Das Leben ist kein Ponyhof

Ponyreiter

Das Leben ist kein Ponyhof, sagt man. Nicht eitel Sonnenschein. Und so reitet man durchs Leben. Entspannt und gelassen wie Freizeitreiter. Mit dem Anspruch, jedes Hindernis zu überwinden wie Springreiter, auch wenn gelegentlich eine Stange fällt. Kontrolliert, mit Haltung wie Dressurreiter. Draufgängerisch wie Militaryreiter. Ungezügelt, losgelassen wie Westernreiter. Hastig, atemlos, ohne Stillstand wie Rennreiter. Bodenständig, robust, über Stock und Stein wie Geländereiter. So reitet man dahin, und mancher findet die Freude des Ponyreiters nicht mehr, wenn alles grau und mau ist. Denn das Leben ist kein Ponyhof. Unbeschwert und frei, mit Elan und kreativem Geist wie ein Ponyreiter sollte man dahinreiten. Denn das Leben ist ein Ponyhof.

Text und Foto: Seelenkompott

Karussell-Hero Superman

Krakenkarussell "Heroes Out of Control" mit Superman-Motiv

Dieses Krakenkarussell heißt Heroes – Out of Control. Irgendwie ist mir dabei die Farbe außer Kontrolle geraten. Wahrscheinlich hat der Aktionheld meine Kamera mit seinem Laserblick ins Visier genommen. Superman trägt deshalb ab sofort einen neuen Anzug. Immer in Blau und Rot ist ihm vielleicht auf Dauer auch zu langweilig. Den beiden Mädchen im Wagen scheint es zu gefallen – jedenfalls die rasante Karussellfahrt.

Unterm Kirschblütendach

Foto-Hotspot Blühende Zierkirschen

Das kleine Rasenkarree an einer Straßenecke ist dieser Tage zum Foto-Hotspot geworden. Die Zierkirschen stehen in voller Blüte. Die Bäume gewähren durch ein Portal aus Ästen Einlass unter ihr rosa Blütendach, und in dieser zauberhaften kleinen Welt lässt sich gut eine kurze Auszeit vom Alltag nehmen. Unter dem üppigen Blütengewölbe summt und surrt es in einem fort, Bienen sammeln unermüdlich Nektar. Doch nicht nur fleißige Insekten fühlen sich magisch angezogen, auch die Menschen: sie sammeln fleißig Fotos.

Blühende Zierkirsche
Blühende Zierkirsche
Blühende Zierkirsche
Blühende Zierkirsche
Blühende Zierkirsche
Blühende Zierkirsche
Foto-Hotspot Blühende Zierkirschen und ein daneben geparktes Tuk Tuk
Biene an Blüte der ZIerkirsche
Blühende Zierkirsche
Blühende Zierkirsche
Blühende Zierkirsche
Blühende Zierkirsche
Blühende Zierkirsche
Blühende Zierkirsche

Biene an Blüte der ZIerkirsche

Fotos © 2022 Seelenkompott

Gelesen: Und Nietzsche weinte von Irvin D. Yalom

Der Psychoanalytiker Irvin D. Yalom befasst sich in seinem 1992 erschienenen Roman Und Nietzsche weinte mit den Anfängen der Psychoanalyse. Dramaturgischen Pfiff erzielt der Autor indem er Josef Breuer und Friedrich Nietzsche aufeinandertreffen lässt. Die Zeitgenossen sind sich im wahren Leben nie begegnet, doch ein Thema eint sie: die Obsession für eine Frau. Der Arzt und der Philosoph setzen sich in schmerzvollen Gesprächen mit ihrer Verzweiflung auseinander, wobei Nietzsche die Rolle des Arztes, Breuer die des Patienten einzunehmen scheint. Als Nebenfigur und Breuers Schützling wirkt Sigmund Freud, der kurze Zeit später die Psychoanalyse begründen sollte.

Taschenbuchausgabe von Und Nietzsche weinte von Irvin D. Yalom

Fin de siècle, 1882: Die junge Russin Lou Salomé sucht den bekannten Wiener Arzt Josef Breuer auf. Ihr Anliegen ist ebenso dringend wie ungewöhnlich: Breuer soll ihren Freund Friedrich Nietzsche von der Verzweiflung kurieren!

Es gibt keine Arznei gegen die Verzweiflung, keinen Arzt für die Seele.

