Riesenrad Bellevue in Erfurt

Riesenrad Bellevue in Erfurt

Das Riesenrad Bellevue ist wieder zu Gast in Erfurt und eine der Attraktionen auf dem Oktoberfest, das derzeit auf dem Domplatz stattfindet. Das Rad misst 53 Meter und hat 42 Gondeln. Neben dem Riesenrad rotiert der Gladiator, ein spektakuläres Überschlagkarussell. Gesehen vom Petersberg aus.

Durchgezappt im August 2021

Auch im August habe ich mich wieder durch das Fernsehprogramm gezappt und einige Filme angeschaut. Darunter waren bissige Zombies, Haie und Alligatoren, Die Figuren Nana und Jean Valjean aus Romanklassikern, ein Mops, Miss Marple, zwei ausgesprochen berührende Filme über einen Rodeo-Reiter und eine französische Malerin sowie eine überraschend gelungene Fortsetzung eines Science-Fiction-Klassikers. Mein Bildungsprogramm des Monats setzt sich wie folgt zusammen:

1. Blade Runner 2049 (USA/GB/Kan 2017)

Skeptisch und gespannt war ich auf die Fortsetzung von Blade Runner (1982) und dachte, das kann ja nix werden. Nun gefällt mir das Sequel mit Ryan Gosling wider Erwarten so gut, dass ich erneut reingeschaut habe. Die Referenzen an das Original hinsichtlich Filmmusik und Atmosphäre sind gelungen und die Geschichte glaubwürdig weitererzählt. Glücklicherweise versucht der 2049er Runner nicht, das Original zu kopieren oder zu übertrumpfen und steht überzeugend für sich. Er fällt aber in der Tiefe zur Frage, was den Menschen von der Maschine unterscheidet, gegenüber dem Klassiker ab. Harrison Ford nicht auf Biegen und Brechen als Hauptdarsteller zu besetzen, sondern ihn relativ spät, aber eindrücklich auftreten zu lassen, ist eine gute Entscheidung der Filmemacher gewesen. Blade Runner basiert auf dem Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? von Philip K. Dick aus dem Jahr 1968. Sehens- und lesenswert!

Teaser zu Durchgezappt, ein Graffito mit dem Titel Don't trust the tv

2. Nana (F/It 1955)

Diese Filmversion mit Martine Carol und Charles Boyer lässt nur das Grundgerüst des Romans von Emile Zola übrig, ist aber durchaus passend dargestellt: Die Dirne Nana bezirzt im Revuetheater als Die blonde Venus Männer mit ihren körperlichen Reizen und verwöhnt die reichen Herrschaften auch abseits der Bühne. Sie lässt keine Möglichkeit aus, die Freier seelisch und finanziell auszunehmen. Graf Muffat verfällt ihr und verausgabt sich, wodurch der Mätresse ein kostspieliger Lebensstil gepaart mit gesellschaftlichem Aufstieg möglich wird. Weder für Nana noch für den Grafen nimmt dieses Unglück ein gutes Ende. Hier findet Nana ein vom Roman abweichendes, wohl filmischeres und einfacher zu erzählendes Ende. Nana ist Teil des Zyklus Die Rougon-Macquart, der 20 Romane Zolas umfasst: Der Totschläger erzählt Nanas Vorgeschichte als Kind einer Wäscherin und eines Trinkers: sie endet als Straßendirne. Hieraus wird Nanas Weg und Umgang mit Männern deutlich. 

3. Der Fall Collini (D 2019)

Ferdinand von Schirach steht noch auf meiner Leseliste, denn der frühere Strafverteidiger erklärt wie kein anderer die Juristerei – vor allem zeigt er Diskrepanzen auf. Der Film entstand nach seinem gleichnamigen Roman: Scheinbar grundlos tötet Fabrizio Collini (Franco Nero) den Industriellen Meyer (Manfred Zapatka) und stellt sich anschließend der Polizei. Er wird des Mordes angeklagt. Der junge unerfahrene Anwalt Caspar Leinen (Elyas M’Barek) wird als Pflichtverteidiger bestellt und deckt die tragischen Beweggründe der Tat auf. Schirach lässt den Prozess geschickt enden, so dass für den Leser und Zuschauer die Frage im Raume steht: Wie würden Sie entscheiden? Es spielen außerdem: Heiner Lauterbach und Alexandra Maria Lara. Hintergrund der Geschichte bildet der sogenannte Verjährungsskandal, der auf das Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (EGOWiG) von 1968 zurückgeht. Hiernach war es nicht möglich, Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu ahnden, weil durch die Bestimmungen des Gesetzes bereits Verjährung eingetreten war.

