Gelesen: Peter Falk – Just one more thing

Ist das auf dem Buchcover Peter Falk oder Inspektor Columbo? So sehr Falk Columbo ist, ist Columbo auch Falk, und Falk stellt über jenen Inspektor im Trenchcoat fest:

He absorbed me.

Peter Falk – Just one more thing

Peter Falk erzählt in seinem Buch Just one more thing – Stories from my life unterhaltsame Episoden aus seinem Leben. Die Erinnerungen erschienen 2006 und sind bislang nicht ins Deutsche übersetzt worden. Falks meist nur ein bis drei Seiten lange Geschichten sind auch mit Schulenglisch recht gut zu lesen und zu verstehen. Das Taschenbuch umfasst 280 Seiten, die mit vielen schwarz-weiß Fotos ergänzt sind.

Peter Falk Buch Just One More Thing

Der Buchtitel bezieht sich auf Inspektor Columbo, dem stets „noch eine Kleinigkeit“ einfällt. Gleichfalls Falk, der humorvoll und pointiert berichtet, als würde er sagen: „Du, hör mal, soll ich dir mal was erzählen? Höre dir das an!“ Und Falk kann Sachen erzählen über seine Erlebnisse, seinen Werdegang, über Schauspielkollegen und Ereignisse am Filmset. Natürlich fehlt Columbo in seinen Erzählungen nicht, doch der berühmte Inspektor nimmt keinen übermäßigen Raum ein in Falks Erzählungen. Gleichwohl handeln neun der 64 Kapitel von Columbo, der aus Sicht Peter Falks nicht zu vergleichen ist:

The truth is, no one is like Columbo. He is unique […]

Peter Falk – Just one more thing

Es scheint unmöglich, von Peter Falk zu sprechen, ohne Columbo zu erwähnen. Falk hat diesen einzigartigen Lieutenant, der angezogen ist wie ein „Obdachloser“ und der über den „Geist eines Sherlock Holmes“ verfügt, im Wortsinne verkörpert. Allein Columbos typische Geste, wenn er sich mit der Hand an die Stirn greift, den Kopf leicht schief haltend, während er nachdenkt, das ist eine Eigenart Peter Falks. Er hat den zerstreuten Ermittler geformt, ihm Charakter und Gestalt verliehen. Peter Falk auf Columbo zu reduzieren, wäre schade, denn er hat über Columbo hinaus beeindruckende Rollen gespielt.

Gleich sein erster größerer Kinopart als Auftragskiller Abe Reles „Kid Twist“ im Mafiafilm Unterwelt (Murder, Inc.) bringt ihm 1960 eine Oscarnominierung ein. Erst mit 28 Jahren steht für Falk endgültig fest, dass er Schaupieler sein möchte. Er überlegt, weshalb ihn diese Entscheidung so viel Zeit gekostet hat:

Why did it take so long to decide to be an actor? Obviously fear – fear of failure, but fear by itself is too simple. It was fear coupled with my highly romantic, ridiculously unrealistic notion of what constituted an actor.

Peter Falk – Just one more thing

Falk wird am 16. September 1927 in New York geboren. Mit drei Jahren verliert er durch einen Tumor sein rechtes Auge. Falk beweist Witz im Umgang mit seinem Handicap – in Stories vom Golfplatz und einigen Episoden rund um sein Glasauge im Kapitel mit der Überschrift:

You have you stories and I have eye stories

Peter Falk – Just one more thing

Falk schreibt seine Anekdoten nieder, als erzählte er sie ganz unkompliziert. Seine heiser-raue Stimme mit dem New Yorker Akzent ist aus den Buchzeilen herauszuhören, ebenso sein Lachen und der manchmal diebische Spaß, wenn er sich an bestimmte Erlebnisse erinnert. Die Zuhörer respektive Leser lachen mit Peter Falk, horchen auf und staunen über seine Geschichten wie jene von seiner Verhaftung 1958 auf Kuba. Wegen seiner Filmrolle in Sumpf unter den Füßen (Wind across the Everglades) trägt er sein Haar ein wenig länger sowie einen dunklen Vollbart. Die Polizei sieht ihn auf der Straße und nimmt an, er sei ein Anhänger des Revolutionsführers Fidel Castro. Die Verwechslung klärt sich schnell und Falk kommt wieder frei.

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Der Leser entdeckt einen abenteuerlustigen, neugierigen Mann: Anfang der 1950er Jahre reist Falk mit seiner damaligen Freundin von Paris ins ehemalige Jugoslawien. Staatspräsident Tito hat sich von der Sowjetunion losgesagt:

Were we two airheads? No! Our curiosity was genuine. I was never one for sightseeing and this trip, thank God, wasn’t about visiting museums. That was genuinely exciting. If we weren’t the first Americans behind the Iron Curtain, believe me, there weren’t many ahead of us. We could have gotten in a little earlier, but I got arrested in Trieste.