Breuer in Und Nietzsche weinte von Irvin D. Yalom

Lou Salomé beharrt, sie habe von Breuers Erfolgen einer neuartigen „Redekur“ gehört, die er bei seiner Patientin Anna O. angewandt habe. Wahrhaftig, Breuer entdeckte, dass ein (körperliches) Symptom von selbst verschwindet, nachdem die Patientin über dessen auslösende (psychische) Ursache gesprochen hat. Wenn man nun Verzweiflung als Symptom betrachte? Die Freidenkerin Salomé drängt Breuer, seine Methode auch bei Nietzsche anzuwenden. Zögerlich willigt der Arzt ein. Mit einer List lotsen sie Nietzsche in Breuers Praxis. Der Kranke soll keinesfalls erfahren, dass Salomé vermittelt hat, denn Nietzsche leidet, seit sie seinen Heiratsantrag abgewiesen hat. Kein Arzt konnte bislang Nietzsche nachhaltig helfen, seine Krankenakte ist umfangreich. Der depressive Philosoph leidet vordergründig an einer Fülle von körperlichen Symptomen, besonders unter quälender Migräne. Nietzsche mag nicht so recht reden und zieht sich zurück, sobald Breuer sich ihm seelisch nähern will. So nutzt der Arzt einen Kniff: er bittet Nietzsche, ihn von seiner Obsession für seine Patientin Anna O. zu heilen. Bald scheint der tatsächlich verzweifelte Breuer weniger Arzt als Patient, während Nietzsche sich als Therapeut bei der Anwendung dieser „gänzlich neuen Wissenschaft, der Diagnostik der Verzweiflung“ nicht schlecht macht.

Ich kuriere keine Verzweiflung, Doktor Breuer, ich studiere sie. Verzweiflung ist der Preis, den man für die Selbsterkenntnis zu zahlen hat. So tief man in das Leben sieht, so tief sieht man in das Leiden.

Nietzsche in Und Nietzsche weinte von Irvin D. Yalom
Fazit

Und Nietzsche weinte ist ein aufschlussreiches Lehrstück über Psychologie und eignet sich zum Einstieg ins Thema. Yalom, Jahrgang 1931, schildert anhand seiner Protagonisten in eleganter und klarer Sprache anschaulich das Wesen der Psychoanalyse. Der erfahrene Us-amerikanische Psychotherapeut verwebt wahre Lebensumstände der Persönlichkeiten mit Fiktion und klärt darüber in einem Nachwort auf. Aber wie gut hätten Gespräche zwischen den beiden von Liebeskummer geplagten Männern psycho-logisch exakt wie geschildert ablaufen können und wie sehr hätten Breuer und Nietzsche von ihren tiefgründigen Gesprächen profitieren können? Man bedauert, dass sich die beiden nie getroffen haben, und so bleibt dem Leser, an den gedachten Gesprächen Breuers und Nietzsches zu partizipieren und ihrerseits zu profitieren.

Irvin D. Yaloms Probanden gehen in ihren Dialogen dem Übel auf den Grund, was auch ein bisschen Arbeit für den Leser bedeutet, denn eine Psychoanalyse bedeutet unbedingt Arbeit, Denkarbeit: schwere Arbeit an sich selbst, um die eigenen „Mitternächte der Seele“ – wie Nietzsche es nennt – zu ergründen. Yaloms Werk ist kein Leitfaden der Sorte Wie Sie in 5 einfachen Schritten sich selbst erkennen. So steht die hart erarbeitete Erkenntnis am Ende  – und einige Tränen. Noch über allem steht Nietzsches Credo: „Werde, der du bist.“ Keiner jedoch scheint mehr Mühe damit zu haben als Nietzsche selbst.

