Meine TV-Guckliste Juli 2021

Ich stelle fest, dass ich eine altmodische Fernsehguckerin bin, obwohl ich wenigstens einen angesagten und bekannten Streamingdienst abonniere, diesen aber wenig nutze. Schon die Auswahl eines Programms stresst mich und dann habe ich keine Lust mehr. So zappe ich mich doch überwiegend durch das Fernsehprogramm oder durch meine eigene Sammlung auf der Festplatte. Hier habe ich einmal festgehalten, was ich so angeschaut habe im Juli und ein bisschen meinen Senf dazugegeben.

Graffiti Don't trust the TV

1. Der Liebe verfallen (USA 1984)

Oh, diese verdammte Sehnsucht! Dieser Schmerz! Meryl Streep und Robert de Niro leiden, weil sie sich lieben. Aber sie sind verheiratet und haben Kinder, deswegen wagen sie es nicht, ihren Gefühlen nachzugeben. Schließlich trennen sich ihre Wege. Der Zug scheint für sie endgültig abgefahren. In diesem Liebesdrama tobt der Sturm im Inneren der Protagonisten, während die Landschaft ruhig am Zugfenster vorbeizieht. Ihr Liebesleid ist spürbar und (nach)fühlbar. Auf diesen Zug konnte ich aufspringen und mitfahren.

2. Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone (USA 1986)

Genau das Richtige zur Aufhellung trüber Tage: Bette Midler als boshaftes und wehrhaftes Opfer, Judge Reinhold und Helen Slater als naive und sympathische Entführer und Danny de Vito als listiger Geschäftsmann, der seine Frau auf praktische Weise loswerden will und dies teuer bezahlen wird, obwohl er keinerlei Anstalten macht, den Entführern auch nur einen Cent Lösegeld für seine Liebste zu zahlen. Mehr 80er Jahre-Kolorit geht nicht. Garstig und voller Gags. Lieblingsspruch: „Die klopfen an, hätte ich nicht gedacht!“

3. Charlie staubt Millionen ab (GB 1969)

Das ist britisches Understatement: Erst mal mit ’nem Lamborghini Miura die Serpentinen entlangkurven, dann einen Supercoup planen, auf der Flucht mit drei Mini Cooper spektakulär durch Turin heizen, um schließlich in einem Autobus über die Alpen mit dem Gold zu entkommen. Oder doch nicht? Tolle Kinobilder und teure Autoklassiker. Oh, diese Schmerzen, wenn der Bulldozer loslegt! Für Autofans und/oder Fans von Michael Cane.

4. Ein (un)möglicher Härtefall (USA 2003)

Huch, ich habe einen Film mit Clooney George angeguckt. Dieser hier war recht amüsant. Clooney spielt einen Scheidungsanwalt, dessen Spezialität es ist, seine meist männlichen und vermögenden Mandanten ohne nennenswerte finanzielle Verluste durch die Scheidung zu bringen. Als auf der Gegenseite die bombenattraktive Catherine Zeta-Jones steht, gerät er ins Wanken und kann ihr nicht widerstehen. Wird sie die Erste sein, die seinen bombensicheren unangreifbaren Scheidungsvertrag erschüttert? Und wie! Und mit Billy Bob Thornton als Ölmogul in einer schrägen Nebenrolle.

5. Halt nicht an! (NL/B 2019)

Der Plot lässt zunächst an Duell denken, und Steven Spielbergs Frühwerk sollte man sich lieber ansehen als das hier: Eine nervige Familie ist mit dem Auto unterwegs. Es kommt zum Konflikt mit dem Fahrer des Vans vor ihnen. Der macht partout die Überholspur nicht frei. An der Tanke kommt es zur Konfrontation. Im Verlauf des Streits will der Familienvater die vom Fahrer des Vans geforderte Entschuldigung nicht abgeben. Das hat der Papa nun davon: Der Typ im weißen Van nimmt die Verfolgung der Familie auf und wird immer bedrohlicher. Mit Jeroen Spitzenberger, Anniek Pheifer und Willem de Wolf. Halt ich nicht aus!