4. 25 km/h (D 2018)

Die Brüder Bjarne Mädel und Lars Eidinger, beide mittleren Alters und von unterschiedlichem Wesen, haben sich entfremdet. Mädel blieb beim zuletzt pflegebedürftigen Vater im Elternhaus, Eidinger zog für die Karriere hinaus in die Welt. Nach dem Tod des Vaters sehen sich die Brüder nach langer Zeit zum ersten Mal wieder und beschließen, einen Jugendtraum in die Tat umzusetzen: Auf Mofas fahren sie mit titelgebenden 25 km/h quer durch Deutschland, wobei sich ihre Konflikte ungebremst offenbaren. Gleichzeitig kommen sich die Brüder wieder näher. So ganz mitgerissen hat mich der Film nicht, obwohl ich Bjarne Mädel gern zusehe und Eidinger Extreme beherrscht. Ich kann nicht genau sagen, warum ich diesen Film nicht besonders mochte, ihn aber auch nicht völlig schlecht fand, da er einige lustige Momente bietet. Vielleicht liegt es an der mir ferne(re)n Gefühlswelt der Brüder, der Männer, und ihrer (männlichen) Ansicht über das Leben und die Frauen sowie ihr Verhältnis zueinander. Männerprobleme halt. Gleichwohl: Der Weg ist das Ziel!

5. Ein Mops zum Verlieben (GB 2018)

Beattie Edmondson, von ihrem Freund sitzengelassen, erbt von ihrer Großmutter einen eigenwilligen Mops. Das Leben der jungen Lehrerin ist fortan chaotischer, denn Mops Patrick stellt so einiges an und guckt jedes Mal soo niedlich und unschuldig mit seinem Mopsgesicht durch die Gegend. Im Park verhilft ihr das pummelige Hündchen zu Männerbekanntschaften. Da ist Tierarzt Oliver sowie Ben, der Vater einer ihrer Schülerinnen. Na, wer von beiden macht wohl das Rennen bei der Mopshalterin, die ihrerseits, nur ungern, auf Wunsch einer Kollegin für einen Wohltätigkeitslauf trainiert? Ach, eigentlich ist das ein sorgenfreier netter kleiner Film mit Sommer, Sonne, bunten Farben, Romantik und einem Mops.  

6. Jeder gegen Jeden (Spanien 2016)

Ich mag doch U-Bahnhöfe so: die Atmosphäre, die Architektur, die Züge, eine kleine Parallelwelt. Da musste ich einfach einschalten: Eine Gruppe von Räubern plant, nach dem Bruch durch einen unterhalb der Bank gelegenen U-Bahn-Tunnel zu fliehen. Ausgerechnet am Tag ihres Raubzugs schüttet es in Valencia wie aus Eimern. Gleichwohl verspricht die protzig mit Marmor vertäfelte Bank reichlich schnöden Mammon. Fette Beute also für Anführer Uruguayo (Rodrigo de la Serna) und seine Helfer. Ziel der Räuber ist der Tresor mit den Schließfächern. Einige Kunden und Angestellte sowie die Leiterin der Bank, Sandra (Patricia Vico), werden als Geiseln festgehalten. Sandra hat schon vor Eintreffen der Räuber schlechte Laune, da ihre Kündigung im Raume steht. Sie fühlt sich deswegen der Bank nicht mehr sehr verbunden und schlägt Räuber Gallego (Luis Tosa) einen Deal vor. Bald belauern und misstrauen sich Uruguayo und Gallego. Jeder scheint eigene Ziele zu verfolgen, aber in Wahrheit geht es um etwas noch viel Brisanteres. Blöd nur, dass der U-Bahn-Tunnel durch den Regen geflutet ist und eine Flucht unmöglich macht. Vergiss Hollywood, Blockbuster kommen jetzt aus Spanien. Mittig flaut der Starkregen etwas ab, und es nieselt etwas, aber die Verhandlungen der Geiselnehmer mit der Polizei sind spannend und geraten zum Nervenpoker: Wer sitzt am längeren Hebel? Werden die Räuber aus der Bank entkommen können?