Persönliches Fazit

Ohne Colin Farrell hätte ich das Buch womöglich nicht entdeckt. Er nennt Und Nietzsche weinte eines seiner Lieblingsbücher. So hat Farrell mich fast schicksalhaft zu einem Werk geführt, dessen Inhalt mich ungemein tangiert. Das oben abgebildete Mini-Taschenbuch mit 630 Seiten war zum Schluss vollgespickt mit Lesezeichen. Yaloms gehaltvoller Roman hat mir vor allem bestimmte bereits vorhandene eigene Erkenntnis bestätigt. Dieser Umstand stellt eine gewisse Wohltat für mich dar, zu wissen, dass meine Schlussfolgerungen in eigener Sache nicht irrig sind. Erkenntnis ist das eine, die Lösung eines Problems das andere. Länger schon halte ich es mit Fjodor Dostojewski, dessen Protagonist in Aufzeichnungen aus dem Kellerloch zu dem Schluss kommt, dass die Erkenntnis an sich eine Krankheit sei. Diese auch Aufzeichnungen aus dem Untergrund genannte Niederschrift eines Mannes mittleren Alters die eigene Existenz betreffend schätzte schon Nietzsche. Auch Yalom zitiert an einer Stelle kurz aus Dostojewskis empfehlenswerten Roman. Bleibt mir, keine Farrell-Obsession zu entwickeln und mich den Worten von Yaloms Nietzsche anzuschließen: „Im Grunde kann keiner dem anderen helfen, immer muss man Kraft finden, sich selbst zu helfen.“ Vielen Dank, Colin Farrell!

Desperation will allow you to do incredible things in the name of survival.

Der Schauspieler Colin Farrell

Durchgezappt im Februar 2022

Der Fernseh-Februar steht im Zeichen der 2: Zwei Kriegsfilme standen auf meinem Programm und damit ein wenig bevorzugtes Genre. Zwei Helden in Schwarz aus Comics waren dabei und gleich zwei Neeson-Filme fliegen wieder von meiner Festplatte. Außerdem hatte ein japanischer Anime-Film Premiere bei mir. Colin Farrell hat die 2 nicht geschafft und ist nur einmal dabei, und schließlich habe ich den Musikstil Rembetiko kennengelernt. 

Teaser Durchgezappt

1. Hard Powder (GB/Nor/Kan/USA 2019)

Liam Neeson räumt in Colorado eine Menge Schnee und Verbrecher aus dem Weg. Der Schneepflugfahrer und unbescholtene „Bürger des Jahres“ mutiert zum erbarmungslosen Rächer, als sein Sohn vom Drogenkartell ermordet wird. Schwarzhumoriges Schneegestöber, wobei der Witz nicht ganz angekommen ist bei mir. Viele Tote und ein brutal agierender Neeson. Drogenboss Tom Bateman beeindruckt allerdings als fiesester Fiesling, den man sich denken kann. Als Kontrahent hat er den indianischen Drogenbaron White Bull (Tom Jackson) in Verdacht. Kommt er Neeson auf die Schliche? Wer räumt wen (zuerst) aus dem Weg? Am meisten hat mir die Gute-Nacht-Geschichte gefallen, die Neeson dem Jungen des Drogenbosses vorliest. Bester Gag und Szene, so gefällt mir Neeson.

2. Reise zum Mittelpunkt der Erde (USA/Island 2008)

Ganz im Sinne Jule Vernes begibt sich Vulkanologe Brendan Fraser in Island mit seinem 13-jährigen Neffen Josh Hutcherson und Bergführerin Anita Briem auf eine fantastische Reise ins Innere der Erde. Auf ihrer Route durch den Berg hinab in die Tiefe erleben sie einige Abenteuer und entdecken magische Welten. Keine direkte Umsetzung des Romans, aber der Film atmet dessen Geist und Abenteuer. Unterhaltsam. Gefällt mir, schön für einen Sonntagnachmittag. Jedenfalls bin ich eine Vernianerin

3. Batman Begins (USA/GB 2005)

Trotz beachtlicher Starbesetzung, trotz Nolan, dieser Batman gefällt mir nicht. Ich finde Christian Bale nicht charismatisch genug und ohne seinen Batman-Anzug langweilig. Da gibt es aber andere Ansichten. Weder fand ich Batmans komische, tiefe Stimme toll noch das brachiale Batmobil. Nicht einmal Liam Neeson als Ra’s al Ghul gefiel mir sonderlich. Michael Cane als Butler Alfred ist sympathisch und passt gut in die Rolle. Auch Gary Oldman als Sergeant Gordon ragt heraus. Die Story erzählt, wie der Junge Bruce Wayne zu Batman wird. Der Fledermausmann bekommt es hier mit der Vogelscheuche Scarecrow zu tun. Das ist der erste Film mit Neeson, der von meiner Festplatte fliegt. Sorry.

4. Venom (USA 2018)

Tom Hardy lässt das Monster raushängen: Er dient einer außerirdischen symbiotischen Lebensform als Wirt und verfügt fortan über besondere Kräfte. Die Spezies namens Venom nimmt gelegentlich die Form einer vielzahnigen schwarzen Scheusalskreatur an und will offenbar eine Invasion der Erde durch seine Artgenossen verhindern. Das Ganze geschieht recht actionreich. So, das war mein Ausflug ins Marvel-Universum, der sich wahrscheinlich nicht so schnell wiederholen wird.