Peter Falk – Just one more thing

Noch eine Verhaftung? Tatsächlich, Falk wird in Triest verhaftet – und außerdem, wie er schreibt, in Paris und Moskau, aber niemals in den USA. In Triest, weil er nicht ganz legal Geld wechselt. Die Zellentür öffnet sich abermals schnell wieder, und Falk erkundet mit seiner Partnerin Jugoslawien. In einem Camp in der Nähe von Bosnien helfen sie einen Monat lang beim Aufbau einer Eisenbahnlinie. Dieser Umstand führt später zu Falks Ablehnung, als er sich bei der CIA bewirbt.

Nachdem Falks Entschluss feststeht, Schauspieler zu werden, kommentiert sein Vater dies mit den Worten:

You mean you’re going to paint your face and make an ass of yourself for the rest of your life?

Peter Falk – Just one more thing

Der Vater aber schüttelt dem Sohn die Hand und wünscht ihm Glück. Peter Falk hat eine gute Entscheidung getroffen und wird Glück haben: Für seine Darstellung des Sunnyboy „Joy Boy“ in Frank Capras Die unteren Zehntausend (Pocketful of Miracles) erhält Falk 1961 seine zweite Oscarnominierung. Wieder spielt er einen Gangster. Wieder trägt er in dem Film einen Mantel, und zwar denselben wie zuvor in Unterwelt. Es ist Falks Idee. Noch vor Columbos Trenchcoat bringt ihm ein hässlichbrauner Mantel Glück: „Mein Mantel und ich sind wieder nominiert“, kommentiert Falk seine Oscarnominierung.

Peter Falk ist in bemerkenswerten Hollywoodproduktionen zu sehen. Darunter in Eine total, total, verrückte Welt als Taxifahrer, in Das große Rennen rund um die Welt ist er Professor Fates Assistent Max und in Das Schloß in den Ardennen Sgt. Rossi. Unvergessen bleibt seine Darstellung als Meisterdetektiv Sam Diamond in der Krimiparodie Eine Leiche zum Dessert.

Frank Sinatra bietet Falk 1964 für sein Musical Sieben gegen Chicago (Robin and the 7 Hoods) die Rolle des Guy Gisborne an. Falk ist im Konflikt, denn er hat zu jener Zeit die Chance, einen Arzt zu spielen. Einmal keine Gangsterrolle. Sinatra hält ihm den Part frei. Ein anderer soll schließlich den Arzt spielen. Falk sagt Sinatra sofort zu. Falk ist erneut einer dieser gedrungenen 30er Jahre Gangster mit Hut, doch dieses Mal ist er als singender Mafiaboss zu erleben. Falk sagt, er kann keinen Ton treffen. Sinatra sagt, je schlechter er singt, desto besser:

Falk offenbart in seinem Buch, dass er in einem weiteren berühmten Mafiafilm hätte mitspielen sollen: In Der Pate! Als Moe Greene! Falk lehnt den zu kleinen Part jedoch ab.

Bevor Falk sein Talent in Hollywood beweisen kann, besucht er eine Universität, bricht ab und fährt 1945 als knapp 18-Jähriger mit der Handelsmarine zur See – und brät ein Jahr lang als dritter Koch täglich 400 Koteletts. Danach geht Falk wieder zur Uni. Er lernt seine erste Frau Alyce kennen. Falk erwirbt einen Abschluss in Literatur und Politik sowie den Master of Public Administration. Er arbeitet tatsächlich – er kann es selber kaum erklären – in einer Finanzbehörde in Hartford und ist genau dort gelandet, wohin er nie wollte:

I DID NOT WANT TO GO 9-TO-5 IN AN OFFICE

Peter Falk – Just one more thing

Die Materie interessiert ihn nicht. Nebenbei spielt Falk bereits im Laientheater, später am Off-Broadway. Seine Schauspiellehrerin Eva Le Gallienne überzeugt Falk, der sich noch immer nicht als Schauspieler sieht: „Well, you schould be.“

I raced back to Hartford with „Well, you schould be“ ringing in my ears. I got back before the office closed, walked in to the boss, and quit. I’m going to be an actor.

