Durchgezappt im Januar 2022

Hier kommt die Durchgezappt-Liste doch noch mal. Mein Programm im Januar war romantisch geprägt: Cary Grant ist Heiratskandidat für gleich drei Damen, während Colin Farrell als reitender (Herzens)Dieb und als Diener mein tragischer Romantikheld ist. Bill Murray benötigt bei Andie MacDowell mehrere Anläufe, und Pierre Richard flirtet als moderner Cyrano mit einer jungen Frau im Internet. Möchte man es so sehen, hat auch Liam Neeson im Flugzeug Non Stop eine Romanze mit Julianne Moore.

Teaser Durchgezappt - Grafitti "Don't trust the TV"

1. Kill the Boss (USA 2011)

Trotz Farrell wird das nicht mein Lieblingsfilm: Drei geplagte Arbeitnehmer wollen ihre Chefs umbringen. Dran glauben sollen die sexlüsterne Jennifer Aniston, der machtbesessene Kevin Spacey und der zugedröhnte Schwachmat Colin Farrell. Aniston überrascht als dunkelhaariger Vamp, der ihren Angestellten unverhohlen sexuell belästigt und erpresst. Darüber musste ich doch lachen: Die Amateurkiller verpulvern versehentlich das Kokain von Boss Farrell und klauben den Stoff wieder zusammen. Das fällt auch bestimmt nicht auf. Farrell überzeugt nicht unbedingt optisch, dafür darstellerisch – das ist ziemlich schräg.

2. Und täglich grüßt das Murmeltier (USA 1993)

Wenn ich in einer Zeitschleife festhinge und diesen Film täglich ansehen müsste, hätte ich wahrscheinlich kein Problem damit: Der mürrische Bill Murray erlebt Tag für Tag denselben Tag und erhält die einmalige Chance, die Dinge mit dem Wissen vom Vortag anders anzugehen und sein Verhalten zu korrigieren. Täglich tritt er bei der zartfühlenden Rita (Andie MacDowell) ins Fettnäpfchen und zieht, so frech wie charmant, Lehren aus seinen Verfehlungen. Eine echte Veränderung seines täglichen Dilemmas geschieht erst, als er Rita gegenüber aufrichtig handelt. Murray ist Meister in Bettszenen ohne Sex! „Bin ich, bin ich – bin ich!“ Mag ich, mag ich – mag ich!

3. Indiskret (USA 1958)

Die berühmte Theaterschauspielerin Ingrid Bergmann verliebt sich in Diplomat Cary Grant, der vorgibt, verheiratet, aber in Trennung zu leben, eben weil er genau das nicht möchte: heiraten! Sie kriegt’s raus und zahlt es ihm mit den Waffen einer Frau heim. Der alte Glanz. Heute sicher bieder. Bergmann und Grant empfinde ich zusammen nicht wirklich passend, der Liebesfunke springt wenig zündend über. In ihrer Wohnung hängen zu viele bunt gerahmte Bilder. 

4. Ein Hauch von Nerz (USA 1961)

Diese beiden zusammen versprühen schon eher ein funkelndes Feuerwerk: Doris Day wird als Pretty Woman von Cary Grant in ein Hauch von Nerz gehüllt. Die Romanze zwischen der arbeitslosen Cathy Timberlake und dem reichen Geschäftsmann Philip Shayne endet wie sie eben enden muss im Happy-End-Kino, und bis dahin sind nur ein paar seichte Wasserpfützen zu überspringen. Egal wie altbacken das sein mag, ich finde Doris Days eleganten Chic und den Glamour dieser alten Hollywood-Filme und Stars immer noch toll. Und ich mag die altmodische, gehobene Art des Flirtens. Das Automaten-Restaurant ist ein Hit! Einmal Backpfeife bitte.

