nicht ansehen.

6. Der Bruch (DDR 1988)

Berlin 1946, die Stadt liegt in Trümmern. Götz George, Otto Sander und Rolf Hoppe planen den Bruch ihres Lebens: Das Trio will die Einnahmen der Reichsbahn ergaunern, die sicher und trocken im Banktresor schlummern. Das Projekt wird äußerst motiviert, aber wenig professionell umgesetzt. So ein Loch muss halt ganz schön groß gebohrt, gehämmert, gemeißelt und geschweißt werden, damit ein Hoppe durchpasst, und deshalb bieten die Ausgrabungsarbeiten der drei Gauner neben einigen Dialogen den meisten Witz der Krimikomödie. Die Klasse von George, Sander und Hoppe kommt zurückhaltend zum Tragen, würde ich sagen. Ein Bruchteil mehr Tempo hätte etwas von der Langeweile genommen. Auch dabei: Ulrike Krumbiegel, Franziska Troegner und zeit(politisches) Kolorit. Die Geschichte beruht auf einem wahren Einbruch 1951 in die Eisenbahnverkehrskasse. 

7. Der Nebel (USA 2007)

Die Umsetzung einer Geschichte von Stephen King hat einen so schlichten wie effektiven Grusel: Nebel. Dieser Nebel hier bringt außerdem einige beachtliche und gefräßige Viecher hervor. Eines Tages taucht der geheimnisvolle Nebel die Kleinstadt Castle Rock in Maine in einen undurchdringlichen grauen Schleier. David Drayton (Thomas Jane) ist mit seinem kleinen Sohn und Nachbarn auf den Weg ins Stadtzentrum und flüchtet sich vor dem eigenartigen Wetterphänomen mit einigen anderen Menschen in den örtlichen Supermarkt. Ihnen wird klar, dass sie nicht gefahrlos in den Nebel hinaustreten können. Flugs kleben ein paar atomare Rieseninsekten an den Fensterscheiben. Was tun? Mrs Carmody (Marcia Gay Harden) hält den Nebel von Gott gesandt und spaltet die eingeschlossene Gruppe mit ihren – leider nervigen – Reden in zwei Lager. Auch sonst sind die Konflikte der Menschen leidlich, darunter die unnötige Auseinandersetzung schwarzer gegen weißen Mann. Trotzdem gruselig und spannend. Die Viecher wirken sehr effektvoll. Ich verlasse nie mehr das Haus bei Nebel. Fieses Ende!

8. The Quake – Das große Beben (Norwegen 2018)

Ein langweiliger, labiler Typ (Kristoffer Joner) ist der ungewöhnliche Held in diesem Katastrophenfilm, der in Oslo ein schweres Erdbeben losbrechen und einiges zum Wackeln und Einstürzen bringt. Der Film ist die Fortsetzung von The Wave – Die Todeswelle. Darin löst ein Felssturz im Geirangerfjord einen Tsunami aus. Der Geologe Kristian Eikjord leidet noch unter den Folgen der damaligen Ereignisse und lebt getrennt von seiner Frau und Kindern. Er geht Erkenntnissen nach, die auf ein bevorstehendes Erdbeben hindeuten. Verantwortliche glauben ihm nicht und so tut die Erde ohne jede Vorwarnung ihre Pforten auf und verschluckt alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Der Geologe versucht, seine Frau und Tochter aus einem modernen Hochhaus zu retten. Die oberen Etagen des Glaskastens sind schwer in Schieflage geraten. Wie bei Titanic wird der Film erst mit Eintreten der Katastrophe spannender. Einige Szenen in dem einsturzgefährdeten Hochhaus sind recht packend und tricktechnisch ansprechend. Die Vorgeschichte ist so lahm wie der Typ. Nur ein durchschnittliches Beben.

8. Geliefert (D 2021)

Ein empfehlenswerter Fernsehfilm über die Widrigkeiten des Lebens: Bjarne Mädel spielt den alleinerziehenden Vater eines Teenagers. Einst war Volker Profi-Fußballtrainer, doch jetzt muss er sein Geld als Paketbote verdienen. Er malocht 12 Stunden am Tag und trainiert nur noch in seiner Freizeit Kinder im Fußballspielen. Der Job wird so mies bezahlt, dass die Kosten der bevorstehenden Klassenfahrt seines 16-jährigen Sohns nicht drin sind. Der Vater geht deshalb neben seinen Pakettouren einer Schwarzarbeit nach. Der Titel Geliefert kann auf zweierlei Art gelesen werden: Zum einen zeigt der Film die schwere und schlecht bezahlte Arbeit der Paketzusteller auf, zum anderen das persönliche Geliefertsein des Hauptprotagonisten. Mädel kann gut diese derangierten Typen: Hier ist es ein angezählter auf die Fünfzig zugehender Mann, der eigentlich herzensgut ist, dem es aber aus schierer Verzweiflung nicht mehr gelingt, aufrecht zu bleiben. Berührend die Szene, in der Mädel, gepeinigt vom eigenen Versagen, die Fassung verliert und sein Vergehen gesteht. Menschlich!