Peter Falk – Just one more thing

Falk kann Gangster, Columbo und Komödien wie Zwei in Teufels Küche (The In-Laws) oder als Juwelenräuber in Happy New Year aus dem Jahr 1987, wo er in drei Rollen zu sehen ist: Als 40-jähriger Juwelendieb, verkleidet als alter Mann und verkleidet als alte Frau, die Falk im Verhalten und ihrer Sprechweise an seine Mutter anlehnt. Einen besonderen Auftritt hat Falk als er selbst 1987 in Wim Wenders Film Der Himmel über Berlin. Falk kann auch Dramen spielen. Und wie er das kann! Eine vergessene Perle ist der Film Liebe ohne Hoffnung (Griffin and Phoenix) von 1976 mit Jill Clayburgh. Falk und Clayburghs Personen sind an Krebs erkrankt. Beide haben nicht mehr lange zu leben. Zunächst wissen sie voneinander nicht, dass sie dasselbe Schicksal teilen. Sie verlieben sich. Sie versuchen, aus der kurzen Zeit, die ihnen bleibt, alles herauszuholen:

Falk spricht in Just one more thing über seine Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem Independent-Filmemacher John Cassavetes. Der holt Falk 1970 für Ehemänner (Husbands) erstmals für einen seiner Filme vor die Kamera. 1974 entsteht der Film Eine Frau unter Einfluss (A woman under the influence). Cassavetes schreibt das Drehbuch und führt Regie. Die Hauptrolle übernimmt seine Frau Gena Rowlands. Das Drama schildert die Geschichte des Ehepaars Mable und Nick Longhetti. Nick ist Bauarbeiter. Mable ist Hausfrau und kümmert sich um die beiden Kinder. Sie ist seelisch labil. Ihr Verhalten wird zunehmend auffällig und bizarr. Nick liebt seine Frau, steht ihrer psychischen Erkrankung bei allem Bemühen aber ratlos gegenüber und antwortet schließlich in einer Extremsituation mit körperlicher Gewalt. Als Nick seine Kollegen zum Essen nach Hause einlädt und Mables Verhalten peinlich für ihn wird, kommt es im Anschluss zu einer Auseinandersetzung, die beispielhaft für Mables und Nicks Unvermögen steht, ihre verworrene Lage zu klären. Neben Gena Rowlands vielgelobter Leistung der intensiven Darstellung einer psychisch kranken Frau, ist auch Peter Falk in seiner Hilflosigkeit hoch beeindruckend:

In der Arte-Dokumentation Peter Falk versus Columbo bringt Falk auf den Punkt, worum es in Cassavetes Film geht:

Igendjemand hatte mal gesagt: Der Mensch ist Gott in Trümmern. Ich glaube, John sah die Trümmer in einer Deutlichkeit, die für den Rest von uns unerträglich wäre. Er war fasziniert vom absoluten Bedürfnis des Menschen, zu lieben und geliebt zu werden – und wie schwierig dies ist.

Peter Falk in Peter Falk versus Columbo

Leicht abgewandelt findet sich dieses Zitat auch in Just one more thing. Ein bisschen schade ist, dass Falk in seinem einzigen Buch nicht mehr von dieser, seiner tiefgründigen, analytischen Seite zeigt. Denn Falk ist klug und belesen. Freundlich und sozial. Er liebt es, stundenlang zu zeichnen. Mit Bleistift und Kohle. Menschen. Einstein. Besonders aber Frauen und Frauenakte nach Modell. Wenn Falk Columbo zeichnet, scheint dies ein Selbstportrait.

Über Peter Falks dunklere Seiten, die kaum zu verifizieren sind, haben andere berichtet. Eigenwillig, launenhaft und streitbar soll er zuweilen gewesen sein, akribisch bis besessen. Richard Lertzman spricht in seinem Buch Beyond Columbo von Falk als „unverbesserlichen Schürzenjäger“ und attestiert ihm Untreue. Falk rauche und trinke zu viel, sei gern mit seinen Freunden zusammen und spiele Poolbillard. Ob dies auf den älteren Peter Falk zutrifft, scheint fraglich. Seine 22 Jahre jüngere zweite Frau Shera Danese bleibt 33 Jahre lang mit Falk verheiratet. Ihre Ehe ist durchaus turbulent. Auf Columbo-Site ist ein Interview mit ihr wiedergegeben. Danese sagt, sie seien durch eine harte Zeit gegangen. Sie seien sich in Nichts einig gewesen. Schließlich hätten sie Zugeständnisse gemacht und ihre jeweils schlechten Angewohnheiten akzeptiert. Danese, ebenfalls Schauspielerin und mehrfach in Columbo-Episoden dabei, gehe allein auf Parties: „Peter ist wirklich einsam. Er liebt es, lange spazieren zu gehen, Sport im Fernsehen zu schauen oder Dokumentationen. Er zeichnet auch gerne. Es ist eine Leidenschaft von ihm.“

Peter Falk entwirft in seinem Buch den perfekten Tag im Himmel:

My idea of heaven is to wake up, have a good breakfast, and spent the rest of the day drawing […]

Peter Falk – Just one more thing

Peter Falk erkrankt zirka 2007 an Alzheimer. Er stirbt am 23. Juni 2011 in seinem Haus in Beverly Hills mit 83 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Falk habe sich zuletzt nicht mehr an Columbo erinnern können.