5. Winter’s Tale (USA 2014)

Farrell reitet geschwind den Andalusier und ich gerate ins Schwärmen: Der märchenhafte Liebesfilm mit Fantasy-Elementen grenzt an Kitsch und ist hoffnungslos romantisch. Erzählt wird die Geschichte des Diebs Peter Lake (Colin Farrell mit etwas komischer Frisur), der sich im Jahre 1916 in New York von seinem kriminellen Ziehvater Pearly Soames (Russell Crowe) lossagt. Auf der Flucht rettet ihn in ein wahrlich fantastisches Pferd, auf dessen Rücken Lake entkommt. Der treue Schimmel führt Peter zu einem prächtigen Haus, aus dem er ein letztes Mal etwas stehlen möchte. Als er sich am Tresor zu schaffen macht, wird er der bezaubernden Beverly (Jessica Brown Findlay) gewahr, die im Nebenzimmer Klavier spielt. Sie lädt ihn zum Tee ein. Sie verlieben sich unsterblich ineinander. Aber leider ist sie sehr krank und er kann aus Liebe zu ihr nicht sterben. Irgendwie so, eventuell ist mir etwas von der Handlung entgangen, denn ich konnte nicht aufhören, in Farrells Augen zu lesen. Ich möchte Tee mit ihm trinken! Und wie hübsch die beiden anzusehen sind – ich meine „Pferd“ und Farrell. 

6. Sirene in Blond (USA 1957)

Werbefachmann Tony Randall steht kurz davor, seinen Job zu verlieren, da kann er die berühmte blonde Sirene Jayne Mansfield für eine Lippenstiftwerbung an Land ziehen. Ganz auf Sexbombe Mansfield zugeschnitten, die in diesem Film immer so ulkig quiekt wie Comedian Bülent Ceylan. Ob er sich das bei ihr abgeguckt hat? Hat mir doch nur mittelmäßig gefallen, aber der Vorspann mit den Parodien auf Fernseh-Werbespots ist gediegen!

7. Verdacht (USA 1941)

Cary Grant serviert Joan Fontaine ein Glas Milch, und sie kriegt es mit der nackten Angst zu tun. Das kann nur von Hitchcock sein. Hals über Kopf verliebt sich Fontaine in Grant und heiratet ihn übereilt, ohne viel über ihn zu wissen. Bald hat sie Zweifel an ihrem Angetrauten. Ist er ein Mörder? Gut, aber nicht der allerbeste Hitchcock, finde ich. Das Ende ist nicht ganz rund.

8. Fräulein Julie (GB/Norwegen/Irland/F 2014)

Theatralisch! Intensiv und hochdramatisch gestaltet sich die gefährliche Liebschaft zwischen der Adeligen Fräulein Julie und dem weltgewandten Diener John, beachtlich dargeboten von Jessica Chastain und Colin Farrell. Die norwegische Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann hat das gleichnamige Bühnenstück von August Strindberg aus dem Jahr 1888 adaptiert und von Schweden nach Irland verlegt. Schauplatz ist im Wesentlichen die Küche des Anwesens, in dem Fräulein Julie einsam aufwuchs. Die Handlung vollzieht sich in der Mittsommernacht, und es agieren nur drei Personen: Dritte im Bunde ist die Köchin und Verlobte von John, Kathleen (Samantha Morton): Julie vergnügt sich auf dem Mittsommerfest und tanzt ausgelassen mit Bediensteten. Der Baron, ihr Vater und Johns Herr, ist außer Haus. Julie gesellt sich zum Diener in die Küche und nutzt ihre Stellung, sich John zu ihrem Vergnügen verfügbar zu machen. Julie verspürt eine unklare Sehnsucht nach Veränderung und fühlt sich vom attraktiven und gebildeten Diener angezogen. John findet Julie ebenfalls hübsch und erhofft sich nichts mehr als gesellschaftlichen Aufstieg. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf und Julie setzt ihre Ehre aufs Spiel.

Das „Naturalistische Trauerspiel“ ist geprägt von Anziehung und Zurückweisung, Macht und Demütigung, dem Reiz des Verbotenen, unerfüllten Sehnsüchten und verlorenen Illusionen. Chastain und Farrell zerfleischen sich grandios zwischen Romantik, Liebe, Hass, Gewalt und Manipulation. Kathleen wirkt als Regulativ und moralische Instanz. Mortons ruhige Darstellung ist nicht minder beeindruckend. Das ist wie gefilmtes Theater und erfordert Aufmerksamkeit. Viel Text und melodramatisch. Ullmann bleibt in weiten Teilen dicht an der Vorlage Strindbergs, die Sprache ist lediglich etwas modernisiert. Ich kannte Strindbergs Werk zuvor nicht, umso mehr hat mich die Verwandlung Johns erschrocken und der Wirkung noch dazu, weil ich Farrell so sympathisch finde. Ich habe Strindbergs Text nachgelesen, um einzuordnen, ob ich alles richtig verstanden habe: Ist der stolze Diener John tatsächlich so grausam? Oder auch nur ein Verzweifelter? War es nicht Liebe zwischen den beiden? Jedenfalls weiß John genau, wo er steht – und wohin er nie gelangen wird. Weiter als die Treppen bis zu seinem Herrn wird er nie aufsteigen: „Je ne suis qu’un homme“, sagt John zu Julie: „Ich bin nur ein Mensch!“ Im Original spricht Ire Farrell – das ist gewollt – nordirischen Dialekt, während er eigentlich südirischen Dialekt spricht. Auch ist er im Original ausdrucksstärker.