7. Leave No Trace – Meine Wildnis (USA 2018)

Will (Bill Foster) lebt mit seiner 13 Jahre alten Tochter Tom (Thomasin McKenzie) im Wald in der Nähe von Portland in Oregon. Sie leben nicht etwa in einer Waldhütte, sondern in einem provisorischen Verschlag. Ein Zelt und Schlafsäcke, ein paar Utensilien zum Kochen, ein Schachspiel und einige Bücher, aus denen Tom lernt, zeugen von einem früheren Leben in der Zivilisation. Will ist kein überzeugter Naturbursche, dennoch scheint es sein fester Wille, allen Widrigkeiten zum Trotz frei zu leben. Gerade ob der offensichtlichen Nachteile des ungeschützten Lebens in freier Natur muss Will einen besonderen Grund haben, es vorzuziehen von den Menschen zurückgezogen zu leben. Nur selten begeben sich die beiden in die Stadt, um ein paar Lebensmittel zusätzlich zu ihrer Nahrung, die ihnen die Natur schenkt, zu erwerben. Woher das Geld stammt, erklärt der Film, es soll nicht verraten werden. Eines Tages werden Vater und Tochter entdeckt. Sie geraten in die Fänge der Behörden und müssen psychologische Fragebögen beantworten. Wohlwollend werden Sie an einen Farmer vermittelt, der ihnen ein Häuschen zur Verfügung stellt. Im Gegenzug soll Will helfen, Weihnachtsbäume zu fällen. Während Tom sich unter Menschen gut zurechtfindet, werden Wills Schwierigkeiten offenbar. Er möchte in den Wald zurück. Ein Mensch kann seelisch so schweren Schaden nehmen, dass er es schlicht nicht mehr erträgt, unter Menschen zu sein. Wills Entscheidung ist für mich nachvollziehbar, für seine Tochter aber weitreichend.

8. The Awakening – Geister der Vergangenheit (GB 2011)

Das ist ein nostalgischer Geister-Gruselfilm, dessen Schauplatz ein einsam gelegenes britisches Internat bildet. Die Sonne scheint nie auf das graue Gemäuer, hinter dessen Fassade ausschließlich Jungen unterrichtet werden. Wir schreiben das Jahr 1921: Ein Schüler kommt auf mysteriöse Weise zu Tode. Zuvor sei ihm ein Geist erschienen. Der Lehrer Robert Mallory (Dominic West) bittet die junge Wissenschaftlerin Florence Cathcart (Rebecca Hall) an das Internat, um der Sache auf den Grund zu gehen. Florence glaubt nicht an Geister und hat es sich zur Aufgabe gemacht, derlei Behauptungen wissenschaftlich zu widerlegen. Sie platziert Messgeräte in den Fluren und Zimmern des Internats, um den geheimnisvollen Vorgängen auf die Spur zu kommen. Die Geschehnisse haben mit ihr persönlich mehr zu tun als ihr bewusst ist und plötzlich sieht auch Florence einen Geist. Hui Buh! Der Film ist eher mäßig spannend in mild gruseliger Atmosphäre. Interessant ist, dass im Jahre 1921 eine selbstbewusst auftretende Frau wissenschaftlich agiert und moderne technische Apparaturen ihrer Zeit benutzt. Florence setzt zum Beispiel die damals noch verhältnismäßig junge Fotografie ein und entwickelt in der Dunkelkammer Fotos. Sehr analog! 

9. Heartbreakers – Achtung: Scharfe Kurven (USA 2001)

Sigourney Weaver und Jennifer Love Hewitt bilden ein attraktives Mutter-Tochter-Gespann: Mutter verheiratet sich mit reichem Ray Liotta. Tochter lässt den Angetrauten untreu werden. Mutter lässt sich gewinnbringend scheiden. Mutter heiratet als nächstes Gene Hackman. Liotta will Weaver zurückgewinnen. Für’s Geschäft gar nicht gut, wenn plötzlich sowohl bei Mutter als auch Tochter echte Gefühle für ihre Kerle im Spiel sind. Weaver ist kess, sexy und frech, ungewohnt, wenn man sie vor allem mit Alien in Verbindung bringt. Die Komödie hat ein paar Momente, liegt mir aber insgesamt nicht besonders.