Just one more thing – Falk bleibt unvergessen. Nicht nur als Columbo.

Serienmittwoch: Gruselhäuser und Züge

Beim Serienmittwoch stellt Corlys Lesewelt regelmäßig Fragen rund um das Thema Serien und Filme. Jeder darf mitmachen und seine Favoriten vorstellen. Heute lautet die Frage:

Welches Setting magst du am liebsten?

Ich mag Filme, die in unheimlichen Häusern oder Schlössern spielen gepaart mit Gruselelementen aus Blitz und Donner, Nebel, Finsternis, quietschenden Türen und Geheimgängen, flackernden Kerzen, Wandgemälden mit lebendigen Augen, schrecklichen Geräuschen, unheimlichen Butlern oder Gärtnern.

In den furchteinflößenden Häusern versammelt sich eine Gruppe von Menschen über Nacht. Wenigstens eine Person wird den nächsten Morgen nicht mehr erleben. Man weiß nicht, wer Freund ist und wer Feind. All dies ist vereint in meinen Lieblingsfilmen zu diesem Setting: Eine Leiche zum Dessert und Hochzeitsnacht im Geisterschloß.

Meine Liste mit Filmen in Gruselhäusern
  • Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death) von 1976 mit Peter Falk, David Niven, Peter Sellers u.v. a. Stars.
  • Hochzeitsnacht im Geisterschloß (Haunted Honeymoon) von 1986 mit Gene Wilder.
  • Alle Mörder sind schon da (Clue: The Movie) von 1985 mit Tim Curry.
  • Das Geisterschloss (The Haunting) von 1999 mit Liam Neeson.
  • Erbschaft um Mitternacht (The Cat and the Canary) von 1939 mit Bob Hope.
  • Die Geistervilla (The Haunted Mansion) von 2003 mit Eddie Murphy.

Filme, die in Zügen oder U-Bahnen spielen, gefallen mir auch sehr:

  • Trans-Amerika-Express (Silver Streak) von 1976 mit Gene Wilder und Richard Pryor.
  • Mord im Orient Express (Murder on the Orient Express) von 1974 mit Albert Finney, Lauren Bacall, Ingrid Bergman u. v. a. Stars.
  • Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 (The Taking of Pelham One Two Three) von 1974 mit Walter Matthau.
  • Eine Dame verschwindet (The Lady Vanishes) von 1938 mit Margaret Lockwood.
  • The Commuter (The Commuter) von 2018 mit Liam Neeson.
  • Narrow Margin – 12 Stunden Angst (Narrow Margin) von 1990 mit Gene Hackmann und Anne Archer.
  • Express in die Hölle (Runaway Train) von 1985 mit Eric Roberts.
  • Subway (Subway) von 1985 mit Isabelle Adjani und Christopher Lambert.

Der Serienmittwoch wird von Corlys Lesewelt ausgerichtet. Dort können die jeweiligen Fragen eingesehen werden.

Serienmittwoch

Foto der Woche: Katze

Diese rote Katze ist mir über den Weg gelaufen, kreuzte den Schatten meiner Selbst und ist heute mein Foto der Woche bei der Mitmachaktion von Aequitas et Veritas.

Rote Katze

Beim Foto der Woche wird wöchentlich sonntags oder an einem anderen beliebigen Tag ein besonderes Foto gezeigt und beschrieben. Die Fotoaktion wird von Aequitas et Veritas so beschrieben:

Bei dieser Aktion geht es darum, im Laufe einer Woche ein Foto von etwas zu schießen, über das man stolpert […] Und dann kann man dazu schreiben, warum man sich gerade für dieses Motiv entschieden hat […]

Die blaue Girlande

Ich habe ein neues Motiv in meinem Malbuch begonnen. Der rote Faden wird die blaue Girlande werden. Die noch nicht angepinselten Fischlein werde ich wahrscheinlich hauptsächlich blau anmalen.

Motiv aus dem Malbuch Lost Ocean von Johanna Basford

Eine ruhige Hand beim Malen ist von Vorteil. Kleine Patzer sind schnell passiert. Ich habe das Interesse noch nicht verloren, und bin motiviert, das Bild fertig auszumalen. Allerdings brauche ich meine Lesebrille, damit ich die feinen Linien treffe 😉

Motiv aus dem Malbuch Lost Ocean von Johanna Basford
Die Motive stammen aus dem Malbuch Lost Ocean von Johanna Basford