9. A Thought of Ecstasy (D/USA/CH 2017)

Vorweg sei gesagt: Der Film von und mit RP Kahl lief trotz expliziter Sex- und Nacktszenen auf 3Sat. Das spricht für Kultur, und ein künstlerischer Anspruch ist dem Neo-Noir-Film nicht abzusprechen. Ich war sehr empfänglich für die Atmosphäre und den elektronischen Ambient-Soundtrack: Frank (RP Kahl) erkennt sich und seine 20 Jahre zurückliegende Liebesgeschichte zu Marie in einem Roman wieder und glaubt, dass Marie das Werk unter Pseudonym veröffentlicht hat. Er reist nach Kalifornien, um nach ihr, eigentlich nach seiner verlorenen Liebe zu suchen. Es wird ein teils bizarrer Trip zu sich selbst. Trump. Flirrende Hitze. Die Farben des Films wie von grellem Sonnenlicht ausgebleicht. Szenen. Monologe und Gedanken aus dem Off: „Küssen ist der Anfang von Kannibalismus.“ Straßen, Frank im Auto, deprimiert. In Nahaufnahme. Schweiß und Unmut tropfen aus seinen Poren. Er steht in der Wüste oder unter Autobahnbrücken aus Beton. Er streift durch die Nacht, trifft die geheimnisvolle Literaturagentin Liz Archer (Deborah Kara Unger) und Nina (Ava Verne). Erinnert an Zabriskie Point. Hätte man wahrscheinlich auch ohne Sex-Thema erzählen können. Da muss jeder selber schauen, was er davon hält. 

10. Monsieur Pierre geht online (Ö/F/D/Belgien 2017)

Der große Franzose: Der alte Pierre (Pierre Richard) lebt zurückgezogen in seiner großen Pariser Wohnung und trauert um seine Frau. Zur Ablenkung will ihm seine Tochter Sylvie (Stéphane Bissot) mithilfe des jungen Alex (Yaniss Lespert) das Internet näherbringen. Über ein Datingportal flirtet Pierre mit der jungen Flora (Fanny Valette). Als ein Treffen ansteht, schickt Pierre Cyrano gleich Alex vor, sich für ihn auszugeben. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf. Schon als Teenie habe ich Richard und seine Komik geliebt. Er hat etwas in seinem Wesen, das ihm in die Wiege gelegt worden ist: Gesicht und Augen strahlen eine Grundheiterkeit aus. Selbst im Alter wirkt Richard noch schelmisch und jung, wobei er hervorragend altert. Pierre Richard gelingt es, mich zum Schmunzeln, im besten Fall zum Lachen zu bringen, selbst wenn es mir nicht gut geht. Mit vielen der neuen französischen Komödien kann ich mich nicht mehr ganz anfreunden. Diese hier ist recht charmant. Mit der unverkennbaren Filmmusik von Vladimir Cosma, der auch die meisten früheren Richard-Filme vertonte und in dessen leichten Melodien stets diese Spur Tristesse mitschwingt: zum Heulen!

11. Zu zweit ist es leichter (F/Belgien/Luxemburg 2009)

Eine weitere neuere französische Fernsehkomödie, die mir dank der beiden eigenwilligen Charaktere gut gefällt und ich wiederholt ansehen mochte: Michel Galabru und Luce Radot bilden notgedrungen eine Zweckgemeinschaft: Um seine große Pariser Wohnung nicht zu verlieren, nimmt der alte Joseph Marilyn auf, die in Kürze eine Ausbildung zur Maskenbildnerin für Horrorfilme beginnen wird und ein Zimmer benötigt. Für die Unterkunft soll sie Joseph bei alltäglichen Dingen zur Hand gehen. Da passt so gar nichts zusammen bei den beiden oder doch? Generationenkonflikt, niedlich und liebenswert. 