10. Cocoon (USA 1985)

Cocoon gehörte nie zu meinen Lieblingsfilmen und dabei bleibt es, nachdem ich ihn mir nach langer Zeit in Erinnerung gerufen habe: Eine Gruppe Senioren geht in Nachbarschaft zu ihrem Altenheim heimlich im Pool einer leerstehenden Villa schwimmen. Im Schwimmbecken sind eigenartige Rieseneier versenkt. Die Herren entdecken plötzlich die verjüngende Wirkung des Bades. Als erstes bemerken sie natürlich eine Wirkung ähnlich Viagra. Auch sonst fühlen sich die Alten fitter und unternehmungslustiger. Das kann nicht von dieser Welt sein! Irgendwie mag ich’s nicht so. Ok, als Steve Guttenberg die schöne Passagierin seines Schiffs beim Ausziehen beobachtet und seine Erwartungen übererfüllt werden, das ist schon recht witzig.

11. Die Toten von Salzburg – Treibgut (Ö 2021)

Die Krimireihe sehe ich mir wegen Salzburg an, weil ich die Stadt ganz gut kenne und dann immer rate und gucke, wo sich Major Palfinger (Florian Teichtmeister), der österreichische Ermittler im Rollstuhl, und Kommissar Mur (Michael Fitz), der meist mürrische deutsche Ermittler, gerade so bewegen und zu tun haben. In dieser Folge wird eine tote Stadtführerin in einem Koffer ans Ufer der Salzach geschwemmt. Ich find’s leider a bissl fad. Mein Vorschlag für eine Folge: Die Ermittlungen führen die Kommissare zu den Sehenswürdigkeiten der The Sound of Music-Tour: Tote sind im Stift Nonnberg, im Park Hellbrunn und Schloss Leopoldskron zu beklagen. Wer ist der kaltblütige Sound of Music-Killer? Welches Motiv hat er? Wird er so viele Menschen töten wie die Trapp-Familie Kinder hatte oder können ihn Palfinger und Mur vorher aufhalten? Übrigens: Die Mozartkugel ist auch noch nicht Gegenstand irgendwelcher Ermittlungen geworden. Manche würden für die Schoko-Nougat-Marzipan-Pistazien-Kugel töten!

12. London Boulevard (USA/GB 2010)

Einmal Gangster immer Gangster? Colin Farrell wird aus dem Knast entlassen und möchte seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen. Durch seinen Kumpel gerät er in den Dunstkreis eines Gangsterbosses, der ihn anwerben möchte. Farrell lehnt ab und wird Bodyguard der berühmten Schauspielerin Keira Knightley. Als sein obdachloser Freund getötet wird, will Farrell Rache. Der Gangsterboss lässt ihn nicht in Ruhe und kennt keine Gnade. Fazit: Leichen pflastern seinen Weg! Aber Farrell als einsamer Antiheld ist eine Schau. Hot!

13. Agatha Christie’s Marple (GB 2004 – 2013)

Ich bin mal wieder spät dran, denn ein paar Jahre gibt es diese Miss Marple-Reihe ja schon. In letzter Zeit habe ich einige Episoden mit Geraldine McEwan als Miss Marple angesehen, darunter 16 Uhr 50 ab Paddington, Bertram’s Hotel oder Das Geheimnis von Sittaford. Miss Marple ermittelt hier in den 1950er Jahren. Die Serie ist liebevoll ausgestattet und produziert. Besonders augen(ge)fällig ist die elegante und kreative Kameraführung, die effektvolle Perspektiven findet.