9. Der Chef (F/Italien 1972)

In Jean-Pierre Melvilles Gangsterballade braucht es der Worte nicht viel und das ist gut so: Ein in den Sommermonaten belebter Küstenort, der menschenleer unter grauem Himmel gespenstisch und unwirklich wirkt. Ein schwarzer Dodge Dart als prima Gangsterkarre, die im Regen langsam heranrollt und in der Nähe einer Bank stoppt. Die Eröffnungssequenz eines Banküberfalls kommt minutenlang ohne Dialog aus und ist wohl der beste Filmanfang, den ich kenne. Im Verlauf des Krimis findet ein noch größerer Coup statt: Satte 20 Minuten schaut man gebannt einem großen Eisenbahnraub zu, während nicht ein einziges Wort gesprochen wird. Das funktioniert ganz wunderbar, ohne langweilig zu sein. Im Gegentei, die Inszenierung des Films ist seine Stärke. Alain Delon ist Der Chef und hinter den Verbrechern her. Der Kommissar geht wenig zimperlich vor und ist fast unsympathischer als die Gangster. Der blaustichige Farbton – ob gewollt oder dem damaligen Filmmaterial geschuldet – unterstreicht die unterkühlte Atmosphäre, eigentlich das kalte, gefühllose Agieren Delons. Mein Fall ist Delon nicht. Catherine Deneuve spielt seine Geliebte, Richard Crenna ist der Kopf der Gangsterbande.

10. Gänsehaut (USA/Australien 2015) und Gänsehaut 2 – Gruseliges Halloween (USA 2018)

Du findest Gartenzwerge echt gruselig? Dann ist Gänsehaut Dein Halloween-Film schlechthin. Augenscheinlich gehöre ich nicht zur primären Zielgruppe dieser Gruselkomödie und doch gefällt sie mir richtig gut: Die filmische Umsetzung der erfolgreichen Jugendbuchreihe des Amerikaners R. L. Stine ist ideen- und temporeich, ohne überdreht zu sein. Ein Yeti, das auf viele viele bunte Smarties steht und eine Horde lebendig gewordener Gartenzwerge sind nur der Anfang dieses Monster-Happenings: Zach Cooper (Dylan Minette) zieht mit seiner Mutter in die Kleinstadt Madison. Im Nachbarhaus lebt der geheimnisvolle Autor R. L. Stine (Jack Black) mit seiner Tochter Hannah (Odeya Rush). Die Teenager freunden sich an. In Stines Haus schlägt Zach eines der Bücher des Schriftstellers auf und befreit auf diese Weise die Holzpuppe Slappy aus den Buchseiten. Slappy ist gar nicht nett und lässt die ganze Monsterschar des Gruselautors frei. Die Tricktechnik ist beachtlich angesichts der Fülle von Monstern, auch wenn diese keine echte Gänsehaut erzeugen. Die Gags zünden mit einer Reichweite über den ganzen Film: Lasset die Halloween-Party beginnen! Mir macht’s richtig Spaß. Auch Gänsehaut 2 ist kurzweilig, bietet von allem nur etwas weniger. Die Jungen Sonny (Jeremy Ray Taylor) und Sam (Callel Harris) sind die liebenswerten Hauptpersonen. Beim Schrottsammeln in einem alten Haus finden sie in einer Truhe ein unscheinbares Buch – und öffnen es: Schwups, da ist Slappy zurück! Und die Halloween-Overkill-Deko des Nachbarn Mr. Chu (Ken Jeong) ist ganz im Sinne Slappys. So schön zu Halloween wie Die Addams Family in verrückter Tradition.