6. Der weiße Hai 3 (USA 1983)

Der dritte Teil der Reihe mit Dennis Quaid und Bess Armstrong hat eigentlich eine gute Idee, nämlich, dass der fiese Hai in einen Unterwasser-Freizeitpark eindringt und für Schrecken bei den Besuchern sorgt. Ein biss-chen langweilig und schade, dass daraus nicht ein biss-chen mehr geworden ist. Kein wirkliches Hailight. Eben nur ein Biss-chen.

7. Florence Foster Jenkins (GB/F 2016)

Und noch einmal Meryl Streep, dieses Mal in einer Biografie als inbrünstige, aber untalentierte Amateursängerin Florence Foster Jenkins, die unbedingt auf der großen Bühne ein Konzert geben möchte. Der Film ist hübsch ausgestattet und das schräge Gequicke der Florence recht ulkig, aber ich bin für derartige Geräuschbelastungen wohl nicht gemacht. Hugh Grant spielt auch mit.

8. Taxi 5 (F 2018)

Oh, so eine Überraschung: „Die Calzone hat den Ofen verlassen!“ Dass es einen fünften Teil der Reihe gibt, ist an mir vorbeigegangen. Gefunden auf RTL Nitro, wo sonst passt dieses 407er Renntaxi auch hin. Polizist Franck Gastambide, auch Drehbuch, und Kumpel Malik Bentalha bilden das neue Team im aufgemotzten Hightech-Taxi. Die beiden verfolgen italienische Diamantendiebe, die entweder im quietscheentchengelben Ferrari 458 Italia oder einem – ui! – schwarzen Lamborghini Aventador LP700-4 auf der Flucht sind. Ja, so fies hat ein Verbrecher noch nie einen Kaugummi zerschmatzt, während er ein Polizeiauto vollkrass in die Luft sprengt. Von der Hauptbesetzung ist Bernard Farcy als Gibert dabei geblieben, nunmehr als Bürgermeister von Marseille und gerade im Umfragetief. Eine gelungene und spaßige Fortsetzung vollgetankt mit dem Benzin der früheren Teile: Komplett beknackt und sinnfrei, durchaus liebenswert und rasant unterhaltsam. Lachen mit Vollgas!

9. Wasabi – Ein Bulle in Japan (F/Japan 2001)

Die Actionkomödie mit Jean Reno und Ryoko Hirosue war mir nicht mehr genau präsent und bot sich im Anschluss an Taxi 5 im Programm an: Ein Pariser Bulle beerbt seine frühere japanische Geliebte und reist nach Tokio. Dort erfährt er, dass er mit ihr eine mittlerweile 19-jährige Tochter hat, die ein Vermögen erbt, auf das es Verbrecher abgesehen haben. Er muss seine Tochter beschützen. Ich erinnerte mich vor allem an das arg angeknipste Mädchen, deren Gehopse ich noch immer nicht ganz nachvollziehen kann. Sie wirkt wie aus einem Manga entsprungen. Mein Lieblingsfilm wird Wasabi nicht mehr, aber er gefiel mir besser als früher. Kann man sich mal ansehen, wenn es sonst nichts gibt. Bill Murray in Tokio (Lost in Translation) gefällt mir mehr.

10. Mutter kündigt (D 2021)

Die Tragikomödie mit Maren Kroymann habe ich wegen Maren Kroymann angesehen und Maren Kroymann war gut in der Rolle einer Mutter, die ihren drei erwachsenen Kindern das Muttersein aufkündigt und das Erbe in drei gerechten Geldstapeln bar auszahlt. Das klingt nicht nur nach Familienkonflikten: da kann ich wenig mitschwingen. Aber Maren Kroymann war gut.