14. Endzeit (D 2018)

Zombie-Filme gucke ich eher nicht. Menschen sind auch ohne dies oft zum Fürchten, finde ich. In dieser Endzeit gibt es nach einer Zombie-Apokalypse einzig in Weimar und Jena Überlebende. Wer in Weimar von einem Zombie angeknabbert wird, wird abgeknallt. In Jena wird ein Gegenmittel gesucht. Zwischen den Städten pendelt ein führerloser Schienenbus zum Austausch von Waren. Die 22-jährige Vivi (Gro Swantje Kohlhof) springt auf den Zug auf, um nach Jena zu gelangen. Auch die etwas ältere und forschere Eva (Maja Lehrer) ist an Bord mit dem gleichen Ziel. Leider bleibt der Schienenbus plötzlich auf offener Strecke stehen. Die beiden müssen zu Fuß weiter, und ein paar Zombies sind natürlich auch unterwegs. Ausgerechnet in Weimar und Jena haben Menschen überlebt? Ich bin in der Nähe, da kann ich einer Zombiepandemie vielleicht beruhigter entgegensehen. Womöglich schaffe ich es auch zu Fuß nach Jena. Von dort stammt nämlich Olivia Vieweg, auf deren Comic mit dem gleichen Titel der Film basiert. Endzeit ist ein kontemplativer, recht ruhiger Horrorfilm mit mystischen Elementen. So trifft Vivi auf eine Art Elfen-Frau, deren Gesicht halbseitig von einer rankenden Grünpflanze eingenommen und mit ihr verwachsen zu sein scheint. Die Zombies hingegen – ich kenne mich da nicht so aus, mir ist noch keiner begegnet – attackieren auf typisch blutige und bissige Weise und wecken einen wieder etwas auf. Anders als in gängigen Zombie-Szenarien sind Vivi und Eva nicht bis an die Zähne bewaffnet, sondern sind den Zombiebiestern auf ihrem Weg weitgehend schutzlos ausgeliefert. Der Film hat was. Ich habe mich ein wenig gewundert, wie lange der Akku in Evas Kamera durchhält.

15. Les Misérables (1998 GB/D/USA)

Gérard Depardieu bleibt für mich der einzig wahre Jean Valjean, doch Liam Neeson darf sich gern dicht hinten anstellen! Diese Version in Spielfilmlänge entstand zwei Jahre vor dem Vierteiler mit Depardieu und muss zwangsläufig mit starker Verknappung und leichten Änderungen des Stoffs daherkommen. Dennoch bleibt der Kern der Geschichte von Victor Hugo passabel erhalten. Neeson passt und gefällt mir gut als Valjean. Wenngleich er forscher und aggressiver auftritt als der Valjean aus dem Roman, besitzt er das nötige Charisma für die tragische vom Schicksal belastete Figur. Uma Thurman leidet als Fantine, Geoffrey Rush ist als Inspector Javert Valjean auf den Fersen und Claire Danes ist als Cosette zu sehen. Ja, Neeson war schon vor seiner Karriere als Actionheld in guten Filmen zu sehen.

16. Zeugin der Anklage (USA 2016)

Die Neuverfilmung konzentriert sich auf die Beziehung des Verteidigers zum Angeklagten und die Lebenssituation des Anwalts, insbesondere dessen Beziehung zu seiner Frau. Der Kern des Krimis, der auf einer Kurzgeschichte beziehungsweise Theaterstück von Agatha Christie basiert, bleibt zwar erhalten, die Gerichtsverhandlung macht aber viel weniger von der Spannung und Raffinesse des Originals von Billy Wilder aus. Die grünstichige trübe Sepia-Optik hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich hatte immer das Gefühl, durch eine bemoste Fensterscheibe auf das Geschehen zu schauen.

17. Ödipussi (D 1988)

„Guck mal Frau Tietze“, Vicco von Bülow alias Loriot und Evelyn Hamann kommen sich trotz dominanter Mütter näher, auch wenn sie sich „vom psychologischen Standpunkt“ aus nicht ganz einig sind über Farben für Sofabezüge. Wenn ich da mal „ein frisches Steingrau“ empfehlen darf? „Wie ist doch die Erde so schön, so schön!“, wenn diese Komödie im Programm läuft. Die „Hundnase“ riecht schon das lecker „aufgebratene Püree“, das es dazu gibt. Unsterblicher Humor weit entfernt von „Mausgrau, Staubgrau, Aschgrau, Steingrau…“ Aber Achtung: Bloß kein Violett!