11. Der Hypnotiseur (Schweden 2012)

Im Gegensatz zu Lasse Hallströms Ein ungezähmtes Leben (Durchgezappt im September) hat mir Der Hypnotiseur kaum gefallen, obwohl der Plot recht vielversprechend klingt: Eine Familie wird niedermetzelt, einzig der Sohn überlebt schwer verletzt. Da er kaum vernehmungsfähig, aber der einzige Zeuge ist, lässt der ermittelnde Kommissar Linna (Tobias Zilliacus) den Teenager (Jonatan Bökman) von Arzt Erik Maria Bark (Mikael Persbrandt) unter Hypnose setzen. Was dabei herauskommt, erschreckt die Beteiligten und bringt Bark, der ohnedies mit Eheproblemen zu tun hat und Schlaftabletten schluckt, ein früheres Drama seiner Arbeit zurück. Das Ganze spielt in einem finsteren Stockholm. Ich fand den Krimi langweilig oder konnte keine Geduld dafür aufbringen. So habe ich den Finger nicht von der Doppelte-Geschwindigkeit-Taste der Fernbedienung lassen können – nur um zu gucken, wie es ausgeht.

12. Geostorm (USA 2017)

Die Handlung passt in die Zeit: Im Jahr 2019 häufen sich katastrophale Wetterphänomene, so dass weltweit Satelliten zur Kontrolle des Wetters in Umlauf gebracht werden. Der Entwickler des Dutch Boy genannten Systems, Gerard Butler, musste gehen, nachdem er es ohne Weisung in Betrieb nahm, um Menschen vor Unwettern zu retten. Stattdessen leitet sein Bruder das Projekt. Bruderkonflikt. Nun läuft das System nicht einwandfrei: Ein Satellit über Afghanistan hat Menschen schockgefrostet. Butler soll wieder ran, um den Betriebsausfällen mehrerer Satelliten auf den Grund zu gehen. Er wird ins All zur internationalen Klima-Raumstation geschossen und an Bord von Alexandra Maria Lara, der Kommandantin, empfangen. Es droht eine weltumspannende Wetterkatastrophe. Ja, naja, es geht so: Da ist halt so ein irrer Typ (nicht Trump), der Amerika gern great again sehen möchte und ein Präsident, der in Sicherheit gebracht werden muss. Patriotisch eben. Das Thema ist – klar nicht – wenig wissenschaftlich, sondern vorwiegend auf Mega-Katastrophe, Action und einen finalen Big Bang angelegt. Ein Hauch mehr Anspruch darf gern einmal an den Zuschauer gerichtet werden. So macht Geostorm zwar viel Wind, hat mich aber nicht umgepustet.

13. Die Frau des Nobelpreisträgers (Schweden/USA 2017)

Glenn Close ist die Ehefrau des Nobelpreisträgers Jonathan Pryce. Das Paar reist 1992 nach Stockholm, wo dem Schriftsteller der Nobelpreis für Literatur verliehen werden soll. Für den Autor ist die Verleihung der Höhepunkt seiner herausragenden Karriere. Seine Frau Glenn Close steht zurückhaltend, fürsorglich und fördernd an seiner Seite. Geduldig erträgt sie die Allüren des Egozentrikers. Für die Karriere ihres Mannes hat sie in jungen Jahren das Schreiben aufgegeben, auch in der Annahme, als Frau bliebe ihr Erfolg als Schriftstellerin verwehrt. Ihr Sohn, der ebenfalls schreibt, ist der harten Kritik seines Vaters ausgesetzt. Welchen Anteil die dezente und kluge Frau wirklich am Erfolg ihre Mannes hat, ist bald zu erahnen und wird in Rückblenden erzählt. Close wurde für den Oscar nominiert, hat ihn aber nicht gewonnen – wie noch nie bei acht Nominierungen: Hier sehe ich eine kleine Parallele zu ihrer Filmfigur. Verdient hätte Glenn Close die goldene Statue für ihre Darstellung einer offenbar liebenden Frau und Mutter, hinter deren Fassade es allerdings brodelt. Ihre Umgebung ahnt nichts, als Zuschauer bleibt man eine Weile einziger Zeuge des quälenden Verzichts dieser starken Frau, die Close formidabel spielt.

14. San Andreas (USA 2015)

Oh Mann, der Dwayne „The Rock“ Johnson gefällt und hat mich erneut toll unterhalten. Faszinierend, wie der Mann allen Totalanschlägen auf seinen Körper trotzt: Der Dwayne ist stärker als jedes Containerschiff, das in einem Tsunami auf ihn zurast. Los Angeles erschüttert ein nie dagewesenes Erdbeben der Stärke Neun irgendwas drüber, aber Hubschrauberpilot der Feuerwehr, der Dwayne, ist allenfalls zu erschüttern, wenn es um seine Familie geht. So schraubt er sich mit seiner schon getrennt von ihm lebenden Frau in die Höhe, um die gemeinsame Tochter zu retten, während die Stadt unter ihnen in Brösel zerfällt. Der neue Typ der Frau entpuppt sich derweil als echtes Charakterschwein. Ein Action-Katastrophen-Spektakel ohne Atempause. Keine Angst, der Dwayne wird dich retten!