12. Die Wannseekonferenz (D 2021)

Die Banalität des Bösen: Am 20. Januar 1942 lädt Obergruppenführer Reinhard Heydrich (Philipp Hochmair) vierzehn Reichsfunktionäre zu einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ in eine idyllisch am Wannsee gelegene Villa. In weniger als zwei Stunden wird bei einer Tasse Kaffee über die „Sonderbehandlung“ von 11 Millionen Menschen beraten: Über die „Endlösung der Judenfrage“ herrscht unter den Anwesenden große Einigkeit. Beklemmende Geschichtsstunde!

13. Non Stop (GB/F/USA/Kanada 2014)

Der psychisch angeschlagene Air Marshal Liam Neeson erhält im Flugzeug eine Drohnachricht auf sein Handy: Alle 20 Minuten soll ein Passagier getötet werden, wenn nicht 150 Millionen auf ein Konto überwiesen werden. Wer unter den Flugreisenden ist der Übeltäter? Katz-und-Maus-Spiel auf beengtem Raum. Spannend und toll auf großem Bildschirm! Einer meiner liebsten und besten Streifen aus Neesons Actionfilm-Phase. Gott sei Dank gibt es immer einen Co-Piloten!

14. Das Riesending (D 2021)

Kein Film, aber so sehenswert: Die 90-minütige Dokumentation begleitet Forscher in die Riesending-Schachthöhle. Das Höhlengeflecht im Untersberg dehnt sich auf über 20 Kilometer Länge bis in eine Tiefe von etwas über 1000 Meter aus. Der Eingang befindet sich auf deutscher Seite des zu den Berchtesgadener Alpen gehörenden Bergs und wurde erst 1996 entdeckt. 2014 ging die dramatische Rettung des Bergforschers Johann Westhauser aus der verschachtelten Höhle um die Welt. Westhauser ist Teil der Gruppe, die den Zuschauer in eine faszinierende Welt mit hinab nimmt. Die Männer klettern, kriechen, seilen sich ab und quetschen sich durch beängstigend enge Felsspalten. Helmkameras vermitteln teilweise ein beeindruckendes Dabei-Gefühl, wenn es durch die imposante Bergwelt geht, die von Wasser aus dem Kalkstein gespült worden ist: Hinab in hundert Meter dunkelstes Schwarz zu tosenden Wassern und stillen Bächen, durch Gänge und Felsportale hinein in Hallen wie Kathedralen, vorbei an bizarren Steinstrukturen, durch einen Canyon, durch Matsch und Geröll bis ins nächste Biwak mit Tütensuppe zur Stärkung. Angenehm zurückhaltende Infos von einem Erzähler. Sehr atmosphärisch vertont. Die Forscher bewegen sich wie Astronauten auf einem fremden Planeten. Einfach zuschauen und staunen: Werden die Forscher auf ihrer Entdeckungsreise das Ende der Höhle und einen möglichen Ausgang finden? Packend und unfassbar spannend! Derzeit in der Arte-Mediathek.

Blick zum Untersberg von Salzburg aus
Der Untersberg (rechts) von Salzburg aus gesehen. Foto: Seelenkompott

Und außerdem:

  • Sprachlos in Irland (D 2021)
  • Rat mal, wer zum Essen kommt (USA 1967)
  • Die Teufelshand (F 1943)
  • The Lobster (Griechenland/GB/F/Irland/Niederlande 2015)
  • Immer wenn das Licht ausgeht (F/It 1957)
  • Under the Tree (Island/Dänemark/Polen/D 2017)
  • Vertigo – Aus dem Reich der Toten (USA 1958)
  • Nicht auflegen! (USA 2002)
  • Die Toten von Salzburg – Vergeltung (Österreich 2021)

4 Gedanken zu “Durchgezappt im Januar 2022

  1. „Die Toten von Salzburg“ vergangenen Mittwoch war das Beste, was ich von den dreien plus Oberst gesehen habe.
    „Sprachlos in Irland“ habe ich auch gesehen, war nett und die „Wannseekonferenz“ habe ich bewusst gemieden. (Ich habe schon in der Schule gelernt, worum es grundsätzlich geht und ich hätte es mental nicht durchstehen können…)

    „Und täglich grüßt das Murmeltier“ habe ich vor Jahren gesehen. Seit vielen Monaten habe ich selbst den Eindruck, dass ich auch des Öfteren in einer Zeitschleife gefangen bin.

    Mal schauen, ob Phil am kommenden 2. Februar einen Schatten wirft…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s