18. The Rider (USA 2017)

Cowboys weinen nicht! Der Titel eines Jugendbuchs von Jo Pestum kam mir in den Sinn bei diesem Neo-Western, der die Geschichte eines Rodeo-Reiters aus South Dakota erzählt. Der junge Pferdetrainer hat sich bei einem Sturz eine schwere Kopfverletzung zugezogen und darf nicht mehr reiten. Doch er hat nichts anderes, die Pferde sind sein Leben. Brady (Brady Jandreau) hat so viel seelische Last zu tragen, dass sie ihn erdrücken könnte. Tapfer hält Brady in der von harten Männern geprägten Rodeo-Welt dagegen. Sein Vater scheint gleichgültig und mit eigenen Problemen beschäftigt, und so übernimmt Brady Verantwortung für seine jüngere geistig behinderte Schwester. Außerdem kümmert er sich liebevoll um seinen besten Freund, der nach einem Rodeo-Unfall fast vollständig gelähmt im Rollstuhl sitzt. Der Hauptprotagonist Brady Jandreau ist Laiendarsteller und spielt in Grundzügen seine eigene Geschichte, was den Film authentisch macht. Auch sein Vater und eigene Schwester spielen sich selbst. Sein Freund Lane Scott ist tatsächlich ein ehemaliger Champion im Rodeo, aber nach einem Autounfall körperlich beeinträchtigt. Sehr bewegend, bedrückend und melancholisch. Mit Nachhall. Ruhig erzählt in epischen, aber nicht kitschigen Bildern. Gemacht von einer Frau. Buch und Regie von Chloé Zhao. Der beeindruckendste Film seit langem. So schön, dass man ihn wie ein gutes Buch ins Regal stellen möchte.

19. Séraphine (F/B 2008)

Die hierzulande wenig bekannte belgische Schauspielerin Yolande Moreau mochte ich neben Gérard Depardieu in Mammuth richtig gern. Sie ist sympathisch und witzig, ihr Spiel berührend. Moreau ist (m)ein Geheimtipp: Diesen Film über das Leben und Schaffen der französischen Malerin Séraphine Louis habe ich nach einigen Jahren zum zweiten Mal angesehen. Séraphine zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen der naiven Malerei Frankreichs. Ihre Motive stellen häufig Blüten und Blätter in kräftigen leuchtenden Farben dar in überschwenglicher Anordnung oder stattliche Bäume auf zumeist dunklem Grund. Der deutsche Kunstsammler Wilhelm Ude (Ulrich Tukur) bemerkt 1912 während seines Frankreich-Aufenthalts in Senlis das künstlerische Talent seiner Zugehfrau Séraphine (Yolande Moreau) und fördert sie. Später leidet Séraphine zunehmend unter Wahnvorstellungen. Moreaus Spiel ist über weite Strecken von stiller rein darstellerischer Kraft. Wenn sie an der Staffelei steht und malt, entsteht beim Betrachter ein Bild, ohne dass er sehen könnte, was sie gerade auf die Leinwand bringt. Wenn sie mit einem Stuhl in der Hand auf den imposanten Baum zugeht, spürt man, welch immense Bedeutung der Baum für sie hat. Ganz toll! Moreau gewann den César als beste Hauptdarstellerin.

20. Meg (USA/China 2018)

Meg? Meg Ryan? Nein, Jason Statham hat es mit einem Megalodon zu tun, so ein Riesenhai aus der Urzeit. Der Knorpelfisch gilt eigentlich als ausgestorben, dabei wissen es einige Tiefseeforscher und Jason Statham besser: Der Megahai von der Größe eines Tankers beißt sich beinahe durch die Unterwasser-Station der Meeresforscher und verschluckt schon mal ein Tauchboot oder ein paar Menschen. Das ist lustig an Stellen anzusehen, die eigentlich nicht lustig gemeint sind und weniger lustig dort, wo es sehr wohl lustig gemeint sein soll. Spätestens das Ende ist einem Film aus der Sharknado-Reihe würdig. Um es mit den Worten Martys in Zurück in die Zukunft II zu sagen: „Der Hai sieht immer noch aus wie eine Attrappe!“ Trotzdem mega unterhaltsam.