15. Die Vorsehung (USA 2015)

Die FBI-Ermittler Jeffrey Dean Morgan und Abbie Cornish ermitteln in einer Mordserie: den Opfern wird durch einen tiefen Stich in den Hinterkopf das Leben genommen. Die Toten scheinen keine Gemeinsamkeiten aufzuweisen, das Tatmotiv ist unklar. Die Agents kommen nicht weiter und ziehen Anthony Hopkins zu Rate, der Hellsehen kann. Nur widerwillig erklärt sich der alte Mann bereit, seine Fähigkeiten noch einmal einzusetzen. Die Vorsehungen des Hopkins führen die Ermittler zum Täter. Der Hellseher erkennt, dass er es mit einem ebenbürtigen, nicht zu unterschätzenden Gegner zu tun hat. Eingeschaltet nicht etwa wegen Hopkins, den ich, ohne dass er Hannibal Lecter ist, immer ein wenig zum Fürchten finde, aber wegen Colin Farrell, der in diesem Film im letzten Drittel auftaucht und die eigentlich furchteinflößende Rolle inne hat. Farrell finde ich immer interessanter. 

16. Inspector Gamache – Denn alle tragen Schuld (Kanada 2013)

Hierbei handelt es sich um eine TV-Verfilmung des ersten Falls von Inspector Gamache aus der gleichnamigen Romanreihe von Louise Penny. Ich schaue nur gelegentlich Fernsehkrimis. In diesem Fall hat mich die zufällig aufgeschnappte Vorschau angefüttert und der Umstand, dass der Krimi in Kanada spielt. Armand Gamache (Nathaniel Parker) ermittelt in der überschaubaren Ortschaft Three Pines in ansprechender Landschaft der Provinz von Québec. Die Lehrerin Jane Neal wird durch einen Pfeilschuss getötet. Wer hat die allseits beliebte Lehrerin getötet? Der frankokanadische Inspector mit britischem Einschlag handelt ruhig und überlegt. Unterstützt wird er von Inspector Jean-Guy Beauvoir (Anthony Lemke) und der jungen Polizistin Yvette Nichol (Susanna Fournier). Der teils abwertende Umgang Gamaches mit seiner jungen Kollegin passt nicht ganz ins Bild des ansonsten sym- und empathischen Inspektors. Ein angenehmer Krimi ohne Hektik, Action und Spannung zum Umfallen. Andere könnten dies daher schwerwiegend langweilig empfinden. Leider gibt es keine weiteren Fernsehkrimis mit Gamache. Nathaniel Parker ermittelte zuvor als britischer Inspector Lynley.

17. Mann gesucht, Liebe gefunden (D 2003)

Dieser Fernsehfilm gehört zu den besten und meinen liebsten Komödien mit Günther Maria Halmer in seiner Paraderolle eines mehr oder weniger misanthropischen Typs, der gerade noch liebenswert ist. Hier zankt er sich mit Thekla Carola Wied, Inhaberin einer Partnervermittlung. Nachdem das Finanzamt ihr gegenüber eine hohe Forderung aufmacht, sieht sie sich gezwungen, den gut honorierten Auftrag einer Kundin (Saskia Vester) anzunehmen, die ausgerechnet ihren launischen Nachbarn Wieland Busch (Halmer) kennenlernen möchte. Wohl oder übel muss sie sich mit dem Philosophen und Autor von Die Liebeslüge auseinandersetzen und den Kaktus-Besitzer dazu bringen, sich mit ihrer Kundin zu treffen. Freiwillig macht Halmer auf keinen Fall mit, aber Wied weiß etwas von ihm, das auf keinen Fall an die Öffentlichkeit geraten darf und so muss er gezwungenermaßen mitspielen. Dabei bleibt es nicht aus, dass die Kontrahenten Zeit miteinander verbringen. Der Mann, der nicht an die Liebe glaubt, fühlt sich von Wied bald eingesponnen wie von einer Spinne. Eine Weile zappelt er noch. Die Komödie hält sich gut im Programm und wird bis dato regelmäßig wiederholt, bestimmt nicht von ungefähr, denn sie ist launig und unterhaltsam und macht auch nach dem x-ten Mal Spaß. Aber ich kann nicht glauben, dass dieser Film schon bald 20 Jahre alt ist. Das heißt, ich bin alt…

Und was hast Du so geguckt?