5. Systemsprenger (D 2019)

Die eigene Mutter, das Jugendamt, Therapeuten und Betreuer sind überfordert mit der geballten rosa Wut, die von Benni (Helena Zengel) ausgeht. Die 9-Jährige ist ein sogenannter „Systemsprenger“, keine Maßnahme greift, das Kind ist nicht integrierbar und durch seine Verhaltensauffälligkeiten kaum zu bändigen und gar eine Gefahr für seine Umgebung. Sehr erstaunlich, wo die Jungdarstellerin Zengel diese dramatischen Persönlichkeitsmerkmale herholt und eindrucksvoll vorträgt. Mein Hauptgedanke ist: Sei es noch so aufrichtig bemüht von Seiten der Helfenden, man kann so einem Kind vielleicht nicht nur halb geben. Mit der Ablehnung kann es umgehen, das kennt sie. Aber wer, wenn nichtmal die eigene Mutter es schafft, kann so ein gefährliches Wutknäuel aus vollstem Herzen lieben und annehmen. Ein Dilemma mit Sprengkraft.

6. Life (USA 2017)

Astronauten untersuchen an Bord der Internationalen Raumstation ISS eine Bodenprobe vom Mars. Und, ach wie niedlich, es lebt! Das außerirdische lebendige Etwas ist ganz klein und putzig anzusehen. Das Team um Jake Gyllenhaal, Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds und Hiroyuki Sanada ist ganz fasziniert. Doch das Es entwächst schnell der Petrischale und legt an Kraft zu. Und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass Es nicht nett ist. Jetzt gibt’s Stress für die Besatzung. Unter allen Umständen müssen die Quarantänevorschriften an Bord eingehalten werden. Sowas wie Alien. Richtig spannend. Es gibt im Laufe des Films einen „Au-Backe!“-Effekt, ich sage nicht wo, um nichts vorweg zu nehmen.

7. Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (D 1981)

Natja Brunckhorst verkörpert die heroinabhängige Christiane F., deren berühmter Report Wir Kinder vom Bahnhof Zoo ein eindrückliches Zeugnis ablegt für den persönlichen und körperlichen Verfall junger Drogenabhängiger. Der Film fängt das Drama der 13-Jährigen in teils schockierenden Bildern ein: Ein Kiefernholzschrank ausgestellt in einem Schaukasten in der schäbigen Bahnhofshalle, hell ausgeleuchtet und gedacht für ein schönes Zuhause, das Christiane und ihr ebenfalls abhängiger Freund Detlef (Thomas Haustein) nicht haben. Die beiden sind verlorene Seelen in der Ödnis vom Bahnhof Zoo. Die Kamera fängt diese Atmosphäre authentisch ein. Christiane himmelt im Konzert David Bowie an, danach setzt sie sich den ersten Schuss: „Ich hab’ das unter Kontrolle“, sagt sie, doch ihr Weg in die fatale Heroinabhängigkeit ist dramatisch und unaufhaltsam. Christianes Tag ist bestimmt von ihrer ersten Liebe zu Detlef, der Heroinsucht und Prostitution zur Finanzierung der Droge. Die Bilder ihres kalten Entzugs mit Detlef sind heftig. Der Film erschüttert, kann aber aus Zeitgründen nicht ausreichend in die Tiefe gehen und Hintergründe beleuchten. Ich vermag ausdrücklich nicht zu beurteilen, inwieweit der Film einen abschreckenden oder möglicherweise nicht abschreckenden Effekt auf junge Zuschauer hat. Es gibt offenbar kontroverse Meinungen dazu, insbesondere dahingehend, dass der Film von Uli Edel und Bernd Eichinger Christiane zu einer gewissen Heldin stilisiere. Einige fotografische Eindrücke der Gropiusstadt, in der Christiane lebte, habe ich kürzlich im Beitrag Die Gropiusstadt in Berlin veröffentlicht.