11. The Mule (USA 2018)

Anarchie und Breaking Bad: Ganz alter Knacker, Clint Eastwood, steht mit seiner Blumenfarm vor der Pleite und Zwangsversteigerung. Er bessert seine Finanzen auf, indem er in seinem Truck als Muli für das mexikanische Drogenkartell kiloweise Kokain kutschiert – was er zunächst nicht weiß. Die Fracht wird mit jeder Tour größer, die Lohntüte immer dicker. Der 90-Jährige ist eigenwillig, aber aufgrund seines Alters und harmlosen Erscheinung erfreulich unauffällig als Drogenkurier. Der Alte hat als Ehemann und Vater versagt. Einzig seine Enkelin hält noch zu ihm. Doch auch seine Frau (Dianne Wiest) hat noch Liebe für ihn übrig. Als sie schwer erkrankt, hält sich der alte Mann nicht an die Vorgaben des Kartells und unterbricht die Fahrt, um bei seiner Frau zu sein. Die Drogenbosse und Polizist Bradley Cooper sind ihm auf den Fersen. Was ist wichtig im Leben, welche Prioritäten setze ich? Super! Inspiriert von einer wahren Geschichte. Eastwood führte auch Regie.

12. Der Wilde (USA 1953)

Marlon Brando ist der charismatische Anführer einer Motorrad-Gang, die eine amerikanische Kleinstadt wie eine wildgewordene Horde Heuschrecken überfällt und die Bewohner aufmischt. Die Rocker in Bluejeans und schwarzen Lederjacken pöbeln, plündern, provozieren, raufen und saufen. Die Halbstarken hängen im örtlichen Café mit angeschlossener Bar herum, wo Anführer Johnny ein Auge auf die Bedienung Kathie (Mary Murphy) wirft. Sie ist die Tochter des Polizisten Harry Bleeker (Robert Keith), der versucht, ruhig auf die Bande einzuwirken. Als Mary von den Jungs mit dem Motorrad verfolgt wird, rettet Johnny sie aus der bedrohlichen Lage und fährt mit ihr auf seiner Triumph Thunderbird davon. Während sich eine gewisse Romanze zwischen den beiden entspinnt, rotten sich die Bürger der Kleinstadt zusammen, um gegen die Rocker vorzugehen. Die Situation eskaliert. Dieses Frühwerk Brandos formte sein Image als Rebell und Jugendidol. Brandos Bildschirmpräsenz ist durchaus eindrucksvoll. Das Drama gilt als einflussreiches Werk auf die Jugend der 1950er Jahre.

13. Das schönste Geschenk meines Lebens (D 2003)

Die Familie steht an erster Stelle. Jutta Speidel ist eine treu sorgende Mutter und Ehefrau. Der Lohn: ihr Mann betrügt sie! Aber da ist doch der nette italienische Kioskinhaber Bruno Maccallini, der im Stillen mit ihr liebäugelt. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag bittet sie ihn kurzerhand, mit ihr zu verreisen. Italien. Amalfi. Amore. Doch als die liebe Familie nachreist, traut sich Jutta Speidel nicht, den charmanten Kioskbesitzer als ihren Liebhaber vorzustellen und degradiert ihn zum Gärtner seines eigenen Feriendomizils. Es kommt zu einigen Missverständnissen. Wird sie sich am Ende für Bruno Maccallini entscheiden? Jedenfalls hat Speidel im wahren Leben zehn Jahre mit Maccallini verbracht. Die beiden waren bis 2013 ein Paar. Vielen geht bei Bruno Maccallini erst hier ein Licht auf: „Isch ’abe gar kein Auto, Signorina!“ Ja, das ist der Mann aus der Kaffee-Werbung der frühen 90er Jahre. In Italien ist Maccallini ein bekannter Schauspieler. Auch hierzulande ist er gelegentlich in TV-Filmen zu sehen, einige zusammen mit Jutta Speidel. Für Maccallini kann man sich schon mal entscheiden und 90 Minuten versüßen lassen.