21. Crawl (USA 2019)

Noch ein Horrorfilm mit bissigen Tierchen: Fies große Alligatoren haben sich während eines Hurrikans über Florida im großen Keller eines Hauses verkrochen. Haley (Kaya Scodelario) macht sich Sorgen um ihren Vater (Barry Pepper) und findet ihn ohnmächtig im Keller seines Hauses. Das Auge des Hurrikans naht und bringt eine Menge Regen mit. Bald bemerkt Haley, dass sie und ihr Dad nicht allein sind im Keller. Die Riesenschnapper versperren ihnen den Ausweg. Das Wasser steht Haley bis zum Hals und das Kroko lauert. Hier und da gehen bei einigen Protagonisten ein paar Körperteile verloren. Bloß nicht kopflos werden! Aber vielleicht kommt es Haley zugute, dass sie eine schnelle und professionelle Sportschwimmerin ist. Gott sei Dank hat sie im Haus eine Badewanne mit Duschkabinen-Türen!

Und was hast Du so geguckt?

Meine Juli-Liste ist hier zu finden.

Transformer-Hummel und Space Girl auf BUGA

Skaramouche Theater mit Transformer Bumblebee und Space Girl auf Erfurter BUGA

Ein Hauch Starlight Express wehte über das BUGA-Gelände auf dem Erfurter Petersberg. Bei 30 Grad Hitze dürften die Transformer-Hummel Bumblebee und Space Girl in ihren Kostümen ganz schön ins Schwitzen geraten sein. Die beiden scheinen einem Superhelden-Film entsprungen zu sein und sind den Besuchern der Gartenschau sogleich aufgefallen. Ein Selfie mit einem Transformer gibt es auch nicht alle Tage. Die Darsteller gehören zum Skaramouche Theater, das 1989 in Brasilien gegründet worden ist und seit 1992 in Deutschland spielt. Das Theater stellt seine Kostüme selber her und bietet Vorstellungen aus verschiedenen fantasievollen Themenwelten, sei es brasilianischer oder venezianischer Karneval, Kostüme des Barock oder Rokoko, Märchen- oder Fantasiewelten.

Skaramouche Theater mit Transformer Bumblebee und Space Girl auf Erfurter BUGA
Skaramouche Theater mit Transformer Bumblebee und Space Girl auf Erfurter BUGA
Skaramouche Theater mit Transformer Bumblebee und Space Girl auf Erfurter BUGA
Skaramouche Theater mit Transformer Bumblebee und Space Girl auf Erfurter BUGA
Skaramouche Theater mit Transformer Bumblebee und Space Girl auf Erfurter BUGA
Skaramouche Theater mit Transformer Bumblebee und Space Girl auf Erfurter BUGA
Skaramouche Theater mit Transformer Bumblebee und Space Girl auf Erfurter BUGA
Skaramouche Theater mit Transformer Bumblebee und Space Girl auf Erfurter BUGA

Farbenfrohes Stelzentheater erhellt BUGA

Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA

Eine knallgelbe Sonne hat den trüben BUGA-Tag auf dem Erfurter Petersberg erhellt und ein Leuchten in die Augen der Besucher gezaubert. Umgeben von dezenten Klängen erkundete Sol in Begleitung der grünen Quaternio und der roten Tri das Ausstellungsgelände. Die Figuren symbolisieren geometrische Formen: Kreis, Dreieck und Quadrat. Die Theatergruppe Art Tremondo stammt aus Hannover und präsentierte ihr Programm Digaudi. Auf Stelzen wateten die drei Darstellerinnen lächelnd durch das Publikum und wirkten allein durch ihre fantastische Erscheinung und freundlichen Gesten. Diese ruhige und unaufdringliche Darbietung kam ohne gesprochenes Wort aus und beeindruckte gerade deshalb. Inspiriert ist das farbenfrohe Schauspiel von den ebenso bunten Bauten des spanischen Architekten Antoni Gaudí.

Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Stelzentheater Art Tremondo mit dem Programm Digaudi auf dem Erfurter Petersberg zur BUGA
Fotos: Seelenkompott. Alle Rechte vorbehalten.