8. Der letzte Countdown (USA 1980)

Das amerikanische Trauma Pearl Habor spielt eine zentrale Rolle in diesem Science-Fiction-Kriegsfilm. Kirk Douglas kommandiert auf dem Flugzeugträger USS Nimitz ein Flottenmanöver unweit von Pearl Habor. An Bord ist auch Systemanalytiker Martin Sheen. Die Nimitz gerät in ein eigenartiges Wetterphänomen mit Lichterscheinungen. Danach stellt die Mannschaft anhand eindeutiger Belege fest, dass sie sich im Jahr 1941 mitten im Zweiten Weltkrieg befinden, genau einen Tag vor dem Angriff der Japaner auf Pearl Habor am 7. Dezember. Douglas bläst – na klar – zum Angriff, um Pearl Harbor nicht ungeschehen zu machen, aber siegreich aus dem Gefecht hervorzugehen. Na, ob dies gelingt? Natürlich patriotisch und beinahe lachhaft, aber der Film hat was und wenn nicht, ist er allein deshalb sehenswert: Die bombastischen (das scheint mir das richtige Wort) Panavision-Aufnahmen vom Geschehen auf einem Flugzeugträger, den Starts und Landungen der Flugzeuge, sind eindrucksvoll. Ein Werbeclip für die Navy mit Reportage-Effekt. Übrigens: Die USS Nimitz steht noch immer im Dienst. 

9. Hello World (Japan 2019)

Ich glaube, das ist der erste japanische Anime-Film, den ich seit Captain Future gesehen habe. Beim Titel musste ich ich an die Webbausteine HTML – HEAD – BODY – Hello World denken, was nicht abwegig ist: Kyoto im Jahre 2027. Der schüchterne Naomi hat Schwierigkeiten im Kontakt mit seinen Mitschülern und lebt in der Welt seiner Bücher. Die Regierung sammelt sämtliches Zeitgeschehen der Stadt und seiner Bewohner und speichert die Daten in einem Quantencomputer namens Alltale. Eines Tages erscheint Naomi auf magische Weise sein zehn Jahre älteres Ich. Der Erwachsene hat Alltale gehackt und trainiert nun sein jüngeres Ich im Umgang mit einem besonderen Handschuh, mit dem sich Materie formen und beeinflussen lässt. Naomis Alter Ego hat eine dringende Mission Mitschülerin Ruri betreffend. Dazu muss Naomi eine Beziehung zu ihr aufbauen, was ihm nicht leichtfällt, doch beide lieben Bücher. Hat mir überraschend gut gefallen: Science-Fiction mit Zeitreise-Thema, die Art der Animation, die Geschichte. Zum Ende hin gibt es schnellere, üppigere, bunte Bilder. Erinnert an Inception und Matrix und die Sache mit dem Raum-Zeit-Kontinuum aus Zurück in die Zukunft

10. Rampage – Big meets Bigger (USA 2018)

Oh Mann, der Dwayne kann einfach alles! Diesmal ist er Primatenforscher und Affenflüsterer. Nachdem Genmaterial einer mutierten Laborratte aus einer Forschungsstation im All auf die Erde gelangt, wird Dwayne Johnsons Gorilla George plötzlich ein bisschen größer und böser. Der Affe türmt nach Chicago und trifft dort auf ein weiteres Riesenmonster. Zusammen zerlegen sie die Stadt inklusive Sears Tower. Wow, dieses Komplettdesaster liegt irgendwo zwischen King Kong und Godzilla. Naomie Harris steht dem Dwayne zur Seite, der seinen Gorilla retten will. Natürlich kann Primatenforscher Dwayne Hubschrauber fliegen. Einfach, weil er’s kann! Der Dwayne sorgt hiermit für den nächsten Amusement-Kracher.

11. Widows – Tödliche Witwen (USA/GB 2018)

Müssen die Frauen mal wieder richten, was ihre Männer verpatzt haben. Das ist bei Kriminellen nicht anders, nur dass in diesem Fall die Bande bei einem verpeilten Coup draufgegangen ist und obendrein Schulden hinterlassen hat. Und so sehen sich die Witwen Viola Davis, Elisabeth Debicki, Cynthia Erivo und Michelle Rodriguez gezwungen, den Bruch zu begehen, zu dem ihre Kerle nicht mehr gekommen sind. Liam Neeson und Colin Farrell in einem Film, beide miese Typen. Von beiden sehe ich mir praktisch alles an, aber lieber in eigenen Filmen, so komme ich nicht in Konflikt. Obwohl, sie haben nur eine gemeinsame Szene, und so gern ich Filme mit Neeson ansehe, Farrell berührt mich ungleich stärker. Hier spielt er einen Politiker, der für anstehende Wahlen kandidiert und in die Fußstapfen seines herrischen Vaters tritt. Er hält eine Rede vor Bürgern und eine noch bemerkenswertere Schimpftirade anschließend im Auto, wirkungsvoll, weil nur seine Stimme zu hören ist, während man partiell das fahrende Auto und die vorbeiziehende Umgebung sieht. Insgesamt fand ich den Thriller etwas langatmig und nicht spannend genug, dabei sorgt Neeson für einen echten Überraschungsmoment. Erneut aber ragt (für mich) Colin Farrell in seiner Darstellung eines abgründigen Charakters heraus.