14. Eine ganz heiße Nummer 2.0

Die Fortsetzung des TV-Films Eine ganz heiße Nummer habe ich wegen Günther Maria Halmer angesehen, der so langsam ins Altenfach wechselt: Er will noch einmal „die Sterne sehen“, bevor er stirbt und hat Telefonsex mit Gisela Schneeberger. Das war auch schon der unterhaltsamste Teil des Films: Das Nest Marienzell hat nur eine – wenn überhaupt – lahme Internetverbindung und leidet unter Bevölkerungsschwund. Die Damen des Dorfes wollen an einem Tanzwettbewerb teilnehmen, um mit der Siegprämie eine schnellere Internetanbindung herzustellen. Mit Jorge González als Tanzcoach. Die Komödie hat mich – Ausnahme Halmer und Schneeberger – nicht zum Lachen gebracht.

15. Royal Corgi – Der Liebling der Queen (B 2019)

Nach Ice Age hat mir praktisch keiner dieser vielen Animationsfilme mehr gefallen. Einige habe ich zugegebenermaßen gar nicht erst angesehen. Meistens sind sie zu laut, zu grell, zu überdreht, zu grob mit lieblosen Dialogen und unerträglich viel  „Uh!“, „Aah!“, „Oh!“ und „Yeah!“-Geschrei. Ein Film über die Lieblingshunde der Queen, dachte ich, ist vielleicht ganz niedlich. Mitnichten und das ist der Punkt: Niedlich ist zwar der ulkige Hund mit dem großen Kopf eines Schäferhundes auf einem Dackelkörper – bis er anfängt zu sprechen. Die Sprache ist wirklich „übelst“ schlimm! Der Film ist für Kinder meiner Meinung nach nicht geeignet, weil er einige gewalttätige Szenen enthält: Der kleine Lieblings-Corgi der Queen wird vom eifersüchtigen Zweit-Corgi gemein von einer Brücke ins Eiswasser gestoßen und droht zu ertrinken. Zuvor empfängt die Queen Trump. Dessen polternder Auftritt ist allerdings einigermaßen mit Wiedererkennungswert dargestellt. First Lady Melania hat eine notgeile Hundedame dabei, die sich dem armen Corgi aufdrängt und sexuell nötigt. Corgi wird aus den Wasser gerettet und landet im Tierheim, in dem es recht düster ist und ein fieser Pitbull das Sagen hat und brutale Kämpfe zwischen den Hunden abhält. Die hübsche Saluki-Hundedame erobert das Herz des Corgi und türmt mit ihm zum Buckingham-Palast zurück, unterstützt von den anderen Hundefreunden. Eine sehr fragwürdige Szene ist die, als Zweit-Corgi Erst-Corgi und seine Herz-Hundedame unter einem Haufen Merchandising-Artikeln, die aus einem Schrank gepurzelt sind, verschüttet werden und der Fies-Corgi den Haufen mit der bewussten Absicht anzündet, die beiden zu verbrennen. Der Film ist ohne Altersbeschränkung freigegeben. Ich weiß nicht. Oder ist der Film eher nicht für Leute über 40 geeignet? Guckt doch mal Susi und Strolch!

7 Gedanken zu “Meine TV-Guckliste Juli 2021

  1. Och, Florence Foster Jenkins ist doch ganz nett und tut niemandem weh 🙂

    Die unglaubliche Entführung der Mrs. Stone kenne ich auch. Das war doch damals Danny de Vito zu seiner größten Zeit, oder?

    Beim weißen Hai bin ich allerdings nie über Teil 1 hinaus gekommen…

    Gefällt 1 Person

  2. Filme 1, 4 und 10 habe ich auch gesehen. Robert DeNiro und Meryl Streep haben wieder brilliert. Dagegen fand ich den Film mit George Clooney beinahe niveaulos. (Geld regiert die Welt. Was aber leider der Wahrheit entspricht.)
    Und „Mutter kündigt“ konnte mich auch nicht so begeistern, obwohl Rainer Bock wieder eine Glanzrolle abgeliefert hat. Ich mag diesen Schauspieler sehr.
    Dafür, dass ich dieses Mal komplett auf das Fußball-EM-Schauen verzichtet hatte, waren die Alternativen im TV dennoch sehenswert.

    Gefällt 1 Person

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