12. Paris, Texas (D/F 1984)

Hurra, so gehen Kinobilder, so erzeugt man Stimmung! Der verstört wirkende Harry Dean Stanton wird in der texanischen Wüste von seinem Bruder Dean Stockwell aufgegabelt. Vier Jahre war er verschwunden und spricht zunächst nicht. Sein kleiner Sohn Hunter (Hunter Carson) blieb in der Obhut des Bruders und dessen Frau. Stanton nähert sich seinem Kind wieder an und macht sich mit ihm in einem 1958er Ford Ranchero auf den Weg, seine große Liebe und Mutter von Hunter, Jane (Nastassja Kinski), wiederzufinden. Wim Wenders folgt den beiden in sorgfältig komponierten Bildern voll erzählerischer Kraft. Ein melancholisches Roadmovie mit zwei ausdrucksstarken Hauptdarstellern und einer geheimnisvollen Nastassja Kinski.

13. Battleship (USA 2012)

Das ist der zweite Science-Fiction-Quasi-Kriegsfilm, den ich angesehen habe. Aber nur, weil Admiral Liam Neeson das Kommando über den Zerstörer hat und ein internationales Manöver vor der Küste Hawaiis anführt. Er hat Offizier Taylor Kitsch auf dem Kieker, der ausgerechnet des Admirals Tochter Brooklyn Decker heiraten will. Und weil man zuvor Botschaften ins All geschickt hat in der Hoffnung, auf intelligentes Leben zu stoßen, gibt es jetzt die Quittung: Der Flotte plumpst ein riesiges außerirdisches Raumschiff vor den Bug. Bestückt mit unfassbar zerstörerischen Waffen nietet es ein Schiff nach dem anderen in die ewigen Meeresgründe. Eine einzige patriotische Schlachtenorgie, die ich nur schwer und mit Aufmerksamkeitsdefiziten durchgehalten habe. Nah dran am Trash. Obwohl Neeson das Format für einen Admiral mitbringt, ist das der zweite Neeson-Film, der von meiner Festplatte fliegt. Sorry.

14. Djam (F/Griechenland/Türkei 2017)

Einblick in eine fremde (Musik)Kultur: Djam (Daphné Patakia) lebt bei ihrem Stiefvater Kakourgos (Simon Abkarian) auf Lesbos, ihre Mutter ist bereits verstorben. Griechenland ist wirtschaftlich geschwächt, die Flüchtlingskrise hat der Insel Lesbos zugesetzt, die Touristen bleiben aus. Kakourgos’ Ausflugsschiff liegt nicht allein deshalb im Hafen: Er schickt Djam nach Istanbul, um dort eine neue Pleuelstange für das Boot schmieden zu lassen. In der Türkei trifft Djam auf die Französin Avril (Maryne Cayon), die in der Flüchtlingshilfe arbeiten wollte und ausgeraubt worden ist. Die beiden setzen ihren Weg gemeinsam fort und haben einige Widrigkeiten zu bestehen. Djam ist, wie ihre Mutter, eine talentierte Rembetiko-Sängerin und Tänzerin. Rembetiko ist ein Musikstil mit griechischen und türkischen Einflüssen. Diese von Sehnsucht und Weltschmerz getragene Musik prägt den Film und begleitet die beiden jungen Frauen. Ein Roadmovie zu Fuß (die Bahn streikt) in melancholischer Grundstimmung mit Anklängen von „Spiel Bouzouki“ und der Wehmut von „Griechischer Wein“.

Und außerdem:

  • Das krumme Haus (USA/GB 2017)
  • Nach eigenen Regeln (USA 1996)
  • Psycho (USA 1998)
  • Jagd auf einen Unsichtbaren (USA 1992)
  • Zu guter Letzt (USA 2017)